Strauss Genealogie


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2551 Grolmans Eltern waren der hessische Geheimrat Adolf Ludwig Grolman (1722–1795) und seine Frau, Anna Sophie, geborene von Rauen (1744–1827). Grolman immatrikulierte sich am 25. September 1791 als Student der Rechtswissenschaft an der Universität Gießen. Später wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. In Gießen wurde er Mitglied des Harmonistenordens und des Corps Franconia (1792).[1] Grolman promovierte 1795 an der Universität Gießen.[2]

1798 wurde er in Gießen außerordentlicher Professor und 1800 ordentlicher Professor für Rechtswissenschaft.

Als die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt 1803 im Zuge der Auflösung des Alten Reichs eine erste Charge neuer Territorien erhielt, wurde es zur dringenden Aufgabe, die alten und neuen Territorien zu integrieren. Mitglied der dazu eingerichteten Gesetzgebungskommission war auch Grolman. 1804 wurde er Richter am Oberappellationsgericht Darmstadt[3], 1808 erhielt er die dritte ordentliche Rechtsprofessur an der Landesuniversität in Gießen.[4] Ebenfalls 1808 erklärte Großherzog Ludewig I. den Code Napoléon in seinem Großherzogtum einführen zu wollen.[5] Grolman bildete zusammen mit Heinrich Karl Jaup eine Kommission, die bewerten sollte, wie das praktisch umgesetzt werden könne. Sie vertraten die Auffassung, den Code Civil komplett zu übernehmen, zuvor aber die Rechtsverhältnisse anzupassen, damit das funktioniere. Dazu beteiligten sie sich an der Gießener Konferenz. Das Projekt scheiterte aber an politischen Widerständen und dem Untergang Napoleon Bonapartes. Von 1810 bis 1812 amtierte Grolman als Rektor der Universität, von 1815 bis 1820 als Universitätskanzler. Seit 1816 war er Vorsitzender der Gesetzgebungskommission des Großherzogtums Hessen.[6] Er war wesentlich am Entwurf der Verfassung vom 18. März 1820 und der überarbeiteten, dann endgültig angenommenen Verfassung des Großherzogtums Hessen vom 17. Dezember 1820 beteiligt, ebenso daran, die rechtlichen Grundlagen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung im Großherzogtum Hessen 1821[7] zu schaffen.[8] 1818 wurde er erster Präsident des Provisorischen Kassations- und Revisionsgerichtshof für die Provinz Rheinhessen mit Sitz in Darmstadt.[9] Seit 1819 war er Mitglied des Staatsministeriums und löste faktisch den schwer erkrankten Friedrich August von Lichtenberg ab, der noch im gleichen Jahr starb. Seit 1820 trug Grolman auch den Titel „Staatsminister“, war für die Bereiche des Innern und der Justiz zuständig, fungierte tatsächlich aber auch als Chef-Minister. Dem trug die formale Ernennung zum Präsidenten des Gesamt-Ministeriums (Ministerpräsident) 1821 Rechnung. 1823 wurde er zusätzlich Präsident des Staatsrats.[10]

1801 erhielt er den Titel Geheimrat, 1819 den Titel eines Wirklichen Geheimen Rats und 1812 wurde er geadelt.[1

Zeitlebens galt er als guter Freund, aber wissenschaftlicher Kontrahent Paul von Feuerbachs, da Grolman die Theorie des psychologischen Zwanges im Strafrecht ablehnte.

Er heiratete am 1. April 1798 Emilie Katharina Maria Sophie van de Wall (1775–1828). Das Paar hatte fünf Söhne und fünf Töchter, von denen zwei Söhne und eine Tochter jung starben.

August von Grolman (1805–1848), Professor der Rechte in Gießen
Eduard von Grolman (1812–1890), Großherzoglich hessischer Generalleutnant und Kriegsminister
Wilhelmine ⚭ Friedrich Christian Gustav von Hombergk zu Vach (1791–1858), Präsident des Hofgerichts Darmstadt
 
VON GROLMANN, Karl Ludwig Wilhelm (I6311)
 
2552 Großmutter aus der vierten unehelichen Verbindung ihres Sohnes EDUARD I. von GREGOR, der 964-996 Abt von EINSIEDELN wird VON GAINAS, Heilige Heilige Ealhswith (Heilige) (I2052)
 
2553 gründet am 26.02.1824 die Hettenbach-Stiftung; Grossmeister; Freund von JOHANN HEINRICH HENKING:
Der Vater, JOHANN ENGELHARD HETTENBACH, geboren am 28. Oktober 1710 in Handschuhsheim bei Heidelberg, war Vorstand einer ´angesehenen Heidelberger Handwerkerfamilie`, Weißgerber, genauso wie dessen Vater GEORG HIERONYMUS HETTENBACH (1676-1749) und Großvater HIERONYMUS HETTENBACH (vor 1632 - ?), der die MACK´sche Mühle in Ziegelhausen gekauft hatte. Außerdem war JOHANN ENGELHARD HETTENBACH Stadtverordneter.
Die Mutter MARIA BARBARA KELLER, am 22. November 1711 in Heidelberg geboren, ist eine Tochter von dem Nadler JOHANN JACOB KELLER, der 1744 gemeinsam mit seinem Sohn MICHAEL sein Bürgerrecht in Zürich erneuert, und seiner Frau ANNA CHRISTINA SCHELLER.
Der Großvater von MARIA BARBARA KELLER ist CHRISTOPH KELLER, im Juli 1644 in Zürich geboren, ein Nadler und Handelsmann und seine Frau, die Großmutter ist BARBARA REUTLINGER, ebenfalls in Zürich geboren und zwar am 12. August 1638, eine Dienstmagd und „nach 1680“ gestorben.

Das Elternhaus von JOHANN GEORG HETTENBACH stand in der Stadt (Heidelberg), die Gerberei aber im Siebenmühlental bei Handschuhsheim /Heidelberg.
In den städtischen Sammlungen des kurpfälzischen Museums in Heidelberg hängt heute noch im Lapidarium ein Stein an der Wand (wohl Nr. 8), der die Inschrift trägt: „… HAD … ERBAVT GEORG /HIERONIMUS HETTEBACH 1719 /RENNOFYRT 1749 /JOHANN ENGELHART HETTEBACH /MARIA BARBARA HETTEBACHIN.“
Alle Großbuchstaben N sind spiegelbildlich gehauen. Unter der Inschrift ist das historische Weißgerberzeichen angeordnet: Die beiden sich diagonal kreuzenden Werkzeuge für die Hautbearbeitung auf dem Schabebaum. Der Stein soll vom Siebenmühlental bei Handschuhsheim bei Abbruch des Hauses hierhergebracht worden sein.
Der spätere Legatsstifter JOHANN GEORG HETTENBACH wurde als sechstes Kind geboren. Insgesamt hatte er 8 Geschwister, darunter mit den Kindern 2 und 3, sowie 8 und 9 Zwillinge.
Mit Prof. DANIEL WILHELM NEBEL, einem deutschen Mediziner und Chemiker, sowie Rektor der Universität Heidelberg , heiratete eine prominente Persönlichkeit aus angesehenster Familie, zuerst MARIA CHRISTINA HETTENBACH, also Kind 2 und zu einem späteren Zeitpunkt mit KATHARINA ELISABETH HETTENBACH, Kind 9 und wurde sozusagen „Doppelschwager“ von JOHANN GEORG HETTENBACH.
JOHANN GEORG HETTENBACH und sein „Spezial-Freund“ JOHANN HEINRICH HENKING, Hofapotheker und Medizinalrat, ebenso in Heidelberg geboren wie Hettenbach krönten ihre besondere Beziehung durch folgendes Versprechen: „Diese beiden hatten sich gelobt ihre Kinder miteinander zu verehelichen, so dass der älteste HENKING, die älteste HETTENBACH, der jüngste die jüngste Tochter heimführe, was auch seinerzeit geschehen, aber leider nicht ganz gut ausgefallen ist.“
AUS ´Lebensbilder` CARL HEINZ FERDINAND HENKING, Schwiegersohn von JOHANN GEORG HETTENBACH.
- HENRIKA HETTENBACH heiratete 1801 CARL PHILIPP JOSEF HENKING (Stifter des Henking Legats)
- ADRANE WILHELMINE HETTENBACH heiratete 1816 CARL HEINRICH FERDINAND HENKING

JOHANN GEORG HETTENBACH zog nach St. Gallen und wird 1795 eingebürgert.
„Er kam zuerst als Commis unter vorteilhaften Bedingungen in das Haus ´GONZENBACH und BINDER`. Bei der Trennung der Handlung trat er als leitender Teilnehmer an die Spitze des Hauses ´BINDER`, entwickelte aber wenige Jahre später eine eigene Handlung, welche er in günstigen und ungünstigen Zeiten mit Geling und Glück leitete.“ Jahrbuch St. Gallen 1823 S. 80

09.10.48 St. Gallisches Staatsarchiv
Adressbuch von 1812
Unter Musselin Handlungen und Fabrikationen:
HETTENBACH&CO, Webergasse 12
hinten im Adressbuch: Stadtplan von 1809
Das Haus Moosbrückstraße 4 ist verzeichnet unter No 1219 (258). Der Bewohner ist nicht verzeichnet.

Adressbuch von 1844
Hettenbach, Kaufmann, wohnt Haus No. 322b
Hetenbach gesch. Henking wohnt Haus No. 109 b. Ein Plan dazu fehlt.

Als Mousseline-Kaufmann und -Fabrikant war HETTENBACH in der Webergasse 12 tätig.
Er heiratete im Alter von 33 Jahren am 07.04.1780 SARA KUNKLER (1745-1793) , Tochter des HANS JACOB KUNKLER aus St. Gallen und der ELISABETHA ZOLLIKOFER, sowie Enkelin des CASPAR ERASMUS KUNKLER, und bekam mit Ihr drei Kinder, HENRIKA(1781-1867), DAVID(1783-1868) und LOUISE HETTENBACH (1785-1790). Louise wurde nur fünf Jahre alt.
Quelle: Stadtarchiv St. Gallen

1785, zu dem Zeitpunkt war er 38 Jahre alt, trat er in das St. Galler Bürgerrecht ein. Am 08.03.1793 starb seine Frau SARA KUNKLER.
Sieben Monate nach dem Tod seiner ersten Frau, im Alter von 46 Jahren, heiratete JOHANN GEORG HETTENBACH ein zweites Mal, die um ungefähr 19 Jahre jüngere ANNA WARTMANN.
Seine zweite Frau, ANNA WARTMANN (1766-1842) ist aus St. Gallen, Tochter des Medizinstud., Dr. phisicus und 1786 Grossmeisters einer Freimaurerloge BERNHARD WARTMANN und dessen Frau MARGARETHA SCHLUMPF, Tochter des Bürgermeisters von St. Gallen HEINRICH SCHLUMPF. Der Grossvater väterlicherseits von ANNA WARTMANN ist Georg Wartmann.
JOHANN GEORG HETTENBACH bekommt von seiner zweiten Frau zwei weitere Kinder, MARGARETHE LOUISA(1795-1875) und ADRIANE WILHELMINE HETTENBACH(1797-1875).
Die ältesten und jüngsten HENKING und HETTENBACH Kinder fügten sich der „Gelobung“ der Väter und heirateten.
JOHANN GEORG HETTENBACH arbeitete „bis sein vorgerücktes Alter und die täglich mehrenden Hemmungen des Handelns ihn bestimmten, sich zurück zu ziehen und den Abend seines Lebens im Genusse, durch Tätigkeit verdienter Ruhe zu zubringen.“ Jahrbuch St. Gallen 1823 S. 80
Gemäss einer Archivangabe gehörte er, als er starb, mit einem Vermögen von 184'247 Gulden zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt St. Gallen.

Am 25.02.1824, ca. ein Jahr bevor er stirbt, stiftete er das JOHANN GEORG HETTENBACH Familienlegat für seine VIER KINDER (Louise aus erster Ehe ist klein gestorben) UND ALLE Nachfahren, welches er mit aufgerundet 10 Prozent, das waren 20.000 Gulden, seines Vermögens ausstattete.
„So wie ich durch Stiftung dieses Legates die Wohlfahrt meiner Nachkommen zu befestigen wünsche, und hiermit den Beweis meines Wohlwollens den spätesten Gliedern meiner Familie zu überliefern bedacht bin, so ermahne ich auch dieselben väterlich sich von dem Wege des Fleisses, der Sparsamkeit, der Friedensliebe und Eintracht nie zu entfernen;“ aus der Stiftungs-Urkunde
Am 10. Januar 1825 verstarb HETTENBACH mit 77 Jahren in St. Gallen.

Staatsarchiv St. Gallen W 177 Familie HETTENBACH von St.Gallen
Familie HETTENBACHvon Heidelberg, DEU, in St.Gallen eingebürgert 1795.
Der Nachlass wurde dem Staatsarchiv um 1960 aus Familienbesitz MAYER-HENKING übergeben.
Staatsarchiv: W 177 / 1 Dokumentation zur Familie HETTENBACH; Angaben zum Stammbaum, Aktenverzeichnis zum Nachlass, Archivauszüge
Staatsarchiv: W 177 / 2 Wasserleitung vom Brunnen im grossen Klosterhof zur Liegenschaft HETTENBACH an der Moosbrugg/Akten zum Streit um die Wasserleitung mit Transkriptionen
Staatsarchiv: W 177 / 3 JOHANN GEORG HETTENBACH: Testament mit mehreren Nachträgen / und Traskriptionen; JOHANN GEORG HETTENBACH von Heidelberg (1766-1825) war Mousseline-Kaufmann und -Fabrikant an der Webergasse in St.Gallen. Er war in erster Ehe mit SARA KUNKLER (1745-1793) und in zweiter Ehe mit ANNA WARTMANN (1766-1842) verheiratet.
Staatsarchiv: W 177 / 4 Übersicht über die Erbmasse des JOHANN GEORG HETTENBACH; Zusammenstellung des bedeutenden, in Pfandbriefen angelegten Vermögens, der Handelspartner in Verona, Palermo und Augsburg und der Liegenschaften, unterschrieben von allen Erben. Mit einem Vermögen von 184'247 Gulden gehörte HETTENBACH zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt.
 
HETTENBACH, Johann Georg (I264)
 
2554 gründete 1691 in Bochum die erste, heute noch bestehende sog. „Alte Apotheke“ SEVERIN, Georg Heinrich (I44328)
 
2555 GrunerBE

Regimentsfähige Burgerfam. der Stadt Bern, ursprünglich aus Zwickau (Sachsen), später in Seengen ansässig. Als Stammvater gilt Johannes (1568), Konventual der Johanniterkomturei Küsnacht, der ab 1534 Pfarrer in Seengen war und dessen Enkel zwischen 1591 und 1629 ins Burgerrecht der Stadt Bern aufgenommen wurden. Die G. gehörten versch. Zünften an, u.a. derjenigen der Schuhmacher, Obergerber und Kaufleute. Politisch war die Familie unbedeutend. Eine Sonderstellung nahmen die G. zu Worblaufen als Bankiers, Händler und Papierfabrikanten ein. Sie gehen zurück auf David (->), Besitzer der Mühlen Worblaufen und Zu Thal, der die Malacrida-Bank übernahm. Sein Sohn Samuel (1715-97) führte Familienbank, Leinwandhandel und Papiermühlen weiter und absolvierte eine beachtl. Ämterlaufbahn. Das Papierunternehmen wurde schliesslich 1863 verkauft, nachdem der Sprung ins industrielle Zeitalter nicht gelungen war. Aus der Worblaufer Linie stammte auch der Bergwerksingenieur Johann Samuel (->). Unter den Geistlichen und Gelehrten ragt Johann Rudolf (->), Dekan in Burgdorf und Verfasser der Gruner'schen Genealogien, hervor. Seine Söhne Johann Rudolf (1707-78), Pfarrer in Sigriswil und Orientalist, sowie Gottlieb Sigmund (->), Jurist, Aufklärer und Geologe bzw. Mineraloge, waren Wissenschaftler wie auch der Enkel Gottlieb (->), Pfarrer in Zimmerwald, der als Ökonom und Botaniker wirkte. Emmanuel-Louis (1809-83) aus Worblaufen wurde Prof. für Metallurgie in Paris und Generalinspekor der franz. Bergwerke. Er begründete den in Frankreich ansässigen, in Bern noch verburgerten Zweig der Familie, dem auch der Medizinprof. und Genealoge Jean Emmanuel (geb. 1909) angehört. Paul (->) war Prof. für theoret. Physik in Bern, Erich (->) Prof. für Politikwissenschaft an derselben Universität. Die Familie umfasst auch Künstler und Kunsthandwerker, so den Porträtmaler Johann (1711-70, Sohn des Dekans in Burgdorf), den Graveur Jakob Friedrich Samuel (1803-88) und die Malerin Ida (1867-1949). 
N., N. (I41448)
 
2556 Gudensberg liegt am äußersten Südostzipfel des Naturparks Habichtswald etwa 20 km südlich von Kassel und zehn Kilometer nordöstlich von Fritzlar (Entfernungen jeweils Luftlinie).
Nach Oberurff, wo es seit 1953 ein Internat des CJD gibt, bei Bad Zwesten sind es 27,2km. 
FISCHER, N. (I930)
 
2557 Guido war der Sohn des Markgrafen und Herzogs Wido I. bzw. Guido I. von Spoleto und seiner Ehefrau Itana, vermutlich einer Tochter des Herzogs Siko von Benevent. Sein älterer Bruder Lambert I. war Herzog von Spoleto 850–871 und 875–879 und kämpfte gegen Kaiser Ludwig II., unterhielt aber ein gutes Verhältnis zu dessen Nachfolger Karl II. dem Kahlen. Der Vater Wido I. war mit Kaiser Lothar I. im Jahre 842 nach Italien gekommen und von diesem zum Herzog von Spoleto ernannt worden.
Guido war ab 876 Markgraf von Camerino, dem östlichen Teil des von seinem Vater Wido I. unter seinen Söhnen aufgeteilten Herzogtums Spoleto; er ist in einer Urkunde von Juni 876 als solcher erwähnt. Wohl im Jahre 879 heiratete er Ageltrude, Tochter des Fürsten und Herzogs Adelchis von Benevent, und erneuerte auf diese Weise die politische Verbindung zum zweiten langobardischen Staate in Mittel- und Süditalien. Er und sein Bruder unterstützten 876/877 Papst Johannes VIII. im Kampf gegen die Araber in Kampanien im Rahmen eines Bündnisses mehrerer, aber nicht aller süditalienischen Kleinstaaten gegen die Invasoren. Spürbare Erfolge zeigten sich jedoch nicht.

