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| 3601 | Radbod, der Sprössling einer vornehmen fränkischen Familie, die Mutter war eine Tochter Gerulfs, empfing seinen Namen von dem alten heidnischen Friesenherzog Radbod († 719), der der Ahnherr seiner Mutter gewesen war. Als ein begabter Knabe wurde er frühzeitig seinem mütterlichen Onkel, dem Erzbischof Gunthar von Köln (850–864), zur Erziehung übergeben, der als ein Freund und Gönner der Studien gefeiert wird, bis seine Beihilfe zur Scheidung Lothars II. ihn ins Verderben stürzte. Gleich anderen Söhnen edler Geschlechter begab sich Radbod zu seiner weiteren Ausbildung an den Hof Karls des Kahlen, des westfränkischen Herrschers, wo er an Manno, dem damaligen Leiter der Hofschule (später Propst zu St. Claude) einen sehr gelehrten Lehrer und an Stephan und Mancio, den nachmaligen Bischöfen von Lüttich und Chalon, ausgezeichnete Mitschüler fand. Nach dem Tod Karls († 877) kehrte Radbod zu seinen Verwandten in den Lommagau (um Namur) zurück und lebte zeitweise auch in der Umgebung des berühmten Abtes Hugo von Tours († 886). Nach dem Tod des Bischofs Odilbald im Jahr 899 wurde Radbod auf den Bischofsstuhl von Utrecht gewählt und von Arnulf bestätigt. Der Sitz des Bistums befand sich zu dieser Zeit nicht an der altgeweihten Stätte, welche durch die Normanneneinfälle völlig verödet war, sondern in Deventer. Radbod achtete als Bischof auf die Einhaltung aller geistlichen Tugenden, namentlich der Mildtätigkeit. Der Überlieferung nach übte er die größte Enthaltsamkeit in den Speisen, trank nur Wasser und hielt sich von dem Hofe fern. Weltliche Geschäfte sah er als mit seinem priesterlichen Berufe unvereinbar an und bemühte sich, diese zu vermeiden. Man schrieb ihm die Gaben der Weissagung zu. So soll er vorhergesagt haben, wie es durch Otto den Großen geschah, dass die westfränkischen Könige sich unter das deutsche Kaisertum beugen würden, doch nicht für immer. Sein eigenes Ende sah er drei und ein halbes Jahr sicher voraus und wiederholt bezeichnete er den Jüngling Balderich, den Sohn des Grafen Ricfrid, der öfter bei ihm verkehrte, in prophetischem Geiste als den, der dazu berufen sein würde, das Bistum und den Bischofssitz aus dem Verfalle wiederherzustellen und durch diese Schenkungen zu schmücken und zu bereichern. Tatsächlich wurde Baldrich der Lehrer Bruns, des Bruders Ottos des Großen. Radbod starb, schon längere Zeit kränkelnd und hochbejahrt, am 29. November 917 zu Ootmarsum in Overyssel, einem seiner Lieblingsorte, und wurde unter sehr lebhafter Teilnahme der Bevölkerung in Deventer beigesetzt. Werke Das Andenken Radbods wurde der Nachwelt nicht nur durch einen Biographen erhalten, der etwa ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode unschätzbare Nachrichten über ihn überlieferte, sondern auch durch eigene Schriften. Weil er ein großer Verehrer der Heiligen, ein Dichter und Musiker war, hat er zu Ehren jener Predigten in Prosa sowie Verse und Gesänge verfasst. So verherrlichte er Swidbert, den Apostel des bergischen Landes, den angelsächsischen Glaubensboten Liafwin (Lebuin), den hl. Servatius und Amalberga, sowie ein Wunder des hl. Martin, durch welches im Jahr 903 die Stadt Tours vor den stürmenden Dänen errettet worden sein soll. Ansprechender und gemütvoller als die Verse zur Lobpreisung der Heiligen, die jedoch ein fleißiges Studium des Vergil und eine gute metrische Bildung verraten, ist sein in dieser Zeit ganz vereinzelt stehendes Gedicht auf die Schwalbe. Auch über die Ereignisse des Jahres 900 hinterließ er eine kurze Aufzeichnung. Sein früherer Mitschüler Stephan zeichnete sich ebenfalls als lateinischer Dichter aus. | VON UTRECHT, Radbot (I39731)
