Strauss Genealogie


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3101 Ladenburger Ratsherr

Stammfolge Demuth 1. Generation 1/1, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html 
BRETTEL, Hans (I43796)
 
3102 Laer oder besser gesagt van Laer tot Hoenlo [faːn'laːɐ̭'tɔt'hʊnloː] ist ein Adelsgeschlecht aus der niederländischen Provinz Overijssel. Vermutlich nannte sich diese Familie nach dem Gut 't Laer[1] bei Ommen.

Im Jahre 1612 heiratete Henry van Laer tot Hoenlo die Baarloserin Anne Bertrame van Eyll. Anne war die einzige Tochter des Sybert III van Eyll, der als Herr von Baarlo das Chateau d'Erp besaß. Als Sybert im Jahr 1613 starb, wurde Henri van Laer zu Hoenlo der neue Herr von Baarlo. Die Herrlichkeit blieb bis 1690 in den Händen dieser Familie. Nachdem 1626 Anne gestorben war, heiratete Henri erneut, dieses Mal 1632 Christina van Bylandt. Der kurz vor dieser Ehe geborene Sohn John Bertram van Laer heiratete 1662 Alexandrina Maria van Hasselholt, genannt Stockhem. Ihr Vater, John Godefridus, kaufte im Jahre 1674 die Herrlichkeit Blerick von König Karl II. von Spanien.

Nachdem 1677 Johannes gestorben war, wurde John Bertram Herr von Blerick, bis dieser im Jahre 1702 starb. Von 1679 musste er die Herrlichkeit im Besitz nacheinander mit der Romer- und der Ruijs-Familie teilen. Ihm folgte im Jahre 1702 sein Sohn Otto Henricus als Herr der Herrlichkeit zur Hälfte, der den Heershof (auch genannt Laerhof) bezog, während die anderen Familien das Schloss Boerlo bewohnten. Beide Hälften blieben im Besitz der jeweiligen Familien in der französischen Zeit, nachdem alle feudalen Rechte verfallen waren. Anthony Sigismundis war zwischen 1742 und 1792 der letzte seiner Familie van Laer und Teilherr der Herrlichkeit Blerick.
 
VON LAER, Marie Therese (I45683)
 
3103 Lambert heiratete um 985–990 die Karolingerin Gerberga (* wohl 975; † 27. Januar nach 1018), die älteste Tochter des Herzog Karl von Niederlothringen, der seit 987 westfränkischer Thronprätendent war und 991 von Hugo Capet gefangengesetzt und bis zu seinem Tod in Orléans eingekerkert wurde. Lambert und Gerberga sind im Kloster St. Gertrud zu Nevilles beigesetzt.

Aus dieser Ehe leiteten die Grafen von Löwen ihren Anspruch auf das Herzogtum Niederlothringen ab, den Lamberts Nachkommen ab 1106 mit Gottfried I. von Löwen auch realisieren konnten. 
(LÖWEN), Lambert I. mit dem Barte\der Bärtige (I40928)
 
3104 Lambert war der Sohn des Herzogs Guido von Spoleto aus dem Haus der Guidonen und seiner Ehefrau Ageltrude. 889 wurde Guido König von Italien und 891 zwang er Papst Stephan V., ihn zum Kaiser zu krönen. Sein Vater brachte im Februar 892 den neuen Papst Formosus dazu, Lambert zum Mitkaiser zu ernennen. Als Guido zwei Jahre später starb, erbte Lambert die Krone, verlor sie aber bereits 896 an Arnolf von Kärnten. Diesen hatte Formosus nach Italien gerufen, weil ihm die Guidonen zu mächtig wurden. Nach dem Abzug Arnolfs und dem Tod des Formosus kehrte Lambert 897 als Kaiser zurück. Arnolfs Salbung wurde von Papst Johannes IX. für nichtig erklärt. VON SPOLETO, Lambert (I39712)
 
3105 Landenberg
Die Herren von Landenberg sind ein mittelalterliches Adelsgeschlecht mit Stammsitz auf Burg Alt-Landenberg im Schweizer Kanton Zürich und seit dem späteren 13. Jahrhundert mit Nebensitzen auf Burg Breitenlandenberg, Burg Hohenlandenberg, auf Schloss Greifensee und in Rapperswil. Als letzter männlicher Vertreter der Familien in der Schweiz starb 1885 Hartmann Friedrich von Breitenlandenberg; in der Bundesrepublik Deutschland leben noch heute Angehörige des Geschlechts.[1][2]

Die Landenberger spielten eine wichtige Rolle in der Geschichte des Kantons Zürich sowie von Teilen der heutigen Kantone Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen im 14. und 15. Jahrhundert. Mit der Erstarkung der Eidgenossenschaft verloren sie viele ihrer angestammten Besitztümer, konnten aber im Thurgau und am Bodensee einigen Einfluss bewahren. Sie stellten in dieser Zeit auch zwei Bischöfe von Konstanz, Hermann von Breitenlandenberg (1466–1474) und Hugo von Hohenlandenberg (1496–1529).

Nach der Reformation erwarben einige Landenberger Besitz im Elsass und in Südbaden, aber mit der Landenbergischen Fehde verloren sie bereits 1542 wieder die 1526 erworbene Herrschaft Schramberg. In der Schweiz erhielten sie bis 1551 die Herrschaft Altenklingen sowie bis zum Franzoseneinfall 1798 einzelne Schlösser und regionale Gerichtsbarkeiten. Im Elsass verloren die Landenberger ihre verbleibenden Besitztümer in der Französischen Revolution.
https://de.wikipedia.org/wiki/Landenberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Ruine_Alt-Landenberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Ruine_Breitenlandenberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Ruine_Hohenlandenberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Greifensee

Peter Kessel: Historisches Familienlexikon der Schweiz
http://www.hfls.ch/humo-gen/family/1/F5381?main_person=I17453

Zürich: Genealogische Register von Zürich, Seite: S von Schönau S.158




 
VON HOHENLANDENBERG, Susanna\Osanna (I11364)
 
3106 Landesarchiv Karlsrhuhe:
43 Nr. 2501 Kurfürst KARL PHILIPP VON DER PFALZ (1661-1742) gestattet dem JOHANN CHRISTIAN WALSTORFF auf die von Kurpfalz lehnbare Hofapotheke zu Heidelberg ein Kapital von 3.500 Gulden aufzunehmen. Generallandesarchiv Karsruhe

43 Nr. 2503 Kurfürst KARL PHILIPP VON DER PFALZ erteilt dem JOHANN CHRISTIAN WALSTORFF die erbliche Belehnung mit der Hofapotheke zu Heidelberg.

43 Nr. 2504 JOHANN CHRISTIAN WALSTORFF reversiert gegenüber Kurfürst KARL PHILIPP VON DER PFALZ wegen der erblichen Belehnung mit der Hofapotheke zu Heidelberg.

Frühe Neuzeit Köthen (Anhalt)
Um 1500 wurde erstmals die Schenke Schackenthal, der heutige Schwarze Bär und Sitz der Commerzbank, urkundlich erwähnt.[16] 1502 bekam die Neustadt das Stadtrecht verliehen, die Autonomie vom Fürsten scheint aber geringer gewesen zu sein als die der Altstadt. Da 19 der insgesamt 60 Punkte der Neustädter Willkür sich mit dem Bierbrauen beschäftigten, war dies vermutlich einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Ortes.[15] Im Jahre 1525 wurde Anhalt-Köthen unter Fürst Wolfgang nach dem Vorgang von Kursachsen das zweite Land der Welt, das durch die Reformation die lutherische Lehre als Landesreligion einführte.

Wolfgang (Anhalt-Köthen)
Wolfgang, Fürst von Anhalt-Köthen, genannt „der Bekenner“ und „der Standhafte“ (* 1. August 1492 in Köthen; † 23. März 1566 in Zerbst) aus dem Geschlecht der Askanier, war ein anhaltischer Landesfürst und Reformator. Er regierte von 1508 bis 1562.

Die Kurpfalz
(Kurzform für Kurfürstentum Pfalz, genauer kurfürstliche Pfalzgrafschaft bei Rhein oder kurfürstlich rheinische Pfalzgrafschaft) war ein bis 1803 bestehendes Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reichs. Die Kurpfalz lag an Ober- und Mittelrhein, zwischen Mosel und Kraichgau, mit dem Kerngebiet am unteren Neckar und den Hauptstädten Heidelberg und Mannheim. Das kurpfälzische Staatsgebiet war nicht zusammenhängend, sondern ein für die damalige Zeit typischer „Flickenteppich“ mit Exklaven und Enklaven; einzelne Territorien teilte man sich sogar mit anderen Staaten.

Ehemals kurpfälzische Gebiete liegen heute in den deutschen Ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern (Obere Pfalz = Oberpfalz, Pfalz-Neuburg), Saarland sowie in den heute zu Frankreich gehörenden Départements Bas-Rhin (dt. Unterelsass) und Moselle.
Ein Kurfürst (lateinisch princeps elector imperii oder elector) war einer der ursprünglich sieben, später neun und zuletzt zehn ranghöchsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, denen seit dem 13. Jahrhundert das alleinige Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs zustand. Mit diesem Königstitel war traditionell der Anspruch auf die Krönung zum römisch-deutschen Kaiser durch den Papst verbunden.

Die Bezeichnung Kurfürst geht auf das mittelhochdeutsche Wort kur oder kure für Wahl zurück, aus dem das neuhochdeutsche küren entstanden ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Kurfürst 
WALSDORF \ WALSTORFF, Johann Christoph\Christian (I582)
 
3107 Landrichter im Aargau VON RÜSSEGG, Ulrich I. (I7889)
 
3108 Landvogt in den freien Ämtern 1551, im thurgau 1560, Gesandter übers Gebirg 1554, Ratsherr von freier Wahl 1564 WEGMANN, Hans (I3656)
 
3109 Landwirt
Stammfolge Heintzelbäcker 7. Generation Blatt 7/3, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html



Stammfolge Metz 1. Generation Blatt 1/1, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html

Stammfolge Metz 2. Generation Blatt 2/4, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html

Stammfolge Metz 3. Generation Blatt 3/6, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html

Stammfolge Metz 4. Generation Blatt 4/9, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html
siehe
5. Johann Jacob siehe Blatt 5/13
8. Philipp Peter siehe Blatt 5/14a
9. Philipp siehe Blatt 5/15
11.....siehe Blatt 6/6

 
METZ, Philipp Peter I. (I43528)
 
3110 Landwirt in Lipp, bis 1667 Schöffe des Dingstuhls Königshoven, 1640-1654 und 1659-1666 Ältester der reformierten Gemeinde Kirchherten
A. Blömer, Ahnenliste der Geschwister Wienandts zu Rheydt, Mönchengladbach 1984, S. 98
A. Blömer, Ahnenliste Johann Peter Keller, * 3.4.1935 in Rheydt, Mönchengladbach 1987, S. 95
A. Blömer, Ahnenliste der Geschwister Dürselen aus Otzenrath und Lürken, Mönchengladbach 1993, S. 12
A. Blömer, Ahnenliste des Wilhelm Arnold Nierstras, Mönchengladbach 2000, S. 14
A. Blömer, Die Abstammung des Johann Wilhelm Lünen (Lüngen
aus Angelsdorf, Mönchengladbach 2001, S. 27, 36
A. Blömer, Die Familie Reisgen aus Lipp bei Bedburg, Mönchengladbach 2005, S. 24 f.
A. Blömer, Die Vorfahren des Johann Heinrich Blanckerts, Mönchengladbach 2006, S. 22,  
REISGEN, Johannes (I989)
 
3111 Landwirt in Weinheim, lt. Nahrungszettel 411 von 1766 Besitzer von Haus mit Scheuer im Großviertel DEMUTH, Johann Peter (I2345)
 
3112 Landwirt, (A 2/119)und (A 5/103)

siehe
Stammfolge Arzt 2. Generation Blatt 2/1, Stadtarchiv Weinheim https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/stadtarchiv.html

siehe Blatt
3/1 
HÖRTH, Adam (I43867)
 
3113 Lantpert stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Ebersberg. Er wurde im Jahr 937 Bischof von Freising. Der Legende nach hat Lantpert im Jahr 937 durch sein Gebet den Dom von Freising in Nebel gehüllt und so vor der Zerstörung durch die einfallenden Ungarn bewahrt. Freising erhielt unter seiner Regierung das Münzrecht. 952 ist seine Teilnahme an einer Reichssynode in Augsburg belegt. Im Jahr 955 endete die Schlacht auf dem Lechfeld mit dem Sieg von Otto I. über die Ungarn, was die Bedrohung seines Bistums beendete. Lantpert wird bis heute in Bayern als Heiliger verehrt, im Dom von Freising steht sein 1973 gestiftetes Reliquiar. Er ist Patron zweier Pfarrkirchen in seinem Bistum, von St. Lantpert in München-Milbertshofen und St. Lantpert in Freising-Lerchenfeld. Sein Gedenktag ist der 18. September.

In der Kunst wird Lantpert gelegentlich mit einem Lamm als Attribut dargestellt. Ihm zu Ehren steht auf der Korbinianbrücke in Freising eine Brückenfigur. 
VON FREISING, Lantpert (I37577)
 
3114 Lanzelin, Kanzelin oder Landolt[1] († August 991) war vermutlich der Sohn von Guntram dem Reichen, dem Stammvater der Habsburger, und Vater des Radbot, des Gründers der Burg Habsburg und des Klosters Muri.

Der Name seiner Frau war, da die Quellen sich widersprechen, entweder Luitgard von Thurgau oder Liutgard bzw. Lütgard von Nellenburg (* 960). Sie war eine Tochter des Grafen Eberhard III. im Thurgau.[2]

Er nannte sich Graf von Altenburg, möglicherweise nach der gleichnamigen heute noch erhaltenen Burg Schlösschen Altenburg in Altenburg bei Brugg (im heutigen Kanton Aargau, unweit von der später erbauten Habsburg), vielleicht aber auch nach Altenburg im Klettgau: Er wird auch als Graf von Klettgau und Thurgau bezeichnet. Von ihm heißt es, dass er Ländereien im heutigen Aargau gewaltsam erobert haben soll.  
(HABSBURG), Lanzelin Kanzelin oder Landolt (I35485)
 
3115 latein-Deutsch Übersetzung: Parva - kleines Mädchen
zu Gemmingen:
Gemmingen ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg, im nordöstlichen Kraichgau. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken.
Der Ort Gemmingen zählte als reichsritterschaftlicher Ort zum Ritterkanton Kraichgau, während Stebbach und Streichenberg an die Kurpfalz kamen. 1497 erlangten die Herren von Gemmingen an ihrem Stammsitz Gemmingen die Hochgerichtsbarkeit. Der Ortsherr Wolf von Gemmingen († 1555) gründete 1521 die Lateinschule Gemmingen und war ein früher Anhänger Luthers und Förderer der Reformation, die er in Gemmingen dauerhaft durchführte, während Streichenberg und Stebbach von häufigen Konfessionswechseln der Kurpfalz betroffen waren.

Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort nahezu entvölkert und nach 1648 durch Einwanderer aus der Schweiz und Frankreich aufgesiedelt, die nach den Verwüstungen des 1688 bis 1697 tobenden Pfälzischen Erbfolgekrieges mehrfache Wiederaufbauarbeit leisten mussten.  
PARVA, Anna Barbara Maria (I344)
 
3116 lateinisiert aus ´Fischer`

Das Evangelische Rheinland, II. Band, S. 386. Studium in Straßburg und Tübingen. Professor in Straßburg 1571 und Entlassung 1573 wegen Übertritts zum ref. Glauben. In Basel 1574 (Matrikel der Universität Basel - siehe www.e-codices.ch - 1574/75, ohne genaues Datum, "Argentinensis"). Professor in Heidelberg und Entlassung 1576. Rektor in Siegen 1576/78 und Neustadt 1578/81, Pfarrer in Moers 1581/84 und Rektor in Herborn 1584/1625. Siehe auch Jean-Pierre Bodmer, Das Studentenstammbuch des Johann Jakob Breitinger (1575-1645), in Zwingliana 18/3 (1990), S. 213-233): Eintrag vom März 1594 in Herborn. Schuf 1602/04 eine calvinistische Bibelübersetzung ("Piscator-Bibel").


Johannes Piscator
– latinisiert aus ‚Fischer‘ (* 27. März 1546 in Straßburg; † 26. Juli 1625 in Herborn) war ein elsässischer reformierter Theologe und Bibelübersetzer.

Piscators Vater starb 1550, die Lebensdaten seiner Mutter sind nicht bekannt. Er war mit Ottilie Sinzing (1552–1622) verheiratet, die ursprünglich aus Trier stammte.

Nach dem Besuch des Straßburger Gymnasiums studierte Piscator an der dortigen Universität und in Tübingen. Da er sich vom Luthertum zum Calvinismus wandte, musste er 1573 seine seit 1571 bekleidete Professorenstelle in Straßburg verlassen, 1576 auch die in Heidelberg. Ab 1578 war er Rektor der Grafenschule in Siegen, bald darauf Professor in Neustadt an der Weinstraße. Ab 1581 war er Rektor am Gymnasium in Moers.

Von 1584 bis zu seinem Tod war Piscator Professor der Theologie an der Hohen Schule Herborn, die ihm als ihrem ersten Rektor und wohl hervorragendsten Theologen ihre Blüte und Berühmtheit verdankte. Neben Lehrbüchern, Aphorismen (1589) und Bibelkommentaren schuf er vor allem eine reformierte Bibelübersetzung, die Piscator-Bibel (1602–04), die dritte vollständige Übertragung nach der Luthers und der Zürcher Bibel. In der Stadt und Republik Bern, am Niederrhein und in anderen reformierten Gebieten war diese Übersetzung lange Zeit im kirchlichen Gebrauch. In Bern war die Piscatorbibel von 1684 bis Ende des 18. Jahrhunderts "Staatsbibel", d. h. die vom Staat herausgegebene und verordnete Übersetzung.[1]

Wegen Piscators Übersetzung von Markus 8,12 „ich sage euch: Wann diesem Geschlechte ein Zeichen wird gegeben werden, so strafe mich Gott“ nannten die Lutheraner seiner Zeit diese Bibel spottend „Straf-mich-Gott-Bibel“ und bekämpften sie heftig. Noch mehr Aufsehen erregte die Lehre Piscators, dass nur der leidende Gehorsam Christi, nicht auch der tätige, den Gläubigen zugerechnet werde. Manche reformierten Theologen tolerierten sie zwar, andere aber, besonders die französischen, griffen sie heftig an und verwarfen sie auf der Synode zu Gap als Irrlehre.

Piscator war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, der nicht nur verschiedene theologische Disziplinen bearbeitete, sondern auch mehrere Schriften philosophischen Inhalts schrieb. In der Philosophie war er ein entschiedener Anhänger des Franzosen Petrus Ramus (1515-1572). Bei Piscator disputierten 1608 Johann Mühlmann (1573-1613) und 1614 Johann Bernhard Gottsleben (1595-1635).

Sein Nachfahre war der deutsche Regisseur und Theaterleiter Erwin Piscator (1893-1966). 
PISCATOR, Prof. theol. Prof. theol. Johann (I10174)
 
3117 Laut Bürgerbuch 1970: "ABERLI (Albrecht[§]), THOMAS und WÄLTI, von Herisau, Korbflechter, wurden 1385 Bürger.
Aberlis drei Söhne, KASPAR, Ratsherr bis 1500, HANS und ULRICH stiften 1506 für Jahrzeiten 25 Pfund an St.Laurenzen."
Die Einbürgerung von ABERLI, THOMAN und WÄLTI SCHLUMPF von Herisau wird von HARTMANN (Civilegium Sangallense) bestätigt. Beim 1385 eingebürgerten Aberli kann es sich aber unmöglich um den oben genannten, 1490 verstorbenen Aberli gehandelt haben, dem in der Stemmatologia die Söhne Kaspar und Ulrich zugeschrieben werden.
Der Sohn Kaspar (Nr.2) ist laut Stemmatologia 1500 verstorben - kann also nicht 1506 eine Jahrzeit gestiftet haben.
Der Sohn Ulrich (Nr.3) ist laut Stemmatologia 1515 verstorben - kommt also für eine Stiftung im Jahre 1506 infrage.
Bei diesen Jahresangaben ist zu berücksichtigen, dass die Taufbücher erst 1527 beginnen: Jahresangaben aus der Zeit vor 1527 basieren auf Ämterlisten, Ratsprotokollen, Steuerlisten etc. und sind nicht immer sicher festzulegen. Es fehlt aber mindestens eine Generation und dementsprechend sind auch die Filiationen kritisch zu hinterfragen.

Laut Bürgerbuch ist Aberli die Kurzform von Albrecht, laut Schweizerischem Idiotikon für Abraham. Er wohnt "Im Loch" und wird in den Steuerbbüchern 1526-31 als Aberli, 1544 als Albrecht, 1553/56 als Albrecht alt geführt [Steuerbücher nur stichprobenartig, nicht komplett kontrolliert]. Hier steht Aberli für Albrecht.