Als die westfränkische Bischofssynode von Ponthion am 16. Juli 877 nach dem Tode Karls des Kahlen die Oberherrschaft des Papstes über Spoleto anerkannte, wandte sich Lambert I. gegen Johannes VIII., eroberte Rom und nahm den Papst im März 878 gefangen, obwohl er wenig zuvor von diesem adoptiert worden war. Ob Guido daran beteiligt war, ist eher unwahrscheinlich. Als Lambert im Sommer 880 starb, folgte ihm sein Sohn Guido II. (III.) nach. Dieser nahm im Februar 882 zusammen mit seinem Onkel an einer Synode in Ravenna teil, auf der beide dem Papst Treue schworen und versprachen, ihm alle unrechtmäßig erworbenen Ländereien zurückzugeben. Im Jahre zuvor hatte Guido in einem Thronstreit in Benevent eingegriffen, der nach der Ermordung seines Schwiegervaters Adelchis 878 ausgebrochen war, und nahm den Gegner seines Verwandten Radelchis II., Gaideris, gefangen, ließ ihn dann aber nach Konstantinopel entkommen. 
VON SPOLETO, Guido (I39711)
 
2558 Guiscard (guiscard, guiscart) ist die altfranzösische Aussprache von „Wiß-hart“/„Weis-hard“ (bzw. „Fischart“: noch heute im süddeutschen Raum für „Schlauberger“). Die Normannen, ursprünglich aus Norwegen und Dänemark stammend, hatten ihre altgermanischen Namen weiter gepflegt, obwohl sie als neue Herren der Normandie (Nordfrankreich) im Alltag die altfranzösische Sprache übernommen hatten (vgl. Geschichte der Normandie).

Wilhelm von Apulien schrieb: „… sein Name war Guiskard, weil er an Verschlagenheit Cicero und auch Odysseus überlegen war.“
Robert war der sechste Sohn des Tankred von Hauteville, eines Angehörigen des niederen Adels (Valvassor) der westlichen Normandie (heute: Hauteville-la-Guichard bei Coutances). Robert war der erste Sohn der zweiten Frau Tankreds, Frensendis, und damit in der Erbfolge an sechster Stelle positioniert. Obgleich der väterliche Besitz schon 1035 auf den Sohn Gottfried überging, blieb Robert (im Gegensatz zu den älteren Brüdern) bis etwa 1045 in der Normandie. Aus seinen Jugendjahren ist im Prinzip nichts überliefert. Das normannische Herzogtum wurde allerdings in jenen Jahren von blutigen Fehden erschüttert, da der Herzog in Rouen, Wilhelm (später „der Eroberer“ genannt), zum Zeitpunkt seiner Erhebung 1035 noch ein Kind war und um sein Überleben kämpfte. 
GUISKARD, Robert (I39128)
 
2559 Gunnhild Gormsdottir war nach der Historia Norvegiae eine Tochter Gorms des Alten von Dänemark mit Thyra Danebod. Nach der Heimskringla war sie eine Tochter des ansonsten unbekannten Ossur Tote und in Finnmark aufgezogen worden. Die Saga berichtet legendenhaft, dass sie von Männern des Königs Erik Blutaxt in einer Erdhütte in Finnmark gefunden worden sei, wo sie Zauberkünste gelernt habe.

Ihre Ehe mit Erik machte sie zur Königin von Norwegen. Sie wird in den Sagas als grausam, heimtückisch, verräterisch, machthungrig, herrschsüchtig, geldgierig, aufhetzend und zauberkundig beschrieben. Vieles von dem ist kritisch zu sehen, da die Berichte von ihren Gegnern, insbesondere von dem Skalden Egill Skallagrímsson stammen. Sie soll von kleinem Wuchs, aber gutem und vornehmem Aussehen gewesen sein.

Als einer der Hauptzüge Gunnhilds wird genannt, dass sie zauberkundig gewesen sei. Das steht im Zusammenhang mit der Aussage Snorris, sie stamme aus Hålogaland, und ihr Vater sei Ossur Tote gewesen. Sie sei, als sie König Erik getroffen habe, in Finnmarken bei zwei der schlimmsten Zauberer gewesen, die sie dann getötet habe. Andere isländische Quellen nennen den Vater Ossur Lavskjegg, ein Name, der Gunnhild betont mit Finnen[1] und Zauberei in Verbindung bringt. Eines der ältesten Geschichtswerke über Norwegen, das außerdem von den isländischen Traditionen teilweise unabhängig ist, die Histora Norvegiæ, schreibt, dass sie Tochter des dänischen Königs Gorm und damit Schwester von Harald Blauzahn gewesen sei. Fast alle neueren Historiker gehen davon aus, dass dies wohl richtig ist.
Nach dem Tode Eriks in Jórvík (heutiges York) im Jahr 954 hatte sie die Vormundschaft über Harald Gråfell und die übrigen Söhne. Sie zog nach Dänemark und brachte ihren Bruder Harald Blauzahn dazu, sie gegen Håkon den Guten zu unterstützen. Als der besiegt und getötet worden war, übernahmen ihre Söhne die Macht, und sie konnte über ihre Söhne Macht ausüben. Sie wurde die „Königsmutter“, so dass die Söhne „Gunnhilds-Söhne“ genannt wurden. Als mehrere von ihnen getötet worden waren, musste sie wieder außer Landes gehen und zog auf die Orkneys, wo eine ihrer Töchter mit dem Jarl Arnfinn Thorfinnsson verheiratet war.

Wie alt Gunnhild wurde und wo sie gestorben ist, ist unbekannt. Aber im Jahre 970 soll sie noch gelebt haben.

Das wenige, das wir von Erik Blutaxt und seinen Söhnen wissen, lässt den Schluss zu, dass sie wahrscheinlich zu Beginn des 10. Jahrhunderts geboren wurde. Wahrscheinlich folgte sie Erik bei seiner Vertreibung aus Norwegen ins Ausland und kehrte auch mit den Erikssöhnen zurück. Nach der Ágrip und nach Theodricus Monachus in der Historia de antiquitate regum Norwagiensium wurde sie von den Männern des dänischen Königs getötet und als Zauberin in einem Moor versenkt. Das ist unwahrscheinlich. Wo sie starb, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich war es auf den Orkneys, denn sie hatte eine Tochter, die mit dem Sohn des damaligen Orkneyjarls verheiratet war. Nach der Niederlage der Erikssöhne dürfte sie 970 dorthin gereist und auch dort gestorben sein.[2] 
GORMSDOTTIR, Gunnhild (I37251)
 
2560 Gunthar stammte als Sohn des friesischen Grafen Gerulfs aus einer bedeutenden fränkischen Adelsfamilie. Er war verwandt mit Hilduin von Saint-Denis, seinem vermutlichen Vorgänger auf dem Kölner Erzbischofsstuhl. Zugleich war er Kanzler für Lothringen.[2] In der Heiligen Schrift bewandert, kannte er sich auch in den Canones aus, so dass er später die Schriftsätze für die Ehescheidung König Lothars II. lieferte. Er hatte Sinn für Literatur und war selbst Verfasser literarischer und theologischer Schriften.

Die Aussagen über seine Person sind gegensätzlich. Die Lorscher Annalen nennen ihn von der Glut der Habsucht entbrannt, der wegen seines Pomps und seiner Verwandten das Gut der Bischofskirche verschleudere. Abt Regino von Prüm nennt ihn leichtfertig. Auf der anderen Seite betrauert der Kölner Klerus ihn bei seinem Tod als guten Hirten und frommen Lehrer.[3] Ihm wird der Bau des Hildebold-Domes zugeschrieben, der Vorgängerkathedrale des heutigen Kölner Doms.

Er wurde am 22. April oder 8. Mai 850 Erzbischof von Köln.[4] Lange Zeit wehrte er sich dagegen, das Suffraganbistum Bremen an das Erzbistum Hamburg abzutreten, was ihn in Gegensatz zur Kurie in Rom setzte. Zugleich war er Erzcaplan. Beim Friedensschluss der drei fränkischen Könige im Juni 860 in Koblenz war er anwesend. Im gleichen Jahr entschied Papst Nikolaus I. jedoch, dass das Bistum Bremen endgültig an Hamburg abzutreten sei. Gunthar fügte sich schließlich dieser ultimativen Weisung des Papstes.

Nach drei vorangegangenen Synoden in Aachen, die von Gunthar dominiert wurden[5], sprach sich der fränkische Klerus auf der Synode von Metz im März 863 für die Scheidung von König Lothar II. und dessen Frau Theutberga aus und gestattete die neue Vermählung des Königs mit Waldrada. Theologisch wurde die Scheidung von Gunthar begründet. Wegen seiner Fürsprache für die Scheidung des Königs wurde Erzbischof Gunthar zusammen mit Erzbischof Thiergaud von Trier nach Rom geladen. Dort wurden sie im Oktober 863 von Papst Nikolaus I. exkommuniziert und abgesetzt.

Gunther empfand diese Absetzung als unrechtmäßig und antwortete mit wütenden Sendschreiben. Auch danach handelte er weiter als Erzbischof in Köln. Aber er verlor die Unterstützung des Klerus und schließlich auch die des Königs. Dieser setzte mit Hugo, einem Neffen von Karl dem Kahlen, einen neuen Erzbischof ein; dann übernahm Hilduin von Cambrai die Verwaltung des Erzbistums. Gunthar ging Ende 864 auf Kosten der Kölner Kirchenschätze erneut auf eine Reise nach Rom, wo er aber weiter erfolglos blieb. Am 15. Januar 866 bestätigte Lothar II. die von Gunthar mit Zustimmung des Klerus zusammengestellte Güterumschreibung[6], die erstmals eine eigenständige Klerikergemeinschaft neben dem Erzbischof erkennen lässt.[7]

Nach dem Tod von Papst Nikolaus reiste er 867 erneut nach Rom. 869 wurde dann der Bann durch Papst Hadrian II. aufgehoben, Gunthar wurde aber nicht wieder in sein Amt eingesetzt.[8] Er regte die Wahl seines Nachfolgers Willibert zum neuen Erzbischof an. 
VON KÖLN, Gunthar (I39324)
 
2561 Günther stammte aus dem Haus Wettin und war ein Sohn des Gero von Brehna und der Bertha von Schwarzburg. Nachdem er 1079 zum Bischof von Naumburg gewählt war, wurde er von Hartwig von Spanheim für sein Amt ordiniert. Damit waren die Wettiner in ihrer Vogtei stärker verankert. Die Festigung des Herrschaftsbereiches der Wettiner, auf der Seite von Rudolf von Rheinfelden, veranlasste Heinrich IV. 1080 Günther aus seinem Bistum zu verdrängen. Dies schlug fehl, da durch die Schlacht bei Hohenmölsen Heinrich von seinen Bemühungen abließ.

Dafür beteiligt sich Günther an den Verhandlungen in Gerstungen und 1085 in Berka, wo man unter der Führung des Gegenkönigs Hermann von Salm den Bannfluch gegen Heinrich erneuerte. Heinrich reagierte auf die Synode indem er die Teilnehmer exkommunizierte und absetzte. So wurde auch in Naumburg ein Gegenbischof aufgestellt, dessen Name sich jedoch nicht erschließen lässt. Im Jahr 1088 einigten sich die Wettiner mit Heinrich IV. Dies kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass Günther aus der Hand des Kaisers 158 Hufen in der Gegend von Helfta und Schafstedt südöstlich von Eisleben erhielt.

Somit nahm er im Sommer 1088 am Fürstengericht in Quedlinburg teil, wo Ekbert II. von Meißen als schuldig befunden wurde, gegen Heinrich IV. vorgegangen zu sein. Durch jene Neuaufteilung erlangten die Wettiner einen größeren Einfluss, auch verstärkt durch die geistliche Verbindung mit Werner von Wolkenburg dem Merseburger Bischof. Versuche, seinen Vetter Friedrich, dem Abt von Gosseck nach seinem Tod in das Amt zu verhelfen, verpufften am Widerstand des Kaisers. 
VON BREHNA, Günther (I39670)
 
2562 Gunther, Sohn des Grafen Ekkehard von Merseburg, wurde von König Otto I. im Jahre 965 mit der Mark Merseburg belehnt. Das wird aufgrund einer Bezeichnung Gunthers als Markgraf in der Gründungsurkunde des Erzbistums Magdeburg angenommen. Die Zuordnung einer Mark Merseburg erfolgt nach einer Urkunde Ottos II., in der er der Merseburger Kirche Zwenkau und einen dazugehörenden Forst in der Grafschaft des Grafen Gunther schenkte.

Gunther kämpfte 966 in Ottos I. Auftrag in Kalabrien gegen Byzanz.

Nachdem er sich in den Jahren 974 bis 976 an den Aufständen Heinrichs des Zänkers gegen König Otto II. beteiligt hatte, wurde er 976 seiner Markgrafschaft enthoben; mit seinem Sohn Ekkehard von Meißen ging er in die Verbannung. Thietmar von Merseburg zufolge versöhnte er sich 981 mit dem Kaiser. Deshalb wird angenommen, er sei nach dem Tode Thietmars I. erneut in die Markgrafschaft Meißen eingesetzt worden.

Nach dem Tode des Markgrafen Wigger I. im Jahre 981 soll Gunther auch die Herrschaft über die Mark Zeitz erhalten haben, weil die Markgrafschaft anderenfalls vakant gewesen wäre.

Als Teilnehmer am Italienzug Ottos II. gegen die Sarazenen unter Emir Abu al-Qasim kam er am 13. Juli 982 in der Schlacht am Kap Colonna in Kalabrien ums Leben.  
VON MERSEBURG, Gunther (I36258)
 
2563 Guntram folgte seinem Vater nach dessen Tod 834 als Graf im Wormsgau, starb aber schon im Jahre 837, wohl ohne Nachkommen. Ihm folgte sein Bruder Robert der Tapfere, der jedoch 840 ins Westfränkische Reich ging und im Wormsgau von beider Schwager Walaho IV. beerbt wurde. (WORMSGAU), Guntram (I47249)
 
2564 Guntram war der vierte der fünf Söhne aus der Ehe des Königs Chlothar I. und der Königin Ingund(e). Chlothar, einer der Söhne des Reichsgründers Chlodwig I., hatte das Frankenreich, das er 511 mit drei Brüdern geteilt hatte, zuletzt nach dem Tod seiner Brüder unter seiner Herrschaft wiedervereinigt. Als Chlothar 561 starb, waren die beiden ältesten Söhne aus seiner Ehe mit Ingund bereits gestorben; am Leben waren außer Guntram noch zwei weitere Söhne Ingunds, Charibert I. und Sigibert I., sowie deren Halbbruder Chilperich I. aus der späteren Ehe Chlothars mit Ingunds Schwester Arnegunde. VON FRANKEN, Guntram\Guntchramn\Gunthramn (I22678)
 
2565 Gürtler KELLE, Georg (I3716)
 
2566 Gut Kalkofen
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Umbau zum Lustschloss
Karl Billehés älteste Tochter Charlotte hatte den Freiherrn Johann Konrad von Ballhausen geheiratet. Um das Jahr 1666 kam das Anwesen bei einer Erbteilung in seinen Besitz, und er bezog dort seinen Wohnsitz. Am 20. Februar 1671 verkaufte er es gemeinsam mit seinem Sohn für 15.242 Pattakons an den Kupfermeister Gotthard Schardinel II.[18] Nach dem großen Aachener Stadtbrand 1656 verlegte dieser zwar seinen Kupferhof nach Stolberg in der Region Aachen, wo er einen Teil des zerfallenen Dollartshammers kaufte, seinen Wohnsitz beließ er aber auf dem Rittergut.[18] Dies schenkte er 1691 seinem Sohn Gotthard Schardinel III. zu dessen Hochzeit mit Beatrix von Slype. Nach deren Tod stand das Anwesen 1748 zum Verkauf.
...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gut_Kalkofen
https://de.wikipedia.org/wiki/Dollartshammer 
SCHARDINEL, Johannes (I6071)
 
2567 Guy wurde bekannt als Teilnehmer des Albigenserkreuzzuges, in dem er als „Marschall des Kreuzzuges“ oder „Marschall des Glaubens“ (Maréchal de la foi) zu einem der engsten Vertrauten des Kreuzzugsführers, Simon IV. de Montfort, avancierte. Er kämpfte bei den Belagerungen von Béziers (Juni 1209) und Carcassonne (August 1209). Für seinen Einsatz erhielt Guy die Stadt Mirepoix als Lehen übertragen, die am 22. September 1209 eingenommen worden war. Danach kämpfte er auch bei Termes (1210), Lavaur (1211) und Castelnaudary (1211).