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| 3602 | Radbot (* 985; † 30. Juni 1045) war Graf im Klettgau und der zweite Sohn von Lanzelin. Unter seiner Herrschaft wurde die Habsburg, der Stammsitz der Habsburger, errichtet sowie das Kloster Muri gegründet. Sein Bruder war Rudolf I., Gründer des Klosters Ottmarsheim. „Radbot konnte schon bald nach der Ächtung seines Onkels erneut umfangreichen Landbesitz im Elsaß, in Schwaben und im schweizerischen Aargau erwerben. Mit ihrem Gatten Radbot gründete Ita von Lothringen, eine Tochter des Herzogs Friedrich von Oberlothringen, im Jahr 1027 das Kloster Muri in der Schweiz. Als habsburgisches Eigenkloster wurde es mit Benediktinern aus Einsiedeln besetzt. Der erste Propst Reginbold leitete den inneren und äußeren Aufbau der Neugründung nach dem Vorbild von Einsiedeln und wurde dabei von den Gründern tatkräftig unterstützt. Die Stifterfamilie übte von Anfang an die eigenkirchliche Herrschaft über das Kloster aus, das infolgedessen in allen wesentlichen Dingen vom Willen der gräflichen Familie abhängig war.“[1] „Die dreischiffige romanische Basilika, von der die Krypta, die Mauern des Chors und des Querschiffes noch erhalten sind, wurde unter Propst Burkard am 11. Oktober 1064 von Bischof Rumold von Konstanz geweiht. 1065 wurde Propst Burkard zum ersten Abt von Muri gewählt und damit die rechtliche Bindung an das Mutterkloster Einsiedeln gelöst. […] Radbot und seine Gemahlin Ita fanden in der Klosterkirche ihrer Stiftung ihre letzte Ruhestätte vor dem Kreuzaltar, der in der Mittelachse zwischen Langhaus und Vierung stand." | (HABSBURG), Radbot (I35481)
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| 3603 | Raesfeld bzw. Raesfeldt (auch Rasveld(e), Raesfelde, Raesfelt, Räsfeld oder Ra(e)ßfeld(t), seltener auch Raisfeld(t)) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts[1], als dessen Stammhaus Schloss Raesfeld in Raesfeld/Kreis Borken gilt. Die heute noch blühende Linie Raesfeld leitet ihre Abstammung von Goswin von Raesfeld her, der 1574 fürstbischöflich münsterscher Hofmeister zu Ahaus war. Johann IV. von Raesfeld (* 1492, † 1551) war seit 1536 mit dem erblichen Drostenamt zu Ahaus belehnt. Alle anderen Linien, deren Abstammung bis zum Jahr 1253 auf den Ritter Adolfus de Raesfelde urkundlich belegt ist, gelten als erloschen. Herkunft und Anfänge in Raesfeld Das Geschlecht Raesfeld entstammt dem Geschlecht der seit 1092 belegten Edelherren von Gemen[2] (von der Burg Gemen), die in Raesfeld 1259 erstmals urkundlich auftreten, als Symon von Gemen (* um 1231, † vor 1265) die Raboding-Hof genannte Burg Raesfeld, die er wohl vorher schon verwaltet hat, kauft. Dieser Ritter Simon nennt sich anschließend Symon von Rasvelde. Der Ritter (miles) Adolfus de Raesfelde urkundet erstmals 1253. Matthias von Raesfeld, famulus, (* um 1245, † um 1318) ist von 1265 bis 1299 urkundlich auf Raesfeld nachgewiesen. Herrschaft auf Burg Raesfeld Die Nachfahren des Simon von Raesfeld bleiben ca. 300 Jahre Burgherren auf Raesfeld. Sein Enkel, Johann I. von Raesfeld, wird 1366 vom Fürstbischof von Münster