Wappenbeschreibung / Blasonierung
In Gold übereinander drei rot gebänderte, schwarze Jagdhörner. 
SCHLUMPF, Albrecht\ Alberlin (I2987)
 
3118 Laut dem Zeugnis des Bischofs und Geschichtsschreibers Gregor von Tours (gestorben vermutlich 594) ging Theuderich I. eine Ehe mit der Tochter des burgundischen Königs Sigismund ein, ohne aber ihren Namen anzugeben.[2] Häufig wird diese Gemahlin Theuderichs mit der vom erst im 10. Jahrhundert schreibenden westfränkischen Chronisten Flodoard von Reims[3] erwähnten Königin Suavegotta identifiziert,[4] die der Kirche von Reims während der Amtszeit des Bischofs Mapinius (etwa 549 bis 573) testamentarisch ein Drittel der „ville Virisiaci“ hinterließ. Nach Flodoard hatte Suavegotta eine Tochter namens Theudechild. Die Gleichsetzung von Suavegotta mit der Gattin Theuderichs I. ist aber nicht völlig gesichert.

Eugen Ewig stellte die These auf, dass Suavegotta die erste Ehefrau Theuderichs gewesen sei. Dieser habe danach die Tochter Sigismunds zur zweiten Gattin genommen, deren Name somit unbekannt bliebe. 
Suavegotta (I47187)
 
3119 Laut einem am 21. Oktober 837 ausgestellten Diplom des fränkischen Königs und römischen Kaisers Ludwig I. des Frommen wurde Fulcoald zusammen mit einem Ragambald zum missus (Königsboten) im pago Rutenico (Rouergue) und Nemausense (Nîmois) ernannt, also zum Sachwalter des Herrschers in diesen Provinzen. Möglich, dass damit auch das Grafenamt des Rouergue verbunden war.

Aus der Gründungsurkunde der Abtei von Vabres geht hervor, dass Fulcoald mit einer Frau namens Senegundis verheiratet war und dass ihre Söhne Fredelo und Raimund I. waren, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts die Grafschaft Toulouse übernehmen konnten. 
(ROUERGUE), Fulcoald (I39775)
 
3120 Laut Fresin:
´Geschichte der Stadt Weinheim`befand sich das gasthaus ´Zum Grünen Baum`im Haus Marktplatz 3, später das Gasthaus ´Zum Schwarzen Ochsen`

Über die von Peter Demuth und seiner ehefrau Magdalena a, 04.03.1621 niedergelegte Demuth`sche Stiftung vergleiche ebenda Seite 89, bzw. Kontraktenbuch, Band 2, Blatt 158 
DEMUTH, Christoph (I43126)
 
3121 Laut Nahrungszettel 460 vom 06.12.1766 Besitzer eines Hauses mit gewölbtem Keller, Scheuer (Scheune) und Stall im Hintergassen Viertel RANDOLL, Johann Jacob (I307)
 
3122 Laut Traueintrag Gernsbach Tochter des Martin Kauffmann aus Waldrennach. "Lauttmann" laut familysearch (alt) ist falsch! Kauffmann im OFB Waldrennach. Nicht in Waldrennach geboren (mit Vater Martin zugezogen).
-Wohnort: Deckenpfronn, später Waldrennach, zuletzt Gernsbach 
KAUFMANN, Maria (I11739)
 
3123 Laut www.gen-gen.ch am 11.12.1537 in Konstanz.

des Grossen Rats zu Konstanz 1568-1586 ; als Protestant aus Konstanz vertrieben
Besitzer der "Schwärze" in Weinfelden die er von den ´ von Landenberg` kaufte

Peter (1537-1604) musste Konstanz als eifriger Förderer der Reformation verlassen und erwarb das Hofgut "Schwärze" bei Weinfelden.
 
FELS, Peter I (I1223)
 
3124 Leben
Als Kaiser Arcadius im Jahr 408 gestorben war, wurde der erst siebenjährige Theodosius II. zum Kaiser des Oströmischen Reiches gekürt. Aelia Pulcheria, seine damals neunjährige älteste Schwester, scheint früh großen Einfluss auf ihn ausgeübt zu haben. Anfang 414 überredete man ihren zwölfjährigen Bruder, den mächtigen Prätoriumspräfekten Anthemius zu entlassen, der seit 408 faktisch mit der Regentschaft betraut gewesen war, und stattdessen Pulcheria mit der Aufsicht über den jungen Kaiser zu betrauen. Fortan scheint sie eine noch wichtigere Rolle gespielt zu haben und kümmerte sich um ihre jüngeren Geschwister. Damit niemand versuchen konnte, durch eine Ehe mit Pulcheria Ansprüche auf den Thron zu erheben, musste sie zugleich geloben, für immer Jungfrau zu bleiben.

Ebenfalls 414 verlieh ihr Theodosius den Titel Augusta. Damit wurde sie zwar nicht formell Mitregentin ihres noch unmündigen Bruders – Frauen durften nach römischem Verständnis grundsätzlich nicht herrschen –, der weiterhin als Imperator Caesar Augustus an der Spitze des Reiches stand. Doch standen ihr nun kaiserliche Würden und Ehren zu. Vorher genoss sie als Nobilissima (der Titel stand nur Töchtern eines Kaisers zu) bereits Vorrechte gegenüber anderen Mitgliedern der kaiserlichen Familie. Pulcheria regierte faktisch als „jungfräuliche Prinzessin“ das Oströmische Reich, indem sie ihren jüngeren Bruder Theodosius anleitete, bis dieser Ende 416 mündig wurde. Eventuell spielte sie 420 eine wichtige Rolle beim Ausbruch eines zweijährigen Perserkrieges, der von römischer Seite offenbar auch religiös begründet wurde (Holum 1977). In der Folgezeit schwand Pulcherias Einfluss. 439 zog sie sich ein erstes Mal in eine Vorstadt Konstantinopels zurück, 443 konnte sie sich wohl gegen ihre Schwägerin und Rivalin, die ebenfalls zur Augusta erhobene Kaisergattin Aelia Eudocia, behaupten; doch 447 führten Konflikte mit dem mächtigen praepositus sacri cubiculi Chrysaphius dazu, dass Pulcheria den Kaiserhof verließ und im Palast Hebdomon in klösterlicher Einsamkeit lebte. Nach dem Unfalltod ihres Bruders im Jahr 450 spielte sie aber eine Rolle bei der Regelung seiner Nachfolge. Wie entscheidend ihr Einfluss hierbei war, ist umstritten (Burgess 1993/94). Sie heiratete – wahrscheinlich unter Druck – den neuen Kaiser Markian, der so an die theodosianische Dynastie anschließen konnte, führte wegen ihres alten Keuschheitsgelübdes aber demonstrativ eine Josefsehe. Sie starb 453.

Regentschaft
Eine selbstständige Regierung im engeren Sinne führte Pulcheria nie, immer war sie entweder an ihren Bruder oder später an ihren Mann gebunden.

Aelia Pulcheria galt einerseits als sehr sozial. Sie wurde für ihre Großzügigkeit gegenüber Armen gelobt und war fürsorglich gegenüber Mönchen und Klerikern. Andererseits war sie in ihrem teils überbordenden christlichen Eifer sehr intolerant gegenüber Andersgläubigen. Auf ihr Betreiben hin wurden Juden und Heiden vom römischen Beamtentum und aus der Armee ausgeschlossen. Es wird ihr auch nachgesagt, Gesetze befürwortet zu haben, die zur Gewalt gegen Andersgläubige aufriefen.

Besondere Bedeutung erreichte die Einladung des Kaiserpaares an den Papst Leo I. zur Teilnahme am Konzil von Chalcedon 451, einer der größten christlichen Kirchenversammlungen der Geschichte. Dieses religiöse Engagement trug Pulcheria umgekehrt die Feindschaft der Monophysiten ein, deren Position 451 verdammt wurde; während daher prochalkedonische (also katholische und orthodoxe) Quellen die Kaiserin sehr stark idealisieren, bieten antichalkedonische Texte ein genau gegenteiliges Bild. Nach Ansicht mancher Forscher wurde die tatsächliche Rolle, die die Augusta spielte, dabei womöglich von beiden Seiten – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – stark übertrieben. Pulcheria diente demnach Zeitgenossen und Späteren als Projektionsfläche.

Das Kaiserpaar wird in der römischen und orthodoxen Kirche als heilig verehrt. Ein Portraitkopf der Pulcheria, aus der Mitte des 5. Jh. stammend, befindet sich im Museum Castello Sforzesco in Mailand. Erwähnenswert ist weiter ihr Bild mit Zepter, Krone und Lilie im Gemälde von Guido Reni in der Capella Paolina von S. Maria Maggiore in Rom. 
AELIA, Pulcheria Augusta (I47216)
 
3125 Leben
Athenaïs wurde in Athen als Tochter des paganen Rhetoriklehrers Leontios geboren und galt als hochgebildet. Nach dem Tod ihres Vaters nahm sie den christlichen Glauben an und erhielt bei der Taufe den Namen Aelia Eudocia. Dies war eine Voraussetzung für ihre Heirat mit Kaiser Theodosius II. Die Ehe wurde am 7. Juni 421 geschlossen. 422 gebar sie Licinia Eudoxia, vor 431 Flacilla; ein Sohn namens Arcadius wurde wahrscheinlich ebenfalls geboren und vielleicht sogar zum Augustus erhoben, verstarb jedoch in sehr jungen Jahren. 423 wurde sie von Theodosius II. in den Rang einer Augusta erhoben. Anlässlich einer Wallfahrt im Jahr 438 nach Jerusalem, bei der sie großen Eindruck auf die Bevölkerung machte, als sie etwa vor dem „Grab Christi“ niederkniete, brachte sie Reliquien des heiligen Stephan und die Ketten Petri nach Konstantinopel, für die Reliquien des heiligen Polyeuktos stiftete sie einen Kirchenbau. Ihr Einfluss auf den Kaiser hatte zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt erreicht und übertraf damit selbst den Einfluss der Schwester des Kaisers, der machtbewussten Aelia Pulcheria.

Die Beziehung zu ihrem Ehemann verschlechterte sich jedoch im Laufe der Zeit. Schließlich wurde der mächtige magister officiorum Paulinus hingerichtet, weil man ihm, so Malalas, eine Affäre mit der Kaiserin vorwarf. Wahrscheinlich aufgrund dieser Palastintrigen, vielleicht auf Befehl ihres Gatten, womöglich aber auch auf eigenen Entschluss hin reiste sie wohl 443 erneut nach Jerusalem, wo sie bis zu ihrem Tod am 20. Oktober 460 lebte. Die Details über ihren Fortgang aus Konstantinopel sowie das genaue Jahr sind in der Forschung umstritten.

Aelia Eudocia war maßgeblich am Aufbau der christlichen Universität von Konstantinopel beteiligt, die als sogenanntes Athenäum im Jahr 424 auf konstantinischen Anfängen basierend aufgebaut wurde und als erste große Geistesleistung die Sammlung der Gesetzeskompilation des Codex Theodosianus erbrachte. Aelia Eudocia selbst verfasste geistliche Dichtungen, die teilweise erhalten sind. Sie sympathisierte mit dem Miaphysitismus, wandte sich am Ende ihres Lebens jedoch der Orthodoxie zu. In der orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt, ihr Festtag ist der 13. August.

In Jerusalem ließ sie die Stadtmauern, die nun neben der alten Davidsstadt auch den Zionsberg umschlossen, wiederaufbauen und stiftete Spitäler, Pilgerherbergen, Klöster und Kirchen. Laut der historisch wenig zuverlässigen Vita des Barsauma soll sie auch den Juden größere Freiheiten gestattet haben, die Stadt an religiösen Festtagen zu besuchen, jedoch berichtet dies keine andere Quelle, etwaige Privilegien sind auch später nicht belegt. Sie wurde in der Stephanuskirche (unmittelbar vor dem Nordtor gelegen) bestattet, die sie selbst gegründet hatte. 
AELIA, Eudocia (I47237)
 
3126 Leben
Aufstieg zum Kaiser
Anthemius war mütterlicherseits der Enkel des gleichnamigen Prätorianerpräfekten, der um 410 faktisch die Regierungsgeschäfte für den jungen oströmischen Kaiser Theodosius II. geführt hatte. Sein Vater Procopius war unter demselben Kaiser 424 Heermeister des Ostens (magister militum per Orientem) gewesen, gehörte also zu den höchsten Generälen des Reiches.[1] Über diesen stammte er angeblich auch von Procopius ab, der seinerseits ein entfernter Verwandter der konstantinischen Dynastie gewesen war. Anthemius stammte mithin aus einer Familie der Hocharistokratie.

Wohl irgendwann nach seiner Regierungsübernahme im Jahr 450 gab ihm Kaiser Markian seine Tochter Euphemia zur Frau und übertrug ihm als comes das Kommando in einem Feldzug gegen die Goten und Hunnen an der Donau. Nach seiner Rückkehr ernannte er dann seinen Schwiegersohn zum Konsul für das Jahr 455 sowie zum patricius und zum magister militum praesentalis.[2] Als Schwiegersohn Markians und amtierender magister militum praesentalis hatte er nach dessen Tod 457 eigentlich beste Aussichten auf die oströmische Kaiserwürde, doch setzte sich mit Hilfe des zweiten Heermeisters Aspar stattdessen Leo als neuer Herrscher durch. Dennoch blieb Anthemius weiterhin eine wichtige und prominente Figur in der Hauptstadt Konstantinopel. 466 war er Kommandant der Flotte am Hellespont; wohl 466/467 kämpfte er gegen den Hunnenführer Hormidac.[3]

Der Heermeister Ricimer, der zu dieser Zeit mächtigste Militär in Italien und faktische Regent des Westreichs, bat 466 Leo I. um die Ernennung eines eigenen Kaisers für den Westen. Leo, der 465 formal selbst die Regierung auch im Weströmischen Reich übernommen hatte, da das westliche Kaisertum seit diesem Jahr vakant war, veranlasste, dass Anthemius Anfang 467 nach Italien geschickt und dort zum Westkaiser erhoben wurde. Ricimer erhoffte sich von Ostrom dafür militärische Unterstützung; Leo konnte sich seinerseits auf diese Weise elegant eines mächtigen Rivalen entledigen.[4] Anthemius wurde in der ersten Januarhälfte 467 noch in Konstantinopel von Leo zum Caesar erhoben und erreichte Italien im Frühjahr 467; begleitet wurde er von einem starken Heer, das Leo finanziert hatte. Am 12. April 467 wurde er vor Rom zum Augustus ausgerufen. Er knüpfte Heiratsverbindungen mit seinem oströmischen Kollegen und bemühte sich insgesamt darum, die Idee einer staatsrechtlichen Einheit beider Hälften des Imperium Romanum zu propagieren.

Der neue Westkaiser versuchte sogleich, die beiden erstrangigen militärischen Herausforderungen zu lösen, die den Rest des Römischen Reichs im Westen betrafen und zusehend destabilisierten. Dies waren zum einen die unruhigen westgotischen foederati unter Eurich (II.), die sich insbesondere in Aquitanien niedergelassen hatten. Und zum anderen (und vor allem) stellten die Vandalen in Africa eine tödliche Bedrohung für Westrom dar: Ihr rex Geiserich residierte seit 439 in Karthago und befand sich seit 455 im Krieg mit der von seinem Rivalen Ricimer kontrollierten weströmischen Regierung in Ravenna; er schnitt Italien immer wieder vom lebenswichtigen nordafrikanischen Getreide ab und störte mit seiner Flotte den Frieden. Gelänge es Anthemius nicht, diese Bedrohung auszuschalten, so wäre seine Herrschaft zum Scheitern verurteilt.

Herrschaft
Als Herrscher nannte sich der neue Kaiser Imperator Caesar Flavius Procopius Anthemius Augustus. Seine Regierung begann zunächst hoffnungsvoll. Er besaß die Rückendeckung Leos I. und zunächst auch die Ricimers, der Anthemius’ Tochter Alypia heiratete und ein Todfeind des Vandalenherrschers Geiserich war. Ein wichtiger Kommandeur in Illyrien, der Heermeister Marcellinus, gab seine bisherige Opposition gegen die Regierung in Italien auf und leistete den Treueeid auf den neuen Kaiser. Leo erkannte Anthemius unterdessen offiziell als iunior Augustus an und gab Befehl, das Bildnis seines Kollegen überall in der östlichen Reichshälfte gemeinsam mit seinem eigenen aufzustellen, um die Samtherrschaft der beiden Herrscher über das ungeteilte Imperium Romanum zu dokumentieren.

Der große Vandalenfeldzug, den beide Kaiser gemeinsam und mit gewaltigem Aufwand (65.000 Pfund Gold und 700.000 Pfund Silber brachte alleine Ostrom auf, um Flotte und Armee auszurüsten) durchführten, kam zunächst gut voran; das römische Heer soll insgesamt 100.000 Mann gezählt haben.[5] Allerdings wurde es nach anfangs deutlichen Fortschritten – so gelang zum Beispiel die Zerstörung einer vandalischen Flotte – versäumt, auf diesen Erfolgen aufzubauen. Der Feldherr Basiliscus ermöglichte es Geiserich, die ankernde römische Flotte durch Brandschiffe zu vernichten (468), so dass man gezwungen war, sich nach Sizilien zurückzuziehen, wo Marcellinus, der dort gegen die Vandalen kämpfte, kurz darauf ermordet wurde. Ein oströmisches Landheer, das von Ägypten aus Richtung Karthago marschiert war, brach angesichts dieser Katastrophen den Feldzug ab und kehrte um. Ob Basiliscus nur Pech hatte oder ob er unfähig oder gar korrupt war, wie spätere Quellen behaupten, lässt sich kaum klären (da er 475 als Usurpator auftrat, mag sein Bild im Rückblick verzerrt worden sein). Das Scheitern des Feldzugs wurde jedenfalls auch Anthemius angelastet, obwohl dieser an den Operationen nicht direkt beteiligt gewesen war. Nach Ansicht von Forschern wie Peter J. Heather, Mischa Meier oder Henning Börm besiegelte das Scheitern des Feldzugs den Untergang Westroms, das im Falle einer Rückgewinnung Nordafrikas wohl noch eine realistische Überlebenschance besessen hätte; so aber konnte Geiserich weiter von seiner Machtbasis aus Italien destabilisieren.

Die Stellung des Kaisers war nach dieser Niederlage erschüttert, und viele wandten sich offenbar enttäuscht von Anthemius ab. Vereinzelt wurde er nun als „griechischer Kaiser“ (Graecus imperator) verunglimpft und ihm damit das Römertum abgesprochen, doch wurde diese Sichtweise von der weströmischen Oberschicht nicht allgemein geteilt. Problematischer war der Umstand, dass der Kaiser gegenüber Heiden und „Häretikern“ ungewöhnliche Toleranz zeigte, so dass der aus Rom stammende Messius Phoebus Severus, ein (angeblicher?) Heide, 470 Konsul und anschließend Stadtpräfekt wurde. Vergleichbares war in Rom seit sechs Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen. Durch diese Politik geriet Anthemius in einen immer stärkeren Gegensatz zur römischen Kirche und deren mächtigen Bischöfen Hilarius (461–468) und Simplicius (468–483). Dieser Konflikt wurde vielleicht dadurch verschärft, dass der Kaiser ungewöhnlicherweise in Rom residierte und damit den Freiraum, den die dortigen Bischöfe beanspruchten, einschränkte. Ein Grund für das Verhalten des Herrschers mag in seiner oströmischen Herkunft zu sehen sein – der Patriarch von Konstantinopel wurde von den Kaisern traditionell weitaus stärker kontrolliert als die selbstbewussten Bischöfe von Rom; der Anspruch des Augustus, über der Kirche zu stehen, wurde in Ostrom kaum in Frage gestellt und musste fast zwangsläufig zu Konflikten mit dem stadtrömischen Klerus führen.

Den Kaiser plagten nach 468 leere Kassen, und da der Sold ausblieb, begann sich seine Armee langsam aufzulösen. Anthemius gab aber zunächst nicht auf und bemühte sich nun um militärische Erfolge gegen die Westgoten, die große Teile Südgalliens kontrollierten. Dabei erhielt er angeblich Unterstützung durch (den) Riothamus, der zwar in Britannien (oder eher in Aremorica), und damit recht weit entfernt vom Kreis der möglichen Parteigänger, herrschte, ihn aber mit seiner Armee verstärkte, um den Westgotenkönig Eurich anzugreifen. Eurich war jedoch in der Lage, sowohl das Heer des Riothamus als auch die römischen Truppen, die von Anthemiolus, einem Sohn des Kaisers, kommandiert wurden, zu schlagen (470/71), nur um danach auch noch mehrere gallische Städte zu besetzen, die bislang noch in römischer Hand gewesen waren. Zudem pflegte Eurich beste Kontakte zu Ricimer, der am Scheitern des kaiserlichen Feldzugs vielleicht nicht unschuldig war.