Seit der Niederlage bei Beaucaire (1216) gegen den Grafen Raimund VII. von Toulouse gerieten die Kreuzfahrer zunehmend in die Defensive. Im Juni 1218 kämpfte Guy auch bei der Belagerung von Toulouse, bei der Montfort durch ein Katapultgeschoss getötet wurde. 1223 verlor er Mirepoix wieder an seinen früheren Besitzer, Pierre Roger II. de Mirepoix. Mit dem Fall von Carcassonne 1224 war der Kreuzzug faktisch gescheitert.

Danach zog Guy wieder in seine nordfranzösische Heimat, wo er bei König Ludwig VIII. einer der Befürworter eines neuen Kreuzzuges in das Languedoc war. Guy beteiligte sich anschließend 1226 an dem Kreuzzug des Königs, der den Süden unterwarf. Im Vertrag von Meaux-Paris (1229) bekam er Mirepoix zurückerstattet. Die sogenannte Terre du Maréchal wurde dafür aus der Domäne des Grafen von Foix herausgelöst und als ein direktes Kronlehen eingerichtet. Zu seinen Besitzungen sollte auch der Montségur gehören, der aber noch von den Katharern gehalten und erst 1244 erobert und an seinen Sohn übergeben wurde.

Guy de Lévis starb 1233. Er wurde in der von ihm 1196 gegründeten Abtei Notre-Dame-de-la-Roche bei Lévis-Saint-Nom bestattet. Eine Grabstele von ihm ist dort zu sehen.

Guy de Lévis ist der Stammvater der weitverzweigten Familie Lévis-Mirepoix, die im 16. Jahrhundert auch in den französischen Pairsadel aufgestiegen war. Seine bekanntesten Nachkommen waren Gaston Pierre de Lévis, Duc de Mirepoix (* 1699; † 1757), und François-Gaston de Lévis (* 1719; † 1787), beide Marschälle von Frankreich. 
VON LÉVIS, Guy I. (I41521)
 
2568 H. Averdunk, Geschichte der Familie Wintgens, Duisburg 1909, S. 165 f.  BEYER, Antonia ´Toni` (I6216)
 
2569 H. Gerpott, Die Familie Gerpott, München 1980, S. 1, 3
P. Kriedte, Taufgesinnte und großes Kapital, Göttingen 2007, 207 f.

H.C. Scheibler / K. Wülfrath, Westdeutsche Ahnentafeln, Weimar 1939, S. 283:
„Im Jahre 1724 wurde [in Krefeld] ein eigenes Färbehaus errichtet [...]. Die Leitung wurde Johann Heinrich Gerpott übertragen, der auf Veranlassung der Herren von der Leyen in Rotterdam die Seidenfärberei erlernt hatte. Sein Vater, Abraham Gerpott, stammte aus Holland, hatte sich um 1660 in Xanten niedergelassen und war dort Aufseher des Zweigbetriebes der von der Leyen geworden. Die Leitung der Seidenfärberei blieb auch später bei der Familie Gerpott.“ 
GERPOTT, Johann Heinrich (I2819)
 
2570 H.C. Scheibler / K. Wülfrath, Westdeutsche Ahnentafeln, Weimar 1939, S. 290 VON DER LEYEN, Gertrud (I25114)
 
2571 H.C. Scheibler / K. Wülfrath, Westdeutsche Ahnentafeln, Weimar 1939, S. 290 VON LÖVENICH, Isaak (I47900)
 
2572 H.C. Scheibler / K. Wülfrath, Westdeutsche Ahnentafeln, Weimar 1939, S. 436 KLUNCK, Heinrich (I47704)
 
2573 H.C. Scheibler / K. Wülfrath, Westdeutsche Ahnentafeln, Weimar 1939, S. 592 MALLINCKRODT, Gosteke (I47447)
 
2574 H.F. Macco, Geschichte und Genealogie der Familien Peltzer, Aachen 1901, S. 149
J. Gruch, Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland II, Bonn 2013, Nr. 5725
http://www.familienbuch-euregio.de (det=42988)  
NIERSTRASS, Isaak (I24792)
 
2575 H.F. Macco, Geschichte und Genealogie der Familien Peltzer, Aachen 1901, S. 289
B. Koerner, Deutsches Geschlechterbuch 37, Görlitz 1922, S. 228 
WINKELMANN, Maria (I48091)
 
2576 H.F. Macco, Geschichte und Genealogie der Familien Peltzer, Aachen 1901, S. 85 (auch zu den Vorfahren), 187
K. Schleicher, Die Weide, Stolberg 1965, Tafel 2, 5 und 7
F. Willems, Prym. Geschichte und Genealogie, Wiesbaden 1968, S. 28-36 (dito)
A. Blömer, Ahnenliste der Anna Barbara Judith Prym (1767-1839) aus Hottorf, Mönchengladbach 1976, S. 6 (dito) 
PRYM, Wilhelm (I49107)
 
2577 H.L. von Beckerath, Stammbaum von Beckerath nebst Descendenz, Krefeld 1903, S. 116, 176 HOENINGHAUS, Maximilian Emil (I47458)
 
2578 Haas, Die Evangelisch-Reformierte Kirche in Bayern, Neustadt a.d. Aisch 1970, S. 218. Hessische Biografie (www.lagis-hessen.de) zu „Crégut, Jacob“. Wall.-ref. Pfarrer in Hanau 1667/1717, dann emeritiert. CREGUT, Jacques (I12111)
 
2579 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I6722)
 
2580 Hadamut brachte ihm die Halbinsel Istrien als Mitgift zu. VON WEIMAR-ORLAMÜNDE, Graf Graf Poppo I. (I35944)
 
2581 Hadem ist ein Stadtteil von Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein, Nordrhein-Westfalen.

Hilchenbach liegt innerhalb des Siegerlands im Südwestteil des Rothaargebirges. Sein Stadtgebiet grenzt im Süden an Netphen, im Westen an Kreuztal, im Norden an Kirchhundem und im Osten an Erndtebrück.
Hilchenbach besteht aus diesen Stadtteilen:
Allenbach, Dahlbruch, Grund, Hadem, Helberhausen, (Alt-)Hilchenbach, Lützel, Müsen, Oberndorf, Oechelhausen, Ruckersfeld, Vormwald
In den Jahren 1490 und 1547 wütete die Pest in Hilchenbach. Die erste Nennung einer Zollstelle in Hilchenbach erfolgte 1533. 1611 ist die erste urkundliche Erwähnung einer Schule in Hilchenbach zu verzeichnen.

1625 wurde das Dorf Hilchenbach infolge einer Erbteilung zur Residenz von Graf Wilhelm von Nassau-Siegen-Hilchenbach erhoben. Sein Vater hatte 1622 zu diesem Zweck die Hilchenbacher Wasserburg von den Wischel von Langenau erworben, da sich die Ginsburg als baufällig erwiesen hatte.[3] Sie wurde nun nach ihrem neuen Besitzer in Wilhelmsburg umbenannt und bis 1627 baulich erweitert. Diese Entwicklung hob Hilchenbach in der Folge deutlich über die anderen Dörfer seiner Umgebung heraus und prägte auch die Zusammensetzung seiner Bewohnerschaft.

Hilchenbach war 1520–1653 von Hexenverfolgungen betroffen: 21 Frauen und Männer gerieten in Hexenprozesse. Der letzte Hexenprozess fand 1653 statt. Dabei wurden unter dem Vorsitz des Schultheißen Theobald Stalp 18 Personen (14 Frauen und vier Männer) wegen Abgötterei und Zauberei zum Tode verurteilt. Anschließend wurden zehn verbrannt, die restlichen dagegen lediglich enthauptet und zur Erde bestattet, weil sie gütlich ihre Schuld bekannt haben. Opfer der letzten Verbrennung am 28. Juni 1653 wurde Engen, Jacob Steinseifers zu Blittershagen, Wittwe, vulgo die Steinseifersche oder die Klöncksche genannt.  
STÖCKER, Elisabeth (I828)
 
2582 Hadonville-lès-Lachaussée est une commune associée du département de la Meuse, en région Grand Est.
Église Saint-Léger.  
HIRSE, Maguerite (I1333)
 
2583 Haduwy stammte aus einem einflussreichen Adelsgeschlecht. Sie war eine Tochter des Grafen Asig (Esiko) im sächsischen Hessengau, dem Namensgeber der Esikonen, und damit Enkelin des Grafen Ekbert und der heiligen Ida von Herzfeld. Ihr Bruder, Graf Cobbo der Jüngere, folgte seinem Vater Asig als Graf im sächsischen Hessengau.

Nach dem Tod ihres Mannes AMELUNG II., Sohn des BILLUNGERS BENNID I. und Neffe des Grafen COBBO der Ältere, um 849 und ihrer Söhne AMELUNG III. und BENNID II. machte sie dem Kloster Corvey aus ihren Besitzungen in dessen näherer Umgebung im sächsischen Hessengau eine große Stiftung für das Seelenheil der Verstorbenen und trat dann selbst in den geistlichen Stand ein. Nach dem Tod ihrer Tante ADDILA wurde sie deren Nachfolgerin als Äbtissin im Stift Herford.

Ihrem Wirken, und dem ihres Bruders Cobbo, war es zu verdanken, dass im Jahre 860 die Gebeine der HEILIGEN PUSINNA aus deren Einsiedelei Binson („vicus bausionensis“ in der Nähe von Châlons-en-Champagne bei Corbie) in das Stift Herford überführt wurden. Das Stift gewann dadurch erheblich an geistlicher Bedeutung und erhielt später den Namen „St. Marien und Pusinna“. 
VON HERFORD, Haduwy (I18838)
 
2584 Halbschwester von Capar Schlumpf ( 1565-1618) - seine Mutter ist Esther Zollikofer SCHLUMPF, Sabina (I4084)
 
2585 Hallwyl, auch Hallwil oder Hallweil, ist der Name eines Geschlechts des niederen Adels in der Schweiz, das jedoch später wegen seiner Dienste mit dem Titel eines Reichsgrafen im Rang erhöht. Der Ursprung der Familie liegt im Seetal im heutigen Kanton Aargau. Der Stammsitz der Familie ist das Schloss Hallwyl.

Margret von Baldegg, geb. von Hallwyl, quittiert ihren Vettern, die Brüder Rudolf & Konrad von Hallwyl, um den Empfang ihres jährlichen Leibgedings von 33 1/2 Stück für 1429, das ihr von Rüdi Heltschi, der genannten Brüder Amtmann, gänzlich ausbezahlt wurde 
VON HALLWIL, Margareta (I10484)
 
2586 Hallwyl, auch Hallwil oder Hallweil, ist der Name eines schweizerischen Uradelsgeschlechts mit Stammsitz Schloss Hallwyl im Seetal im heutigen Kanton Aargau. Das Geschlecht diente den Habsburgern und wurde später in das Berner Patriziat aufgenommen, nachdem 1415 die Stadt und Republik Bern die Herrschaft im Berner Aargau übernommen hatte. Einzelne Zweige traten in verschiedene ausländische Dienste. 1671 wurde die Familie von Kaiser Leopold I. in den erbländischen Grafenstand erhoben. Der Stammsitz Schloss Hallwyl blieb bis 1994 im Besitz der Familienstiftung. VON HALLWIL, N. (I31964)
 
2587 Hammerschmied, Beruf Hüttenbesitzer, Beruf Rheidtmeister, Beruf Zunftmeister. Ihr Sohn Jacob Flender (* um 1563, + 1620/27) war Hüttenbesitzer und Hammerschmied und betrieb zudem in solchem Maße Handel, dass Böttger ihn den wohl "führenden Industriellen jener Zeit" nennt. Er muß wegen seiner um-fangreichen Tätigkeiten in hohem Ansehen gestanden haben, denn er erhielt zahlreiche Aufträge von seinem Landesherrn, Graf Johann VII von Nassau-Siegen. So lieferte er 12 Zentner Fensterstangen für das Dillenburger Schloß und Rüstungsgegenstände wie Geschütze verschiedener Kaliber. Solche staatlichen Aufträge brachten ihm beträchtliche Summen ein, die ihm wiederum eine Ausweitung seiner Handelsbeziehungen ermöglichten. Aus einem erhaltenen Brief vom 17. April 1619 an seinen Landesherrn, in dem er mit "Jacob Flender vor d(er) Hardt" unterschreibt, geht hervor, dass seine
Kontakte bis nach Danzig reichten. Als Hammerschmied war er auch Mitglied der Zunft der Hammerschmiede und Massenbläser. 1604 wird er zu deren erkorenem Meister (Zunftmeister) gewählt - in Anerkennung für seine führende Tätigkeit. Während seiner Amtszeit wurden alle neu aufgenommenen Zunftbrüder jährlich in das "Handtwercksbuch der Massenbläser undt Hammerschmidtszunfft in undt vor der Statt Siegen" eingetragen.
Aus: "Friedrich Flender vor der Hardt - Ein Kämpfer für Recht und Freiheit des siegerländer Volkes" (Hermann Böttger):
"Unter diesen vier Flenderahnen ist Jacob besonders beachtenswert; man kann ihn ohne Übertreibung als führenden Siegerländer Eisenindustriellen seiner Zeit bezeichnen. Aus den Ausgabeverzeichnissen des landesherrlichen Rentmeisters geht hervor, daß er z.T. zusammen mit Jacob Schleifenbaum vor der Hardt eine beträchtliche Zahl von Geschützen verschiedener Kaliber für den Grafen hergestellt hat, die einen Gesamtwert von rund 672 Gulden hatten, eine für die Wirtschaft jener Zeit erhebliche Summe, entsprach sie doch dem Kauf wert von 112 Kühen...".
Forschungs-Notizen: Urgrossvater des siegerländischen Freiheitskämpfers Friedrich Flender vor der Hardt. 
FLENDER, Jacob (I1129)
 
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2589 Hans Bär, Basler Fähnrich bei Marignano 1515

Basel ist eine Stadt die das kriegerische nicht liebt. So erstaunt es, dass im Zentrum am Rathaus ein monumentales Kriegerdenkmal zu sehen ist. Der dort abgebildete Bannerträger ist Hans Bär, der 1515 in der Schlacht von Marigano in Norditalien ums Leben kam. Sein gleichnamiger Vater Hans Bär (gestorben 1502, auch Ber) stammte aus Zabern (Saverne) im Elsass. Er erscheint in Basel mit seiner Aufnahme in die Zunft zu Safran 1465. [1] Drei Jahre später wurde er Basler Bürger.
Das Basler Rathaus mit dem 1901 vollendeten Turm. Hervorgehoben das Monumentalgemälde von Wilhelm Balmer, darstellend Hans Bär als Basler Bannerträger (Siehe auch Bildvergleich weiter unten).

Im Jahr 1471 trat er der Zunft zum Schlüssel bei und beglich die Gebühr in Bar. [3] Der erfolgreiche Kaufmann wurde 1474 als Prokurist des Wechslers Hans Zscheckenbürlin (gestorben 1490) in einen grossen Münzbetrug hineingerissen. Man nahm ihn fest, entliess ihn allerdings schon bald wieder aus der Haft. Es erging über ihn auch kein Urteil, was vermuten lässt dass keine Beweise für seine Mitschuld vorlagen. [4] Er war später Besitzer von Liegenschaften an der Freien Strasse.

Der Basler Historiker August Burckhardt (1868-1935) rollte die Geschichte der Familie Bär auf, und hielt fest dass Hans Bär die Liegenschaften "zem Venix" (Zum Phönix) und "zem roten Hut" (später Zum Kardinal, Freie Strasse 36) kaufte. Bereits früher hatte er an der Pfluggasse und der Weissen Gasse Häuser erworben und zu einem grossen Kornlager umbauen lassen. [5] Der Getreidehandel war eines der lukativen Felder auf denen der vielseitige Kaufmann aus Zabern aktiv war.

Laut Buckhardt sei Bär nicht wohltätig veranlagt gewesen. Bekannt sei nur eine einzige Spende aus dem Jahr seines Todes 1502. Es war die Stiftung von 30 Schilling für Fisch und die Schenkung von Käse im Wert eines Guldens. [6] Grosszügiger war sein Sohn gleichen Namens. Hans Bär der jüngere gab Geld für Sanierungsarbeiten, für ein Fenster in der Gästekammer so wie für 32 Schilling Nahrungsmittel. [7] Im Unterschied zu seinem Vater war Bär der jüngere nicht Krämer.