in den Rat der Landesstände gerufen, wo Johann dem Bischof die Treue schwört. Kaiser Sigismund verleiht Johann II. von Raesfeld (* um 1375, † nach 1443) für treuen Vasallendienst sogar das Münzrecht, wovon aber nie Gebrauch gemacht wird. In Overijssel, in der Twente, steht denen von Raesfeld die Herrschaft Twickelo mit der Burg Twickel bei Delden zu[3]. Im Münsterland waren verschiedene Linien, die alle von Burg Raesfeld ausgehen, teilweise über Jahrhunderte in Besitz etlicher landtagsfähigier Rittergüter, darunter waren u. a. Haus Ostendorf bei Lippramsdorf, Haus Hameren bei Billerbeck, Haus Lüttinghof, Haus Koppel bei Schöppingen, Haus Darfeld, Haus Lembeck, Haus Leythe bei Erle sowie Haus Woord. Ende der Herrschaft auf Burg Raesfeld Nach einem Erbstreit, den Goswin von Raesfeld aus der Linie Ostendorf (* 1494, † 1579/80) mit den verwandten Herren von Velen geführt hatte, muss 1585 seine Witwe mit den Kindern die Burg Raesfeld verlassen. Der gleichfalls verwandte Fürstbischof von Münster, Bernhard von Raesfeld, hatte Partei für die erbberechtigten Herren von Velen ergriffen und einen Prozess vor dem Reichskammergericht in Speyer angestrengt. Das Gericht entscheidet 1585 zu Gunsten derer von Velen.[4] Goswin von Raesfelds Witwe, Irmgard geb. von Boyneburg, war übrigens vor ihrer Ehe mit Goswin die verwitwete Ehefrau Johann IV. von Raesfeld zu Raesfeld (* 1492, † 1551), des vormaligen Burgherrn. Irmgards Kinder, die mit ihr Burg Raesfeld verlassen müssen, entstammen aber nicht der Ehe mit Johann, sondern der Ehe mit Goswin. Irmgards einziger Sohn, den sie mit Johann hatte, war bereits 1559 verstorben. Die von Velen hingegen stammen von einer Schwester des vormaligen Burgherrn, Johanns IV. von Raesfeld, mit dem Irmgards zweiter Ehemann Goswin von Raesfeld eben nicht so nah verwandt war, ab. Adelsarchiv unterscheidet zwei Geschlechter Das von der Stiftung Deutsches Adelsarchiv unter Aufsicht des Deutschen Adelsrechtsausschusses herausgegebene Adelslexikon des Genealogischen Handbuchs des Adels führt im Gegensatz zu früheren Adelslexika (u. a. Siebmacher, Kneschke, Zedlitz-Neukirch; vgl. auch M. v. Spiessen und W. v. Raesfeld) das uradelige Geschlecht von Raesfeldt und das altadelige Geschlecht von Raesfeld als getrennte Familien auf. Die uradeligen Raesfeldt konnten ihre urkundliche Stammreihe bis in das 13. Jahrhundert lückenlos belegen, während dies der altadeligen Linie nur bis in das 16. Jahrhundert gelang. Durch zahlreiche Indizien scheint es aber hinreichend gesichert, dass auch das altadelige Geschlecht von einer der uradeligen Linien abstammt. Uradelige Raesfeld(t) Adelsbestätigung und Standeserhebung Eine preußische Adelserneuerung und -bestätigung wurde am 26. Juli 1729 erteilt. Eintragung in die Adelsmatrikel der preußischen Rheinprovinz für (Karl von Raesfeld) am 5. August 1829. Immatrikulation in die Freiherrenklasse des Königreichs Bayern (für dessen Bruder Ludwig von Raesfeld) am 25. Juli 1841. Die uradeligen von Raesfeld(t) gelten als erloschen. Altadelige Raesfeld Diese Linie geht auf Goswin von Raesfeld, 1574 fürstbischöflich münster. Hofmeister zu Ahaus, zurück. In Ahaus hatte Johann IV. von Raesfeld (* 1492, † 1551) seit 1536 das erbliche Drostenamt zugestanden. Standeserhebung Am 14. Mai 1757 wurde der kurfürstlich-kölnische Kanzler und Geheime Staats- und Konferenzminister Gottfried Joseph von Raeßfeld in Wien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Diese Linie blüht noch. Wappen derer von Raesfeld im „Wappenbuch des westfälischen Adels“ Wappen Das Wappen aller Raesfeld(t) zeigt in Gold einen blauen Balken. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein offener, wie der Schild bezeichneter Flug. Bekannte Namensträger Gottfried von Raesfeld (* 1522, † 1586), bedeutendster Domdechant des Hochstifts Münster, Amtsherr zu Lüdinghausen Johann IV. von Raesfeld (* 1492; † 1551), kaiserlicher Feldherr, Verteidiger Wiens und Münsters Bernhard von Raesfeld (* 1508; † 1574), 1557–1566 Fürstbischof von Münster Goswin von Raesfeld († 1586), Dompropst in Münster Gottfried von Raesfeld (* 1522; † 1586), Domherr, bedeutendster Geistlicher des Münsterlandes der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, als Bruder des Fürstbischofs Bernhard fürstbischöflich-münster. Gesandter zu den Reichstagen zu Augsburg 1559–1566, Amtmann zu Lüdinghausen[5][6][7] Bitter von Raesfeld, (1532–1581, Domherr in Münster) Dietrich Franz von Raesfeld (* 1528, Domherr in verschiedenen Bistümern) Heinrich von Raesfeld (1521–1573, Archidiakon und Thesaurar in Münster) Arnd von Raesfeld (* 1514, Domherr in Münster) Bitter von Raesfeld († 1584, Domherr in verschiedenen Bistümern) Bitter von Raesfeld († 1594, Domherr in Münster, römisch-katholischer Geistlicher) Rotger von Raesfeld († 1575, Domherr in Münster) Justinus von Raesfeld (1564 Domherr in Münster) Johann Peter von Raesfeld (* 1679; † 1764), seit 1742 Kanzler und Regierungspräsident des Herzogtums Kleve[8], guter Bekannter von Voltaire[9] Gottfried Joseph von Raesfeld (* 1706; † 1765), 1757 Kanzler und Geheimer Staatsminister und Konferenzminister des Kurfürstentums Köln Carl von Raesfeld (* 1792; † 1857), Landrat in Krefeld Ferdinand von Raesfeld (* 1855; † 1929), preußischer Forstmeister und Jagdschriftsteller | VON RAESFELD, N. (I45912)
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| 3604 | Raimund war ein jüngerer Sohn des Grafen Pons von Toulouse und dessen zweiter Ehefrau Almodis von La Marche. Nach dem Tod des Vaters um 1061 erhielt er das Land um die Abtei von Saint-Gilles und den Titel eines Grafen zugewiesen, während sein älterer Bruder Wilhelm IV. die ausgedehnten Territorien der Familie erbte. 1065 starb seine Cousine Bertha, von der er das Rouergue und den Titel eines Herzogs von Narbonne erbte, der auf den alten Titel eines Markgrafen von Septimanien/Gothien zurückgeht und einen Oberherrschaftsanspruch über die gesamte Region des Languedoc beinhaltete. Um das Jahr 1081 erbte Raimund die Markgrafschaft Provence, nachdem dort sein Onkel, Markgraf Bertrand I., gestorben war. Raimund nahm an den Kämpfen der christlichen Könige Spaniens gegen die Mauren (Reconquista) teil. Um das Jahr 1066 heiratete Raimund eine namentlich nicht bekannte Tochter des Grafen Gottfried I. von Provence, von der er sich um 1076 wieder trennte. Aus der Ehe ging der Sohn Bertrand hervor, dessen Legitimität aber umstritten war. Raimund vermählte sich um 1080 in zweiter Ehe mit Mathilde de Hauteville, einer Tochter des Grafen Roger I. von Sizilien, von der er sich um 1088 wieder scheiden ließ. Diese Ehe war kinderlos geblieben. Seine dritte und letzte Frau war seit 1094 Elvira, eine illegitime Tochter des Königs Alfons VI. von Kastilien. Sie gebar während des Kreuzzuges im Libanon den Sohn Alfons, der im Jordan getauft wurde. 