Krankheit und Tod
Nach all diesen Misserfolgen wurde Anthemius 470 offenbar ernsthaft krank. Angeblich im Glauben, dass er Zauberei ausgesetzt sei, übte er Rache an verschiedenen prominenten Männern, allen voran dem hochrangigen Beamten (magister officiorum) Romanus, dem er möglicherweise mit Recht vorwarf, nach dem Kaisertum zu trachten: Wahrscheinlich hatte Anthemius ein vermeintliches oder tatsächliches Komplott aufgedeckt. Mit 6.000 Elitesoldaten, die für den Vandalenkrieg gerüstet waren, zog Ricimer daraufhin von seiner Basis Mailand aus gegen den Kaiser, doch konnte zunächst noch eine vorläufige Versöhnung ausgehandelt werden. Hinter all diesen Ereignissen stand vermutlich der Konflikt zwischen dem mächtigen Kaisermacher Ricimer und dem Augustus, der sich dem Einfluss des Heermeisters zu entziehen suchte und wohl deshalb nicht in Mailand oder Ravenna, sondern wie gesagt in Rom residierte. Der Ostkaiser Leo, der 471 seinen mächtigen Heermeister Aspar hatte ermorden lassen, soll Anthemius geraten haben, mit Ricimer genauso zu verfahren (Johannes Malalas 14,45). Der Streit eskalierte Anfang 472 erneut, woraufhin Ricimer dem Anthemius endgültig die Gefolgschaft aufkündigte und den Gegenkaiser Olybrius ausrief. Anthemius wurde offenbar anfangs von vielen Senatoren und Italikern, Ricimer von den zumeist „barbarischen“ Truppen und der um ihre Macht fürchtenden Reichskirche unterstützt. Es kam zu einem kurzen, aber heftigen Bürgerkrieg. Im Laufe der Zeit scheinen viele Senatoren die Seiten gewechselt zu haben, als sich das Kriegsglück gegen Anthemius wandte. Auch Leo entzog Anthemius nun offenbar seine Unterstützung und ließ sich von Ricimer zur Anerkennung von Olybrius bewegen. Der Konflikt endete fünf Monate später mit Ricimers Eroberung und Plünderung Roms sowie der Gefangennahme und anschließenden Hinrichtung des Anthemius, der noch versucht haben soll, als Bettler verkleidet zu entkommen, im Juli 472. Bemerkenswerterweise ließ ihm Ricimer ein Staatsbegräbnis zukommen. Sein Sohn Marcianus, Konsul des Jahres 469, erhob sich 479 erfolglos gegen Zenon. 
FLAVIUS, Procopius Anthemius (I47219)
 
3127 Leben
Augustus des Westens
Valentinian II. wurde im Alter von vier Jahren 375 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Valentinian I. von den Truppen in Aquincum zum Augustus (Kaiser) im Westen des Imperium Romanum ausgerufen. Seine Kaisererhebung wurde offenbar maßgeblich vom germanischen Heermeister (magister militum) Merobaudes betrieben.[1] Valentinians 17-jähriger Halbbruder Gratian, der schon acht Jahre zuvor von seinem Vater zum Augustus erhoben worden war, stimmte ihr ebenso wie sein Onkel, der nun dienstälteste Kaiser (senior Augustus) Valens, der im Osten des Reiches residierte, schließlich zu.

Das Reich wurde nominell zwischen den drei Augusti geteilt (blieb aber staatsrechtlich eine Einheit). Gratian bekam die transalpinen Provinzen, während Valentinian Italien, Teile von Illyrien und Africa zugesprochen wurden und Valens für den Osten zuständig blieb. Freilich konnte Valentinian, der in Mediolanum (Mailand) residierte, aufgrund seines Alters nicht eigenständig regieren, so dass Gratian de facto weiterhin den ganzen Westteil des Reiches beherrschte.

Nach dem gewaltsamen Tod des Valens in der Schlacht von Adrianopel im Juli 378 wurde das Kaiserkollegium Anfang 379 um Theodosius I. erweitert, den Gratian als Nachfolger seines Onkels Valens zum Kaiser im Osten ernannte, um einer Usurpation zuvorzukommen.

Justina und Ambrosius
Valentinian, wenngleich als römischer Kaiser grundsätzlich juristisch mündig, stand lange faktisch unter der Vormundschaft seines Halbbruders Gratian, vor allem aber unter dem Einfluss seiner Mutter Justina, die ihn bis zu ihrem Tod um 388 dominierte. Justina war Arianerin (Homöerin) und stand damit im Gegensatz zu dem in Mailand äußerst mächtigen und populären katholischen Bischof Ambrosius, einem weiteren wichtigen Ratgeber des Kaisers (siehe auch Streit um den Victoriaaltar im Jahr 384).[2] Ein dritter wesentlicher Berater des Kaisers war neben Justina der fränkische Heermeister Bauto († um 385).

Ambrosius widersetzte sich immer häufiger den Anordnungen Valentinians, vor allem in Bezug auf dessen Toleranzedikt zugunsten der Arianer, was schließlich in dem erstmals geäußerten Anspruch der Kirche gipfelte, auch über Kaiser richten zu dürfen: 385/386 kam es erneut zum Konflikt mit Ambrosius. Auf Wunsch Justinas sollte die vor den Toren Mailands gelegene Basilica Portiana zu einer Kirche für die Arianer gemacht werden; dies wäre formal im Einklang mit den Gesetzen gewesen, die arianische Kirchen lediglich innerhalb der Städte verboten. Ambrosius aber verweigerte dies und ließ sowohl die Basilica Portiana als auch die große Basilica nova intramurana im Stadtzentrum von einer gewaltbereiten Menge besetzen, die sich den kaiserlichen Beauftragten entgegenstellten. Ambrosius schrieb dem Kaiser einen Brief, in dem er formulierte, die letzte Entscheidung liege grundsätzlich beim Bischof. Im letzten Moment rief der Kaiser seine Soldaten zurück und verließ Mailand in Richtung Aquileia. Im Juni 386 behauptete Ambrosius überdies, die Gebeine der Märtyrer Gervasius und Protasius entdeckt zu haben. Durch dieses angebliche Wunder wurde der Bischof endgültig unangreifbar; Valentinian II. und Justina mussten klein beigeben. Angesichts dieser offensichtlichen Schwäche griff wenig später Magnus Maximus (siehe unten) offen in die Kirchenpolitik im Reichsteil des Valentinian ein.

Magnus Maximus
Im Jahr 383 brach bei den römischen Truppen in Britannien ein Aufstand aus. Ihr Kommandeur Magnus Maximus wurde schließlich von der Armee in Britannien, Belgien, Germania prima und Germania secunda zum Augustus ausgerufen. Gratian zog dem Usurpator entgegen, doch ließen ihn seine Truppen im Stich und liefen zu Magnus Maximus über. Gratian wurde kurz darauf in Lyon ermordet. Maximus wählte als Residenz Trier und wurde vorläufig von Theodosius I., dem Kaiser im Osten und Ehemann von Valentinians Schwester Galla, anerkannt. Zunächst beschränkte er sich auf den einstigen Reichsteil Gratians, doch im Jahr 387 überschritt Magnus Maximus doch die Alpen und marschierte auf Mailand zu.

Valentinian und seine Mutter flohen nach Thessalonike zu Theodosius I. Dieser setzte Valentinian wieder ein, nachdem er Maximus in zwei Schlachten geschlagen und kurz darauf hingerichtet hatte.

Tod und Nachfolge
Valentinian selbst residierte seit 389 in Trier und Vienne, doch gelang es ihm auch jetzt nicht, eine selbstständige Regierungstätigkeit auszuüben, obwohl er nun formal der senior Augustus, der dienstälteste Kaiser, war. Das war vor allem der mächtigen Stellung des fränkischen Heermeisters Arbogast geschuldet, der faktisch den Westen regierte, wohl gedeckt von Theodosius. Der hatte ein Interesse daran, den jüngeren, ihm formal aber übergeordneten Valentinian unter Kontrolle zu halten. Arbogast soll schließlich sogar einen Freund Valentinians, der ihm öffentlich widersprochen hatte, vor den Augen des Kaisers ermordet haben. Als Valentinian Arbogast ein Entlassungsschreiben übergab, zerriss Arbogast es, denn da nicht er, sondern Theodosius ihn eingesetzt habe, könne ihn auch nur der entlassen: „Weder hast du mir die Macht gegeben, noch kannst du sie mir nehmen.“[3] Arbogast gelang allerdings die Sicherung der römischen Grenze gegen die Franken, die schon 388 plündernd in Gallien eingefallen waren und eine römische Strafexpedition vernichtet hatten; das geht aus dem Bericht des Sulpicius Alexander hervor, der im Geschichtswerk des Gregor von Tours erhalten ist (siehe auch Marcomer).[4]

Valentinian, dessen Charakter in den Quellen gelobt wird, der aber schwer unter der Bevormundung Arbogasts gelitten haben muss, wurde am 15. Mai 392 erhängt in seinem Palast in Vienne aufgefunden.[5] Die Umstände seines Todes sind nicht vollkommen klar: Nach Aussage mehrerer Quellen wurde er auf Veranlassung Arbogasts heimlich ermordet; es hieß, er sei beim Baden erdrosselt worden. Da es diesen Autoren aber vielfach darum ging, Theodosius I. positiv und als Rächer Valentinians darzustellen, ist große Vorsicht geboten: Wahrscheinlich beging der junge Kaiser aufgrund seiner Machtlosigkeit Selbstmord. Auch in diesem Fall wäre Arbogast natürlich eine indirekte Schuld kaum abzusprechen. Da nicht erkennbar ist, welchen Vorteil sich der Heermeister vom Tod Valentinians hätte versprechen können, ist diese Lesart nach Ansicht der meisten Althistoriker deutlich plausibler.[6] Dafür, dass der Kaiser nicht ermordet wurde, spricht überdies die anschließende monatelange Thronvakanz: Hätte man Valentinian getötet, so hätte man wohl bereits einen unmittelbaren Nachfolger zur Hand gehabt.[7]

Arbogast bat Theodosius jedenfalls um die Erhebung oder Entsendung eines neuen Augustus für den Westen. Doch Theodosius, der vielleicht keinen seiner beiden jungen Söhne in die Hände des Heermeisters fallen lassen wollte, blieb drei Monate tatenlos. Im August ließ Arbogast daher den Rhetor Eugenius von den Truppen zum Kaiser ausrufen. Der war ein eher toleranter Christ und verständigte sich, nachdem Annäherungsversuche an Ambrosius von Mailand gescheitert waren, bald mit den heidnisch-senatorischen Kreisen um Virius Nicomachus Flavianus, einen prononcierten Heiden, wenngleich auffällt, dass sich mehrere prominente Heiden, darunter Quintus Aurelius Symmachus, sehr zurückhaltend verhielten. Es kam zu einem letzten Aufbäumen des Heidentums im Westen, das in Rom im folgenden Jahr dazu führte, dass die Tempel wieder geöffnet wurden. Die moderne Forschung misst dem religiösen Aspekt der Auseinandersetzung allerdings zumeist keine große Bedeutung mehr bei, da auf beiden Seiten Christen und Heiden standen. Die militärische Reaktion des Theodosius erstickte die vorsichtige heidnische Restauration aber bald: Theodosius erließ Gesetze, die das Heidentum endgültig reichsweit verbieten sollten. 394 besiegte er Eugenius in der Schlacht am Frigidus; sowohl Eugenius als auch Arbogast verloren in diesem Zusammenhang ihr Leben, das Imperium war daraufhin zum letzten Mal (und nur kurzzeitig) wieder unter der Herrschaft eines einzigen Kaisers vereint (auch wenn es formal drei Augusti gab, nämlich neben Theodosius auch seine beiden Söhne). 
FLAVIUS, Valentian II. (I47224)
 
3128 Leben
Bildungsweg
Polykarps Vater, Magister Kaspar Leyser (* 20. Juli 1526; † Ende 1554 in Nürtingen), war Pfarrer in Winnenden, später in Nürtingen. Er trat an der Seite von Jacob Andreae dafür ein, die Kirchenzucht gänzlich in die Hände der Pfarrer zu legen, was auf Einrichtung von Gemeindekonsistorien hinausgelaufen wäre. Dabei unterhielten beide Kontakt zu Johannes Calvin, der ihren Vorstellungen jedoch reserviert gegenüberstand. Immerhin gelang es ihnen, die Zustimmung des Herzogs Christoph von Württemberg zu erhalten. Da allerdings Johannes Brenz davor warnte, die in der Württemberger Territorialkirche zentralisierte Kirchenzucht aufzugeben, kam der Plan nicht zur Ausführung.

Polykarp Leysers Mutter Margarethe war eine Tochter des Tübinger Kaufmanns Johannes Entringer und eine Schwägerin Jakob Andreaes. Nachdem Kaspar Leyser 1554 gestorben war, heiratete seine Witwe schon bald Lucas Osiander den Älteren. 1556 verzog die Familie nach Blaubeuren, wo Leyser die Klosterschule besuchte und mit den drei Söhnen seines Stiefvaters aufwuchs. 1562 übersiedelte er auf das Stuttgarter Pädagogium. Nach dem Tod seiner Mutter 1566 entsandte ihn sein Stiefvater auf die Universität Tübingen, wo er als herzoglicher Stipendiat protestantische Theologie studierte.

In Tübingen lernte er Ägidius Hunnius kennen, mit dem ihn bald eine tiefe Freundschaft verband. 1570 erwarb er den akademischen Grad eines Magisters und wurde kurz darauf Stiftsrepetent. Theologisch beeinflusst wurde er während dieser Zeit vor allem von Jacob Heerbrand, Andreae und Dietrich Schnepf. Leyser zeichnete sich durch hervorragende Prüfungsergebnisse aus. Daher ließ ihn Andreae 1572 bereits öffentlich über die Rechtfertigungslehre disputieren. Anfang des Jahres 1573 wurde er ordiniert übernahm ein Pfarramt im niederösterreichischen Göllersdorf. Hier trat er mit dem kaiserlichen Rat und Erbtruchsess Michael Ludwig von Puchheim (1512–1580) in Verbindung, der ihn mit dem Hofleben unter Maximilian II. vertraut machte. Alsbald wurde man auf ihn in Graz aufmerksam und wollte ihn für dortige Aufgaben gewinnen, jedoch rieten Osiander und Puchheim ab. Stattdessen ging er zurück nach Tübingen, wo er am 16. Juli 1576 gemeinsam mit seinem Freund Hunnius zum Doktor der Theologie promovierte. Zunächst hatte Leyser nur geringe Berufsaussichten, was sich jedoch schon bald ändern sollte.

Wittenberger Zeit
In Wittenberg hatte es an der Universität durch die Auseinandersetzungen um den Sturz der Philippisten seit 1574 einschneidende personelle Veränderungen gegeben. Diese waren teilweise von tumultartigen Unmutsäußerungen gegen die Lehrkräfte begleitet. So wandte man sich nach dem Tod des einstigen Vorstehers der theologischen Fakultät Kaspar Eberhard im Oktober 1575 zunächst an David Chytraeus mit der Bitte, die Generalsuperintendentur in Wittenberg zu übernehmen, der jedoch ablehnte. Daraufhin berief man Leyser im November desselben Jahres als Generalsuperintendent nach Wittenberg. Mit dieser Stelle war das Pfarramt an der Stadtkirche Wittenberg verbunden.

Leyser wurde zunächst von seinem Landesherrn Herzog Ludwig von Württemberg für zwei Jahre an Kurfürst August von Sachsen ausgeliehen. Am 20. Januar 1577 hielt er eine Probepredigt in Dresden. Am 3. Februar folgte seine feierliche Einführung in Wittenberg. Leyser begab sich sodann über Dresden zurück nach Österreich,[1] um „seine Sachen abzuholen“. Am 12. Mai war er wieder in Wittenberg und nahm nun seine Amtsgeschäfte auf. Dass ein 25-Jähriger plötzlich im höchsten kirchlichen Amt in Wittenberg stand, ohne vorher theologisch in Sachsen aufgefallen zu sein, erregte allgemeines Aufsehen. Als er dann auch noch am 8. Juni Professor an der theologischen Fakultät wurde und am 20. November 1577 gar Mitglied des Konsistoriums, unterstellten ihm einige Personen Vetternwirtschaft.

Jedoch konnte Leyser sich durch seine besänftigende Haltung bei der Vertreibung der sächsischen Kryptocalvinisten und bei der Reorganisation der Wittenberger Universität solche Verdienste erwerben, dass auch seine Kritiker bald in den Hintergrund traten. Vor allem kamen ihm rhetorische Fähigkeiten und eine anspruchslose und zuverlässige Art zugute. Diese erhöhten seine Popularität unter den Studenten, zu denen auch Philipp Nicolai und Johann Arndt gehörten. Leysers Fähigkeiten zeigten sich auch bei Ausarbeitung der Konkordienformel, die 1580 im Konkordienbuch erschien. Dabei entwickelte er enge Kontakte zu Martin Chemnitz und Nikolaus Selnecker. Gemeinsam mit letzterem wurde er beauftragt, die Unterschriften einer dafür einberufenen Kommission in Kursachsen zur Konkordienformel, die er selbst am 25. Juni 1577 als erster Geistlicher des Kurkreises unterschrieben hatte, einzuholen.

Alsbald nahm er an den bedeutenden theologischen Konventen in Sachsen teil und bewährte sich als Protokollant derselben. Den Wittenberger Neidern war ein Außenstehender immer ein Dorn im Auge. Um ihnen die Grundlage zu entziehen, heiratete er im März 1580 die Einheimische Elisabeth Cranach. Die im Wittenberger Rathaus stattfindende Hochzeit wurde allerdings durch studentische Ausschreitungen und ausschweifende Trinkgelage überschattet, die die zuständigen Stellen noch später beschäftigen sollten.

1581 finden wir Leyser als Visitator der sächsischen Kurkreise wieder, wobei er sich vor allem dem niederen Schulwesen und den Fürstenschulen in Meißen, Schulpforta und Grimma widmete. Publizistisch erschienen von ihm während dieser Zeit lediglich Leichenpredigten und Disputationen. Vor allem aber machte ihm der Widerstand gegen die Konkordienformel zu schaffen. Tilemann Hesshus war während dieser Zeit sein erbitterter Gegner bei Durchsetzung der Ubiquitätslehre. Die Streitigkeiten wurden auf Kolloquien ausgetragen, so 1583 in Quedlinburg, wo er den letzten großen Auftritt seines einstigen Mentors Chemnitz miterlebte. Als dieser am 9. September 1584 aus dem Amt des braunschweigischen Superintendenten schied, wollten die Braunschweiger Leyser als neuen Superintendenten verpflichten. Er lehnte jedoch auf Rat Selneckers ab, da er sich seinem Dienstherrn August von Sachsen verpflichtet sah.

Als August 1586 starb – die Leichenpredigt hielt ihm Leyser –, wendete sich das Blatt mit Antritt des neuen Kurfürsten Christian I., der zum Calvinismus tendierte und diesen schleichend durchsetzte. So befreite er die Pfarrer von der Pflicht, die Konkordienformel bei der Ordination zu unterschreiben, was auch auf das Lehrpersonal ausgedehnt worden war. Leyser, der als wichtigster Vertreter des Konkordienluthertums unter August von Sachsen galt, war zudem zunehmend Anfeindungen Nikolaus Krells und Johann Majors ausgesetzt, die wachsenden Einfluss auf die Universitäts- und die Konsistorialangelegenheiten ausübten. Über diese Anfeindungen war Leyser derart erbost, dass er die Studenten davor warnte, unter Major den Magistertitel zu erwerben. Als der Calvinist Matthias Wesenbeck in der Schlosskirche zu Füßen Martin Luthers beigesetzt wurde und Leyser in seiner Leichenpredigt behauptete, dieser habe sich vor seinem Tod vom Calvinismus losgesagt und sei gut lutherisch gestorben, kam es zu einem Eklat, der Leyser noch bis in seine Braunschweiger Zeit begleiten sollte.

Braunschweiger Zeit
In Braunschweig war es 1587 zu theologischen Auseinandersetzungen mit den dortigen Stadtsuperintendenten gekommen, so dass man sich erneut an Leyser wandte, um durch sein Kommen eine Klärung der Angelegenheit herbeizuführen. Krell unterstützte diesen Antrag, um seinen unliebsamen Gegner im sächsischen Wittenberg loszuwerden, und erwirkte die Einwilligung des Kurfürsten, der zwar nicht gerade über den Fortgang von Leyser erfreut war, aber dennoch im August 1587 die Entlassung gewährte. Nachdem Leyser sich bereits erstmals im September nach Braunschweig begeben hatte, wurde seine endgültige Abreise im Dezember von Protesten begleitet, die in seinem Abzug ein Vordringen des Calvinismus sahen.

Am 17. Dezember 1587 hielt Leyser seine Antrittspredigt in Braunschweig an der St. Aegidien-Kirche und wurde Koadjutor des Superintendenten, den er alsbald verdrängte, was es ihm erleichterte, sich als energischer Verteidiger der Ubiquitätslehre zu erweisen. Am 22. Dezember erfolgte die offizielle Anstellung. Leyser setzte in seiner Braunschweiger Zeit durch, dass die Konkordienformel ein Bestandteil der dortigen Kirchenordnung wurde. Von Braunschweig aus musste er mitverfolgen, wie seine Errungenschaften in Kursachsen durch die Calvinisten konsequent rückgängig gemacht wurden. So schränkte man die kirchliche Aufsicht über die Fürstenschulen ein, erließ eine neue Kirchen- und Schulordnung sowie eine neue Konsitorialordnung und hob das Oberkonsistorium in Dresden auf. Man vertrieb die Lutheraner aus ihren Ämtern und setzte Vertreter des Calvinismus ein. Leyser, der dieses Treiben beenden wollte, reiste deshalb nach Lüneburg, Hamburg, Lübeck, Wismar und Rostock, um Verbündete für seinen Kampf gegen den Calvinismus zu suchen.

1591/92 trat Leyser im Streit um die Abschaffung des Exorzismus bei der Taufe auf und stritt in dieser Frage besonders mit seinem Wittenberger Amtsnachfolger Urban Pierius. Als die Taufriten im Fürstentum Anhalt-Bernburg dennoch geändert wurden, hielt Leyser eine flammende Verteidigung von Luthers Taufbüchlein. Die calvinistischen Theologen Anhalts antworteten daraufhin mit einem Angriff auf den bereits verstorbenen Chemnitz. Leyser reagierte mit einer sehr emotionalen „Rettung der Ehre, des Glaubens und Bekenntnisses Herrn Dr. Martini Chemniti […] welcher von den Anhältern und Calvinisten gelästert, als wenn er vor seinem Ende von seiner Bekenntnis abgefallen wäre“ (Magdeburg 1592) und fand in den Kreisen der Braunschweiger Theologen weitgehende Unterstützung.