Hans Bär der jüngere

Als Tuchmann war Hans Bär der jüngere auf den Handel mit Stoffen spezialisiert. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Seine Mutter war Anna Eberler (gestorben 1506, auch Grünzweig), die zweite Ehefrau von Hans Bär dem älteren. Im Jahr 1504 wurde er mit Unterstützung von Ratsherr Matthias Iselin (1455-1512) in die Zunft zu Safran aufgenommen. [8] Im selben Jahr nahm ihn die Schlüsselzunft der Tuchleute auf. Schliesslich trat er im Jahr 1513 auch noch der Zunft zu Hausgenossen bei. [9]

Zum Preis von 700 Gulden erwarben Hans Bär und seine Frau Barbara Brunner 1507 das Haus Zum Goldenen Falken (Freie Strasse 9). Seit dem Tod seines Vaters war Bär auch Miteigentümer des Hauses zem roten Hut. Die Ehe mit Barbara brachte sechs Töchter hervor. Aus dem Jahr 1508 ist ein Verstoss von Bär gegen die Ordnung der Schlüsselzunft aktenkundig. Die Vorgesetzten der Zunft büssten ihn, weil er sich dem Spiel hingab während noch zu Abend gegessen wurde. [10]

Der "Holbein-Tisch"

Lange galt Hans Bär als einer der ersten Auftraggeber von Hans Holbein dem jüngeren (ca 1497-1543). Dieser habe die Platte eines Tischs bemalt. Die Darstellung zeigt den Niemand der Übles tut so wie weitere Szenen. Das Allianzwappen Bär-Brunner weist klar den Auftraggeber aus. Der Kunsthistoriker Hans Reinhardt (1902-1984) erkannte 1960 in der Malerei noch "deutlich ausgeprägt" den Stil Holbeins so wie die "Genialität" des damals jugendlichen Künstlers. [11]

Aus der Theorie dass die Tischplatte von Hans Holbein dem Jüngeren stammte, folgerte Reinhardt (wie andere Fachleute vor ihm), dass der junge Künstler im Sommer 1515 bereits in Basel geweilt haben müsse. Der Kunsthistoriker stellte die vage Vermutung in den Raum, dass Holbein in den Spuren seines Vaters nach Basel gekommen sein könnte. Hier habe er bei Meister Hans Herbst (ca 1470-1552, auch Herbster) Arbeit gefunden, wie später sein Bruder Ambrosius Holbein auch. [12]

Im Jahr 1966 widersprach der Basler Kunsthistoriker Lucas Heinrich Wüthrich (geboren 1927) der Theorie vom "Holbein-Tisch" und wies die Signatur "HH" nicht Hans Holbein dem jüngeren sondern dem bereits erwähnten Hans Herbst zu. Auch wenn der Stil der Malerei auf der Tischplatte eine Raffinesse offenbare die man dem jungen Holbein zutrauen dürfe, spräche der Gehalt des Werks für einen gereiften Menschen. [13] Herbst hatte wohl schon 1502 einen Auftrag für die Familie Bär ausgeführt.

Wüthrich nennt den Grabstein für Hans Bär den älteren (heute im Münsterkreuzgang) als Werk des Malers. [14] Herbst, dessen Sohn Johann Herbst (1507-1558, latinisiert Oporinus) einer der prominenten Basler Buchdrucker werden sollte, war 1492 von Strassburg nach Basel gekommen und wurde als Maler und die Zunft zum Himmel aufgenommen. In den Reihen dieser Zunft nahm er als Wehrpflichtiger 1512/13 an den Feldzügen des Eidgenössischen Heeres nach Pavia und Novara teil.

der grabstein von hans baer dem aelteren und das familienwappen

Der Hans Herbst zugeschriebene Grabstein von Hans Bär dem älteren im Kreuzgang des Basler Münsters (links) und das Familienwappen der Bär nach einer Darstellung des 16. Jahrhunderts (rechts).

Hans Bär in den Mailänderkriegen

Als Mitglied der Schlüsselzunft war auch Hans Bär auch zum Kriegsdienst verpflichtet. Er wurde in der Vergangenheit auch als Ratsherr dieser Zunft angesprochen, was aber nicht korrekt ist. Schon August Burckhardt hatte festgestellt, dass aufgrund der Gleichheit der Namen die Nachwelt Vater und Sohn Bär zeitweise verwechselte. Die Eidgenossenschaft kämpfte ab 1511 für Papst und Kaiser in Mailänderkriegen. Dazu gehörten die beiden bereits erwähnten Feldzüge von 1512/13.

Bär selbst war schon am sogenannten Kalten Winterfeldzug über den Gotthard gegen Mailand im November 1511 beteiligt. An der Kampagne im Jahr 1513 ist für das Basler Kontingent erstmals das Vorhandensein eines eigenen Schreibers und eines Fouriers (militärischer Beauftrager für Verpflegung) belegt. [15] Dieser "Furierer" war Hans Bär. Mit dem eidgenössischen Heer kämpfte das Kontingent von Basel am 6. Juni 1513 in der Schlacht von Novara. Es verlor in diesem Feldzug 75 Mann.

Wahrscheinlich nicht Bannerträger

Zwei Jahre später schickte Basel drei Aufgebote in den Krieg nach Norditalien. Mit dem zweiten Aufgebot, das eine Stärke von 600 Mann hatte, zog Ende Juni 1515 auch Hans Bär als Fähnrich. Die Geschichtsschreibung früherer Zeiten schildert Hans Bär als den Träger und Retter des Basler Banners in der Schlacht von Marignano. Es darf aber in Frage gestellt werden, ob Bär wirklich das "Panner" anvertraut war. Dieses kam nur einem Aufgebot mit einer Stärke von 1500 bis 2000 Mann zu. [16]

Das erste und das zweite Aufgebot kamen zusammen auf maximal 1600 Mann. [17] [*] Das Aufgebot zu dem Bär gehörte umfasste aber mit 600 Mann gerade genügend Mannschaft um ein sogenanntes Fähnlein zu bilden, also ein kleineres Aufgebot als ein Auszug zum Banner. Ein solches Fähnlein hatte wenig gemein mit dem prachtvollen Juliusbanner mit seinem goldenen Baselstab, welches Papst Julius II. (1443-1513) den Baslern für ihre Kriegsdienste im Jahr 1512 verliehen hatte.

Das dreieckige Fähnlein war schmucklos und in den Basler Standesfarben schwarz und weiss gehalten. Es wies nicht einmal einen Baselstab auf. [18] Die zeitgenössische Chronik von Fridolin Ryff (gestorben 1554) nennt Hans Bär hierzu als "fenrich" des zweiten Aufgebots und Hans Lutzelman den Metzger als ebensolchen für das erste Aufgebot. [19] Chronist Christian Wurstisen (1544-1588) schreibt 1580 ebenso von "Hans Bären dem Fehnrich von Basel", und konkret von "sein Fehnlin". [20]

Im August erging ein drittes Aufgebot. Somit waren drei Basler Kontingente im Feld. Das erste wurde laut Ryff geführt von Hans Truttmann (gestorben nach 1521). Das zweite von Hauptmann Henman von Offenburg (gestorben 1558). Das dritte von Hauptmann Heinrich Meltinger (gestorben 1531). [21] [*] Die Verzeichnisse zu den Ausgaben Basels von 1515/16 sprechen klar von "unnseren dryen venlinen". [22] Demnach wird Bär kaum ein Banner sondern ein Fähnlein getragen haben.

Auf dem Schlachtfeld von Marignano

Bei Marignano traf schliesslich ein eidgenössisches Heer von rund 20'000 Mann am 13. September 1515 auf eine Übermacht im Dienste des französischen Königs und Venedigs. Es kam zu einer zweitägigen Schlacht. Der erste Tag verlief für die eidgenössische Seite scheinbar gut. Die Basler kämpften mit den Luzernern an der rechten Flanke. Ein ungestümer Vorstoss führte mitten in das Heerlager der Franzosen, wo der Kampf mit Einbruch der nächtlichen Dunkelheit erstarrte bis zum nächsten Morgen.

Am 14. wurde der Kampf fortgesetzt, bis die Front des Zentrums der Schlachtordnung aus Ost- und Zentralschweizern zu Mittag nicht mehr standhielt. Basler und Luzerner, jetzt mit Urnern und Schwyzern an der Flanke vereinigt, mussten nun ebenfalls zurückgehen. Die Schlacht war verloren. Unter den Verwundeten und Toten waren auch die Fähnriche des ersten und zweiten Basler Fähnleins, Hans Lutzelman und Hans Bär. Ryff schreibt von den Gefallenen von denen er vernommen hatte:

"...Do kamen zu beyden deillen vil redlicher lüt um, wart mancher fromer redlicher eydgnosz erschlagen, esz kamen vil erlicher redlicher burger von Basel um. Got wel in allen gnedig sin! Esz bliben von Basel usz, die umkummen worren, so mir im besten bekant worren, der fenrich Hans Ber, der fenrich Hans Lutzelman, Bartlome Schmyd lifferher, Jeronimus Stechely, Bartlome zum Sternnen, etlich wurtten wund und geschosen heim brocht, es gieng fast ubel. Got erbarms!" [23] [*]

Meister Ludwig der Scherer hatte als Chirurg viel blutige Arbeit zu verrichten nach der Schlacht. Die Stadt zahlte ihm nach der Rückkehr 6 Gulden und 5 Schilling für die Versorgung Verwundeter. [24] Die Hauptleute des zweiten und dritten Basler Fähnleins, Henman Offenburg und Heinrich Meltinger, wurden in vorderster Reihe kämpfend schwer verwundet. Sie hatten damit getan was das Ehrverständnis jener Epoche von ihnen verlangte. Hauptleute waren damals keine Befehlshaber im modernem Sinne.

Gemäss dem Basler Historiker Werner Meyer (geboren 1937) hatte ein Hauptmann in der Praxis eher beratende Funktion. Mannschaften wurde nicht im heutigen Sinne geführt. Dafür waren sie schlichtweg zu unkontrollierbar. Ein Hauptmann hatte damals, alle Gefahr missachtend, an der Spitze seiner Leute zu kämpfen um sie durch sein Beispiel anzutreiben. [25] Seit dem Jahr 1512 wurde ein Basler Fähnlein von einem einzigen Hauptmann geführt. Sein Stellvertreter war der Luttener (Leutnant). [26]

Fähnrich Hans Bär und sein Tod

Zum Personal um den Hauptmann gehörte auch der Fähnrich. Ausserhalb des Kampfes war er wie der Hauptmann beritten und trug das Fähnlein, das eine spezielle Wache bis zum Tod zu verteidigen hatte, selten persönlich. Selbst im Kampf nahm der Fähnrich das Feldzeichen nur wenn notwendig selbst in die Hand. [27] Bei Hans Bär war dies offenbar der Fall. Sein Tod ist verschieden überliefert. Eine Version stammt vom Chronisten Paolo Giovo (1483-1552, latinisiert Paulus Iovius).

Das Ende von Hans Bär wird von Giovo gemäss dem Historiker August Burckhardt folgendermassen geschildert. Bär wäre von Franzosen umringt und mehrfach verwundet in hoffnungsloser Lage gewesen. Um das Feldzeichen vor der Erbeutung durch den Feind zu bewahren, habe er es von der Stange gezerrt um es zu zerreissen. Danach habe er bis zum Tod weitergekämpft. Zugleich wies Burckhardt, ebenso wie Christian Wurstisen lange vor ihm, diese Variante als wenig glaubwürdig zurück.

Wahrscheinlicher sei der Bericht von Baslern die an der Schlacht beteiligt gewesen seien. Ihnen zufolge habe die Stückkugel eines Geschützes Bärs beide Schenkel derart schwer verletzt (Wurstisen schreibt "hingenommen", was auf Abtrennung hindeutet) dass er nicht mehr länger habe stehen können. Damit konnte er seine Aufgabe als Fähnrich nicht erfüllen und habe vor seinem Tod das Feldzeichen dem anwesenden Basler Georg Werlin weitergegeben. Dieser habe das Fähnlein nach Basel zurückgebracht. [28]

Für das Seelenheil des in Italien ruhenden Hans Bär war auch seine Zunft zum Schlüssel besorgt. Das Ausgabebuch des Zunft listet für das Jahr 1516 Zahlungen von jeweils drei Pfund für die Jahrzeitfeier des Toten auf. Das Gedenken war abzuhalten im Münster, zu St.Martin und zu Barfüssern. [29] Seiner Witwe Barbara Brunner wurde für ihre sechs Töchter Jakob Meyer als Vogt zugewiesen. Einen langjährigen Prozess um eine Wiese die er dafür als Entschädigung verlangte verlor er. [30]

Der Bannerträger am Rathausturm

Das zu Beginn erwähnte Monumentalgemälde von Hans Bär am Rathausturm stammt vom Basler Maler Wilhelm Balmer (1865-1922). Das Werk von 1901 hat wenig mit der Realität zu tun. Die Komposition ist das Ergebnis einer historisch inspirierten Fantasie. Bär trägt auf dem Bild nicht das korrektere schlichte Dreiecksfähnlein ohne Baselstab sondern ein Banner. Der abgebildete Kriegsmann tritt dem Betrachter damit als wichtiger Bannerherr eines grossen Basler Aufgebots entgegen.

Bär wurde mit diesem Kniff aufgewertet, vom Fähnlein zum Banner. Das gezeigte Feldzeichen ist allerdings wiederum für ein Banner des frühen 16. Jahrhunderts viel zu klein. Auch entspricht es von der Gestaltung her nicht dem wesentlich grösseren Juliusbanner wie es im September 1515 hätte getragen werden sollen, wenn es denn zum Einsatz gekommen wäre. Effektiv ist es an das älteste überlebende Basler Stadtbanner angelehnt, welches aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt. [31]

Dieses Banner mit den Massen 100 mal 122 Zentimetern ist unverkennbar das Vorbild für das Gemälde. Der Grund wieso Bär am Rathausturm ein altes Feldzeichen trägt das nicht aus seiner Zeit stammt, dürfte am Geschmack um 1901 gelegen haben. Das päpstliche Banner mit goldenen Baselstab wäre dem Publikum wohl zu fremd gewesen. Offenbar lag der schwarze Stab des mittelalterlichen Banners den Vorstellungen näher. Es entspricht Hans Bär weder in Funktion noch in Gestaltung.

vergleich des banners am rathaus und des juliusbanners

Vergleich des mittelalterliche inspirierten Banners am Rathaus (links) und des Juliusbanner von 1512 nach einem Schnitt von Georg Sickinger um 1580 (rechts). Unterschiede und Gestaltung und Grösse sind deutlich.

Auch beim Gesicht des gemalten Hans Bär nahm man sich Freiheiten. Die Abbildung hat den Charakter eines Portraits, aber nicht eines von Bär. Der stellvertretende Staatsarchivar Ulrich Barth (geboren 1939) erkannte darin anhand einer erhaltenen Portraitskizze die Gesichtszüge des Architekten Eduard Vischer (1843-1929). [32] Dieser leitete den Umbau des Rathauses von 1898 bis 1904. Der wohl einzige öffentliche Basler Kriegsheld ist somit eigentlich ein Mann friedlicher Baukunst.

Zusammenfassung

Der auf dem Basler Rathausturm abgebildete Fähnrich war der Sohn des aus dem Elsass eingewanderten Hans Bär, der es in Basel zu einem erfolgreichen Kaufmann und zum Ratsherrn brachte. Dieser starb 1502 und wurde im Münsterkreuzgang nahe des St.Bartholomäus-Altars beigesetzt. Der vermutlich von Hans Herbst gestaltete Grabstein hat bis heute überlebt. Bärs gleichnamiger Sohn Hans war Tuchhändler und ab 1504 wie bereits sein Vater zünftig zum Schlüssel und zu Safran.

Im Jahr 1513 trat er zusätzlich der Zunft zu Hausgenossen bei. Hans Bär der jüngere heiratete Barbara Brunner; die Ehe brachte sechs Töchter hervor. Das Ehepaar hatte 1507 das Haus zum Goldenen Falken an der Freien Strasse erworben. Bär galt lange irrtümlich als früher Auftraggeber von Hans Holbein dem jüngeren. Seit 1966 zählt der fragliche Tisch mit Bärs Wappen, bemalter Platte und der Signatur HH allerdings als ein Werk von Meister Hans Herbst, einem Mentoren Holbeins.

Hans Bär wurde von der Nachwelt oft mit seinem gleichnamigen Vater verwechselt. So hielt man ihn zeitweise für einen Basler Ratsherrn, wobei in Wahrheit sein Vater dieses Amt bekleidet hatte. Es komplizierte das Unterscheiden, dass beide zum Schlüssel und zu Safran zünftig waren. Mit der Zunft zum Schlüssel zog Bär der jüngere wiederholt in die Mailänderkriege, an denen Basel als eidgenössischer Stand beteiligt war und dadurch für Papst und Kaiser kämpfte.

Eine erste Teilnahme Bärs an einem Feldzug über den Gotthard nach Norditalien ist für das Jahr 1511 belegt. An der Schlacht von Novara nahm er als Fourier des Basler Kontingents teil. Als Basel im Sommer 1515 drei Aufgebote mit den eidgenössischen Truppen nach Italien schickte, gehörte Hans Bär dem zweiten an. Die Aufgebote von jeweils mehreren hundert Mann nannte man nach dem ihnen vom Stand mitgegebenen Feldzeichen Fähnlein. Bär hatte den Posten eines Fähnrichs.

Er war damit verantwortlich für die Sicherheit des Feldzeichens des zweiten Basler Fähnleins. Er war nicht wie oft behauptet Träger des Banners, denn die baslerischen Aufgebote waren zu klein als dass man ihnen das wertvolle Banner mitgegeben hätte. Stattdessen führten sie ein schlichtes dreieckiges Fähnlein in den Standesfarben ohne Baselstab. Ein solches Fähnlein war Hans Bär anvertraut. Im Rahmen seiner Aufgabe fiel er in der Schlacht von Marignano am 14. September 1515.