1094 starb Raimunds älterer Bruder, worauf er neben dem Toulousain auch das Quercy und Albigeois erbte. Raimund wurde 1095 in diesem Erbe auch vom Papst anerkannt, wobei allerdings eventuelle Erbrechte seiner Nichte Philippa ignoriert wurden. Diese heiratete 1094 Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien, wodurch ihre Ansprüche auf dessen Familie überging und so einen generationenlangen Erbstreit zwischen Aquitanien und Toulouse auslöste. | (TOULOUSE), Raimund IV. (I39138)
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| 3605 | Ramnulf war der Sohn des Grafen Gerhard von Auvergne (X 841) und einer Tochter Ludwigs des Frommen. Von seinem kaiserlichen Großvater erhielt er nach der Absetzung König Pippins II. von Aquitanien 839 die Grafschaft Poitou übertragen. 864 nahm er Pippin II. gefangen und lieferte ihn an König Karl den Kahlen aus. Ständig im Kampf gegen die einfallenden Normannen befindlich, fiel Ramnulf zusammen mit Markgraf Robert dem Tapferen in der Schlacht von Brissarthe (866) nach einem Pfeiltreffer. Ramnulf begründete die herausragende Machtstellung seiner Familie im westlichen Aquitanien und führte selbst zeitweise den Titel eines Dux. Verheiratet war er mit Bilchilde, einer Tochter des Grafen Roricos I. von Maine aus der Familie der Rorgoniden. Sie hatten drei Kinder: | (POITOU), Ramnulf I. (I37032)
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| 3606 | RANDENBURG (Randen) Die RANDENBURG ist eine um 1175 wahrscheinlich im Auftrag von DIETHELM VON KRENKLINGEN erbaute und im 15. Jahrhundert verfallene Spornburg im Kanton Schaffhausen in der Schweiz. Die Burg war Stammsitz der nach ihr benannten Ritterfamilie VON RANDENBURG, welche ursprünglich Ministerialen des Klosters Reichenau waren, das Besitzungen in Schleitheim hatte. Von 1298 bis 1376 stellten die Randenburger den Schultheissen von Schaffhausen. Die Familie spaltete sich in die Schultheissen und die Roten von RANDENBURG, verlor ihre einflussreiche Position in der Schaffhauser Politik erst 1415, als sie als habsburgische Vögte der Stadt abgesetzt wurde, verarmte wie viele Adelsgeschlechter in dieser Zeit und starb im 15. Jahrhundert aus. Urkunden lassen den Schluss zu, dass die Burg um 1400 noch stand und bewohnt war, dann aber verlassen wurde und rasch verfiel. Nach Johann Jakob Rüeger waren die RANDENBURGER verwandt mit den Burgherren der Burgen Burg RANDECK und Schloss RANDEGG. Die RANDENBURGER saßen auch auf der Burg Tüsental. 1490 kam Schleitheim in den Besitz des halben Schlossrandens als Lehen des Klosters Reichenau. 1555 gelang es Schleitheim, die andere Hälfte samt der Ruine vom Spital zum heiligen Geist in Schaffhausen zu kaufen. | N., N. (I23721)
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| 3607 | Rapoto II. und sein jüngerer Bruder Heinrich I. waren dank der hohen Stellung der Familie im Reich sehr bekannt. Beide wurden gemeinsam mit den Söhnen Kaiser Friedrichs I. auf dem Reichstag in Mainz im Jahre 1184 zum Ritter geschlagen. Gemeinsam mit seinem Bruder betrieb Rapoto die stetige Expansion ihres Herrschaftsraumes voran. Dabei erkauften sie sich nicht nur neue Besitztümer, sondern brachten den Besitz edelfreier Geschlechter auch durch Usurpation an sich, so unter anderem im Jahre 1190 den Besitz der Familien Massinger und Redinger. Nach dem Tode des Vaters Rapoto I. im Jahre 1186 verwalteten die