Inzwischen hatte sich die Lage durch den Tod Christians I. von Sachsen erneut geändert. Friedrich Wilhelm I. (Sachsen-Weimar) hatte die Amtsgeschäfte für den noch minderjährigen Christian II. von Sachsen übernommen und änderte die Religionspolitik wieder in die Bahnen des einstigen Kurfürsten August zurück. Dadurch verloren die calvinistischen Kräfte ihren Einfluss in der sächsischen Religionspolitik. Man griff rasch wieder auf Leyser zurück und machte ihm bereits im Oktober 1591 durch Georg Mylius den Vorschlag, in den kursächsischen Kirchendienst zurückzukehren. Der calvinistische Generalsuperintendent wurde abgesetzt und Leysers Schwager Augustin Cranach nach Braunschweig entsandt, um Leyser zur Rückkehr nach Wittenberg zu bewegen.

Jedoch verblieb Leyser weiter in Braunschweig, auch ein Angebot der Leipziger Generalsuperintendentur mit dem Pfarramt an der St. Nicolaikirche schlug er aus. Im Sommer 1592 begannen Verhandlungen mit den Vertretern Wittenbergs und Braunschweigs über eine Entlassung aus den Braunschweiger Diensten. Da die Braunschweiger Bürger im Abwandern Leysers eine Intrige seiner Gegner sahen, kam es zu Volksaufläufen. Im April 1593 einigte man sich darauf, dass Leyser für zwei Jahre nach Wittenberg gehen und nebenbei die Braunschweiger Superintendentur behalten sollte. Leyser musste geloben, im April 1595 nach Braunschweig zurückzukehren und einmal im Jahr das ganze Kirchenwesen zu visitieren. Um die Erfüllung dieser Vereinbarungen zu sichern, musste er seinen Hausrat in der Stadt belassen.

So hielt Leyser am 21. Mai 1593 seine zweite Antrittsrede als Wittenberger Professor und Generalsuperintendent. In ihr blickte er auf das hinter ihm liegende fünfjährige »Exil« zurück und dankte Gott für dessen Treue. Ganz in diesem Sinne hat Leyser seine den Braunschweigern gegebenen Versprechen getreulich eingehalten: bereits Ende Juni machte er seine erste Visitation, die nächste folgte im Herbst.

Alsbald wurde Leyser als Dekan der theologischen Fakultät in die Auseinandersetzung mit Samuel Huber, den er anfänglich unterstützte, gezogen. Huber verbreitete, dass die Konkordienformel kryptocalvinistisch sei und vertrat seine Lehre vom „Gnadenuniversalismus“. Leyser und besonders sein Freund Ägidius Hunnius der Ältere, der ebenfalls an der Wittenberger Universität wirkte, beriefen ein Kolloquium ein. Alle Vermittlungsversuche schlugen jedoch im Streit mit Huber fehl, so dass dieser 1594 aus den universitären und 1595 aus kursächsischen Diensten entlassen wurde. Leyser begab sich im April 1594 nach Braunschweig, um dort erneut Visitationen vorzunehmen. Auf Betreiben der Kurfürstin Sophie wurde Leyser als Oberhofprediger nach Dresden berufen. Es bedurfte einiger Verhandlungen, den Braunschweiger Rat zur Einsicht zu bewegen, Leyser ziehen zu lassen. Am 2. Juni 1594 hielt Leyser seine zweistündige Abschiedspredigt. Drei Tage später reiste er nach Dresden ab.

Dresdner Zeit

Grabplatte Leysers in Dresden
Im Juli 1594 trat Leyser sein Amt als Erster Hofprediger in Dresden an und wurde so quasi mit landesbischöflichen Rechten für Sachsen ausgestattet. Als lutherisch-orthodoxer Hofprediger verkörperte er die typischen Züge seiner theologischen Grundposition. Diese verankerte er in einem Hofpredigerspiegel, in dem er sein Selbstverständnis der Tätigkeit eines Hofpredigers als Leitbild aller Amtsnachfolger darlegt. Inhaltlich ging Leyser dabei von der Betonung der reinen Lehre in Schrift und Bekenntnis aus, die in der praktischen Konsequenz angesichts der mannigfaltigen Versuchungen und Sünden gerade am Hof zur Notwendigkeit der Strafpredigten führte.

Ausführlich weist Leyser den Vorwurf angeblichen Reichtums im Hofpredigeramt zurück. Kirche und Schule müssen die notwendigen geldlichen Mittel haben, für die er immer wieder Eingaben macht und auch Strafgelder für notwendig hält. Deutlich stellt Leyser die Unabhängigkeit des geistlichen Amtes heraus. Damit begegnet er dem vielfach erhobenen Vorwurf besonders gegen die Hofprediger, sie wollten in ihrem Amt Einfluss auf politische Angelegenheiten nehmen. Denn auch Leyser selbst sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Rolle eines „Dreßnischen Bapstes“ zu spielen. Die Pfaffen, so hieß es, wollten zu viel „dominieren“, einen Fuß auf der Kanzel, den anderen auf der Kanzlei haben. Mit dem geschickten Hinweis auf die vermischten, halb geistlichen, halb weltlichen Angelegenheiten bei Kirchen- und Schulsachen hebt er die Verantwortung der Hofprediger gerade in diesem Bereich hervor, obwohl eine geistliche Person nur mit geistlichen Sachen umzugehen habe. Im Zusammenhang mit der von Leyser geforderten strikten Einhaltung der überkommenen Kirchenordnungen werden ausführlich die Kämpfe vor allem mit dem Landadel geschildert, der sich den Anordnungen des angeblichen Dresdner Papstes – etwa bei Kindtaufen – nicht fügen will.

Leyser wollte mit diesen Regeln deutlich einen allgemeinen Maßstab für Hofprediger setzen, vor allem für junge Prediger, die bedenken sollen, „wie ein Hoff-Prediger so einen beschwerlichen, sorglichen standt habe in seinem beruff.“ Mit einer scharfen Kritik, wohl besonders im Blick auf calvinistische Hofprediger, beschließt Leyser seinen Hofpredigerspiegel: „Wie sol es denn denen gehen/ die so blindlingen in die Hoffpredicatur hineinplatzen/ bedencken nicht einnmahl/ was für ein sorglich thun es sey/ sitzen von einer mitternacht biß zur andern/ liegen unten und oben mit der gesellschaft/ und machen es so unsöde/ daß einem die Ohren wehe thun/ der es nur höret?“

Dieser Geist eines selbstbewussten lutherischen Hofpredigers kommt auch in den Dresdner Regenten- und Landtagspredigten Leysers zum Ausdruck, in denen das Obrigkeitsverständnis und die Obrigkeitskritik des älteren Luthertums besonders charakteristisch zusammengefasst sind. In direktem Bezug auf Luthers Obrigkeitsverständnis in der Obrigkeitsschrift von 1523 und vor allem in seiner Auslegung des Psalms 101 von 1535 stellte Leyser die tiefe Verbundenheit von göttlicher Würde und hoher Verantwortung des obrigkeitlichen Amtes heraus. Nur aus diesem Zusammenhang ist seine erhebliche Kritik an dem konkreten Handeln der Obrigkeit zu verstehen.

Leyser geht es in seiner politischen Predigt am Dresdner Hof in erster Linie um die Eigenständigkeit der Kirche und des geistlichen Amtes im frühneuzeitlichen Territorialstaat. Im Hofpredigeramt versucht er, mit grundsätzlicher Belehrung und konkreter Ermahnung auf die Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten, vor allem auf die Kirchenordnung, maßgeblich Einfluss zu nehmen. Durch die Strafpredigt übt er Kritik an der Obrigkeit, rügt nicht nur das persönliche Verhalten, sondern betont auch die politische und vor allem soziale Verantwortung der Regenten und ihrer Hofbeamten. Sie entspricht dem strengen Maßstab, den Leyser für sich selbst und für alle Prediger, insbesondere die Hofprediger, aufstellt. Die ethischen Kriterien und das Anschauungsmaterial für sein Obrigkeitsverständnis entnimmt Leyser mit der ganzen lutherischen Orthodoxie den frommen Königen des Alten Testamentes. Indem der lutherische Hofprediger seinen Rat mit dem des Kanzlers Nikolaus Krell kontrastiert, nimmt er schon jene Unvereinbarkeit von Gottesfurcht und Staatsräson vorweg, mit der nach dem Dreißigjährigen Krieg lutherische Theologen gegen die zerstörerischen Kräfte im Herrschaftsverständnis des frühabsolutistischen Staates ankämpfen. Sein Verständnis vom Charakter eines lutherischen Staatsmannes findet seinen Niederschlag in der Leichenrede für den kursächsischen Kanzler David Peifer (1602). (Eine christliche Predigt, Matthes Stöckel, Dresden 1602)

Von Dresden aus setzte er sich nicht nur mit den abweichenden Vorstellungen auseinander, sondern hatte im Zusammenhang mit dem Hofpredigeramt auch innersächsische Kirchenfragen zu klären. So führte er selbst Visitationen durch, führte die Generalsuperintendenten in ihr Amt ein und arbeitete an den Universitätsordnungen in Sachsen mit. In seinem Testament vermachte er Studenten Geld, das diese beim Studium unterstützen sollte und jährlich an den Tagen des heiligen Polycarp (26. Januar) und der heiligen Elisabeth (19. November) ausgezahlt wurde. Für seine Verdienste und die seiner Vorfahren um das Haus Österreich wurde er von Kaiser Rudolf II. am 22. Dezember 1590 in Prag in den erblichen Adelsstand erhoben. Nach längerer Krankheit verstarb er in Dresden. Seine feierliche Beisetzung fand am 1. März 1610 in der dortigen Sophienkirche statt.

Leyser als Autor
Leyser, der sich als Theologe im Laufe seines Lebens auch literarisch mit den Auseinandersetzungen seiner Zeit befasste und dabei einen umfangreichen Briefverkehr pflegte, ist bei weitem noch nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitet. Sein Urenkel Polykarp Leyser III. veröffentlichte 1706 in Sylloge epistolarum eine umfangreiche Briefauswahl, die vermutlich nur die Spitze des noch zu erforschenden Potentials, mit 200 Briefen von ihm und 5000 an ihn darstellt. Des Weiteren sind von ihm umfangreiche Leichenpredigten bekannt, die das Spektrum des Predigers in der Zeit des Konkordienluthertums und seinen kontextsensitiven Belangen erweitern. Seine theologischen Ausführungen umfassen mehr als 60 Schriften und bilden somit einen weiteren Forschungsbestand, der über den bisher unzureichend erforschten Bereich der Netzwerke des Luthertums im Bereich der Konfessionalisierung zusätzliche Auskunft geben kann.

Schriften
Für eine komplette Übersicht der erhaltenen Drucke siehe das Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts (VD 16)

Fazit
Leyser, der durch seinen Vater, seinen Onkel Andreae und später durch seinen Stiefvater Osiander gefördert wurde, fand auch durch seinen Lehrer Chemnitz zu einem tief verwurzelten Standpunkt in der lutherischen Orthodoxie. In den Schwierigkeiten seiner Zeit war er derjenige, der diese Orthodoxie etablierte. Man staunt über seine Schaffenskraft bei den Loci theologici (1591/92), der Harmonia evangelica (1593), Postilla (1593) und De controversiis iudicium (1594). Sein theologischer Standpunkt entzündete sich am Streit um den kursächsischen (Krypto)Calvinismus, am Exorzismusstreit, am Streit um die lutherische Christologie und am Huberschen Streit. Leyser hat damit zweifellos zu den Schlüsselfiguren des nord- und mitteldeutschen Konkordienluthertums gezählt. Nicht zuletzt sah er sich ständigen Anfeindungen ausgesetzt und wurde in Flugschriften im damals für Deutschland nicht unbedeutenden Landesteil Sachsen als Papst von Dresden angegriffen. Als einer der maßgeblichen Mitarbeiter der Konkordienformel setzte sich Leyser auch literarisch für die Verteidigung der lutherischen Orthodoxie, gegen den Calvinismus und die römische Kirche ein. Auf kurfürstlichen Befehl begleitete er die Arbeit mehrerer Konvente am Konkordienbuch. Er setzte sich für die Begrenzung der Anzahl der Paten auf drei Personen ein. Sein Wirken ist jedoch bei weitem nicht erschöpfend erforscht. 
LEYSER, Polykarp, ´der Ältere` (I48594)
 
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3130 Leben
Eberhard unterstützte die Königsherrschaft seines Bruders (911–918) aktiv, insbesondere gegen die Herzöge Arnulf von Bayern und Heinrich von Sachsen.

Als Konrad I. Ende 918 wusste, dass er sterben würde, forderte er alle Herzöge auf, zu ihm nach Forchheim zu kommen. Sicher ist, dass Heinrich nicht kam. Widukind von Corvey berichtet, dass Konrad auf seinem Sterbebett am 23. Dezember 918 seinen Bruder Eberhard beauftragt habe, Heinrich die Königsinsignien persönlich zu übergeben. Im Mai 919 übergab Eberhard auf dem Reichstag in Fritzlar die Insignien an Heinrich, und Franken sowie Sachsen wählten Heinrich zum König, womit zum ersten Mal ein Sachse Herrscher des ostfränkischen Reiches wurde. Widukinds Designationsbericht wird allerdings heute von vielen Geschichtsforschern als eine von den Liudolfingern aufgebrachte Legende betrachtet.

Das Verhältnis Eberhards zu dem neuen König Heinrich I. war ungetrübt. Von 926 bis 928 übertrug Heinrich I. Eberhard auch das Herzogtum Lothringen, was als Vertrauensbeweis gelten kann: Der neue Herzog konnte durch seine Regierung das Land schnell beruhigen.

Nach Heinrichs Tod geriet Eberhard sehr bald in Konflikt mit Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I. Im Jahre 937 belagerte Eberhard die Burg Helmern bei Peckelsheim, die im fränkischen Herzogtum an der Grenze zu Sachsen lag. Der Burgherr Bruning war Sachse und lehnte ein Lehnsverhältnis zu Eberhard und generell zu einem Franken oder Nicht-Sachsen ab. Otto I. forderte alle Beteiligten auf, nach Magdeburg zum Königsgericht zu kommen. Eberhard musste ein Bußgeld zahlen und seine Hauptleute wurden zum öffentlichen Tragen von toten Hunden verurteilt, was als eine besonders entehrende Strafe angesehen wurde.

Eberhard schloss sich daraufhin den Gegnern Ottos an. 938 rebellierte er gemeinsam mit Ottos älterem Halbbruder Thankmar und dem neuen Herzog von Bayern, Eberhard (Sohn Arnulfs von Bayern). Thankmar wurde jedoch schon 938 im Kampf getötet und Eberhard von Bayern wurde durch seinen Onkel Berthold ersetzt, der in Bayern von 938 bis 945 regierte. Nach kurzzeitiger Versöhnung mit Otto verbündete sich Eberhard mit Giselbert von Lothringen und Ottos jüngerem Bruder Heinrich schon bald darauf zum erneuten Aufstand. Am 2. Oktober 939 wurden Eberhard und Giselbert von den konradinischen Grafen Konrad Kurzbold und Udo I. von der Wetterau in der Schlacht bei Andernach am Rhein geschlagen. Eberhard fiel in der Schlacht; Udo soll ihn eigenhändig getötet haben. Giselbert ertrank im Rhein bei dem Versuch, zu fliehen. 
(FRANKEN), Eberhard (I47244)
 
3131 Leben
Er besuchte die Ritterakademie in Braunschweig und trat 1764 als Hofjunker in den Dienst des Herzogs Friedrich von Mecklenburg. 1775 begleitete er als Kammerherr den Erbprinzen Friedrich Franz zu dessen Hochzeit mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg nach Gotha. 1796 vertrat er den Hof bei den Verhandlungen wegen der Verlobung von Luise Charlotte zu Mecklenburg in Stockholm. In den Jahren 1806/1807 war er der Hauptunterhändler des Herzogtums mit den Franzosen und stand 1807 an der Spitze einer Delegation der mecklenburgischen Stände nach Warschau, wo er mit Talleyrand wegen der Rückkehr der ins Exil nach Altona geflüchteten herzoglichen Familie verhandelte. 1813 stand er kurzzeitig an der Spitze der Regierung von Mecklenburg-Schwerin.

1792 erwarb er die Güter Retgendorf (heute Ortsteil der Gemeinde Dobin am See), Flessenow, Neu-Schlagstorf (heute Neu Schlagsdorf) und Ventschow.

Er war zunächst verheiratet mit Elisabeth, geb. von der Lühe (* 17. Februar 1753; † 21. Juni 1796). Als sie starb, hinterließ sie acht minderjährige Kinder. Bülow heiratete in zweiter Ehe 1798 Charlotte Louise Caroline geb. von Oertzen (* 17. April 1764; † 22. Februar 1833), mit der er noch vier weitere Kinder hatte.[1] Heinrich von Bülow und Adolf von Bülow waren zwei seiner sechs Söhne. Von seinen Töchtern heiratete Louise den Oberstallmeister Vollrath Joachim Helmuth von Bülow und Catharina Louise (1801–1865) den Kammerdirektor Wilhelm von Meerheimb. Er war der Großvater von Helene von Bülow und Bernhard Ernst von Bülow und Urgroßvater von Bernhard von Bülow.

Das Grab von Bernhard Joachim von Bülow und seiner zweiten Frau befindet sich in der Kirche von Retgendorf. 
VON BÜLOW, Bernhard Joachim (I48816)
 
3132 Leben
Er stammte aus dem thüringischen Adelsgeschlecht von Hopffgarten. Seine Eltern waren der spätere Generalmajor und Kommandant der Festung Pfleißenburg Georg Friedrich von Hopffgarten (* 2. Januar 1660; † 8. Januar 1732) und dessen Ehefrau Christine Sybille von Einsiedel (* 19. April 1685; † 19. Juli 1718). Seine Brüder waren Carl Gottlob von Hopffgarten und der spätere Geheime Kriegsrat Christian Friedrich von Hopffgarten (* 16. August 1707; † 18. Juli 1793).

Friedrich Abraham stellte sich wie sein Vater in den Dienst der Wettiner. Am Hof in Dresden erfolgte seine Ernennung zum kurfürstlich-sächsischen Geheimen Rat. Am Naumburger Dom wurde er Propst und wohnte dadurch eine Zeitlang auch in Naumburg. Mehrere Jahre war er außerdem als Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld in Eisleben tätig. 
VON HOPFFGARTEN, Friedrich Abraham (I48806)
 
3133 Leben
Er stammte aus dem Zweig Thalebra des thüringischen Adelsgeschlechts von Dacheröden und war der Sohn von Georg Christoph von Dachröden, Herr auf Thalebra, Mittel- und Gangloffsömmern. 1723 erreichte er im Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Weißenfels die Umwandlung seines Gutes Grumbach in ein Mann- und Weiberlehen. Er hinterließ die Witwe Johanna Elisabetha von Dachröden geb. von Wallitz, den Sohn Carl Friedrich, der nach Preußen ging und Präsident der Landesregierung und des Konsistoriums im Herzogtum Magdeburg sowie Hof- und Kammergerichtsrat wurde sowie die beiden Töchter Dorothea Antoinetta von Bredau und Marie Sophie von Hopffgarten. Caroline von Humboldt war seine Enkeltochter.

Er wurde am 29. März 1728 in Thalebra beigesetzt. 
VON DACHERÖDEN, Georg Anton (I48840)
 
3134 Leben
Er stammte aus der Linie Thalebra des thüringischen Adelsgeschlechts von Dachröden und war der Sohn von Georg Anton von Dachröden. Marie Sophie von Hopffgarten war seine jüngere Schwester und wurde von dieser und der zweiten Schwester ausgezahlt, die das väterliche Rittergut Grumbach übernahmen. Er schlug eine Verwaltungslaufbahn ein. In Magdeburg wurde er zum Regierungspräsidenten ernannt. Verheiratet war er mit Charlotte Ludmilla von Posadowsky, mit der er den Sohn Karl Friedrich von Dacheröden hatte. 
VON DACHERÖDEN, Carl Friedrich (I48838)
 
3135 Leben
Flaccilla stammte aus Hispanien.[2] Sie gehörte der dortigen Hocharistokratie an und heiratete um 376 den knapp 30-jährigen Theodosius, einen angesehenen Militär, der ebenfalls aus Spanien stammte und sich nach der Hinrichtung seines Vaters dorthin zurückziehen musste. Um 377 gebar Flaccilla ihren ersten Sohn Arcadius, etwa ein Jahr später – noch vor der Thronbesteigung ihres Gemahls[3] – ihre Tochter Aelia Pulcheria.