Die glaubwürdigste Überlieferung von Bärs Tod in der verlorenen Schlacht von Marignano geht davon aus, dass ihm eine feindliche Kanonenkugel beide Beine verstümmelte. Als er nicht länger in der Lage gewesen sei das Fähnlein zu schützen, habe er es Zeugen gemäss dem Basler Georg Werlin anvertraut bevor er starb. Bärs Leiche wurde nicht in die Heimat gebracht. Für sein Seelenheil gab die Schlüsselzunft 1516 drei Pfund für eine Jahrzeitfeier im Münster, zu St.Martin und zu Barfüssern.

Die Darstellung Hans Bärs auf dem Rathausturm ist historisch nicht korrekt. Der Maler Wilhelm Balmer bildete Bär 1901 mit einem Banner anstatt mit einem Fähnlein ab, was den Dargestellten aufwertete. Zudem entspricht das falsche Feldzeichen nicht dem Banner das Basel 1512 von Papst Julius II. verliehen bekam. Vielmehr handelt es sich eher um ein Banner des 15. Jahrhunderts, das wohl aus optischen Gründen gewählt wurde. Bärs Gesicht ist ein Portrait des Architekten Eduard Vischer.

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Querverweis zum Thema:

>> Jakob Meyer zum Hasen (Schwager von Hans Bär)



Beitrag erstellt 02.06.11

Anmerkungen:

[1] P. Koelner, Unterabschnitt "Krämer", in Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 501, Spalte 2

[2] P. Koelner, Unterabschnitt "Krämer", in Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 501, Spalte 2, vergleiche Staatsarchiv, Ratsbücher A 1, Rotes Buch 1357-1493, 225

[3] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 256

[4] W. Vischer, Abschnitt 8 - Process des Münzmeisters und der Wechsler in Basel 1474, in kommentierten Aufzeichnungen des Stadtschreibers Niclaus Rüsch, Basler Chroniken, Band 3, Leipzig, 1887, Seite 408

[5] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 61

[6] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 63

[7] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 71

[8] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 432, Spalte 1 (Matthias Iselin) so wie 586 (Hans Bär der jüngere).

[9] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[10] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[11] H. Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Basel, 1960, Seite 27

[12] H. Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Basel, 1960, Seite 25

[13] L. H. Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, Berlin, 1969, Seite 509

[14] L. H. Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, Berlin, 1969, Seite 509

[15] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 21

[16] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 17

[17] R. Wackernagel, Anmerkungen zu Seite 112, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 15*

[*] Ryffs Aufzeichnungen weisen bei der Zuteilung der Hauptleute zu den Fähnlein vom offiziellen Rodel ab.

[18] R. Wackernagel, 9. Buch "Die grossen Jahrzehnte", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 113 so wie E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 22

[19] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 23

[20] C. Wurstisen, Bassler Chronick, Basel, 1580, Seite 521

[21] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 22

[*] Die Chronik des Fridolin Ryff spricht hingegen von je 600 Mann beim ersten und zweiten Aufgebot, und nochmals 600 bei einem dritten, was eine Gesamtstärke von 1800 Mann ergäbe.

[22] B. Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, Tübingen, 1913, Seite 253 Spalte 2, Zeile 88

[23] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 23 ¨

[*] Einer Überlieferung gemäss habe Hans Lutzelman (auch Lützelmann) die Schlacht mit dreizehn Wunden überlebt und sei von einem Kleinbasler Waffengefährten vom Schlachtfeld geschleppt worden. In einer Sänfte sei er nach Basel zurückgebracht worden, wo man ihn ins Rathaus habe getragen, damit er seinen Bericht von der Schlacht abgeben konnte. Siehe P. Koelner, Abschnitt VII. - Schicksale und Gestalten, in Anno Dazumal, Basel, 1929, Seiten 211 bis 212

[24] B. Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, Tübingen, 1913, Seite 253 Spalte 2, Zeilen 64 bis 66

[25] W. Meyer, Unterabschnitt "Die Kriegsbereitschaft", in Abschnitt "Krieg und Frieden", publiziert in Hirsebrei und Hellebarde - auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz, Olten, 2. Auflage 1986, Seite 360

[26] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 20

[27] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 22

[28] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 72 so wie C. Wurstisen, Bassler Chronick, Basel, 1580, Seite 521

[29] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[30] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 78

[31] C. H. Baer, Abschnitt "Geschichte und Bild der Stadt Basel", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 1, Basel, 1932/71, Seite 64

[32] U. Barth, Beitrag "Baugeschichte", publiziert in Das Basler Rathaus, Basel, 1983, ISBN 3 7245 05213, Seite 22

Quellen:

Casimir Hermann Baer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 1, herausgegeben von der Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag, Basel, 1932/71, Seite 64

Ulrich Barth, Beitrag "Baugeschichte", publiziert in Das Basler Rathaus, herausgegeben von der Staatskanzlei, Kommissionsverlag Friedrich Reinhard Verlag, Basel, 1983, ISBN 3 7245 05213, Seite 22

August Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Verlagsbuchhandlung Benno Schwabe, Basel, 1900, Seiten 61, 63. 71, 72 und 78

Eduard Achilles Gessler, Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1938, Seiten 21 und 22

Bernhard Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, H.Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1913, Seite 253

Hans Rudolf Kunz, Schweizerschlachten, A. Francke AG Verlag, Bern 2. erweiterte Auflage 1977, Seiten 227 bis 234 (zur Schlacht von Marignano)

Paul Koelner, Anno Dazumal, Lehrmittelverlag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, Basel, 1929, Seiten 211 bis 212

Paul Koelner, Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, herausgegeben von E.E. Zunft zu Safran, Verlag Benno Schwabe & Co, Basel 1935, Seiten 432, Spalte 1 (Matthias Iselin), 501 (Hans Bär der ältere) und 586 (Hans Bär der jüngere)

Paul Koelner, Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Benno Schwabe & Co, Basel, 1953, Seiten 256 Hans Bär der ältere), 261/62, (Hans Truttmann), 273/74 (Heinrich Meltinger) und 287 (Hans Bär der jüngere)

Werner Meyer, Hirsebrei und Hellebarde - auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz, Walter-Verlag AG, Olten, 2. Auflage 1986, ISBN 3-530-56707-8, Seite 360

Hans Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum, Basel, 1960, Seite 27

Lisa Röthinger / Gabriela Signori, Das Gräberbuch des Basler Domstifts, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel, 2009, ISBN 978-3-7245-1620-0, Seiten 43 und 173 (zur Lokalisierung des Grabes von Hans Bär dem älteren)

Fridolin Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer und Alfred Stern, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1872, Seite 22 und 23

Wilhelm Vischer, Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1887, Seite 408

Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1911, Seiten 113 und 15* (Anmerkungen)

Christian Wurstisen, Bassler Chronick, Sebastian Henricpetri, Basel, 1580, Seite 521

Lucas Heinrich Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Duncker & Humblot, 1969, Berlin, Seite 509
 
BAER, Hans (I38316)
 
2590 Hans Christoph Schöll: Die „politica Delphin“, in: Goethe und Heidelberg, herausgegeben von der Direktion des Kurpfälzischen Museums, Heidelberg 1949 S. 68 - 81