Brüder die Besitzungen erst gemeinsam. Nach dem Aussterben der Grafen von Sulzbach und dem damit verbundenen Erbfall von 1188 teilten Rapoto und Heinrich ihre Besitzungen auf. Rapoto erhielt dabei die oberbayerische Grafschaft Kraiburg-Marquartstein mit dem Ort Kraiburg als Kern sowie die Besitzungen im Rottal und im Rottachgau. Bis in das Jahr 1240 versuchten er und sein Nachfolger, sein Sohn Rapoto III., ihren Besitz stets weiter auszubauen. Diese Expansionen führten bald zu zahlreichen Konflikten mit den Nachbarn. So kam es unter anderem 1192 zur ersten blutigen Fehde, wobei große Teile zwischen Donau und Inn gebrandschatzt wurden. Der Konflikt reichte aber über die Grenzen Ostbayerns hinaus. Grund waren wahrscheinlich strittige Landes- sowie Jagdgrenzen und das Erbe der Grafen von Sulzbach. Hierbei wurde die Stammburg, Burg Ortenburg, zerstört. Erst das Eingreifen Kaiser Heinrichs VI. beendete den blutigen Krieg. Graf Albert wurde zur Bestrafung nach Apulien verbannt, und Herzog Ottokar von Böhmen verlor sogar sein Herzogtum. Ebenso in den Jahren 1199, 1212 und 1226 kam es zu äußerst blutigen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Hierbei wurden zahlreiche Dörfer in Bayern, Böhmen und Österreich gebrandschatzt. Im Jahr 1200 erwarb Rapoto den Besitz der Edelfreien von Rotter und festigte damit seine Macht an der Rott. 1208 wurde Pfalzgraf Otto VIII. aufgrund des Mordes an König Philipp von Schwaben seines Amtes enthoben und mit der Reichsacht belegt. Den Grafen von Andechs wurde dabei eine Mitwirkung unterstellt. Herzog Ludwig der Kelheimer reagierte sofort darauf und besetzte deren Besitzungen in Oberbayern. Rapoto II. besetzte die Andechser Besitzungen um Neuburg am Inn und erlangte somit das Kernland der ehemaligen Feinde der Grafen von Vornbach. Die reichen Besitzungen scheinen ihm verblieben zu sein, da er das Grafenrecht am Inn seit diesem Zeitpunkt ausübte. Im selben Jahr erhielt Rapoto II. das Pfalzgrafenamt von Bayern verliehen. Dieses Amt machte ihn zum zweitmächtigsten Mann im Herzogtum Bayern und ebenso zum Stellvertreter des Herzoges. Sein Amt übte er von seiner Burg Kraiburg aus. Im Jahre 1217 erwarb Rapoto II. die reichen Besitzungen der Familie Griesbach-Waxenberg. Mit diesen reichen Gütern in der Hand begann er eine umfangreiche Neustrukturierung seines Herrschaftsraumes, worin Griesbach ein neuer zentraler Ort und die Burg zur Gerichtsstätte wurde. Hiermit fand die Ortenburger Expansion einen ersten Abschluss. Die Grundlage des Besitzes der Grafen war jedoch kein Erbe von Vorfahren, sondern eine völlige Neubildung des 12. und 13. Jahrhunderts, deren wichtigste Grundlage nicht wie früher die Verleihung von Gerichtsrechten waren, sondern auf Vogteirechte basierte. Im Jahre 1229 waren Rapoto II. und sein Bruder Heinrich auf Reise nach Italien. Sie folgten dabei dem Ruf Kaiser Friedrichs, um an Aussöhnungsverhandlungen des Kaisers mit Papst Gregor IX. teilzunehmen. Beide sind im zweiten Friedensschluss von San Germano als Zeugen vermerkt. Zusammen mit seinem Bruder Graf Heinrich und seinem Vetter Herzog Bernhard von Kärnten war Rapoto II. mehrfach im Dienste des Reiches für Kaiser Heinrich VI., König Otto IV. sowie für Kaiser Friedrich II. tätig. Ebenso stand er im Dienste des Herzoges Ludwig I. von Bayern. In Kraiburg am Inn ist heute die Graf-Rapoto-Straße nach ihm, seinem Vater und seinem Sohn benannt[1]. | VON ORTENBURG, Rapoto II. (I51515)