379 wurde Theodosius nach der für die Römer katastrophalen Schlacht von Adrianopel zum Kaiser des Ostens erhoben. Flaccilla wurde nun Kaiserin und lebte mit ihrem Gemahl seit 380 in Konstantinopel. Am 9. September 384 kam ihr zweiter Sohn Honorius zur Welt.[4] Pulcheria starb schon um 386 als Kind kurz vor ihrer Mutter.[5] Theodosius ehrte Flaccilla um 384 mit der Verleihung des Titel Augusta, womit er sie nominell sich selbst als Augustus gleichstellte. Dies war seit der Regierung Konstantins des Großen nicht mehr erfolgt. Über Flaccillas Wirken als Kaiserin ist wenig bekannt; und ebenso liegen kaum Informationen vor, welche Rolle sie für ihre Kinder spielte.[6]

Wahrscheinlich zeigte Flaccilla wie spätere Frauen der theodosianischen Dynastie ein gewisses politisches Engagement. Darauf deutet u. a. die Aufstellung ihrer Statue neben jener ihres Gatten im Sitzungssaal des Senats in Konstantinopel hin.[7] Ferner ließ Thedosius eine Statue Flaccillas in Antiochia errichten.[8] Noch zu ihren Lebzeiten wurde auch ein Palast in Konstantinopel, das Palatium Flaccillianum, nach ihr benannt.[9] Politisches Interesse Flaccillas verrät auch das Aussehen ihrer Münzen, auf denen sie im Feldherrnmantel und mit Diadem, Zeichen kaiserlicher Macht, abgebildet ist. Sie war die erste weibliche Angehörige des Kaiserhauses seit Helena, für die wieder Münzen geprägt wurden. Der Aufdruck des Familiennamens Aelia als einer Art weiblicher Titulatur auf den Münzen der Kaiserinnen war seit Flaccilla üblich. Da Theodosius auf keine kaiserlichen Ahnen verweisen konnte, hatte er großes Interesse an der intensiven Präsentation seiner Familie, auch der weiblichen Mitglieder, in der Öffentlichkeit, um seine junge Dynastie im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Dies trug zur bedeutenden Rolle der Frauen der Kaiserfamilie am Hof und in der Politik bei.[10]

Flaccilla, die eine Anhängerin des nicaenischen Christentums war, galt als sehr fromm und mildtätig, unterstützte Arme und Kranke und setzte sich entschieden gegen den Arianismus ein.[11] Dies bewog den römischen Presbyter Faustinus, der ein radikaler Anhänger des Bekenntnisses von Nicäa war, seine um 380 verfasste Kampfschrift gegen die Arianer (Adversum Arianos et Macedonianos) der Kaiserin zu widmen.[12] Es war auch auf Flaccillas Einfluss zurückzuführen, dass Theodosius dem führenden Arianer Eunomius, Bischof von Kyzikos, ein Religionsgespräch verweigerte.[13]

Die Kaiserin starb 386 im thrakischen Badeort Skotumis, von wo ihre Leichnam nach Konstantinopel überführt wurde.[14] Der bedeutende Theologe Gregor von Nyssa hielt der Verblichenen – wie schon zuvor ihrer Tochter Pulcheria – die noch erhaltene Leichenrede.[15] Er hatte diesen ehrenvollen Auftrag aufgrund seiner Rednergabe erhalten. In seiner Grabrede auf Flaccilla entwarf er bewegende Bilder. So sprach er wie schon in der Leichenrede auf Pulcheria von einem Erdbeben, das Konstantinopel wegen des Todes der Kaiserin erschüttert habe. Er bemühte noch weitere Vergleiche: Flaccillas Ableben sei wie eine Kriegskatastrophe oder eine Wasserflut; die Zierde des Reichs, die eifrig für den wahren Glauben gekämpft habe, sei von ihnen gegangen.[16]

Nach ihrem Tod heiratete Kaiser Theodosius I. 387 Galla, die Tochter des 375 verstorbenen Kaisers Valentinian I. 
AELIA FLAVIA, Flaccilla (I47213)
 
3136 Leben
Flavius Theodosius stammte aus Cauca, einer kleinen Stadt in der spanischen Provinz Gallaecia. Sein Vater hieß Honorius,[1] wie auch sein zweiter Sohn und einer seiner Enkel, der spätere Kaiser Westroms Flavius Honorius. Er war verheiratet mit einer gewissen Thermantia. Theodosius war Christ, wie wohl auch schon sein Vater, Mitglied der lokalen Oberschicht und besaß einige größere Latifundien.

Flavius Theodosius erwies sich als ein erfahrener und überaus erfolgreicher Militär. 368 setzte er im Auftrag Kaiser Valentinians I. mit einer kleinen Armee nach Britannien über, wo er den Usurpator Valentinus (+ 368) Pannonier, niederwarf, den Hadrianswall wieder bemannte und sicherte und die in der Provinz marodierenden Banden der Pikten und Sachsen vertrieb. So stellte er rasch die Ordnung auf der Insel wieder her. Auch sein Sohn Theodosius, der spätere Kaiser, begleitete ihn auf diesem Feldzug. Die Erfolge des Vaters ebneten den Weg für seine weitere Karriere in der römischen Armee. Wohl seit 369 hatte Flavius Theodosius als Magister equitum praesentalis einen der wichtigsten militärischen Posten des Reiches inne. In dieser Funktion bekämpfte er die Franken und seit 372 auch die Alamannen an der Rheingrenze.

Kaiser Valentinian beorderte ihn schließlich 373 nach Africa, um dort den Aufstand des Firmus niederzuschlagen, was ihm bald auch gelang. Dabei ging er auch konsequent gegen die Machenschaften des korrupten Statthalters Romanus und gegen die Disziplinlosigkeit der Soldaten vor. Damit machte er sich jedoch viele Feinde.

Seine Gegner sorgten schließlich für seinen Sturz und die anschließende Hinrichtung, die Anfang 376 in Karthago stattgefunden haben soll. Die näheren Umstände seines Todes bleiben jedoch im Dunkeln. Möglicherweise wollte man damit sicherstellen, dass der erfolgreiche Feldherr nach dem Tode Valentinians nicht die Herrschaft über das Reich an sich riss.

Sein Sohn Theodosius zog sich nach der Hinrichtung des Vaters auf seine spanischen Güter zurück. Nachdem er 379 zum Kaiser des Ostens ernannt worden war, sorgte er für die Rehabilitierung seines Vaters. 
FLAVIUS, Theodosius (I47202)
 
3137 Leben
Gemeinsam mit dem Vater von Martin Luther war er Mitbegründer einer Lateinschule in Mansfeld. 1491 ist er als Bürger gemeinsam mit Hans Luder als Ratsherr in Mansfeld nachweisbar. 1509 wird er als Schultheiß genannt, außerdem war er viele Jahre als Bergvogt der Grafschaft Mansfeld tätig. Er betrieb mehrere Bergwerke und die Oberhütte bei Mansfeld. Dafür war eine ungeheure Menge an Holzkohle erforderlich, die er größtenteils aus dem Harz bezog. So bezahlte er im Jahre 1500 dem Rentmeister des Grafen Botho zu Stolberg, Heinrich Schneidewein, die Summe von 80 Gulden, um dafür in den folgenden zwei Jahren den Museberg und das Tunkelholz ausholzen zu können.[1]

1507 reiste Reinicke gemeinsam mit Hans Luder (* 1459 in Möhra; † 29. Mai 1530 in Mansfeld) nach Erfurt zum Lutherzug, der Priesterweihe von Martin Luther.

Im Jahre 1509 erfolgte seine Ernennung zum Schultheißen der Stadt Mansfeld.[2]

Der Hüttenmeister Hans Reinicke ist sein Sohn und Erbe. Die Tochter Anna Reinicke heiratete den Theologen Georg Aemilius. 
REINEKE, Peter (I48635)
 
3138 Leben
Georg wurde als Sohn des Bergmanns Nicolaus Oemler (Öhmler d. Ä.) und seiner Frau Anna Reinicke, der Tochter des Bergvogts Peter Reinicke in Mansfeld geboren. Sein Vater war ein Freund von Martin Luthers Eltern und hatte neben Georg noch den Sohn Nicolaus Öhmler d. J. Nach einem Besuch einer Lateinschule, die Georg vermutlich in Stolberg absolvierte, immatrikulierte er sich im Wintersemester 1532 an der Universität Wittenberg, um sich dem Studium der Theologie zu widmen.

In Wittenberg befreundete er sich mit dem ebenfalls dort studierenden Valerius Cordus. Dieser regte Aemilius mit der Beschäftigung der Botanik an und ließ von ihm seine Schriften bearbeiten. Auf Anregung Philipp Melanchthons latinisierte er seinen Familiennamen Oemler zu Aemilius und begann lateinische Dichtungen abzufassen.

1537 erwarb Aemilius den akademischen Grad eines Magister Artium und übernahm die Leitung einer Wittenberger Privatschule. 1540 wurde er mit einem Empfehlungsschreiben Martin Luthers, der ihn als „gar einen sonderlichen feinen Gesellen, dazu auch still und sittig“ bezeichnete, als Rektor der Lateinschule in Siegen berufen, die er bis 1553 leitete. Hier übertrug er die französischen Epigramme von Gilles Corrozet zu Holbeins Totentanz (1547) und für die Zwecke seiner Schule die Sonntagsevangelien (1549) und Episteln (1551) in lateinische Hexameter, wobei er Johannes Spangenberg als Lehrer der Verskunst rühmt.

Auch als er 1553 als Superintendent der Grafen zu Stolberg nach Stolberg gerufen wird, arbeitet er vor allem an der Entwicklung des Schulwesens weiter. Nachdem er in Wittenberg am 8. Mai 1554 den Doktortitel der Theologie erwarb, schrieb er eine kurze populäre Übersicht des Katechismus (1557) und eine „Etliche schone Prophecien oder Weissagung des alten testaments von Christo seiner Zukunfft vnd geburt auch seinem newen Reich vnd desselben Wolthaten der Jugend zum besten in deutsche reim gefasset“ in deutschen Versen (1560). Trotz seiner Friedfertigkeit hatte er später als Hofprediger durch Sixtus Amandus Auseinandersetzungen, der Aemilius' Standpunkt angriff.

Für die Botanik war Aemilius durch Aufsuchen von Pflanzen und durch Pflege seltener Gewächse tätig, von denen er manche in Gedichten verherrlichte. Conrad Gessner und Johann Bauhin zitieren ihn dabei öfter in ihren Werken.

Unter Rückgriff auf die Ausgabe des Holbeinschen Totentanzes von Georg Aemilius schuf der Kronstädter Reformator Valentin Wagner (1510–1557) sein Werk Imagines mortis selectiores.[1]

Zu seinen Nachkommen zählt der Fotograf Hermann Dieter Oemler (1939–2011).

Werke
Biblicae historiae Latinis epigrammatibus illustratæ. Frankfurt/Main 1539.
Imaginum in Apocalypsi Johannis descriptio, elegiaco carmine condita. Frankfurt/Main 1540.
Imagines mortis, his accesserunt epigrammata. (1545, 1547, 1555, 1567, 1572).
Evangelia, quae consueto more dominicis et aliis festis diebus in ecclesia leguntur, heroico carmine reddita. Köln (1549, 1554, 1560).
Epistolae, quae dominicis atque festis diebus in ecclesia proponi solent, heroico carmine redditae. Basel 1551.
Postilla, Evangelia et Epistolae per quaestiones explicata. 1560.
Etliche schone Prophecien oder Weissagung des alten testaments von Christo seiner Zukunfft vnd geburt auch seinem newen Reich vnd desselben Wolthaten der Jugend zum besten in deutsche reim gefasset durch Georg. Emilium D. vnd Pfarher zu Stolbergk vnd zum Newen jar in Druck gegeben. Anno M.D.LX. Eisleben 1560 (bei Vrnanum Gaubisch).
Poemata sacra in Jesaiae cap. LIII de passione, morte et resurrectione Christi. Basel 1550.
Apocalypsis Johannis,Apocalypsis Johannis Explicatio Apocalypsis Iohannis Perspicua & breuis Tradita et Recognita a Doctore Davide Chytraeo Abhandlung: Elegiaco Carmine Condita A Georgio Aemilio. Wittenberg 1575 (bei Johann Crato). 
AEMILIUS, Georg (I48637)
 
3139 Leben
Herkunft

Herrenhaus Burgörner („Humboldt-Schloss“)

Grabstein von Wilhelm von Humboldt sowie seiner Tochter Adelheid und deren Ehemann August von Hedemann

Gedenkplatte im Erfurter Steigerwald (1994)
August entstammte dem preußischen Zweig des Adelsgeschlechts Hedemann. Er war der Sohn von Christoph Marquard Friedrich von Hedemann (* 6. Juni 1759; † 10. April 1803) und dessen Ehefrau Johanna Maria Josepha, geborene von Wunsch (* 2. Januar 1759; † 13. November 1838). Der Vater war zum Zeitpunkt seiner Geburt als Sekondeleutnant im Husarenregiment „von Goeckingk“ in Plau stationiert, das Preußen von 1735 bis 1787 als Pfand besetzt hatte. Er stieg bis zum Rittmeister und Eskadronchef auf und war Ritter des Ordens Pour le Mérite.[2] Nach dem Tod des Vaters erhielt der Sohn eine monatliche Unterstützung von zwei Friedrichsdor und die Mutter eine dauernde Zulage von 100 Talern zu ihrem Witwengehalt. Der Landrat Georg von Hedemann war sein Großvater.

Militärkarriere
Hedemann trat am 26. Februar 1799 als Junker in das Husarenregiment, in dem bereits sein Vater gedient hatte, ein. Dort avancierte er bis Mitte August 1804 zum Sekondeleutnant und wurde am 30. Dezember 1805 Adjutant des Regimentschefs von Rudorff. Im Ersten Koalitionskrieg kämpfte er im Gefecht bei Criewitz und wurde dafür mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet, machte den Rückzug nach Lübeck mit und ging dort in Gefangenschaft. Er kam am 23. Januar 1807 zum Depot des Regiments. Nach seiner Auswechselung wurde Hedemann am 3. April 1807 Adjutant des Prinzen Wilhelm von Preußen, dem vierten Sohn von König Friedrich Wilhelm II. Er kämpfte dann bei Gollau und Königsberg. Ferner begleitete er den Prinzen 1808 nach Paris.

Nach dem Frieden von Tilsit stieg Hedemann bis Ende April 1810 zum Stabsrittmeister auf. Am 17. Juni 1811 bekam er mit halbem Gehalt sieben Wochen Urlaub, um nach Wien zu gehen. Am 21. April 1812 wurde er zum Rittmeister befördert. Am Beginn der Befreiungskriege wurde er in der Schlacht bei Großgörschen verwundet, erhielt den Orden des Heiligen Wladimir IV. Klasse und am 19. Mai 1813 das Eiserne Kreuz II. Klasse. Er kämpfte dann bei Bautzen und an der Katzbach. Er avancierte am 4. September 1813 zum Major und kam sieben Tage später unter Belassung in seiner Stellung als Adjutant des Prinzen Wilhelm in den Generalstab. Er kämpfte dann bei Leipzig und erhielt den Orden der Heiligen Anna II. Klasse. Am 4. Januar 1814 kam er dann als Generalstabsoffizier in die 8. Brigade des Korps Yorck. Er kämpfte danach bei Laon, Paris und Belle Alliance sowie in den Gefechten bei Haynau, Colditz, Löwenberg, Görlitz, Bunzlau, Chalons, Mery, Claye Aubert und Villiers. Zudem bekam er am 1. Juni 1814 das Eiserne Kreuz I. Klasse sowie am 1. Januar 1815 den Johanniterorden.

Am 2. Oktober 1815 erhielt Hedemann das Eichenlaub zum Orden Pour le Mérite. Mit seiner Beförderung zum Oberstleutnant wurde er am 30. Oktober 1815 1. Adjutant des Prinzen Wilhelm. 1817 wurde er in die Gesetzlose Gesellschaft zu Berlin aufgenommen und im gleichen Jahr erhielt Hedemann bei vollem Gehalt einen achtmonatigen Urlaub für einen Aufenthalt in Italien. Am 16. Mai 1818 erhielt den Orden des Heiligen Georg IV. Klasse. Am 29. November 1821 ernannte man Hedemann zum Kommandeur des 2. Leib-Husaren-Regiments im schlesischen Herrnstadt. In dieser Stellung wurde er am 30. März 1823 mit Patent vom 9. April 1823 zum Oberst befördert. 1825 erhielt er das Dienstkreuz.

Für Hedemann komponierte Carl Maria von Weber 1822 einen Marsch. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter wurde er auf Humboldts Wunsch von König Friedrich Wilhelm III. nach Berlin versetzt und am 30. März 1829 zum Kommandeur des 2. Garde-Ulanen-Landwehr-Regiments ernannt. In dieser Eigenschaft erhielt er am 12. Juni 1829 den russischen Sankt-Stanislaus-Orden II. Klasse mit Brillanten. Am 30. März 1832 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der 6. Landwehr-Brigade und Hedemann wurde dem 2. Garde-Ulanen-Regiment aggregiert. Ab dem 7. August 1833 fungierte er auch als Mitglied der General-Ordens-Kommission. Am 30. März 1834 wurde er zum Generalmajor befördert und am 18. Juli 1837 mit dem Kommandeurskreuz des Schwertordens ausgezeichnet. Am 30. März 1838 wurde er als Kommandeur zur 10. Division in Posen versetzt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte als 1. Kommandant der Festung Posen beauftragt. Mit seiner Ernennung zum Kommandeur der 8. Division wurde Hedemann am 30. März 1840 mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandeur der Festung Erfurt beauftragt. In dieser Stellung wurde er am 7. April 1842 zum Generalleutnant befördert und am 27. Oktober 1842 mit dem Großkreuz des Ordens von Weißen Falken ausgezeichnet. Er war Mitbegründer des Erfurter Gartenbauvereins und dessen Direktor. Verdient machte er sich besonders um den Erfurter Steigerwald. Gemeinsam mit Friedrich Adolph Haage ließ er die sogenannten „Hedemanns-Wege“ im Waldgebiet anlegen, um dieses für die Erfurter Bürger zu erschließen.

Am 22. September 1844 wurde er mit dem Roten Adlerorden I. Klasse mit Eichenlaub ausgezeichnet. Am 5. März 1848 wurde Hedemann Kommandierender General des IV. Armee-Korps. Am 26. Februar 1849 feierte er sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Am 25. Februar 1851 bekam er das Großkreuz des Ordens Heinrichs des Löwen sowie am 29. Mai 1851 das Großkreuz des Sachsen-Ernestinischen Hausordens. Am 7. Februar 1852 wurde er dann mit dem Charakter als General der Kavallerie in den Ruhestand versetzt. Noch am 13. Januar 1857 erhielt Hedemann die Krone zum Orden Pour le Mérite.

Im Ruhestand lebte er im von seiner Frau geerbten, auch „Humboldt-Schloss“ genannten Herrenhaus Burgörner und auf Schloss Tegel. Er starb mit 74 Jahren am 7. Dezember 1859 in Berlin und wurde am 21. Dezember 1859 in der Familiengrabstätte von Humboldt „Campo Santo“ im Park von Schloss Tegel beigesetzt. 
VON HEDEMANN, August (I48813)
 
3140 Leben
Herzog Theodo I. stammt aus der Dynastie der Agilolfinger. Er regierte in Regensburg, der Hauptstadt der provincia baiuvariorum. Theodo I. regierte als Herzog von Baiern, ohne dass seine genaue genealogische Einordnung in den Stammbaum der Agilolfinger wirklich gesichert wäre, zumal die Quellenlage für Baiern im 7. Jahrhundert so schwach ist, dass sich gesicherte Aussagen schwer treffen lassen. Die Angaben in diesem Artikel beruhen daher weitgehend auf indirekten Schlüssen.

Mit seiner Gattin Gleisnod, Tochter von Herzog Gisulf II. von Friaul, hatte Theodo zwei Kinder: den Sohn und Nachfolger im Herzogsamt, Lantpert, sowie die Tochter Uta. An seinem Hof in Regensburg ließ sich Bischof Emmeram nieder.

Mit den Angelegenheiten des Frankenreiches in dieser Zeit scheint er nicht viel zu tun gehabt zu haben, da er von dieser Seite aus praktisch nicht erwähnt wird. Sein direkter Nachfolger wurde sein Sohn Landfried/Lantpert, der Mörder des heiligen Emmeram. Nach Lantperts offenbar kurzer Regierungszeit folgte Theodo II. 
VON BAYERN, Theodo I. (I47183)
 
3141 Leben
Jean Henri de Moor stammte aus Wageningen bei Geldern in den Niederlanden, wuchs aber in Paris auf. Er betrieb dort erfolgreich eine Spiegelfabrik. 1683 ging er nach Kopenhagen, arbeitete als Goldschmied der dänischen Könige und wurde Vorstand des Konsistoriums der französisch-reformierten Kirche. 1694 wurde er Direktor einer Glasmanufaktur, löste aber 1695/96 das Geschäft auf und ging nach Berlin. 1696 unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Kurfürsten Friedrich III., vertreten durch den Amtsverwalter Eberhard von Danckelmann (Eberhard Christoph Balthasar Freiherr von Danckelman (* 23. November 1643 in Lingen (Ems); † 31. März 1722 in Berlin; auch Danckelmann geschrieben) war Hauslehrer des ersten preußischen Königs, brandenburgischer Minister, preußischer Oberpräsident (= Premierminister) und Reichsfreiherr.)
, durch den er Direktor und Teilhaber der 1688 gegründeten Spiegelmanufaktur in Neustadt/Dosse wurde und gründete dort eine französische Kolonie. 1708 wurde er Pächter der Fabrik, ab 1711 zusammen mit seinem Sohn Johann Heinrich.[1] Er wurde zum Hofrat ernannt. Sein Teilhaber wurde sein Schwiegersohn Henri Colomb, der aber bereits 1719 starb. Als die Fabrik 1720/21 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, wurden er, sein Sohn Johann Heinrich und sein Enkel Johann Heinrich Colomb in (Berlin)-Spandau für einige Monate in Schuldhaft gesetzt. Seinem Sohn Johann Heinrich überließ König Friedrich Wilhelm I. 1721 die Fabrik. Johann Heinrich Colomb wurde Gesellschafter und, nachdem Johann Heinrich de Moor 1733 starb, alleiniger Besitzer.