Als Goethes Lebensbericht erschien, dem er den den Untertitel gab „Dichtung und Wahrheit“, war Dorothea Delph schon Jahre tot; am 20 Oktober 1808 war sie gestorben, "alt ohngefähr achtzig Jahr". Noch über diesem Eintrag im Totenregister von St. Peter zu Heidelberg liegt ein merkwürdiger Schleier von letzter Ungeklärtheit, und noch immer gilt das Wort von Reinhold Steig, der von der Delph sagte, dass „ihr Leben, ihre Persönlichkeit und ihr Einfluß auf Goethe sich bis heute in ein gewisses Halbdunkel hüllt“.
„Die alte treue Freundin“ nennt Goethe sie. Sucht man bei ihm nach unmittelbaren Zeugnissen diesere Freundschaft, der so betont die Treue bescheinigt wird, so begegnet einem nicht viel. An zwei Stellen seiner Lebensbeschreibung erwähnt Goethe ihr handelndes Eingreifen in seinen Lebensweg: eine übereilte Verlobung, die nach kurzer Zeit wieder gelöst wurde, war das Ergebnis in einem Fall, im andern wollte sie ihn verloben und zugleich an den Mannheimer Hof bringen; beides wurde vereitelt dadurch, dass Goethe unmittelbar aus dem Delphschen Haus in Heidelberg, nach Weimar geholt wurde, wie man dies im einzelnen im letzten Buch von „Dichtung und Wahrheit“ nachlesen kann. Dann erfahren wir nichts mehr von der Demoiselle Delph außer einem Zusammentreffen Goethees bei ihr mit seinem Schwager Schlosser im August 1795 und der kurzen Erwähnung im Reisetagebuch vom August 1797 mit dem abendlichen Gang nach der Ebene.
Das scheint etwas wenig dafür, dass Goethe ihr als „der alten treuen Freundin“ noch nach dem Tode Dank und Anerkennung zollt; anderes Ungeklärtes, von dem noch zu sprechen sein wird, kommt hinzu, und so ist man geneigt zu fragen, ob nicht über das wenige von Goethes Berichten hinaus noch irgend ein Unausgesprochenes in den Beziehungen der beiden gewesen sein möchte, was Goethe veranlaßte. Der Freundin die verläßliche Treue nachzurühmen. Die im folgenden vorgelegten Überlegungen zu dieser Frage wollen nur als vorläufige Hinweise aufgenommen werden; eine eingehendere Behandlung mag einer umfassenderen Darstellung vorbehalten bleiben.
*
Was sich an Nachrichten aller Art über der „Handelsjungfer“ Helene Dorothea Delph äußere Lebensumstände und ihre Wesensart ermitteln ließ, haben Walter Donat und besonders sorgfältig Maximilian Huffschmid vor Jahrzehnten zusammengetragen und im „Neuen Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg“ (X, 130-136; XI, 145-296) veröffentlicht. Auch an anderen Orten wurde ihrer verschiedentlich gedacht; im vorliegenden Buch gibt Werner Schindler ein lebendiges Bild ihrer Person und ihrer Umwelt. Goethe selbst sagt von der Demoiselle Delph: “Man konnte sie nicht intrigant nennen;...sie pflegte ihre Absichten stille mit sich fortzutragen; dann aber hatte sie die Gabe, die Gelegenheit zu ersehen...und wußte eine solche Kraft der Charaktertüchtigkeit einzusetzen, dass es ihr nicht leicht mißlang, ihr Vorhaben auszuführen“.
Wenn dieses Bild auch durch die genannten Veröffentlichungen ergänzt wird, so scheint mir doch bei allen ein wesentlicher Hinweis nicht genügend beachtet, der sich in einem Brief der Frau Rat Goethe vom 14. September 1781 findet, wo sie von „der politica Delphin“ spricht. Nach der auslegung zeitgenössischer Wörterbücher bezeichnet das Wort Politicus „einen staats- oder weltklugen Mann, der Umgang mit Staatshändeln und derlei Angelegenheiten hat“. Wenn also Goethes Mutter die Delphin eine Politica nennt, so meint sie nicht einfach eine pfiffige und schlaue Frau, sondern sie meint eine, die „Umgang mit Staatshändeln und derlei Angelegenheiten“ hat.
Schon vor fünfzig Jahren hat Bernhard Erdmannsdörffer in den „Neuen Heidelberger Jahrbüchern“ (1896) auf eine merkwürdige Rolle der Dorothea Delph in politicis hingewiesen, deren Hintergrund hier kurz skizziert sei.
Als mit dem Tode des Kurfürsten Max Joseph von Bayern am 30 Dezember 1777 Bayern an den Kurfürsten kar Theodor von der Pfalz fiel, war dieser auf Grund früherer geheimer Abmachungen mit dem haus Habsburg bereit, Niederbayern und einen Teil der Oberpfalz an Österreich abzutreten. Mit dem Bekanntwerden dieser Absicht setzte nicht nur in Bayern, sondernauch in der Pfalz, bis hineien in die nächste Umgebung des Kurfürsten, eine scharfe Agitation dagegen ein, vornehmlich gefördert durch geheime Verhandlungen mit Preußen; war doch Friedrich II. entschlossen, sich dieser Machtvergrößerung Österreichs mit allen Mitteln zu wiedersetzen, was er mit seinem Einmarsch in Böhmen und dem dadurch ausgelösten Bayerischen Erbfolgekrieg dann auch bewies. Viel zu schaffen machte der östgerreichischen Politik und ihren Sachwaltern am Mannheimer Hofe vor allem „die boshafte Verbreitung bedenklicher und anzüglicher Druckschriften“ in der Pfalz, ohne dass man dahinterkam, von wo aus und auf welchen Wegen diese Druckschriften verbreitet wurden.
In diesem unter- und hintergründigen politischen Kampf begegnet uns in einem merkwürdigen Zusammenhang Goethes Freundin. Am 15. August 1778 schreibt der kaiserliche Gesandte am pfälzischen Hof in Mannheim, Graf Lehrbach, an den österreichischen Kanzler Fürst Kaunitz in Wien:“ Ihro churfürstliche Durchlaucht zu Pfalz haben in sichere Erfahrung gebracht, dass verschiedene sehr wichtige Briefe, welche aus den königl. Preußischen Landen in die dahiesige Gegend abgeschickt werden, unter der Adresse „Madame Delf, Marchande renomiée à Heidelberg“ gehen und größtenteils den Lauf über Duderstadt nehmen. Der Herr Churfürst haben mir von dieser Entdeckung in dem engsten Vertrauen die Eröffnung gemacht, und zugleich den Wunsch geäußert, ob nicht auf einem der kayserl. Postämter zu Duderstadt oder Frankfurth oder auch sonstgen dieser Correspondenz näher nachgespührt werden könne. Der Herr Churfürst, welcher aus der Entdeckung dieser Correspondenz einen großen Teil ihrer Berzuhigung erwarten, ergeben mir aber nicht weniger zu erkennen, dass von dem Weg, welchen der Allerhöchste Hof zu diesem Behufe einschlagen wird, Niemand sonst etwas bekannt werden möge, indem sie ganz allein von demjenigen, was dießfalls in Erfahrung gebracht werden dürfte, durch mich unterrichtet zu werden wünschte“.
Am 11. September berichtete Lehrbach weiter nach Wien, dass eine „Madame Delft, marchande très renommèe“, tatsächlich in Heidelberg ansässig sei und dass diese auch viele Briefe aus Preußen bekomme. „Ich habe weiters in Erfahrung gebracht, dass die vorgedachte kaufmännin der protestantischen Religion beipflichtet, den Ruf einer intriguanten und eigennützigen Frau hat, sich mehrmals in der Woche dahier in Mannheim einfindet, und die Briefe, welche an sie eingeschlossen werden, selbsten der Behörde überliefert, unter diesen Briefen aber verschiedene sind, bei welchen die Aufschrift an den Churpfälzischen Conferenzminister Freiherrn von Hompesch gerichtet ist, andere aber, wo die Aufschrift ganz ermangelt.Ihro churfürstliche Durchlaucht zu Pfalz sollen von allen diesen Umständen unterrichtet sein, es fällt mir auch nicht schwer, die Unruhe und das Mißtrauen zu bemerken, welches der Herr Churfürst fühlet, dass der Freiherr von Hompesch nebst anderen Unbekannten eine Correspondenz in die preußischen Lande unterhalten, wovon jedoch der Gegenstand für ihn, den Churfürsten, ein Geheimniß ist. Man nimmt auch noch weiters dahier wahr, dass sonsten noch der preußische Einfluß unter den dahiesigen Einwohnern sehr stark ist, obwohl man nicht gut auf den Grund zu kommen vermag.“
Im Gegensatz zu Erdmannsdörfers Meinung, dass „die Rolle, welche die Delph in diesen hochpolitischen Angelegenheitn spielte, natürlich nur eine subalterne“ sei und sie einzig ihren Namen als Deckadresse zur Verfügung gestellt habe, scheint es mir ausgeschlossen, dass man deerartig wichtige und gefährliche Briefschaften jemanden sollte anvertraut haben, der nur einfache Briefträgerdienste zu leisten hatte. Wenn Briefe ohne Anschrift darunter sind, so heißt dies doch, dass unter allen Umständen Geheimnis bleiben muß, für wen diese Briefe bestimmt sind; dies für den Fall, dass sie abgefangen werden oder sonstwie in unrechte Hände kommen sollten. Daß aber andererseits die Mittelsperson – hier also die Delph – aus dem Inhalt dieser wichtigen Briefe erkennen muß, wem das Schreiben gilt, das zeigt, dass diese Geschäfte nicht nur „hart ans Politische streifen“ (Donat), sondern dass Dorothea Delph, die damals eine Frau von fünfzig Jahren war, zum eigentlichen Kreis der Eingeweihten gehört haben muß.
Dieser Blick in die Geheimberichte des österreichischen Gesandten am Mannheimer Hof rückt jenen Plan der Delph, von dem Goethe im zwanzigsten Buch von „Dichtung und Warheit“ schreibt, nämlich ihn an den Mannheimer Hof zu bringen, in ein neues Licht. „Die Absicht eines gewissen Kreises, sich durch mich und meine mögliche Gunst bei Hofe zu verstärken“, von der Goethe dort spricht, liegt nun klar zu Tage; nur war diese Absicht entgegen der späteren Erklärung Goethes nicht darin begründet, dass der Hof katholisch und das Land protestantisch war – was in dieser Einfachen Formulierung ja nicht zutrifft -, sondern die Veranlassung waren jene geplanten Gebietsveränderungen Karl Theodors, durch die das politische Übergewicht in dem zähen Rinbgen zwischen Österreich und dem aufsteigenden Preußen sich entscheidend auf die österreichische Seite gelegt hätte. Die Delph als alte Freundin des väterlichen Hauses Goethe wußte, dass man dort „fritzisch gesinnt“ war, und da Goethe damals ohnedies damit umging, als Resident an einen Hof zu gehen, lag der Gedanke nahe, ihn nach Mannheim zu bringen.
Schon Erdmansdörffer war aufgefallen, dass in Goethes Schilderung dieser ganzen Angelegenheit gewisse Unklarheiten und Unstimmigkeiten liegen, wobei er offen ließ, „ob der Dichter hierbei manche Antecedentien vergessen oder sie im Interesse der künstlerischen Erzählungstechnik mit Bewußtsein bei Seite gelassen hat“. Es ist anzunehmen, dass der Vorschlag und die Aussprache über diesen Plan bei der Delph in Heidelberg nicht so improvisiert waren, wie es nach Goethes nachträglichem Bericht scheinen möchte, sondern, dass entsprechende mündliche oder schriftliche Auseinandersetzungen darüber schon vorausgegangen waren; Briefe Goethes, die in den Wochen vorher schon von Frankfurt an die Delph nach Heidelberg gegangen waren – am 31. Juli, 7. august, 7. Oktober und am 12. Oktober -, lassen wenigstens diesen Schluß zu. Noch aufschlußreicher scheinen die paar Blätter des Reisetagebuchs, das Goethe für die geplante Italienreise angelegt hatte; sie kamen mit ihrer Schilderung allerdings nicht über den ersten Tag hinaus und schließen mit der Ankunft in Weinheim am Abend dieses 30. Oktober 1775. Weimar ist gewissermaßen abgebucht, die Reise nach dem Süden ist beschlossen und angetreten, „und zwar zuerst nach Heidelberg“ – und der erste Abschnitt des Tagebuches schließt, am Vorabend vor Heidelberg, ab mit den Worten: “Projekte, Pläne und Aussichten!“ Und noch bedeutungsvoller: „Ich packte für Norden, und ziehe nach Süden – ich sagte zu, und komme nicht – ich sagte ab, und komme!“ Diese nundurch sein Kommen zurückgenommene Absage kann sich doch nach allem, was wir wissen und folgern können, nur auf vorausgegangene Verhandlungen mit der Delph beziehen. Bleibt hier überhaupt eine andere Deutung möglich, als dass Goethe eine ursprüngliche Zusage auf den ihm von der Delph vorgeschlagenen Mannheimer Plan in seinem letzten Brief vom 12. Oktober wieder zurückgenommen hatte, sich nun aber doch noch entschloß zu kommen? An jenem 12. Oktober aber, an dem er den Absagebrief nach Heidelberg schrieb, hatte in Frankfurt die entscheidende Besprechung mit dem weimarischen Herzogspaar stattgefunden, die mit der einladung nach Weimar und Goethjes Zusage endigte. Die merkwürdige Verwirrung durch den ausbleibenden Reisewagen hatte dann alles wieder umgeworfen und aufgehoben; an die Stelle von Weimar war nun doch wieder heidelberg und damit der Mannheimer Plan getreten: „Ich sagte zu, und komme nicht – ich sagte ab, und komme!“
Als merkwürdige Fügung mag es erscheinen, dass mit dem dann doch fehlgeschlagenen Mannheimer Plan Goethe schon am Anfang seiner Laufbahn einem politischen Problem gegenüberstand, das ihn dann jahrelang beschäftigte: der Frage nach der Sicherung der kleinen und mittleren deutschen Staaten vor dem Machtwillen der Großen. Der Plan jenes „gewissen Kreises“, Goethe 1775 in die antiösterreichische Front am Mannheimer Hof zu bringen, war mit seiner in Heidelberg gefallenen entgültigen Entscheidung für Weimar erledigt, die die Delph daher auch so nachdrücklich zu erhindern suchte, dass es zu jener „heftigen Szene“ kam; aber nicht erledigt war für ihn das, um was es jenen Leuten in Mannheim in dem Kampf gegen die Pläne Karl Theodors ging und was dann in Weimar 1778 Gestalt fand in Goethes Plan einer Union der deutschen Fürsten, den Karl Friedrich von Baden 1782 erneut aufgriff, den Karl August dann mit aller Energie verfolgte und der schließlich zum Fürstenbund Friedrichs II. von 1785 führte.
Treischke sagt von Karl August von Weimar: „Kühne, großartige Reformpläne gärten in dem Kopfef dieses hochherzigen Patrioten; unermüdlich bereiste er die Höffe als der Kurier des Fürstenbundes.Er sah in diesem Verteidigungsbündnis eine dauernde Institution, den festen Kern einer neuen Reichsverfassung, dachte dem Bunde ein stehendes Heer und in Mainz einen großen Waffenplatz zu schaffen; ein Bundestag, nach Mainz berufen, sollte das Werk der Reichsreform in Angriff nehmen, den Unwarheiten des bestehenden Rechts herzhaft zu Leibe gehen.“ Wenn Treitschke dann allerdings fortfährt:“ Alle Kleinstaaten Europas fühlten sich bedroht und hofften auf Preußen als den Schirmer des Gleichgewichts“, so ist dies doch zu sehr vereinfacht im Sinne jenes preußischdeutschen Geschichtsbildes, wie es seit über hundert Jahren in unseren Schulen und vaterländischen Verienen dargeboten wird. In Wirklichkeit war es so, Daß die deutschen Kleinstaaten es sich nach langem Wehren schließlich gefallen lassen mußten, unter die Fittiche des preußischen Adlers genommen zu werden. Wenn man Ottokar Lorenz darin zustimmt, dass man es in dem Gutachten Goethes aus dem Winter 1778/79 zur Frage der preußischen Anwerbungen in Weimar mit „nichts Geringerem als mit der eigentlichen Ursprungsidee des Fürstenbundes“ zu tun hat, so ist dabei entscheidend, dass die in jenem Gutachten vorgeschlagene Vereinigung der deutschen Fürsten ihren Mitgleidern ermöglichen sollte, „solchen Zumutungen sich standhaft widersetzen zu können“, wie sie hier von Preußen an Weimar gestellt waren. Suchten jene Mannheimer Pläne nur Schutz gegen die Vergewaltigung durch das Haus Habsburg, und waren Friedrichs Pläne einzig auf die Durchsetzung Preußens als europäische Großmacht gerichtet, so ging es in der Fürstenbundsidee, wie Goethe seinem Herrn vortrug und wie sie von diesem dann im Zusammenwirken mit anderen Gleichgesinnten vertreten wurde, um die Freiheit nach allen Seiten; dem hausmachtgierigen Kaiser gegenüber nicht weniger als Frankreich und Preußen gegenüder. Die unmittelbare Bedrohung aber lag für die mitteldeutschen Staaten in dem preußischen Machtwillen und Führungsanspruch. Silpitz Boisserée hat uns eine Äußerung Goethes vom Oktober 1815 überliefert über „eine Art Verschwörung“, der er angehört habe, „damals als man die Übermacht Friedrichs des Großen fürchtete. Es bestand eine geheime Verbindung bei dem alten Fürsten von Dessau; der Kronprinz von Preußen war auch darin. Nachher wurde dieselbe Veranlassung zum Fürstenbund, obwohl es Anfangs gegen Preußen ging.“ Und der weimarische Kanzler Friedrich v. Müller notierte am 27. Oktobedr 1824 als entscheidenden Inhalt eines Gesprächs, das Goethe mit ihm geführt hatte:“ Aufdeckung der geheimen Tendenz des deutschen Fürstenbundes, nämlich gegen Friedrich II. Anmaßungen“.
Noch zu Beginn des Jahres 1784 wußte Friedrich nichts von den Bundesplänen, die von den beteiligten Fürsten schon mehrere Jahre im allerstrengsten Geheimnis verfolgt wurden; besonders nachdrücklich von Karl August von Weimar und dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Von dem badischen Markgrafen, der ein begeisterter Verehrer der Person des großen Friedrich war, haben wir die eigenhändig niedergeschriebenen politischen Leitsätze: „Die Ausdrücke gut österreichisch und nicht gut österreichisch, gut preußisch und nicht gut preußisch schicken sich vor einen patriotisch denkenden Reichsstand nicht. Gut deutsch, gut vors Vaterland gesinnet sein, alle Tyranney, sie komme von wem sie wolle, hassen und verabscheuen, zu Aufrechterhaltung der deutschen Freiheit alle standhaften Mittel mit ergreifen und durchsetzen helfen, es koste was es wolle; sein Land als einen Staat ansehen, dessen Wohlfahrt und Ansehen auf alles nur mögliche, jedoch gesetzmässige Art zu erhalten und zu befürchten ist: das ist das Glaubensbekenntnis eines deutschen Reichsfürsten, welcher den Kaiser und sein Amt und Würde verehret und hochschätzet...und dabei erkennet, was er sich selbst, seinem Haus und seinen Unterthanen schuldig ist“. Und Karl Friedrichs Minister von Edelsheim, der von Anfang an als treibende Kraft in den Unionsbestrebungen der deutschen Fürsten wirkte, schrieb nach der Einverleibung von Ansbach-Bayreuth in den preußischen Staat an Karl august von Weimar: „Durch den Ansbachischen Anfall wird die Freuheit Deutschlands ohnglaublich geschwächt...Jedem deutschen Herzen und besonders einem freien Fürstensinn muß es wehe tun, die Sklaverei mit so starken schritten auf das Vaterland stürmen zu sehen“. Goethes Schwager Schlosser, der im Dienste Karl Friedrichs stand, der auch zu den Eingeweihten gehörte und der 1785 mit der wichtigen politischen Mission betraut wurde, in privaten geheimen Unterhandlungen die Stellung Frankreichs zu den Plänen einer deutschen Fürstenereinigung zu erkunden, zog sich von der Mitarbeit zurück, als der Preußenkönig 1785 die Führung übernahm, da die preußische Großmachtpolitik nach seiner Auffassung nicht von dem Geiste „echter Politik“ durchdrungen war.
Es ist verständlich, dass die vorbereitenden Arbeiten zu einem Fürstenbund der Art, wie sie in jenem Goetheschen Plan von 1778 umschrieben ist, strengstes Geheimnis und allerletzte Verschwiegenheit forderten. Was Karl August zum Beispiel in den Kämpfen um die Mainzer Coadjutorwahl unternommen hat, „liest sich in den Dokumenten stellenweise wie ein Abenteurerroman, mit geheimen Reisen im strengsten Inkognito, Bestechungen der Mainzer Domherren und wochenlangem verborgenen Aufenthalt in den abgelegenen Räumen des Berliner Stadtschlosses“ (Buchwald). So bewegt und treibend zugleich Goethe in den Angelegenheiten des Fürstenbundes stand, so verschlossen war er über dies alles nach außen; und dies nicht nur während der Geschehnisse selbst, sondern auch in all den späteren Jahren. Zu diesem Verschweigen und Überdecken politischer Wirksamkeit und Beeinflussung gehört auch die sichtlich retuschierte Schilderung, die Goethe von jenen Plänen der Delph und der Auseinandersetzung mit ihr gibt. Aber wenn Sulpiz Bisserée in der Wiedergabe von Goethes Äußerung Ausdrücke wie „Verschwörung“ gebraucht, wo von seiner Tätigkeit in Sachen des Fürstenbundes die Rede ist, so kennzeichnet dies eindeutig die Situation. Er selbst stellt sich in allem unter das Wort, das er aus Italien an seinen Herzog nach Weimar schrieb: “Verbrennen Sie doch meine Briefe gleich, dass sie von niemandem gelesen werden!“ ; es dürfte einleuchten, dass es hier um Briefe geht, in denen nicht von Kunst und Wissenschaft die Rede war. Um was er seinen Herrn so dringend bat, das hielt er selbst mit den Briefen Karl Augusts ebenso: bis zum Ende des Jahres 1792 sind sie fast durchweg vernichtet.
Die angeführte Stelle stammt aus einem Schreiben an Karl August aus Rom vom 17. November 1787. Wenige Wochen später schrieb Karl August aus Mainz an seine Mutter, er habe „Goethen durch einen Kurier, der nach Rom ging, einen Brief von zwölf Seiten geschrieben“. Am 30. März 1787 aber hatte Lehrbach aus Mannheim an Kaunitz nach wien berichtet: „Ungeachtet der äußerlichen Stille und des feierlichen Widerspruchs des Herrn Churfürsten von Mainz bezeigen doch alle Umstände, daß das unverrückte Augenmerk des Berliner Hofes an noch auf die Berwerkstelligung der Mainzerischen Coadjutorie gerichtet sei, und dass der Herrr Curfürst von Mainz in der Geheime dieses Geschäft leite, oder vielmehr durch Leute, die sein Vertrauen mißbrauchen, sich zu allem hinreißen lassen, was zu Beförderung desselben beitragen mag; der Doctor Goethe, welcher durch verschiedene Werke in der deutschen Literatur bekannt geworden ist, und sich bisher meistens bei dem Herrn Herzog von Weimar aufgehalten hat, solle vom König von Preußen den Auftrag erhalten haben, hiervon die Behandlung beim päpstlichen Hofe zu besorgen“
Neues Licht fällt damit auch auf die geheimnisvollen Umstände bei der plötzlichen Abreise aus Karlsbad im September 1786. Der Herausgeber der „Politischen Korrespondenz“ schrieb im Sommer 1786 im Blick auf Friedrich II.: „Die Welt hält gleichsam den Atem an und wartet, fast mehr von verheißungsvoller Hoffnung als von banger Sorge bewegt, auf den Augenblick, in dem berühmte Helden des Zeitalters die Bühne des Lebens und Schaffens verläßt. Dann soll es auf der Grundlage des Fürstenbundes erst richtig an die Arbeit gehen!“ Nun war der Augenblick da. Am 17. August 1786 starb Friedrich, am 23. August kam die Nachricht nach Karlsbad; unmittelbar darauf reiste Karl August von dort ab, um sich in Berlin beim neuen König zu melden, dem alten Vertrauten aus den Jahren der verschweigenen Arbeit für den Fürstenbund – und am 03. September reist Goethe ab mit unbekanntem Ziel. Nach elf Wochen kommt sein erster Brief – „Rom, den 1. November 1786“ – mit dem dringenden Ersuchen, vorerst den Ort seines Aufenthaltes niemanden zu entdecken und nichts unter seinem Namen, sondern mit der Anschrift Tischbeins an ihn zu schicken.
Wie streng die Geheimhaltung bis in den engsten Kreis der Eingeweihten durchgeführt wurde, zeigt das Vermeiden von Namensnennungen in den Briefen, und zwar bei Personen wie bei Orten. Als im September 1785 Fürst Franz von Dessau eine geheime Unterredung mit dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden in Heidelberg (!) vorschlägt, schreibt er diesem: “Hätten Sie eine wichtige Abhaltung, so schicken Sie mir doch jemand an den bestimmten Ort, dem ich alles sagen darf.“ Oder man liest in einem Schreiben des badischen Ministers Edelsheim an Karl August von Weimar: „Patronus ille hat kein Geld aus Lacedaemon erhalten“; das soll bedeuten, dass der Herzog von Zweibrücken kein Geld vom Berliner Hof bekommen hat. Wenn auch vieles in geheimen Chiffern geschrieben werden kann, die der Sicherheit wegen ab und zu gewechselt werden, so geht es doch, wie der Dessauer an Karl August schreibt, „am besten vom Mund zu Ohr“. Am 16. Dezember 1786 schickt Karl Friedrich von Baden ein eigenhändiges Schreiben an Karl August von Weimar mit der dringenden Einladung, ihn in Karlsruhe zu besuchen; dieser Brief sowie Karl Augusts zusagende Antwort hatten nur den Zweck, die Gegenspionage auf eine falsche Fährte zu bringen, da der Herzog von Weimar in Wirklichkeit zu einem Besuch des Kurfürsten von Mainz aufbrach. Und schließlich noch ein für unseren engeren Zusammenhang bedeutsames Beispiel: als Goethe am 23. September 1779 auf der zweiten Schweizer Reise zwischen einem Tag in Darmstadt und einem in Speyer rasch nach Heidelberg fährt oder reitet – doch wohl auch, um mit karl August zusammen die Delph aufzusuchen -, da gelingt es ihm, dies so geheimzuhalten, 2 dass in allen Veröffentlichungen bis zu Kuno Fischer und Erdmannsdörffer ausdrücklich festgestellt wird, dass Goethe „auf dieser Reise Heidelberg nicht berührt“ hat – vis Max v. Waldberg 1899 entdeckt, dass Goethes Zeichnung vom Gesprengten Turm im Weimarer Museum auf der Rückseite seinen eigenhändigen Vermerk trägt „Heidelberg den 23. September 78 G.“ Am gleichen 23. September 1779 aber gibt er einen Brief auf, dessen Abgang er in seiner Postportoliste vermerkt, ohne indes den Ort zu nennen, an dem der Brief aufgegeben wurde, noch dabei einzutragen, an wen der Brief gerichtet ist; wir erinnern uns der Briefe ohne Anschrift, die eingeschlossen an die Delph kamen.
Daß Dorothea Delph nicht nur in jene Verbindungen vom pfälzischen Hof zum preußischen König eingeschaltet war, von denen die Berichte des Grafen Lehrbah an den Kanzler Kaunitz melden, sondern dass sie auch noch zu den Vertrauten in dem Kreis um Karl August gehörte, das zeigt der eingangs erwähnte Brief der Frau Rat vom 14. September 1781, denn er ist an niemand Geringeren gerichtet als an die Mutter Karl Augsusts, die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Frau Aja berichtet darin in Ausdrücken herzlicher Vertrautheit von allen möglichen sich überstürzenden öffentlichen und häuslichen Ereignissen – „dieser Brief ist ein wahres Quotlibet, daran ist die verdammte Messe schuld“ - , und dieses ganze „Gewirre und Geschwirre“ des wilden Messetrubels hinein „Kommt nun gar noch die politica Delphin und glaubt gantz gewiß Herrn Goethe hir zu finden“. Der Brief zeigt deutlich, dass „die Delphin“ für die Herzoginmutter von Weimar nicht nur eine gute Bekannte ist, sondern dass sie ihr auch bekannt ist als „die Politica“ , als jemand, der „Umgang mit Staatshändeln und derlei Angelegenheiten hat“. Eine Frau, die mitten drin in diesem geheimen und geheimsten politischen Briefverkehr und Gesprächsaustausch steht, ist keine subalterne Briefträgerin zwischen Mannheim und Heidelberg; und wer dieses Geheimnis wahrt bis zum Tod, der hat sich das Zeugnis der Treue verdient.
Wie verschwiegen „die alte treue Freundin“ in all diesen Dingen war und bleib, zeigt sich darin, dass man in Heidelberg bis zum Tod der Handelsjungfer Delph nur wußte, dass sie „mit der halben Welt korrespondierte“; wenigstens schrieb dies Achim von Arnim an die Bettina. Er wollte Goethes Freundin aufsuchen, nachdem er nach seiner Ankunft in Heidelberg im Herbst 1808 von ihr hatte erzählt bekommen – „eine weibliche Merkwürdigkeit, eine Correspondentin von Goethe aus alter Zeit“ – doch er konnte nur noch erfahren, dass sie wenige Tage vorher gestorben war. Die Heidelberger wußten ihm noch von der Sache mit der seinerzeit geplanten Verlobung Goethes mit dem Fräulein von Wrede zu erzählen; sie wußten auch, dass „die Delph nie die Geliebte von Goethe gewesen“. Von ihrer geheimen politischen Tätigkeit wußten sie sowenig wie ihr Großneffe Henking, der in seinen „Lebensbildern“ aus eigener Erinnerung und aus Familienüberlieferung allerhand über Dorothea Delph zu berichten wußte, aber von diesen Dingen anscheinen nie etwas gehört hatte.
In einem ihrer letzten Briefe – sie starb fünf Wochen vor der Delph – trug die Frau Rat ihrem Enkel, Goethes in Heidelberg studierendem Sohn August, Grüße an „die Delph“ auf und erkundigte sich, was diese bei ihm bei seinem letzten Besuch erzählt habe. Goethe selbst hatte ihr kurz vor ihrem Tode ebenfalls noch einen Brief durch seinen Sohn übermitteln lassen, wie wir auch aus Arnmims Schreiben erfahren. Von ihrer Briefsammlung, um die Arnim sich bemühte, ist nichts erhalten – vielleicht hat sie sie vernichtet - , und „alles, was sie von Goethe und den Seinigen aus der Erfahrung ihres tätigen Lebens wußte, hat sie unbefragt mit sich ins Grab genommen“ (Steig).
H a n s C h r i s t o p h S c h ö l l