Jean Henri de Moor war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit einer geborenen Taher aus Paris, über die nichts weiter bekannt ist, in zweiter Ehe mit Marie Schalck. Er hatte insgesamt 12 Kinder. Der Sohn Jean Henri (Johann Heinrich) und die Töchter Madelaine und Elisabeth wurden in Paris geboren, die Tochter Catherine in Kopenhagen. 
DE MOOR, Jean Henri (I48799)
 
3142 Leben
Jugend
Liutprand war der jüngere Sohn des Ansprand und der Theodorada. Nach dem Tod des Königs Cunincpert im Jahr 700 wurde Ansprand Regent für dessen minderjährigen Sohn und Thronfolger Liutpert.[1] Dagegen erhob sich acht Monate nach dem Tod Cunincperts Raginpert, der Herzog von Turin, der sich gegen Ansprand in der Schlacht von Novara durchsetzen konnte. Zwar starb Raginpert bereits 701, doch wurde daraufhin dessen Sohn Aripert II. König.[2]

In der Schlacht bei Ticinum (Pavia) besiegte Aripert II. das Heer König Liutperts unter Ansprand, Ato, Tatzo, Rotharit und Farao und nahm Liutpert gefangen.[2] Ansprand floh an den bairischen Hof, wo dux Theudebert[3] ihn wohlwollend aufnahm.[4] Der junge Liutpert wurde 703 von Aripert als potenzieller Thronrivale ermordet.[5] Ansprands Familie wurde verstümmelt: Seinem Sohn Sigiprand wurden die Augen ausgestochen, seiner Frau Theodorada und seiner Tochter Aurona wurden Nase und Ohren abgeschnitten, lediglich Ansprands kleiner Sohn Liutprand durfte zu seinem Vater ins Exil.[6]

712 stellte Theudebert ein Heer zur Verfügung, mit dem Ansprand und Liutprand über die Alpen zogen.[7] Bei Pavia kam es zur Schlacht mit Ariperts Heer. Diese war offenbar noch nicht entschieden, da setzte sich Aripert abends von seinem Heer ab, um die Nacht im Palast zu verbringen. Das Heer fühlte sich verraten und meuterte. Aripert floh aus Pavia und ertrank im Ticinus, den er mit Schätzen beladen durchschwimmen wollte. Ansprand konnte seine Nachfolge unangefochten antreten, starb allerdings bereits drei Monate darauf. Am 13. Juni konnte sich Liutprand zum König krönen lassen.[8]

Königsherrschaft

Tremissis Luitprands
DN LI TPRAN
Dominus noster Liutprandus (Unser Herr Liutprand)
SCS MIHHIL (St. Michael)
Im Jahr 712 kam er einem Mordanschlag seines consanguineus (Blutsverwandten) Rothari zuvor und tötete ihn. Dessen vier Söhne ließ Liutprand hinrichten. Zwei seiner armigeri (Waffenträger) planten einen weiteren Anschlag. Von Liutprand zur Rede gestellt, bekannten sie ihre Schuld und wurden begnadigt.[9] Damit war Luitprands Königtum zunächst gesichert. In Italien gab es vier konkurrierende politische Mächte: Den König, die halbautonomen Dukate Spoleto und Benevent, Byzanz und das erstarkende Papsttum. In diesem Umfeld wollte Liutprand König ganz Italiens werden. Mit Romuald II. von Benevent arrangierte sich Liutprand, indem er ihm um 715 seine Nichte Gumperga zur Frau gab.[10]

Faroald II., der dux von Spoleto, eroberte um 716 eigenmächtig die byzantinische Stadt Classis, musste sie aber auf Geheiß Liutprands wieder räumen.[11] Langobarden aus dem Dukat Benevent eroberten 717 unter Romuald II. das byzantinische Cumae, wurden aber auf Intervention Papst Gregor II. nach einiger Zeit durch den dux von Neapel wieder vertrieben.[12] Liutprand bestätigte um 720 der Kirche die von Aripert II. vorgenommenen Schenkungen in den Cottischen Alpen.[13]

Mit Bayern war Liutprand seit seinem Exil verbunden. Er griff 717 nach dem Tod Herzog Theodos zugunsten seiner Verwandten in innerbayerische Auseinandersetzungen ein.[14] Um 715 heiratete er die bayrische Prinzessin Guntrud, mit der er eine Tochter hatte.[13] Um 725 griff er gemeinsam mit Karl Martell nochmals in bayrische Angelegenheiten ein, eroberte mehrere Städte[15] und verschob die langobardische Grenze nordwärts nach Magias (Mais bei Meran).[16]

Slawische Stämme griffen den Ort Lauriana in Friaul an, wurden aber von dux Pemmo zurückgeschlagen.[17] Die Langobarden eroberten das byzantinische Narnia (Narni).[18]

Liutprand kaufte den Sarazenen die Gebeine des heiligen Augustinus von Hippo ab und überführte sie nach Pavia.[18]

Ikonoklasmusstreit
Der byzantinische Kaiser Leo III. verbot 726 die Bilderverehrung und ordnete die Entfernung aller heiligen Bilder aus den Kirchen an. Das bilderfeindliche Edikt des Kaisers führte im Vatikan und im Langobardenreich zum Aufruhr gegen die byzantinische Herrschaft. Papst Gregor II. verdammte auf einer römischen Synode die Bilderstürmer.[19] Liutprand belagerte Ravenna und zerstörte den byzantinischen Kriegshafen Classis. Der patricius Paulus aus Ravenna sandte Truppen gegen den Papst, die von langobardischen Heeren zurückgedrängt wurden. Liutprand eroberte die byzantinischen Städte Feronianum (Frignano)[20], Mons Bellius (Monteveglio), Buxeta (Busseto), Persiceta (San Giovanni in Persiceto), Bononia (Bologna), die Pentapolis (Rimini, Pesaro, Fano, Sinigaglia und Ancona), Auximum (Osimo) und Sutri, das er wenig später Papst Gregor II. zugesprochen haben soll;[21] eine Vorwegnahme der Pippinischen Schenkung in kleinem Maßstab. Thomas Hodgkin vertritt die Auffassung, dass die Städte sich mehr oder minder freiwillig dem Schutz Liutprands unterstellten, um sich dem Konflikt zwischen Papst und Byzanz zu entziehen.[22]

Ausweitung der königlichen Macht
727 wurde der Exarch Paulus getötet. Sein Nachfolger, der Eunuch Eutychius, landete bei Neapel und verbündete sich nach einem missglückten Anschlag auf den Papst um 730 mit Liutprand. Liutprand wollte Spoleto und Benevent seinem Einfluss unterwerfen und ließ dem Exarchen freie Hand für Rom. Er unterwarf Transamund II., den Herzog von Spoleto, und marschierte dann auf Rom, wo er eine Verständigung zwischen Papst Gregor II. und dem Exarchen Eutychius erreichte. Mit den byzantinischen Städten Venedig und Comacchio schloss er Verträge.[23]

Als Pemmo, der dux von Friaul, den Patriarchen Calixtus um 731 gefangen nahm, fiel er in Ungnade und Liutprand setzte dessen Sohn Ratchis als dux ein. Pemmo floh mit seinen Anhängern zu den Slawen, bis Ratchis den König zur Versöhnung bewegen konnte. Pemmo wurde mit seinen Söhnen Ratchait und Aistulf begnadigt, die anderen Missetäter wurden eingesperrt.[24]

Romuald II. von Benevent war um 730 gestorben. Den Usurpator Audelahis besiegte Liutprand um 732 und setzte seinen eigenen Neffen Gregorius als dux ein. Romualds minderjährigen Sohn Gisulf II. nahm er nach Pavia, wo er ihn wie einen Sohn aufzog.[25]

Er suchte gute Beziehungen zum Frankenreich, wo sich 719 der Hausmeier Karl Martell als eigentlicher Herrscher durchgesetzt hatte. Karls Sohn Pippin wurde 734/37 von Liutprand adoptiert.[26] Karl Martell war mit Sonichildis, einer Cousine von Liutprands Frau Guntrud verheiratet. Als Karl 737 Liutprand bat, ihm in der Provence gegen die Sarazenen beizustehen, erklärte er sich zu dieser Waffenhilfe bereit.[27] Liutprands Neffe Hildeprand konnte Ravenna um 737[28] einnehmen, verlor es aber um 740 wieder an die Venetianer.[27]

Erneute Unruhen in Spoleto und Benevent

Das „Pilatus-Becken“ im „Pilatushof“ Basilika Santo Stefano in Bologna aus dem 8. Jahrhundert trägt in einer Inschrift die Namen der Könige Liutprand und Hildeprand und des Bischofs Barbatus.
Liutprands Ziel, Rom einzunehmen, wurde aber offenbar nicht aufgegeben. Die Gefährdung des Papsttums in Rom blieb bestehen und verschärfte sich. Dux Godescalc war ohne Einwilligung des Königs dessen verstorbenem Neffen Gregorius nachgefolgt. Die duces Godescalc von Benevent und Transamund II. von Spoleto verbündeten sich im Jahr 739 mit Papst Gregor III. Liutprand rückte 739 mit einem Heer an und Transamund floh nach Rom. In Spoleto setzte Liutprand im Juni 739 Hilderic als dux ein. Hildeprand nutzte eine Erkrankung seines Onkels, um selbst nach der Macht zu greifen. Der König gesundete allerdings bald wieder und beteiligte Hildeprand nun als Mitkönig an der Regierung.[25] Der Hilferuf des Papstes an Karl Martell im Jahre 739 verhallte angesichts dessen Freundschaft mit Liutprand ungehört. Somit musste der Papst auf eigene Faust mit Liutprand verhandeln, dessen Position durch den Aufstand seines Neffen Hildeprand und durch den fortdauernden Kampf mit Spoleto geschwächt war.

Im Dezember 740 kehrte Transamund II. nach Spoleto zurück und tötete den von Liutprand eingesetzten Hilderic.[25] Liutprands anrückendes Heer wurde 742 zwischen Fanum (Fano) und Forum Simphronii (Fossombrone) von einem spoletanisch-byzantinischen Heer angegriffen. Dux Ratchis von Friaul und sein Bruder Aistulf bildeten mit ihren Leuten die Nachhut und deckten den Vormarsch.[29] Liutprand gelang es, Transamund abzusetzen und ihn dazu zu zwingen, ins Kloster zu gehen; sein Herzogtum fiel an Agiprand. Godescalc wurde von den Beneventanern auf der Flucht getötet[30] und Liutprand setzte seinen Neffen Gisulf II. als dux ein.[15]

Mit Papst Zacharias machte Liutprand 742 seinen Frieden, wobei er auf seine Eroberungen im Dukat von Rom und auf andere römische Kirchengüter verzichtete. Der Papst konnte ihn auch von einem geplanten Feldzug gegen Ravenna abbringen.[31]

Nachfolge

Grabmal Liutprands in San Pietro in Ciel d’Oro:
Hic iacent ossa regis Liutprandi
(Hier ruhen die Gebeine König Liutprands)
Liutprand starb im Januar 744 und wurde, wie sein Vater, in der St. Adrian Kirche in Pavia beigesetzt.[15] Die Nachfolge trat zunächst sein Neffe Hildeprand an, der allerdings noch im selben Jahr von Ratchis abgelöst wurde. Im 12. Jahrhundert wurde er in die von ihm erbaute Kirche San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia umgebettet. Weitere Zeugnisse seiner Bautätigkeit sind das Kloster St. Anastasius in Corteolona und das Kloster in Bercetum.[15]

Am Fuß der letzten Säule des rechten Ganges befindet sich das Grab von König Liutprand. 2018 wurden die Knochen Gegenstand einer bioarchäologischen und genetischen Untersuchung. Die Analysen zeigten, dass die Knochen zu drei Individuen der Oberschicht gehörten, die starke Muskeln hatten und Proteine, hauptsächlich aus Fleisch und Fisch, in größerem Umfang aßen als der Rest der Bevölkerung, wie die Vergleiche mit den Knochenfunden zeigten. aus einer Nekropole der Langobardenzeit in Oberitalien. Von diesen drei Individuen stammen zwei (ein Mann mittleren Alters und ein jüngerer Mann) aus dem 7. Jahrhundert, während das dritte Subjekt, das etwa 40/50 Jahre alt starb, ein Zeitgenosse von Liutprand war: Es ist daher möglich, dass die Knochen des dritten Individuums dem König gehören.[32]

2018 wurde während einiger Restaurierungsarbeiten ein Fragment der Inschrift des Herrschers in der Krypta des Doms von Pavia gefunden.[33]

Rechtswesen
Unter Liutprand wurde das langobardische Recht durch Jahressatzungen erweitert. Er hielt jährliche Volksversammlungen zur Bestätigung seiner Gesetze ab. Dadurch entwickelte sich das langobardische Volksrecht zu einem der Umfangreichsten und näherte sich einem Fallrecht. Die Liutprandi Leges waren zum Teil gegen Heidentum, Häresie und Apostasie gerichtet:[34] So kam es 727 zum Verbot von Wahrsagerei.[35] Wahrsager wurden als Sklaven ins Ausland verkauft.[36] Magie und Verehrung von Bäumen und Quellen wurde bei Freien mit einer Geldstrafe, bei Mägden und Knechten mit dem Verkauf ins Ausland geahndet.[37]


Fragment der Inschrift des Königs in der Krypta des Doms von Pavia im Jahr 2018 gefunden
Er regelte per Gesetz die Ämterhierarchie der Herzöge und Gastalden als königliche Amtsträger in den Städten, denen die Schultheißen, Decani und Saltarii als Vorsteher von Dörfern und kleineren ländlichen Bezirken untergeordnet waren. Er rief einen Landfrieden aus und untersagte Fehden. Der Verkauf von Freien als Sklaven ins Ausland wurde untersagt.

Im Erbrecht fand eine Annäherung an das römische Recht statt: Lebten keine ehelichen Söhne mehr, so erbten die ehelichen unverheirateten bzw. verwitweten Töchter.[38] Andere Verwandte waren vom Erbe ausgeschlossen, insbesondere uneheliche Kinder. Im langobardischen Recht konnten allerdings nicht alle Erbfähigen gleichzeitig und zu gleichen Teilen erben, sondern nur nacheinander.

Im Eherecht hob er das Verbot von Mischehen zwischen Romanen und Langobarden auf. Die Morgengabe war in der Höhe auf ein Viertel des Vermögens des Ehemanns begrenzt.[39] Frauen wurde ein „Zustimmungsrecht“ bei der Wahl des Ehemannes eingeräumt.[40]

723 wurde ein Gesetz erlassen, das die Klerikerweihe von Sklaven anderer Leute unter Strafe stellte und ihre Rückgabe an den jeweiligen Besitzer anordnete.[41] Frisch verwitwete Frauen durften nicht aus Gewinnsucht von ihrem Vormund ins Kloster eingewiesen werden.[42] Ein Gesetz von 727 befasste sich mit Mägden, die ins Kloster eingewiesen werden und auf dem Weg dorthin heiraten.[43] 
..., König der Langobarden König der Langobarden Liutprand (I36754)
 
3143 Leben
Justa Grata Honoria wurde bereits in früher Jugend mit der Würde einer Augusta bekleidet, vielleicht, damit sie durch ihren hohen Rang von einer Heirat abgehalten würde: Eine Verbindung mit ihr hätte nach damaliger Vorstellung gewisse Ansprüche auf das Kaisertum begründen können; dies wollte insbesondere der mächtige Heermeister Flavius Aëtius verhindern. Honoria gab sich aber dem Hofbeamten Eugenius hin und wurde deshalb vielleicht kurzzeitig in Konstantinopel in klösterlicher Abgeschiedenheit gehalten. Ihr Liebhaber wurde hingerichtet, und nach ihrer Rückkehr (?) nach Ravenna wurde sie 450 mit einem unbedeutenden Senator zwangsverheiratet, der keine Bedrohung für Valentinian III. oder Aëtius darstellte.

Offenbar riefen Honoria und ihre Anhänger in dieser Situation die Hunnen unter Attila zu Hilfe. Später wurde erzählt, sie habe dem Hunnen durch Übersenden eines Ringes ihre Hand angeboten. Dies bot den Anlass für den Krieg zwischen Westrom und den Hunnen 451/52, in dem Aëtius Attilas Angriffe letztlich abwehren konnte. Angeblich wurde Honoria lebenslang eingekerkert. Die Umstände ihres Todes sind unbekannt. 
JUSTA, Grata Honoria (I47232)
 
3144 Leben
Karl Friedrich von Dacheröden wurde als Sohn des Regierungspräsidenten von Magdeburg, Carl Friedrich von Dachröden (1705–1742), und dessen Frau Charlotte Ludmilla von Posadowsky geboren. Wie sein Vater wurde er preußischer Verwaltungsbeamter und war mit 21 Jahren Landrat im preußischen Magdeburger Anteil der Grafschaft Mansfeld. Am 23. Juni 1763 wurde er mit einem Gehalt von 1600 Reichstalern zum Kammerpräsidenten in Minden ernannt. Laufend wurde er wegen nie gelieferter Unterlagen für den Adressenkalender des Fürstentums Minden gemahnt. 1765 geriet er in Verdacht, mit englischen Wechseln für Lieferungen aus dem Fürstentum Minden im Siebenjährigen Krieg unordentlich umgegangen zu sein. Er beschwerte sich über die die Wirtschaft behindernde Akziseordnung und führte eine Justizordnung ein, die Ärger erregte. Seine jährlichen Berichte wurden wiederholt gerügt.

Als König Friedrich II. 1771 Dacheröden als Vorsitzenden der Preußischen Kammer in Minden ablösen ließ – offenbar wegen Unordnung in der Kasse – und ihn zum Direktor der Neumärkischen Kammer ernannte, trat dieser den niederen Posten nie an und zog sich mit Schulden auf seine Güter in der Nähe Erfurts zurück. Ende desselben Jahres bezog Dacheröden mit seiner Frau Ernestina Friderica von Hopffgarten, Tochter von Friedrich Abraham von Hopffgarten, und seinen Kindern in der Stadt das heute so genannte Dacherödersche Haus, Am Anger 37/38. Von Anfang an führte er ein sehr gastfreundliches Haus, in dem sich zum Teil regelmäßig Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und andere zum Gedankenaustausch trafen. Neben einer französischen Gouvernante war in Erfurt der Journalist und Pädagoge Rudolph Zacharias Becker für die Erziehung der Dacheröderschen Kinder Caroline (* 23. Februar 1766) und Ernst Ludwig Wilhelm (* 11. November 1764) zuständig, der später von Johann Bernhard Basedow für sein Philanthropinum in Dessau abgeworben wurde. In Dacherödens Haus feierte Friedrich Schiller seine Verlobung mit Charlotte von Lengefeld und Wilhelm von Humboldt machte der Tochter Caroline dort erfolgreich seinen Heiratsantrag.

Nachdem Dacheröden viele Jahre Mitglied der 1754 gegründeten kurmainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften in Erfurt gewesen war, wurde er 1778 deren Direktor. Nach Übernahme der Kurmainzischen Statthalterschaft durch seinen Freund Karl Theodor von Dalberg und Neu-Belebung der Akademie-Zeitschrift wurde von Dacheröden 1781 Zensor für die eingehenden historischen und staatswissenschaftlichen Beiträge. Daneben schrieb er selbst Beiträge und hielt Vorlesungen. 1785 wurde er als Nachfolger von Hieronymus Friedrich Schorch zum Präsidenten der Akademie gewählt.

Dacheröden hatte von seiner Großmutter das Rittergut Grumbach im Amt Langensalza geerbt, das er am 16. März 1785 an Johann Gottlob von Dachröden verkaufte.

Im Alter von 77 Jahren starb Karl Friedrich von Dacheröden in Erfurt. 
VON DACHERÖDEN, Karl Friedrich (I48804)
 
3145 Leben
Kindheit und Jugend
Aelia Galla Placidia wurde um das Jahr 390[1] in Konstantinopel als Tochter des römischen Kaisers Theodosius I. und seiner zweiten Gemahlin Galla geboren. Galla war die Tochter des Kaisers Valentinian I. und Schwester von Valentinian II.; in Gestalt von Galla Placidia verband sich mithin die neue Theodosianische Dynastie mit der bislang herrschenden valentinianischen Familie. Sie hatte zwei ältere Halbbrüder, die späteren Kaiser Honorius und Arcadius, die beide aus Theodosius’ erster Ehe mit Aelia Flavia Flaccilla hervorgegangen waren. Während ihre Halbbrüder nacheinander zu Augusti ernannt wurden, erhielt sie bereits als kleines Kind den Titel einer Nobilissima, was ihren Rang als Kaisertochter betonte. Im Jahre 394 erlag Placidias Mutter Galla den Folgen einer Fehlgeburt, am 17. Januar 395 verstarb Theodosius. Der zehnjährige Honorius wurde damit zum Kaiser der westlichen Reichshälfte und stand wohl gemeinsam mit Galla Placidia unter der Obhut des Heermeisters Stilicho und dessen Frau, ihrer Cousine Serena. Galla erhielt mutmaßlich dieselbe Erziehung wie Serenas Töchter, die späteren Ehefrauen des Honorius, die neben Bibellektüre und traditioneller weiblicher Hausarbeit auch klassische Dichtung beinhaltet haben dürfte.[2] Zum Hof ihres Bruders Arcadius, der den römischen Osten beherrschte und den Anspruch Stilichos, auch sein Vormund zu sein, ablehnte, bestanden in diesen Jahren erhebliche Spannungen.