https://de.wikipedia.org/wiki/Catharina_Elisabeth_Goethe
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Müller_(Politiker)
https://de.wikipedia.org/wiki/Achim_von_Arnim
https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_von_Arnim
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_August_(Sachsen-Weimar-Eisenach)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Amalia_von_Braunschweig-Wolfenbüttel
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._(Preußen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_(Baden)
https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstenbund_(1785)
https://de.wikipedia.org/wiki/Sulpiz_Boisserée
https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_Anton_von_Kaunitz-Rietberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Damian_Hugo_Philipp_von_Lehrbach
https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_III._Friedrich_Franz_(Anhalt-Dessau)
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Delph 
DELPH, Helena Dorothea (I580)
 
2591 Hans Fugger starb 1408 oder 1409. Seine Witwe Elisabeth führte die Weberei und den Textilhandel bis zu ihrem Tod im Jahre 1436 weiter, wobei sie das Unternehmensvermögen kontinuierlich mehrte[14] und ein Kupfermonopol aufbaute. Ihre Söhne Andreas und Jakob ließ sie als Lehrlinge das Goldschmiedehandwerk erlernen und selbst brachte sie ihnen das Weberhandwerk und den Tuchhandel bei. Die beiden Brüder bilden die „Zweite Generation“ der Fugger. Sie arbeiteten geschäftlich zusammen, wie aus der gemeinsamen Steuerveranlagung hervorgeht.

Andreas Fugger saß im Rat der Stadt Augsburg und hatte großen Einfluss. 1448 besaßen die Brüder gemeinsam bereits das fünftgrößte Vermögen der Stadt, schließlich gingen sie jedoch getrennte Wege. Im Steuerbuch von 1455 wurden sie erstmals getrennt veranlagt.[14]

Andreas Fugger starb bald nach der Unternehmensspaltung. Seine Söhne führten sein Unternehmen weiter und erhielten im Jahr 1462 ein Wappen mit dem Wappenbild eines springenden Rehs verliehen. Daher wird dieser Familienzweig „Fugger vom Reh“ genannt. Ihre Firma wurde jedoch Ende des 15. Jahrhunderts aufgrund eines riskanten Kredits, den sie Erzherzog Maximilian I. gegeben hatte, zahlungsunfähig. Maximilian verweigerte die Rückzahlung, und die gegebene Sicherung erwies sich als wertlos. Nach dem Bankrott erlangten nur noch wenige Nachkommen dieses Zweiges Geltung.

Jakob Fuggers Familienzweig florierte hingegen weiter. Er erhielt ein Wappen mit dem Wappenbild von zwei Lilien verliehen, daher wird dieser Zweig „Fugger von der Lilie“ genannt. Nach Jakob Fuggers Tod 1469 führten zunächst seine Witwe Barbara und danach seine Söhne die väterliche Firma weiter. Sie machten sie zu einem der größten und reichsten Handelshäuser Europas. Sein Sohn Jakob Fugger erhielt den Beinamen „der Reiche“. Anfang des 16. Jahrhunderts begann der Aufstieg der Familie in den Adel. 
GATTERMANN, Elisabeth (I22873)
 
2592 Hans Hartmann, Sohn des Hans Ottmar von Flachsland(en) zu Dürmenach und seiner Frau Elisabeth geb. von Mülinen selig, und Anna Maria von Breitenlandenberg, Tochter Hans Rudolfs von Breitenlandenberg selig und seiner Frau Christine geb. von Gemmingen, schließen durch ihre Eltern, Brüder, Vettern und Vormünder Martin von Flachsland, Vogt zu Wattweiler, Hans Friedrich von Hallweil zu Schafisheim (Schaffissen), Jakob Christoph und Hans Wilhelm von Flachsland, Brüder, und Gottfried von Eptingen einerseits und Hans Ulrich von (Breiten)Landenberg zu Herdern, Hans Rudolf von (Breiten)Landenberg zu Spiegelberg, die Vormünder der Braut, Hans Jakob und Hans Dietrich von und zu Breitenlandenberg, ihre Brüder anderseits, einen Heiratsvertrag. VON FLACHSLANDEN, Hans Hartmann (I37883)
 
2593 Hans Jacob Rietmann war der Sohn des Jacob Rietmann (* 1633 in St. Gallen; † 1708 ebenda), Vogt, und dessen Ehefrau Dorothea Leu (* 1638; † unbekannt) aus Bischofszell.

Er war als Weiss- und Rohzuschauer (Qualitätskontrolleur) Mitglied der Weberzunft und wurde 1720 als Elfer gewählt.[1] Von 1721 bis 1725 war er Zunftmeister und von 1725 bis 1729 Unterbürgermeister.

1729 bis 1740 übte er in einem Dreijahresturnus die Ämter des Amtsbürgermeisters, Altbürgermeisters und Reichsvogtes im Wechsel mit David Stähelin (1673–1750) und Christoph Hochreutiner (1662–1742) aus; anschliessend übte er bis 1752 im gleichen Turnus die Ämter im Wechsel mit Friedrich Girtanner (1674–1753) und Kaspar von Fels (1668–1752) aus und bis 1755 mit Johannes Vonwill und Caspar Bernet.

Hans Jacob Rietmann war seit 1701 in erster Ehe mit Katharina Ronner (* unbekannt; † 1721 in St. Gallen) aus Teufen verheiratet; namentlich bekannt sind die Söhne:

Jacob Rietmann (* 7. Mai 1702; † 20. Mai 1782), Hauptmann im Quartier St. Jacob, verheiratet in erster Ehe mit Maria Scheitlin (* 1701; † 1754) und in zweiter Ehe mit Anna Barbara Hochreutiner (* 1700; † 1781)
Pankraz Rietmann (* 24. Juni 1706 in St. Gallen; † 25. Juni 1775 ebenda), übernahm 1767 von seinem Bruder den Hauptmann-Dienstposten, verheiratet in erster Ehe mit Euphrosina (* 1712 in St. Gallen; † 1768 ebenda), einer Tochter des Anton Scheitlin (1682–1745), und in zweiter Ehe mit Maria Scheiwiler (* 1712; † 1771), der Witwe von Hans Wild.

In zweiter Ehe war er mit Weibratha (* 5. Januar 1664; † 10. Februar 1738), Tochter des Ulrich Weyermann, Bürgermeister, und in dritter Ehe mit Elsbetha (* 1678; † 1754), Tochter des Hans Georg Zollikofer, Apotheker, verheiratet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jacob_Rietmann
https://de.wikipedia.org/wiki/David_Stähelin
https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Hochreutiner
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Girtanner
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar_von_Fels
https://de.wikipedia.org/wiki/Caspar_Bernet


 
RIETMANN, Hans Jakob (I15480)
 
2594 Hans Joachim Steinmann wurde als Sohn des Webers Caspar Steinmann und dessen Ehefrau Anna geb. Bernet geboren. Sein gleichnamiger Enkel, Hans Joachim Steinmann, wurde später ebenfalls Bürgermeister von St. Gallen.

Er gehörte als Weber und Fabrikant als Mitglied der Weberzunft von St. Gallen an und war in der Zeit von 1748 bis 1754 Elfer (Vorstand) der Weberzunft, darauf folgte bis 1758 seine Wahl zum Zunftmeister und daran anschliessend seine Wahl zum Ratsherrn bis 1760.

In der Zeit von 1760 bis 1792 war er im Dreijahresturnus Amtsbürgermeister, Altbürgermeister und Reichsvogt[2]; hierbei wechselte er sich mit Daniel Högger (1706–1784) (bis 1765), Heinrich Schlumpf (1702–1783) (bis 1783) Julius Hieronymus Zollikofer und Hans Joachim Bernet (1725–1809) (bis 1793) ab.

Er heiratete 1731 in erster Ehe Weibratha Zörnlin, Tochter des Ratssubstituten (dritthöchstes Amt in der Staatskanzlei nach dem Stadtschreiber und dem Ratsschreiber) Hans Jacob Zörnlin. 1769 heiratete er dann in zweiter Ehe Sara, Tochter des Apothekers Hermann Kromm, der auch Elfer und Quartiermeister war.  
STEINMANN, Hans Joachim (I14029)
 
2595 Hans Luder, auch (Groß-)Hans Luther (* 1459 in Möhra; † 29. Mai 1530 in Mansfeld) war ein deutscher Unternehmer. Er war Hüttenmeister in der Grafschaft Mansfeld, Bergmann, Grubenbesitzer und späterer Ratsherr sowie Vater des Reformators Martin Luther, der die Namensform mit „th“ erst um 1517 annahm.[1] Die Familie führte ihren Nachnamen in unterschiedlichen Varianten: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther.[2] Damit bezog sie sich auf den seit etwa 1302 in Möhra ansässigen Ritter Wigand von Lüder, der aus dem Adelsgeschlecht von Lüder aus Großenlüder stammte.[3] Auch dieser Ort wurde abwechselnd Luodera, Lutra, Luttura und Lutar geschrieben.[4] Der Familienname Luder kann aber auch auf eine Form des Vornamens Lothar zurückgeführt werden.[5][6]

Leben
Die Lebensverhältnisse der Familie Luder sind vor allem als Hintergrund für die Jugend des ältesten Sohns, Martin Luther, interessant. War die Forschung lange Zeit von Luthers autobiographischen Äußerungen bestimmt, der Vater sei ein armer Bauer, Bergmann, Häuer gewesen, so ergibt sich heute ein differenziertes Bild. Zum allgemeinen politisch-ökonomischen Hintergrund der Familie Luder sind folgende Fakten bedeutsam: Seit dem Jahre 1460 stritten die Kurfürsten von Sachsen, etwa Kurfürst Ernst von Sachsen, und die Mansfelder Grafen um die Berghoheit, die Abbaurechte im Mansfeldischen. Um 1511 gründete Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort (1480–1560), einer der Söhne des Grafen Ernst I. von Mansfeld-Hinterort (1475–1485/1586), die Eislebener Neustadt[7] als Bergarbeitersiedlung, sie wurde im Auftrag des Grafen von Albrecht mit einer Kirche und einem Kloster ausgestattet.

Elternhaus und Geschwister
Hans Luder entstammte der bäuerlichen Oberschicht in Möhra. Seine Eltern waren Heine Luder (um 1430 – um 1510) und Margarete, geborene Ziegeler (um 1434 – 1521). Durch diese Ehe hatten sich zwei der wohlhabendsten Bauernfamilien des Orts verbunden.[8] Sie hatten mindestens drei Söhne, wobei die Angaben zu den Geburtsjahren differieren:

(Groß-)Hans
Veit (* um 1460)
(Klein-)Heinz Luder (1459–1530).[9]
Die Familie Luder war in Möhra Jahrzehnte auf einem Erbbauernhof ansässig. (Klein-)Heinz hatte als jüngster Sohn die Anwartschaft auf den elterlichen Hof. Für das Jahr 1531 lassen sich die Einwohner des Orts anhand ihres Steueraufkommens wie folgt einordnen: 11 % gut situierte Bauern, 18 % mittlere Bauern, 71 % Kleinbauern.[10] (Klein-)Heinz Luder wurde mit einem Steueranschlag von 203 Schock Groschen veranschlagt. Er gehörte damit zu den sieben reichsten Bauern in Möhra. Der Familienverband der Luders in Möhra insgesamt stand in der dörflichen Hierarchie an dritter Stelle hinter den Barchfeldt und Ziegeler (der Familie von Hans Luders Mutter).[11]

(Groß-)Hans Luder war nach den Gesetzen der Region, obgleich der älteste Sohn der Luders, nicht erbberechtigt. Es war aber nicht so, wie von der älteren Forschung angenommen, dass er aus Möhra weggezogen wäre, um nicht als Knecht seines Bruders zu arbeiten.[12] Die Luders in Möhra betrieben nach archivalischen Quellen einen Kupferhammer bei Ettenhausen, und montanarchäologisch ist der Abbau von Kupferschiefererzen im Raum Gumpelstadt nachgewiesen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich Hans Luder der Montanindustrie zuwandte und in Kupfersuhl wohl regelrecht zum Bergmann ausgebildet wurde. So sammelte er seine ersten Arbeitserfahrungen im örtlichen Bergbau.[13] So arbeitete er als Bergmann wahrscheinlich zunächst in Kupfersuhl in der Nähe von Möhra.[14]

Heirat mit Margarethe Lindemann (um 1479)
Nun hatte das im Raum Möhra produzierte Kupfer eine minderwertige Qualität und war seit den 1460er-Jahren kaum noch konkurrenzfähig. Professionelle Bergleute wie Hans Luder waren hingegen gesucht. Der Wechsel in ein anderes Revier war die naheliegende Konsequenz, wie überhaupt die berufliche Mobilität kennzeichnend für Berg- und Hüttenleute war. Wie Sohn Martin erinnerte, zog sein Vater zunächst nach Eisenach, wo im Zeitraum 1466–1482 bergbauliche Aktivitäten in den Quellen nachweisbar sind, die über Prospektionen allerdings nicht hinauskamen.[15]

Hans Luder heiratete um 1479 die gleichaltrige Margarethe Lindemann (* 1459 wohl in Eisenach; † 30. Juni 1531 in Eisleben). Margarethe, in der Familie auch Hanna genannt, entstammte dem in Eisenach ansässigen Bürgergeschlecht der Lindemann. Die Lindemanns stammten aus dem gehobenen Handwerker- oder Kaufmannsstand; Margarethes Brüder hatten ein Jurastudium abgeschlossen, eine Voraussetzung für weiteren sozialen Aufstieg. Ein anderer Zweig der Familie Lindemann war im Bergwerks- und Hüttenwesen engagiert: Der Onkel von Margarethe, Antonius Lindemann, war zu jener Zeit der oberste Bergverwalter (Berggraf) in der Grafschaft Mansfeld. Beide Komponenten erklären die Eheschließung des aus der dörflichen Oberschicht stammenden Hans Luder mit einer Frau aus städtischem Bürgertum.[15]

Die Eisenacher Verwandtschaft mütterlicherseits war für den jungen Martin Luther wichtig, so äußerte er sich in einem Brief aus dem Jahr 1520: „In Eisenach wohnt nahezu meine ganze Familie, die können für mich zeugen …“[16]


Bildnis des Hans und der Margaretha Luther, geb. Lindemann, 1527
Umzug nach Eisleben (1483)
Im Sommer 1483 entschied sich Hans Luder, mit seiner Ehefrau Margarethe in die Grafschaft Mansfeld umzuziehen. Er kam nicht als einfacher Bergarbeiter („Dinghauer“) in die Mansfelder Grafschaft, vielmehr hatte er bereits an seinen früheren Wohnorten Erfahrungen in der Gewinnung sowie Verhüttung von Kupferschiefer gesammelt und besaß ferner genügend Eigenkapital, um die jährlichen Pachtsummen für ein „Feuer“, also für die Unterhaltung einer Hütte, bezahlen zu können. Im Gegensatz zur älteren Forschung ist nicht anzunehmen, dass er diese Summe von einem Hauerlohn zusammensparte (dieser reichte nur für die Grundlebenshaltung einer Familie); dass er „aufgrund seines familiären und verwandtschaftlichen Hintergrundes bereits über das notwendige Betriebs- bzw. Startkapital verfügte“, ist zwingend vorauszusetzen.[17]

Die erste Station war Eisleben. Seit dem Jahre 1460 stritten die Kurfürsten von Sachsen, etwa Kurfürst Ernst von Sachsen und die Mansfelder Grafen um die Berghoheit, den Abbaurechten im Mansfeldischen. Um 1511 gründete Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort (1480–1560), einer der Söhne Grafen Ernst I. von Mansfeld-Hinterort (1475–1485/1586), die Eislebener Neustadt als Bergarbeitersiedlung, sie wurde im Auftrag des Grafen von Albrecht mit einer Kirche und einem Kloster ausgestattet. In Eisleben mietete Hans Luder ein schlichtes Fachwerkhaus etwas abseits des Marktplatzes. Dort kam am 10. November 1483 ihr Sohn Martin zur Welt.