405 wurde Galla Placidia mit Stilichos Sohn Eucherius verlobt, ohne dass jedoch eine Eheschließung erfolgte. O’Flynn vermutet, Stilicho habe Eucherius nicht zu früh protegieren wollen, um ihn nicht zu einem Konkurrenten seines erhofften Enkels aus den Ehen seiner Töchter mit Honorius zu machen, und deshalb dessen Karriere und Ehe nicht befördert.[3] 408 wurde Eucherius im Rahmen einer Palastintrige ebenso wie kurz zuvor sein Vater Stilicho und dessen Frau getötet. Zosimos berichtet, Galla Placidia habe dem römischen Senat persönlich die Zustimmung zu Serenas Hinrichtung gegeben.[4]

Geisel und Königin der Westgoten
Mit Stilichos Tod hatten Honorius und der westliche Hof versucht, sich vom übermächtigen Einfluss des Militärs zu befreien. Doch bald nachdem das Weströmische Reich seines obersten Heermeisters beraubt war, drangen meuternde westgotische foederati, geführt von Alarich, in Italien ein und plünderten Rom (410). Zahlreiche römische Aristokraten gerieten in Gefangenschaft, darunter auch Galla Placidia, die offensichtlich nicht mehr am kaiserlichen Hof in Ravenna lebte. Offensichtlich plante Alarich, die Prinzessin als Geisel zu verwenden; vermutlich hatte er aber auch vor, sich durch sie in das Kaiserhaus einzuheiraten. Von Rom aus zogen die Westgoten in Richtung Süden, um an der Straße von Messina nach Sizilien überzusetzen. Das Unternehmen scheiterte, und noch im Jahr 410 starb Alarich. Nachfolger wurde sein Schwager Athaulf, der die Westgoten 412 nach Gallien führte. Dort führte er Verhandlungen mit Honorius über die Aufnahme seiner Truppen in das kaiserliche Heer und das Recht der gotischen Krieger, vom römischen Staat versorgt zu werden. Als Gegenleistung verlangte der Kaiser, der inzwischen unter der Dominanz des neuen Heermeisters Flavius Constantius stand, neben militärischer Unterstützung gegen den Usurpator Jovinus die Rückgabe seiner Schwester Galla Placidia, die Constantius heiraten wollte.

Athaulf leistete die versprochene Militärhilfe: Er tötete Jovinus’ Bruder Sebastianus und den römischen Feldherrn Sarus, der dem Usurpator zu Hilfe kommen wollte, und lieferte Jovinus aus. Constantius griff jedoch nun die Goten an und zwang sie zum Ausweichen. Athaulf weigerte sich daher, Galla Placidia zu den Römern zurückzuschicken, und heiratete sie im Januar 414 in Narbo nach römischer Sitte. Priscus Attalus, der von Alarich als Gegenkaiser eingesetzte und nach der Plünderung Roms ebenfalls verschleppte Stadtpräfekt von Rom, verfasste eventuell dazu ein Epithalamium.[5] Die Ehe einer Kaisertochter mit einem „barbarischen“, dem arianischen Christentum anhängenden General war für manche Zeitgenossen ein Affront. Der spanische Bischof Hydatius sah darin rückblickend die Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiung Dan 11,6 EU.[6] Athaulf beabsichtigte mit dieser Eheschließung möglicherweise, einen Vertrag mit Kaiser Honorius zu erzwingen, der bis dahin nicht bereit gewesen war, die Versorgung der Goten in Gallien zu genehmigen. Das gelang jedoch nicht; vielmehr sahen sich die Westgoten unter dem Druck der Angriffe des römischen Heermeisters Constantius gezwungen, nach Spanien abzuziehen. Ende 414 gebar Galla Placidia in Barcelona einen Sohn namens Theodosius, der jedoch als Säugling verstarb. Seine Leiche wurde 35 Jahre später exhumiert und vermutlich im sog. Honorius-Mausoleum (ab 757 der Hl. Petronilla geweiht[7]) an der Südseite des Transepts der Peterskirche in Rom beigesetzt.

415 wurde Athaulf ermordet. Sein kurzlebiger Nachfolger Sigerich ermordete auch Athaulfs Söhne aus erster Ehe und misshandelte dessen Witwe, wurde aber nach wenigen Tagen von Wallia gestürzt. Dieser schloss 416 einen neuen Friedensvertrag mit Honorius, in dessen Rahmen Galla Placidia zu den Römern zurückkehrte.

Rückkehr zu den Römern

Medaillons des Honorius und der Galla Placidia aus dem Schatz von Velp
Mit ihrer Rückkehr an den kaiserlichen Hof nahm Galla Placidia die Rolle der Frau an der Seite ihres unverheirateten kaiserlichen Bruders Honorius an. Unter Zwang ehelichte sie am 1. Januar 417 in Ravenna den eigentlichen Machthaber, den Heermeister und patricius Constantius, der am selben Tag sein zweites Konsulat antrat. Laut Olympiodoros von Theben fand die Hochzeit trotz Galla Placidias ausdrücklichen Protestes statt. Dieser Ehe entstammten zwei Kinder, Honoria und Valentinian.

Als Papst Zosimus Ende 418 starb, beteiligte sich Galla Placidia an der Auseinandersetzung um die Nachfolge und unterstützte den vom römischen Stadtpräfekten Symmachus bestätigten Eulalius. Eine Einigung im Sinne des Kaisers auf einer Synode in Ravenna misslang jedoch, so dass Honorius zu einer zweiten Synode einlud, wozu Galla Placidia als Schwester des Kaisers persönlich Briefe an einige afrikanische Bischöfe, u. a. an Aurelius von Karthago und Augustinus von Hippo, verfasste. In diesen Briefen drückte sie zwar ihr Bedauern über das Scheitern der Synode in Ravenna aus, äußerte jedoch keine Präferenz für einen der beiden Kandidaten. Auch Paulinus von Nola lud sie ein.[8] Da Eulalius sich jedoch nicht an die Vorgabe hielt, bis zur Einigung außerhalb von Rom zu bleiben, war Honorius letztlich gezwungen, den von der Mehrheit der Presbyter gewählten Bonifatius I. zu bestätigen. Auch sonst war sie eine Verteidigerin der christlichen Reichskirche. Olympiodoros schreibt ihr die Vernichtung heidnischer Kultbilder zu und berichtet, sie habe sogar einmal ihrem Mann mit der Scheidung gedroht, sollte ein bekannter heidnischer Zauberer bzw. Priester nicht hingerichtet werden.[9]

421 erhob Honorius seinen Schwager Constantius auf dessen Drängen schließlich zum Augustus. Galla Placidia wurde nun Augusta. Ihr Sohn Valentinian wurde dadurch faktisch zum Thronfolger. Nur wenig später, am 2. September 421, erlag Constantius III. einer Rippenfellentzündung, kurz bevor er zu einem Feldzug gegen das Oströmische Reich aufbrechen konnte, das seine Erhebung zum Kaiser nicht akzeptierte. Nach dem Tod ihres Mannes unterstellten ihr einige Historiker, wie Olympiodoros, auf den Zosimos sich stützte, ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem unverheirateten Bruder Honorius, das durch Intrige zu einem Streit führte, der auch zwischen gotischen Söldnern, Galla Placidias ehemaligen Untertanen, und römischen Soldaten ausgetragen wurde.[10] Offensichtlich war es aufgrund der ungeklärten Nachfolgefrage zum Konflikt gekommen, denn der kinderlose Honorius scheint sich geweigert zu haben, seinen Neffen Valentinian durch die Erhebung zum Caesar oder Augustus offiziell zum Thronerben zu machen. In dieser Situation gruppierten sich die einflussreichen Personen einerseits um Honorius, andererseits um Galla und ihren Sohn.[11] Der Heermeister Flavius Castinus stellte sich gegen sie, während der comes Africae Bonifatius auf ihrer Seite stand. Galla Placidia fiel zuletzt in Ungnade und verlor den Augusta-Titel. Jutta Meischner vermutet, dass Honorius, der seit einem Jahrzehnt von Constantius dominiert worden war, sich damit endlich von der Bevormundung befreien wollte.[12]

Anfang 423 verließ sie mit ihren beiden Kindern Ravenna und suchte Zuflucht in Konstantinopel, wo inzwischen ihr Neffe Theodosius II. die Nachfolge seines Vaters Arcadius angetreten hatte. Doch bald nach Gallas Abreise verstarb am 27. August 423 Honorius, ohne einen Nachfolger hinterlassen zu haben. Als man nach viermonatiger kaiserloser Zeit im Westreich einen Hofbeamten namens Johannes zum Kaiser ausrief, ernannte Theodosius II. seinen Vetter Valentinian zum nobilissimus und verlobte ihn mit seiner erst zweijährigen Tochter Licinia Eudoxia. Im Herbst 424 wurde Valentinian in Thessaloniki zum Caesar ernannt, ehe Theodosius ihn mit dessen wieder zur Augusta erhobenen Mutter und seiner Schwester samt starker Heeresmacht unter dem oströmischen Heermeister Aspar zur Wahrung der legitimen Dynastie nach Italien sandte. Nach kurzem Bürgerkrieg wurde Johannes von seinen eigenen Generälen gestürzt und an Galla Placidia ausgeliefert. Der Usurpator wurde grausam hingerichtet. Am 23. Oktober 425 wurde Valentinian III. im Alter von sechs Jahren in Rom zum Augustus des Westens proklamiert. Als sein auctor imperii und senior Augustus beanspruchte Theodosius jedoch weiterhin die Oberherrschaft über das gesamte Imperium Romanum.[13]

Regentin des römischen Westens

Im Auftrag Galla Placidias geprägte Münze, die auf der Vorderseite ihren Sohn Valentinian III. zeigt. Auf der Rückseite steht ein Kreuz, typisch für alle Münzen mit Bezug zu Galla Placidia, das ihren christlichen Glauben verdeutlichen soll.
Einfluss der Feldherren
Da Valentinian III. noch nicht im regierungsfähigen Alter stand, versuchte Galla Placidia, die Geschicke des Westreiches zu lenken. Der Machtbereich, den sie für ihren Sohn regierte, war dabei erheblich kleiner als der des Honorius: Während der Regierungszeit des Usurpators Johannes hatten die Westgoten sich in Gallien ausgebreitet und die Vandalen in Spanien Sevilla und Carthago Nova erobert. Bei den Verhandlungen vor dem Feldzug gegen Johannes hatte sie vielleicht auch Teile von Illyrien, um die es zu Lebzeiten von Honorius und Arcadius Auseinandersetzungen gegeben hatte, an Theodosius II. abtreten müssen; vielleicht geschah dies aber auch erst 437. Unterstützt wurde sie anfangs vom ersten Heeresmeister Felix und dem comes Africae Bonifatius. Letzterer hatte sie bereits im Exil in Konstantinopel unterstützt,[14] während Felix, der anstelle des verdienten Bonifatius bald zum Patricius erhoben wurde, vermutlich von Theodosius II. eingesetzt worden war und dessen Interessen durchzusetzen suchte.[15] Deren schärfster Konkurrent war Aëtius, der einst für Johannes 60.000 Hunnen als Söldner angeworben hatte. Damit er diese Heeresmacht nicht gegen das Reich einsetzte, wurde Aëtius als comes in römischen Dienst übernommen und die Hunnen großzügig abgefunden. Bald wurde er magister militum per Gallias.

427 wurde Bonifatius, wie Prosper vermutet, von Felix angeklagt und zum Staatsfeind erklärt. Dass die Intrige von Aëtius ausging, der ihn und die Regentin gegeneinander auszuspielen trachtete, wie Prokop annahm, ist laut Stickler unwahrscheinlich, weil dieser sich zu diesem Zeitpunkt in Gallien befand.[16] Angeblich erklärte Bonifatius sich in Africa für unabhängig. Laut Prokop und Jordanes suchte er die Unterstützung der vandalischen Krieger in Spanien gegen das Heer, das Placidia gegen ihn sandte. Die Vandalen setzten daraufhin nach Afrika über.[17] Ein Briefwechsel zwischen Augustinus und dem kaiserlichen Gesandten von 428/429 ist erhalten. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch die germanischen Söldner bekämpfte Bonifatius aber bald wieder in Übereinstimmung mit der Regentin die Invasoren.

430 gelang es Aëtius, inzwischen als magister militum per Gallias mit Felix fast gleichrangig, diesen auszuschalten und zu töten. Damit war auch der oströmische Einfluss erheblich verringert. Aëtius, den die Kaiserin nach wie vor als Bedrohung ansah, stieg damit zum mächtigsten Mann im Weströmischen Reich auf. Während er im Norden des Reiches gegen Eindringlinge und Aufständische kämpfte, unterstützte der oströmische Feldherr Aspar Bonifatius im vergeblichen Kampf gegen die Vandalen in Africa. Nach einer Niederlage bei Hippo Regius 431 rief Galla Placidia Bonifatius nach Italien zurück und ernannte ihn 432 zum patricius und ersten Heermeister (also zum faktischen Regierungschef), während Aëtius im selben Jahr das Konsulat bekleidete. Aëtius, der erkannte, dass die Kaisermutter Bonifatius gegen ihn ausspielte, zog sein Heer aus Gallien ab nach Italien, womit er den ersten Bürgerkrieg der römischen Kaiserzeit auslöste, der nicht um das Kaisertum, sondern um das Amt des höchsten Militärs und eigentlichen Machthabers ausgefochten wurde.[18] Bonifatius siegte zwar in der Schlacht bei Ariminum, erlag aber drei Monate später seinen dabei erlittenen Wunden. Zu seinem Nachfolger machte Galla Placidia seinen Schwiegersohn Sebastianus. Doch Aëtius, der zu den Hunnen geflohen war, kehrte 433 mit starken Truppen des Hunnenkönigs Rugila zurück und erzwang mit ihrer Hilfe das Amt des Heermeisters für sich. Sebastianus wurde ins Exil gedrängt, und Aëtius heiratete Bonifatius’ reiche Witwe, die Gotin Pelagia. Placidia, die nun keinen anderen fähigen General mehr hatte, ernannte ihn notgedrungen 435 zum Patricius. Damit unterstand ihm das gesamte weströmische Heer, was Placidias Einfluss schon vor der Volljährigkeit ihres Sohnes rapide schwinden ließ. Auch dem Ansehen des weströmischen Kaisertums hatte der Bürgerkrieg erheblichen Schaden zugefügt.[19]

Recht, Religion und Familie
426 erließ man im Namen Placidias und Valentinians, um der Autorität des Rechtes Geltung zu verschaffen, das sogenannte Zitiergesetz, in dem festgeschrieben wurde, welchen Schriften römischer Juristen vor Gericht größere Autorität zukommen sollte. Drei Jahre später gab der Hof die berühmte Erklärung ab, die besagte, dass der Kaiser durch die Gesetze gebunden sei und seine Autorität von der des Rechtes abhinge.

Als fromme nicänische Christin veranlasste Placidia den Bau von Kirchen. In Ravenna ließ sie San Giovanni Evangelista als Dank für ihre und ihrer Kinder Bewahrung bei der Rückkehr nach Italien 425 errichten, in Rom Sankt Paul vor den Mauern und in Jerusalem die Grabeskirche restaurieren. Der Bischof von Ravenna, Petrus Chrysologus, pries sie als Mutter der Christen und in Parallele zur göttlichen Dreifaltigkeit als Verkörperung einer kaiserlichen Dreifaltigkeit als Tochter, Ehefrau und Mutter eines Kaisers.[20] Als 432 der neu gewählte Papst Sixtus III. von einem nicht näher identifizierbaren Mann namens Bassus angegriffen wurde, setzte sie eine schärfere Bestrafung für Bassus durch, als es die von ihr im Namen ihres Sohnes angeordnete Synode bestimmt hatte.[21] Spätestens mit Aëtius’ faktischer Machtübernahme 433 beschränkte sie sich auf den Bereich der Religion.

Spätere Quellen sahen die Augusta oft negativ: Prokop warf Galla Placidia vor allem vor, Valentinian III. verweichlicht zu haben,[22] Cassiodor machte sie für den Niedergang Roms unter der Regierung ihres Sohnes verantwortlich.[23]

Im Herbst 437 fand die Hochzeit des inzwischen volljährigen Valentinian III. mit Licinia Eudoxia in Konstantinopel statt.[24] Damit war der senior Augustus Theodosius II. der Schwiegervater seines Vetters. Da der tatsächliche Machtbereich der weströmischen Regierung seit der Verlobung erheblich an Größe verloren hatte (Britannien und große Teile von Africa, Gallien und Spanien befanden sich unter der Kontrolle von foederati, Pannonien war von Aëtius den Hunnen zur Nutzung überlassen worden[25]), mussten die Bedingungen neu ausgehandelt werden.[26] Galla Placidia war bei der Hochzeit vermutlich nicht anwesend, Sivan vermutet aber, dass sie ihrer Schwiegertochter ein kostbares Geschenk machte, den Ashburnham-Pentateuch.[27] Dass das junge Kaiserpaar sich einen eigenen Palast bauen ließ, während die Mutter weiterhin die alte Residenz bewohnte (siehe: Placidia-Palast), ist als Beleg gedeutet worden, dass ihr Einfluss auf ihren nunmehr erwachsenen Sohn eher gering war.[28]

Alter und Tod
Als Valentinian III. prinzipiell alt genug war, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, zog sich Placidia immer mehr von der politischen Bühne zurück. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Rom, während die tatsächliche Macht weiterhin bei Aëtius lag. In ihr letztes Lebensjahr fiel die Affäre ihrer mit 31 Jahren immer noch unverheirateten Tochter Honoria mit einem Hofbeamten namens Eugenius. Als sie schwanger wurde, fühlten sich Kaiser und Heermeister bedroht und reagierten hart. Honoria verlor den Augusta-Titel und musste einen unbedeutenden Mann heiraten, während ihr Liebhaber hingerichtet wurde. Daraufhin riefen sie und ihre Anhänger offenbar die Hunnen zu Hilfe: Laut späteren Quellen bot sie angeblich dem Hunnenkönig Attila die Ehe und das halbe Weströmische Reich an, sollte er ihr helfen. Laut Johannes von Antiochia[29] handelte es sich bei dem Ring, den Attila nach dem Bericht des Zeitgenossen Priskos, der selbst eine Gesandtschaft zu den Hunnen begleitet hatte, als Heiratsversprechen ausgab, jedoch nur um eine Zugabe zu der Bestechungssumme, die die Hunnen von Rom fernhalten sollte. Erst spätere Historiker, die auch Licinia Eudoxia bezichtigten, wenige Jahre später die Vandalen nach Rom gerufen zu haben, deuteten die Affäre als einen Versuch Honorias, sich für ihre Behandlung zu rächen. Wie glaubwürdig die Geschichte im Kern ist, ist umstritten.[30] Während Valentinian seine erst sechsjährige Tochter Eudocia 442 mit Hunerich, dem Sohn des Vandalenkönigs Geiserich, verlobt hatte, bekämpfte er die eigenmächtige Politik seiner Schwester. Galla Placidia schützte ihre Tochter angeblich vor dem Zorn ihres Bruders.[31] Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, die auf diese Affäre folgte und in der sich Aëtius gegen Attila verteidigen konnte, erlebte sie jedoch nicht mehr.