Wie viele Kinder das Ehepaar hatte, ist nicht sicher, insgesamt waren es wohl neun Kinder, von denen die Söhne Martin und Jakob sowie drei Töchter das Erwachsenenalter erreichten.[18]

Umzug nach Mansfeld (1484)
Da Hans Luder in Eisleben nicht recht vorankam, zog die Familie im Frühsommer 1484 weiter nach Mansfeld, das in dieser Zeit als eine Hochburg der Kupfergewinnung galt. Die Residenzstadt der Grafen von Mansfeld blieb bis zum Lebensende Hans Luders dessen Wohnsitz. Der Grund für den Wohnortwechsel lag darin, dass Hans Luder – er war zunächst in der Kupferproduktion um Möhra und Eisleben in Thüringen tätig – die silberhaltigen Kupferschiefervorkommen im Mansfeldischen, die bessere Gewinne boten, den unrentabel gewordenen Hütten vorzog. Schon im Frühjahr 1484 pachtete Hans Luder eine Schmelzhütte mit den Schmelzöfen, die sogenannten Herrenfeuer, von dem Grafen Ernst II. von Mansfeld-Vorderort (1479–1531) und etablierte sich in kurzer Zeit im Kupferschieferbergbau. Im Jahr 1491 wurde er Mitglied des Stadtrates, ein sogenannter Vierherr. Wegen seines guten Startkapitals und einer Vernetzung, über die der Onkel verfügte, stieg Hans Luder bald als Hüttenmeister und Kaufmann sowie Ratsherr zu den Honoratioren der Stadt auf. Er betrieb in Mansfeld eine Schmelzhütte für die Verarbeitung von Erzen aus dem Harzbergbau. Sein Geschäftspartner war Hans Lüttich († 1507), der zu den wichtigsten Eisleber Hüttenmeisterfamilien gehörte und das Amt des Stadtvogts ausübte. In einem Vertrag vom August 1507 zwischen Tile Rinck, der die unmündigen Kinder des Hans Lüttich vertrat, und Hans Luder wurde vereinbart, dass die Geschäftsbeziehungen trotz des Todes Lüttichs aufrechterhalten und beide Vertragspartner am Gewinn der Schmelzhütte vor dem Rabenkupp beteiligt werden sollten. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gehörte Hans Luder bereits zu der bürgerlichen Schicht der Hüttenmeister und war in die Mittel- bzw. Oberschicht der Stadt Mansfeld aufgestiegen.[19]

Hüttenbetrieb (ab 1484)
In den frühen Dezennien des 15. Jahrhunderts entwickelte sich das Seigerhüttenverfahren, mit welchem es gelang, insbesondere die häufig gemeinsam auftretenden Kupfer-Silber-Erze (siehe Kupferschiefer, Kupferbergbau), aufzutrennen. Das „Mansfelder Erz“ ist ein polymetallisches Erz, aus dem letztlich bis zu einundzwanzig Metalle gewonnen werden konnten. Das Saigerhüttenverfahren, das mit seiner Entwicklung eine Silberscheidung aus Kupfererzen ermöglichte, gehörte neben der Erzeugung von flüssigem, d. h. gießbarem, Eisen zu denjenigen metallurgischen Verfahren, die den Beginn der Neuzeit kennzeichnen und die eine lang andauernde technologische Stagnationsphase beendeten.


Darstellung des Bergbaus von Georgius Agricolas aus De re metallica (1556)
Diese neuartige Hüttentechnik brachte eine größere Anzahl von externen Investoren in das sich nunmehr komplexer gestaltende ökonomische Beziehungsgeflecht ein. Die Folge waren ein Aufheben der sonst zeitlich nicht eindeutig begrenzten Pachtverträge zugunsten kürzerer Laufzeiten. Hieraus entstand eine Zweiklassenordnung der Hüttenbesitzer mit einer kleinen, wohlhabenden Elite und einem tief verschuldeten Rest an Hüttenpächtern.

Heinz Lüttich, Hans Luders Geschäftspartner des Jahres 1484, entstammte einer alteingesessenen Hüttenmeisterfamilie aus Eisleben. Er hatte dort 1501 und 1504 das Amt des Stadtvogtes inne. Später besaß Hans Luder in Mansfeld sieben Rennfeuer und ließ bis zu 200 Arbeiter in seinem Betrieb arbeiten. Aus der sich komplexer entwickelnden ökonomischen Situation waren nunmehr Kenntnisse für das Lesen und Aufsetzen von rechtsgültigen Verträgen notwendiger geworden, wahrscheinlich ein bedeutender Grund dafür, seinen Sohn Martin Luther Rechtswissenschaften studieren zu lassen.[20][21][22]

1507 schloss Hans Luder mit Tile Rinck einen Vertrag über den Betrieb eines Hüttenwerks mit drei Schmelzfeuern vor der „Rabenkupp“ westlich von Mansfeld.[23] Über die Zeit und durch günstige wirtschaftliche Umstände konnte Hans Luther etwa 10 Prozent der damaligen Jahresproduktion an Mansfelder Kupfer erzeugen, das entsprach etwa 100 Tonnen Kupfer und 600 Kilogramm Silber mit einem Materialwert von etwa 39.000 Gulden. Allerdings waren seine Hütten und Bergwerke aufgrund einer Verschuldung schon im Jahre 1520 auf eine Seigergesellschaft übergegangen.

Wohnhaus (um 1500)
In Mansfeld wohnte die Familie zunächst zur Untermiete in einem Haus am Stufenberg bei der Familie Dienstmann. Wenig später bezogen die Luders ein gegenüber dem Schloss gelegenes repräsentatives Wohnhaus. Es handelt sich dabei um einen Vierseithof, gegenüber dem Gasthof „Zum Goldenen Ring“ in der heutigen Lutherstraße, von dem das bislang als eigentliches Elternhaus Luthers bezeichnete Gebäude nur einen kleinen Teil ausmachte.[24] Mit den nicht mehr vorhandenen Wirtschaftsbauten bildete das ursprüngliche Anwesen mit seiner vierseitigen Hofbebauung, die mit einem Garten und einem teilweise noch erhaltenem Stallgebäude an der östlichen Seite des Hofes ergänzt wurde, einen umfangreichen Gebäudekomplex. Sowohl Ausmaß als auch entsprechende Funktionsbereiche sprechen für einen hohen sozio-ökonomischen Status des Besitzers.[25]

Ebenso unterstützen diese Annahme die archäologischen Funde, die auf dem Gelände des abgegangenen Zwischenstücks des Vorderhauses entdeckt wurden, und belegen die gute ökonomische Stellung der Familie Luder. Bei Ausgrabungen Schlenkers (2007)[26] im Hof des lutherischen Elternhauses fand man in einem Treppenschacht, der einst wahrscheinlich als Müllhaufen u. a. für Essensreste diente, ca. 7000 Tierknochen, die meisten stammten von (jungen) Hausschweinen, aber auch von Geflügel, wie Gänsen, jungen Hühnern, einigen Enten und Tauben, aber auch Singvögeln, etwa anhand von gefundenen Buchfinkenschnäbeln. Fisch wurde als Fastenspeise verzehrt: Karpfen, Zander, Aale und Meeresfische wie Heringe, Dorsche und Schollen.[27]

Letzte Lebensjahre und Tod
Hans Luder war vor 1505 Mitglied in der Marienbruderschaft und 1510 in der St.-Georgs-Bruderschaft.[28] Die frühen archivalischen Nachweise Hans Luders als „Vierherrn“ stehen fast alle im Zusammenhang mit Altarweihen in der Mansfelder St. Georgskirche.[28]

Martin Luther berichtete rückblickend, wie sein Vater die Neuigkeit, der Sohn wolle Mönch werden, aufnahm: „…do wollte mein Vater auch tolle werden, war übel zufrieden und wolt mirs nicht gestatten, und ich wolts gleichwol auch mit seinem Wissen und willen thun. Do ichs ihm schriebe, antwort er mir schriefftlich widder und hies mich Du – zuvor hies er mich Ir, weil ich Magister war – und sagte mir allen gonst und Veterlichen willen gar abe.“[29]

Der Klostereintritt des Sohnes Martin durchkreuzte seine Planungen; er spendete aber anlässlich von dessen Primiz 1507 der Klosterküche die erhebliche Summe von 20 Gulden und erschien zu diesem Anlass mit zwanzig von ihm freigehaltenen Gästen.[30]

Das wirtschaftliche Fundament der meisten Hüttenmeister und so auch des Hans Luder beruhte auf dem Hütten- und Bergwerksbetrieb, zweitens auf Grund- und Landbesitz und drittens aus Zinseinkünften aus Geldgeschäften. Viertens hatte Hans Luder auch die Bergbeamtenfunktion eines Schauherren, was ihm ein Gehalt und Anteil an verhängten Strafgeldern einbrachte. Der erste Teil dieser Einkünfte brach allerdings für Hans Luder, wie für viele Hüttenmeister, in den 1520er Jahren weg.[31]

Die Schuldverschreibung und damit ein genaues Datum liegt nicht vor, aber Hans Luder war seit dieser Zeit gezwungen, seine Berg- und Hüttenwerke als Pfand zu verschreiben.[31] Er arbeitete nur noch als Angestellter für einen Lohn von 50 Gulden im Jahr bei den Investoren der Seigergesellschaft von Schwarza, gegründet am 4. Juli 1472 von Graf Friedrich von Henneberg-Aschach.[32] Das war ein Rückschlag, änderte aber, da die anderen Einkünfte fortbestanden, nichts daran, dass Hans Luder relativ wohlhabend war. Die Hüttenmeisterei Luder nahm den Betrieb von Hütten im Goslarer Raum auf, als die Mansfelder Grafen in ihrem Herrschaftsbereich die Hütten an sich zogen und die früheren Hüttenbesitzer somit auch die Familie Luder weitgehend verdrängten.[33]

Als Martin Luther im Sommer 1525 heiratete, waren auch seine Eltern anwesend.[34] 1527 malte Lucas Cranach der Ältere zwei Porträts von Hans und Margarethe Luder. Ihr jüngerer Sohn Jacob Luther[35] übernahm den elterlichen Betrieb. Bei seinem Tod 1530 hinterließ Hans Luder Güter im Wert von 1250 Gulden, nämlich zwei Häuser bzw. ein Doppelhaus in Mansfeld sowie Landbesitz. (Zum Vergleich: das war mehr als das zehnfache Jahresgehalt eines normalen Wittenberger Professors.[18]) Klugerweise hatte er seine Bergwerks- und Hüttenanteile, also sein Betriebskapital, von seinem Privatbesitz getrennt, so dass die Seigerhandelsgesellschaft auf letzteren keinen Zugriff hatte. Es scheint aber, dass die Hütten und Bergwerksanteile zur Schuldentilgung an die Schwarzer Seigerhandelsgesellschaft fielen, jedenfalls betrieb Sohn Jacob nur die eigenen Hütten und Bergwerke und nicht die seines Vaters.[36] Er war vom Jahre 1533 bis 1560 Ratsherr und mehrfach Schultheiß in Thal Mansfeld (Mansfelder Grafschaft).

Martin Luther erhielt am 29. Mai 1530 auf der Veste Coburg die Nachricht vom Tod seines Vaters.[37] 
LUDER, Hans (I48605)
 
2596 Hans wurde Burger 1476 SPINDLER, Hanns (I1452)
 
2597 Hansdelsmann, Ratsherr, Weinhändler in Bochum

Grolman Adelsgeschlecht
https://de.wikipedia.org/wiki/Grolman_(Adelsgeschlecht) 
GROL(L)MANN, Caspar Dietrich (I744)
 
2598 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7133)
 
2599 Hartmann entstammte dem schwäbischen Geschlecht der Grafen von Dillingen, das im Donauraum begütert war. Er war der Sohn von Hupold († 1074), Graf von Dillingen.[1] Durch die Ehe Hartmanns I. von Dillingen mit Adelheid von Winterthur-Kyburg, vermutlich eine Tochter des letzten Winterthurer Grafen Adalbert II., kamen die Grafen von Dillingen zu weitläufigen Besitzungen und Gebietsansprüchen im Thurgau und nannten sich nun auch Grafen von Kyburg. Ein Sohn von Hartmann war Ulrich I. von Kyburg-Dillingen († 1127), Bischof von Konstanz. Eine Tochter war Adelheid von Dillingen († 1. Dezember 1141 als Nonne im Kloster Zwiefalten), die verheiratet war mit Ulrich I. von Gammertingen († 18. September 1110), Graf von Gammertingen.

Das Kloster Neresheim wurde 1095 von Graf Hartmann von Dillingen und seiner Frau Adelheid auf der Burg Neresheim als Augustiner-Chorherrenstift gegründet und 1106 in eine Benediktinerabtei umgewandelt, die sich der Hirsauer Reform anschloss. Vor seinem Tod trat Hartmann I. als Mönch in das Kloster Neresheim ein und starb dort im Jahr 1121. 
VON DILLINGEN, Hartmann I. (I47145)
 
2600 Hartmann entstammte dem schwäbischen Geschlecht der Grafen von Dillingen, das im Donauraum reich begütert war und die Vogtei über die Reichsstadt Ulm innehatte. Er war der jüngste Sohn von Graf Hartmann IV. von Dillingen († 1258) und der Willibirgis († vor 1248).[1] Der Familie entstammten auch der Augsburger Bischof Walter I. (1133–1152) und die Konstanzer Bischöfe Eberhard I., Warmann und Ulrich I.

Hartmann war 1246/47 Domherr in Augsburg. Nach der Absetzung des staufertreuen Bischofs Siboto von Seefelds durch Papst Innozenz IV. wurde er 1248 zum Bischof von Augsburg ernannt. Weil Augsburg in staufischer Hand war, erfolgte seine Weihe allerdings erst im Jahr 1256. Im Konflikt zwischen Staufern und Papst zählte Hartmanns Familie zusammen mit den Grafen Ulrich I. von Württemberg und Hartmann II. von Grüningen zu den bedeutendsten Gegnern von König Konrad IV.

In seinem Bistum war er ein Förderer der Klöster und Spitäler. Er erlaubte den Bettelorden der Dominikaner, Franziskaner und Karmeliter, die Seelsorge in seiner Diözese. Er lag seit 1256 im Streit mit Ludwig II. von Bayern um die Vogtei des Hochstifts, konnte sich schließlich 1270 durchsetzen, verlor aber die Vogtei 1276 wieder an das Reich. In der Fehde mit Ludwig III. von Oettingen um die Vogtei des Klosters Neresheim entschied ein Schiedsgericht unter Leitung von Albertus Magnus gegen ihn. Schwigger II. von Mindelberg nahm ihn 1266 gefangen und brannte seine Burg Straßberg nieder.

Nach dem Tode seines Bruders Adalbert (1257) und seines Vaters Hartmann IV. (1258) hatte er neben seinen Schwägern einen Großteil des verbliebenen Dillinger Besitzes geerbt,[2] die 1258 bzw. 1286 weitgehend an das Hochstift Augsburg übergingen. Mit Hartmanns Tod 1286 erlosch das Geschlecht der Grafen von Dillingen.

Hartmann wurde im Augsburger Dom vor dem Kreuzaltar bestattet. 
VON DILLINGEN, Hartmann V. (I47136)
 

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