Am 27. November 450 starb Galla Placidia in Rom und wurde dort beigesetzt (also nicht in dem Mausoleum in Ravenna, als dessen Bauherrin sie gilt[32]). Kurz zuvor hatte sie den Sarg ihres Sohnes von Athaulf, Theodosius, in das Familiengrab neben Constantius III., Honorius und seinen beiden Frauen überführen lassen. Sie hatte es letztlich trotz all ihrer Bemühungen nicht vermocht, die Macht ihrer Dynastie zu bewahren; sie, Honorius und Valentinian III. blieben stets Spielbälle der mächtigen Militärs. Vier Jahre nach ihrem Tod versuchte Valentinian III. zwar, durch die eigenhändige Tötung des Aëtius das Blatt zu wenden, doch führte dies nur zu seiner eigenen Ermordung und dem Ende der Herrschaft seiner Familie im Römischen Reich. 
AELIA, Galla Placidia (I47198)
 
3146 Leben
Nach dem Tod König Elemunds († um 548) verdrängte Turisind dessen Sohn Ostrogotha von der Macht und bestieg selbst den Thron. Ostrogotha musste ins Exil gehen.[1] Die Gepiden hatten ihre Herrschaft auf dem Balkan nach der Vertreibung der Ostgoten immer weiter ausgedehnt, was dem oströmischen (byzantinischen) Kaiser Justinian I. missfiel. Bis 554 tobten Kriege zwischen den Ostgoten und byzantinischen Truppen in Italien, und Justinian wollte im Bedarfsfall Truppen auf dem Landweg über den Balkan auf die Apenninhalbinsel entsenden können. Diese Möglichkeit sah der Kaiser durch die gepidische Expansion bedroht. Daher schloss er um 547 mit dem Langobardenkönig Audoin einen Vertrag, in dem er ihm weitere Gebiete und römische Festungen in Noricum und im Süden Pannoniens abtrat. Durch diese Verlegung ihres Siedlungsraums wurden die Langobarden unmittelbare Nachbarn der Gepiden. Justinian erwartete von Audoin militärische Gegenleistungen und hoffte dadurch, die Gepiden besser in Schach halten zu können.[2]

In der Folge herrschten zwischen den Langobarden und Gepiden gespannte Beziehungen. Zusätzliche Brisanz erhielt diese Kontroverse durch die Tatsache, dass der von Turisind verdrängte Ostrogotha an den Hof Audoins zog, der dem Flüchtling als möglichem Anwärter auf den gepidischen Thron Unterschlupf gewährte. Umgekehrt hielt sich Hildigis, der Thronansprüche gegen Audoin erheben konnte, am Hof Turisinds auf.[3] Als um 549 ein erster Krieg zwischen den beiden verfeindeten Völkern drohte, schickte Turisind trotz seiner gespannten Beziehungen zu den Byzantinern eine Gesandtschaft zu Justinian nach Konstantinopel, um von diesem Militärhilfe gegen die Langobarden zu erbitten oder wenigstens die militärische Neutralität des Kaisers zu erreichen.[4] Allerdings blieb Justinian seinem Bündnis mit Audoin treu und sandte diesem Hilfstruppen. Bevor diese aber am Kriegsschauplatz ankamen, hatte der Langobardenkönig einen von Turisind vorgeschlagenen Waffenstillstand akzeptiert. Dafür forderte Audoin die Auslieferung des Hildigis. Turisind löste die heikle Situation, indem er Hildigis von seinem Hof verbannte und riet, nach einer anderen Zufluchtsstätte Ausschau zu halten.[5]

Bald danach zogen Heere der Gepiden und Langobarden wieder gegeneinander. Als Turisind seine Armee bereits ganz in die Nähe der gegnerischen Streitkräfte geführt hatte, sollen beide Heere laut der Darstellung des antiken Historikers Prokopios von Caesarea auf Grund von Vorzeichen in Panik geraten und geflohen sein. Deshalb habe kein Kampf stattgefunden. Vermutlich löste ein Naturereignis – etwa die Mondfinsternis vom 25./26. Juni 549 – bei beiden Armeen Schrecken aus. Turisind und Audoin schlossen danach einen weiteren, diesmal für zwei Jahre vereinbarten Waffenstillstand.[6]

Turisind sah sich einem feindlichen Byzantinischen Reich und der Gefahr möglicher neuer Angriffe von Seiten der Langobarden nach dem Ablauf des Waffenstillstands gegenüber. So schloss er eine Allianz mit dem Nomadenstamm der Kutriguren. Als diese vor Ende der Waffenruhe bei den Gepiden ankamen, wurden sie von Turisind in das byzantinisch kontrollierte Illyrien weitergeschickt. So wollte der Gepidenkönig Druck auf Justinian ausüben.[7] Daraufhin mobilisierte der Kaiser die Utiguren gegen die ungebetenen Eindringlinge. Die Utiguren veranlassten die Krimgoten zur Attacke auf die Wohnsitze der Kutriguren, die daher vom Balkan abziehen mussten, damit sie ihr am Westufer des Schwarzen Meeres gelegenes Heimatland verteidigen konnten. Nun gelangten aber slawische Plünderer mit Hilfe Turisinds über die Donau.[8] Da die von Turisind veranlassten Raubzüge auf dem Balkan Justinians Gotenkrieg behinderten, erneuerte der Kaiser den früheren Vertrag mit den Gepiden. Auf deren Verlangen stimmte Justinian auch zu, dass zwölf seiner Senatoren den Pakt beschworen.[9]

Wenig später endete der zwischen den Gepiden und Langobarden vereinbarte Waffenstillstand, und diesmal kam es zum Krieg zwischen ihnen. Als Turisind unter Verweis auf das eben geschlossene Bündnis Justinians Hilfe anrief, wies dieser das Ansinnen mit der Begründung zurück, dass die Gepiden erneut slawische Raubscharen über die Donau gebracht hätten. Hierdurch wäre von ihnen der Vertrag verletzt worden.[10] Justinian hatte sich nämlich mit Audoin verständigt und ihm Militärhilfe versprochen. Von den vom Kaiser auf den Kriegsschauplatz entsandten byzantinischen Truppen kam aber nur das von Audoins Schwager Amalafrid kommandierte Kontingent rechtzeitig an. Dennoch errangen die Langobarden in der wohl 552 ausgetragenen Schlacht auf dem Asfeld, die laut Jordanes sehr verlustreich verlief, den Sieg über die Gepiden.[11] Der Ort dieser Schlacht lag wahrscheinlich in der alten römischen Provinz Pannonia secunda auf gepidischem Boden.[12] Nach Paulus Diaconus hatte Audoins Sohn Alboin die Schlacht dadurch entschieden, dass er Turisinds Sohn Turismod im Zweikampf tötete.[13] Trotz des Siegs war Audoin zum Frieden geneigt; vermutlich hatte auch seine Armee große Verluste erlitten. Justinian war an der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts in der Region gelegen und vermittelte zwischen Audoin und Turisind einen Frieden, der während der Lebzeiten der beiden Könige eingehalten wurde. Der Gepidenkönig schloss auch mit dem Kaiser einen Freundschaftsvertrag.[14]

Während der Friedensgespräche zwischen den Gepiden und Langobarden hatte Turisind die Auslieferung Ostrogothas verlangt. Da der Anwärter auf den langobardischen Thron, Hildigis, wieder zum Hof Turisinds zurückgekehrt war, forderte Audoin umgekehrt dessen Auslieferung. Turisind wollte einen Bruch des Gastrechts, aber auch einen Wiederausbruch des Kriegs vermeiden und ließ daher Hildigis heimlich aus dem Weg räumen.[15] Unterdessen verweigerte Audoin seinem Sohn Alboin trotz dessen kriegsentscheidendem Einsatz das Recht, sein Tischgenosse zu werden. Er verwies auf den althergebrachten langobardischen Brauch, nach dem ein Königssohn erst dann an der Tafel seines Vaters sitzen dürfe, wenn er Waffen von einem fremden König erhalten habe. Sofort zog Alboin mit 40 Kampfgefährten an den Hof Turisinds, der ihn trotz der schmerzlichen Erinnerung an seinen gefallenen Sohn gastfreundlich empfing und zu seiner Rechten Platz nehmen ließ, wo sein Sohn Turismod stets gesessen war. Beim anschließenden Gastmahl verspottete Turisinds zweiter Sohn Kunimund die Langobarden als Stuten, weil diese an ihren Waden weiße Binden trugen, die den weißen Fesseln von Stuten ähnelten. Um den Ausbruch eines Kampfes zu verhindern, griff Turisind vermittelnd zwischen den Streitparteien ein. Nach dem Ende des Gelages händigte er außerdem Alboin die Waffen Turismods aus und ließ ihn friedlich heimwärts ziehen. Wahrscheinlich geht diese von Paulus Diaconus erzählte Episode auf eine Alboin gewidmete Heldensage zurück.[16]

Bei Turisinds Lebzeiten hatte der Friede zwischen den Langobarden und Gepiden Bestand. Er starb um 560, Nachfolger wurde sein Sohn Kunimund. 
(GEPIDEN), Turisind (I47185)
 
3147 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I5195)
 
3148 Leben
Schröter war der Sohn des Bürgermeisters Peter Schröter und dessen Frau Gertrud Dietz. Sein jüngerer Bruder war Jacob Schröter der Ältere. Seine Schwester Gertrud († 1566 in Jena) heiratete 1561 den Mediziner Lorenz Hiel. Er besuchte anfänglich die Schule in Weimar und danach das Domgymnasium in Naumburg. 1533 begann er ein Studium der Humaniora an der Universität Wittenberg. Hier besuchte er die Vorlesungen von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Erasmus Reinhold und Jacob Milich. Nach dem Studienabschluss wurde er Rektor der Schule in Stams. Am 28. Dezember 1541[2] kehrte er an die Universität Wittenberg zurück und begann das Studium der Medizin, welches er kurzzeitig unterbrach, um eine Stelle als Rektor der Landschule in Wien anzunehmen. In Wittenberg hatte er sich am 16. April 1545 den Grad eines Magisters der Philosophie erworben.[3] 1549 setzte er sein Medizinstudium an der Universität Padua fort. Von dort kam er 1551 nach Wien zurück und wurde an der Universität Wien am 2. Januar 1552 zum Dr. med. promoviert.

Kurz darauf erhielt er einen Lehrstuhl für Medizin in Wien und war kaiserliche Leibarzt.[4] 1554 wurde Schröter als konsultierender Arzt an das Krankenbett des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. gerufen, dieser war bei seiner Ankunft jedoch schon nicht mehr unter den Lebenden. Darauf ernannte ihn Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen-Weimar am 1. Oktober 1554 zu seinem Leibarzt und Professor der Medizin am Gymnasium in Jena. Von diesem hatte er 1557 die Aufgabe erhalten, die Universitätssatzungen der Jenaer Hochschule Kaiser Ferdinand zur Genehmigung vorzulegen. Da die Universität Jena als evangelische Hochschule ausgeschrieben wurde, verwehrte dieser nur der theologischen Fakultät die Promotionsrechte und fertigte am 15. August 1557 die Konfirmationsurkunde aus. Als Hochschullehrer der Salana beteiligte er sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Jenaer Hochschule. So wurde er am 2. Februar 1558 als Paladin Gründungsrektor, war dann noch im Sommersemestern 1564, 1573, sowie in den Wintersemestern 1561, 1564, 1568, 1573, 1582, 1588 Rektor der Alma Mater. Johannes von Schröter wurde von Kaiser Ferdinand I. 1557 geadelt.

1579 erhielt er in Padua die Würde eines Comes palatinus. Bei seiner Beisetzung in der Stadtkirche St. Michael hielt Georg Mylius die Leichenpredigt.[5] Julius Pagel merkt an:

„S. galt für einen der scharfsinnigsten Diagnostiker.“[6]

Er erhielt in St. Michael ein Epitaph gesetzt.[7] Die Gründung des Botanischen Gartens in Jena 1586 geht auf seine Initiative zurück. Ein Porträt Schröters hängt in der Professoren-Galerie der Universität im Kollegienhof in Jena, ebenso wie die von zweien seiner Söhne, die ebenfalls Professoren der Universität wurden.[8] 1909 wurde die Schroeterstraße in Jena-Süd nach ihm benannt.

Familie
Schröter war zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er in Wien mit Ursula Capito (Großhaupt; † 1565 in Jena), die Witwe des Wiener Kanzlers Petri, ein. Seine zweite Ehe schloss er mit Catharina Wend (* 1523 in Arnstadt; † 16. Mai 1594 in Jena), die Witwe des Basilius Monner und die Tochter des Arnstädter Bürgermeisters Andreas Wend. Aus den Ehen stammen acht Kinder, wovon 4 in Wien und vier in Jena geboren wurden. Von den Kindern kennt man:

Wolfgang Schröter (* 22. Oktober 1552 in Wien; † 11. Oktober 1584 in Halle [Saale]), Generalkanzler Mansfeld, dann fürstlich magdeburgischer Hofrat in Halle und Assessor Schöppenstuhl Halle ⚭ 20. Oktober 1577 mit Catharina Steinmetz (* 19. November 1560 in Leipzig; † 1635 in Jena), die Tochter des Moritz Steinmetz Professor der Mathematik und Apotheker Leipzig
Ursula Schröter (* 21. Oktober 1581 in Eisleben; † 27. September 1632 in Wittenberg) ⚭ 1614 Matthias Große († 8. Februar 1627 in Wittenberg)
Moritz Schröter Mediziner in Grimma
Philipp Jakob Schröter (* 8. Juli 1553 in Wien; † 31. Mai 1617 in Jena)
Johann Schröter († jung)
Johann Friedrich Schröter (* 20. März 1559 in Jena; † 11. Dezember 1625 in Jena) ⚭ 3. Februar 1582 in Jena Barbara Vogel (* 9. Februar 1566 in Dresden; † 9. Februar 1631 in Jena), die Tochter des Dresdner Geheimrats Elias Vogel und der Sibylle Scheutzlich.
Heinrich Schröter, immatr. Uni. Jena
Elisabeth Schröter (* 1555 in Jena)
Ursula Schröter ⚭ Johann Steinmetz, Mediziner und Apotheker in Leipzig 
VON SCHRÖTER, Johannes (I47700)
 
3149 Leben
Über Hiels Herkunft ist nichts bekannt. Scheinbar hatte er in Frankreich oder Belgien Unterricht genossen, bevor er sich im Mai 1553 an der Universität Rostock immatrikulierte.[1] Hier wurde er 1555 Baccalaurus der Medizin und erwarb sich das Lizentiat derselben Fachrichtung. 1559 zog er an die Universität Jena, wo er Professor der Medizin und Botanik wurde. Zu diesem Zweck promovierte er in Jena 1560 zum Doktor der Medizin. 1561[2] hatte er sich mit Gertrud Schröter (* Weimar; † 1566 in Jena), die Tochter des Weimarer Bürgermeisters und Tuchhändlers Petrus Schröter und dessen Frau Gertrud Dietz, eine Schwester des Jenaer Professors Johannes von Schröter, verheiratet. Aus der Ehe stammt ein Sohn. Hiel beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Jenaer Hochschule und war im Wintersemester 1562 Rektor der Alma Mater. Er wurde ein Opfer seiner Berufsrichtung und verstarb mit seiner Familie an der Pest. In der Jenaer Stadtkirche St. Michael wurde ihm und seiner Frau ein Epitaph errichtet.[3]

Werke (Auswahl)
Epitomen Historiae Aniimalium quadrupedum.
Dissert. Inaugural. de Morbo Gallico. Jena 1559.
Literatur
Hiel (Laurentius). In: Christian Gottlieb Jöcher (Hrsg.): Allgemeines Gelehrten-Lexicon. Band 2: D–L. Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig 1750, Sp. 1587 (books.google.de).
Hielius (Laurentius). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 13, Leipzig 1735, Sp. 12. 
HIEL, Lorenz (I47702)
 
3150 Leben
Ulrich I. von Kyburg-Dillingen war ein jüngerer Sohn des Grafen Hartmann I. von Dillingen und der Adelheid von Winterthur, Tochter von Graf Adalbert II. von Winterthur. Möglicherweise empfing Ulrich seine priesterliche Ausbildung bei den Augustiner-Chorherren im Stift Marbach im Elsass. 1111 von Kaiser Heinrich V. eigenmächtig zum Bischof von Konstanz ernannt, blieb er die ersten acht Jahre seiner Amtszeit jedoch ungeweiht, versah das Amt lediglich als Elekt und konnte erst nach dem Tod Papst Paschalis II. (1118) vom Erzbischof von Mailand die offizielle Bischofsweihe empfangen.

Bau der bischöflichen Burg Castell
Um das Jahr 1120 ließ Ulrich I. mit der Burg Castell die erste Höhenburg der Konstanzer Bischöfe im unmittelbaren Vorfeld der Bischofsstadt Konstanz errichten. Diese lag nur wenige Kilometer südwestlich von Konstanz am Abhang des Seerückens an der alten Straße, die von Zürich und Pfyn nach Konstanz führte. Wahrscheinlich wollte Ulrich I. für sich und seine Nachfolger einen wehrhaften Sitz außerhalb Konstanz schaffen, um in Krisenzeiten weniger von dem Wohlwollen der Konstanzer Bürger abhängig zu sein. Dafür, dass die Burg Castell tatsächlich eine zweite Residenz werden sollte, spricht auch der Umstand, dass zwei übereinanderliegende Burgkapellen mit getäfelten Decken eingebaut worden waren.

Die Heiligsprechung von Bischof Konrad

Vergoldete Konrad-Scheibe vom Ostgiebel des Konstanzer Münsters (12./13. Jh.)

Die Konstanzer Diözesanpatrone Konrad (links; mit seinem Attribut, dem Kelch mit Spinne), Maria und Pelagius auf einem Missale von 1505.
Bischof Ulrich I. stand außerdem zuvorderst hinter der 1123 erfolgten Heiligsprechung von Konrad von Konstanz, welcher von 935 bis 976 Bischof von Konstanz gewesen war. Neben dem „Römer“ Pelagius, wollte Ulrich I. für die Bischofsstadt und das Bistum einen „einheimischen“ Heiligen etablieren.

Konrad bot sich an, da schon nach dessen Tod zumindest eine örtliche Verehrung einsetzte. Im Jahr 1089 waren von Ulrichs Vorgänger, Bischof Gebhard III. (1084–1110), die Gebeine Konrads von der Mauritiusrotunde in die neu erbaute Domkirche gebracht worden, doch zeitigte diese Translation weiter keine Auswirkungen. Erst Ulrich betrieb die Heiligsprechung Konrads konsequent und ließ durch den Mönch Udalschalk, der infolge der Wirren des fast schon ausklingenden Investiturstreits Augsburg verlassen musste, eine Vita Konradi aufschreiben.

Diese Heiligenvita, die im zweiten Buch zudem Berichte über vom Heiligen ausgehende Wunderheilungen und -errettungen enthält, wurde zusammen mit einem Schreiben des Konstanzer Bischofs, der Petitio um Kanonisation, Papst Kalixt II. (1119–1124) in Rom vorgelegt. Die Reise Udalschalks nach Rom wird dabei auf Frühjahr 1123 zu datieren sein. Das erst nachträglich von Udalschalk aufgeschriebene dritte Buch der Vita Konradi berichtet, wie auf dem Zweiten Laterankonzil (März 1123) zu Gunsten der Kanonisation Konrads entschieden wurde, und zitiert den auch im Original erhaltenen Papstbrief an den Bischof Ulrich vom 28. März 1123. Der Weg zur Erhebung der Gebeine Konrads von Konstanz war damit frei.

Die „eigentliche“ Kanonisation fand auf dem magnus conventus, der „großen Zusammenkunft“ in Konstanz Ende November 1123 statt, als unter Teilnahme von drei Herzögen, vieler Grafen, von Geistlichkeit, Äbten und Mönchen sowie von vielen Gläubigen am 26. November, dem Todestag des Heiligen, in einer aufwändigen liturgischen Feier die Gebeine des Heiligen in einen neuen Schrein umgebettet und der Verehrung ausgesetzt wurden. Die Konstanzer Reliquien wurden allerdings in der Zeit der Reformation vernichtet. Das Hochgrab des Konrad mit einem lebensgroßen Ganzkörperrelief findet sich in der Konradikapelle im Konstanzer Münster.

Die Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Kreuzlingen
Der heilige Konrad von Konstanz hatte von einer seiner drei Reisen nach Jerusalem einen Kreuzpartikel mitgebracht, den er einem von ihm gestifteten Hospital in der Vorstadt Stadelhofen schenkte. Deshalb erhielt diese Einrichtung den Namen Crucelin (Crucis Lignum = Holz vom Kreuz), was später zur Bezeichnung Crucelingen und Creuzlingen führte.

Nach dem Tod Konrads scheint diese Hospital jedoch bald verfallen zu sein. In der zuvor bereits erwähnten „Vita Konradi“, wird es von dem Mönch Udalschalk als „durchs Alter baufällig“ bezeichnet. In einer Urkunde von Kaiser Heinrich V. von 1125 wird das Hospital gar als „teilweise zerstört“ beschrieben und die Nachlässigkeit einiger Nachfolger des Bischofs Konrad dafür verantwortlich gemacht.


St. Ulrich und St. Afra, Klosterkirche des ehemaligen Augustinerstifts Kreuzlingen
Das erste Fest zu Ehren des Heiligen Konrads 1123, gab Ulrich I. den Anlass, das Hospital Crucelin neu zu begründen. Zunächst stiftete er an der östlichen Grenze der Konstanzer Vorstadt Stadelhofen im freien Feld eine Kirche zu Ehren des heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg (923–973) und der heiligen Afra. Dann vereinigte er die Kirche mit dem Hospital und übertrug deren Leitung spätestens 1125 an das von ihm ins Leben gerufenen Augustiner-Chorherrenstift St. Ulrich und St. Afra zu Kreuzlingen (heute Kanton Thurgau, Schweiz). Dieses Doppelpatronat ist ein typisch Augsburger Patronat. Bischof Ulrich I. wählte es, weil er aus derselben Familie entstammte wie der heilige Ulrich von Augsburg. Auch die von Ulrichs Familie als Augustiner-Chorherrenstift errichtete Abtei Neresheim in Neresheim wurde Ulrich und Afra geweiht. Zudem lebte der Mönch Udalschalk, bevor er als Kaplan in Ulrichs Dienste trat, im Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra.

Bei dem Kreuzlinger Augustiner-Chorherrenstift handelte es sich um eine Gemeinschaft von Priestern (nicht Mönchen), die nach den Regeln des heiligen Augustinus lebten und von einem Propst angeführt wurden.

Als wirtschaftliche Grundlage erhielt der neue Stift von den süddeutschen Herzogsgeschlechtern, der Welfen, der Zähringer und der Staufer umfangreiche Ländereien geschenkt. Weitere Güter steuerte Ulrich I. aus seinem Privatbesitz und aus Bischofseinkünften bei. Die rechtliche Absicherung der Neugründung war bereits Anfang 1125 durch Kaiser Heinrich V. erfolgt, während Papst Honorius II. noch Ende desselben Jahres die geistliche Zustimmung für ein nach den Augustiner Regeln geführtes Stift und Hospital erteilte. 
VON DILLINGEN, Ulrich (I47147)
 

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