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| 3608 | Rats- und Bauherr Haupt einer europaweiten Handelsgesesellschaft; "der reiche Philosoph"; berühmter Alchimist und Freund von Paracelsus mit dem er während dessen halbjährigen Aufenthalts in St. Gallen alchimistische Studien betrieb; 1560 geadelt von Kaiser Ferdinand 14.1.1500 St. Gallen, 16.7.1585 St. Gallen, ref., von St. Gallen. Sohn des Hans, fürstäbt. Rats und Obervogts von Oberberg, und der Elisabetha Kienberger. ∞ 1) 1525 Anna Schappeler, Tochter des Michael, 2) 1528 Helena Studer, Tochter des Christian Studer, 3) 1546 Elsbetha Sattler, aus Konstanz. S. wurde als Haupt der Schobingerschen Handelsgesellschaft im Eisen- und Textilhandel sowie im Bergbau reich. Er war Gelehrter, ab 1567 Mitglied der Notenstein-Gesellschaft und beschäftigte sich mit Alchemie. 1550-82 amtierte er als St. Galler Ratsherr. Er erbaute das Schloss Horn in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für das Kloster Ochsenhausen. Im Jahre 1769 wurde es durch den Bündner General Johann Viktor III. von Travers erworben. Bartholome schobinger besass das Schloss Weinstein im Rheintal. 1531 und 1560 erhielt S. Wappenbriefe von Ks. Ferdinand I. Literatur – H.-P. Höhener, Bevölkerung und Vermögensstruktur der Stadt St. Gallen im 16. und 17. Jh., 1974, 279 f. – V. Schobinger, Die Schowinger von St. Gallen: Bartlome Schowingers Bücher 1545, 1978 – R. Gamper, «Die St. Galler Alchemisten», in Alchemie in St. Gallen, 1999, 19-22 Autorin/Autor: Patric Schnitzer Er interessierte sich für die chemische Wissenschaft seiner Zeit und war in persönlicher Verbindung mit Paracelsus als sich dieser 1531 in St. Gallen aufhielt. So fertigte er auch die Schrift Rosarium Philosophorum, ein Kompendium, das alchemistisches Wissen aus verschiedenen Quellen und Traditionen versammelt und in Text und Bild, präsentiert. ....Er entwickelte auch ein Rezept, das der Benediktinermönch Wolfgang Seidel (1492–1562) dazu nutzte, etwas herzustellen, das er Kunsthorn nannte und aus dem der heutige Kunststoff Galalith weiter entwickelt wurde; das ursprüngliche Rezept wurde 1530 im Augsburger Haus der Fugger niedergeschrieben und ist das zurzeit älteste bekannte deutsche Rezept für Kunststoff.[2] Schloss Weinstein mit Rebbergen im Oberdorf von Marbach 1531 und 1560 erhielt er mit verschiedenen Brüdern und Neffen Wappenbriefe von Kaiser Ferdinand I., der 1531 noch König war. Bartholomäus Schobinger erbaute das Schloss Horn in Horn und besass darüber hinaus noch das Schloss Weinstein in Marbach. Er war Mitglied der Gesellschaft zum Notenstein. ...https://de.wikipedia.org/wiki/Bartholom%C3%A4us_Schobinger Christian Studer wurde in seinem Todesjahr für sechs Monate von Paracelsus, allerdings ohne Erfolg, behandelt, der in dieser Zeit auch in dessen Haus wohnte. ; Haupt einer europaweiten Handelsgesesellschaft; "der reiche Philosoph"; berühmter Alchimist und Freund von PARACELCUS; 1560 geadelt von Kaiser Ferdinand BOMBASTUS THEOPHRATUS VON HOHENHEIM, Wunderdoktor und Naturheilkundiger, 1493-24.09.1541, Großmeister, Hüter des letzten Willens von Kaiser MAXIMILIAN I, MAXIMILIAN I. gebürtig Erzherzog Maximilian von Österreich – (* 22. März 1459 auf der Burg in Wiener Neustadt, Niederösterreich; † 12. Jänner 1519 auf Burg Wels, Oberösterreich) aus dem Geschlecht der HABSBURGER war durch Heirat ab 1477 Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Herr der Habsburgischen Erblande und vom 4. Februar 1508 bis zum 12. Januar 1519 römisch-deutscher Kaiser. FERDINAND I. (HRR) (* 10. März 1503 in Alcalá de Henares bei Madrid; † 25. Juli 1564 in Wien) aus dem Geschlecht der Habsburger war von 1558 bis 1564 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Ab 1521 war er als Erzherzog von Österreich Herrscher in den habsburgischen Erblanden und ab 1526/1527 König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Bereits zu Lebzeiten seines Bruders, des Kaisers Karl V., wurde er 1531 zum römisch-deutschen König gewählt und als letzter deutscher König in Aachen gekrönt. | SCHOBINGER, Bartholomäus \ Bartholome (I1323)
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| 3609 | Rats- und Gerichtsherrengeschlecht (Zwingherrengeschlecht) des Freistaates Bern. Eintritt ins bernische Bürgerrecht 13.. in den Grossen Rat 13.. in den Kleinen Rat 1422. Geschichtliches. Als Heimat dieser bekannten Berner Schultheissenfamilie ist die Ortschaft Diesbach anzusehen. Da es aber im Kanton Bern zwei Dörfer dieses Namens gibt, das eine bei Thun, das andere im Seeland bei Büren, und im Laufe des XIII. und XIV. Jahrhunderts in der Umgebung beider Träger des Namens Diesbach vorkommen, lässt sich nicht mehr genau feststellen, von welchem derselben das hier in Betracht fallende Geschlecht herstammt. Sowohl zu Aarberg als auch zu Thun erscheinen im XIII. und XIV. Jahrhundert Personen dieses Namens, entweder als Stadtburger, freie Landbesitzer oder Gewerbetreibende, soviel aber bekannt, nie als Ritter oder Edelknechte. Laut Urkunde vom 6. März 1259 bekleidete ein Hugo de Diespach das Schultheissenamt von Aarberg, was immerhin auf eine angesehene Stellung schliessen lässt. Als ältester Träger des Namens, dessen Zusammenhang mit den später urkundlich auftretenden jedoch durchaus unnachweisbar und ungewiss ist, müsste allenfalls angesehen werden ein Bertulus de Tiecenbach, der in einer Urkunde des Gotteshauses Bellelay vom Jahre 1156 erscheint, in welcher Bischof Otto von Basel bezeugt, dass ihm von dem Grafen Wessilo von Haigerloch das Patronatsrecht über die sogenannte weisse, dem St.Ursus geweihte Kirche zu Nugererol zu Gunsten des Klosters Bellelay abgetreten worden sei. In Bern kommt der Name urkundlich gegen Ende des XIII. Jahrhunderts zum ersten Male vor, wo laut einer Urkunde vom 18. Dezember Hugo von Diezbach als in Bern wohnend, aber nicht ausdrücklich als Burger bezeichnet wird. Ob er mit dem oben erwähnten Hugo identisch ist, muss dahingestellt werden. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts tritt der Name in Bern immer häutiger auf, seine Schreibarten sind Diezbach, Diezebach, Diezpach, Dizhach, Diesbach, Diespach, Dyesbach und Dyespach. Ein Niclaus von Dyespach erscheint in einem Ratsspruch vom 18. September 1334 zu Gunsten des Gotteshauses Fraubrunnen als einer der Venner Berns; namentlich ist aber in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts in den damaligen Stadtrechnungen viel und oft erwähnt ein Johann von Diesbach, der wohl mit einem ebenfalls des ältern erscheinenden Jenni v. D. identisch ist. Laut einer Urkunde, ausgestellt «morndes nach dem zwölften Tag der Wienachten 1366» (d.h. 7. Januar 1366) ist er Schiedsrichter in einem Streite zwischen Kuno v. Seedorf und dessen Tochter Verena einerseits gegen Peter v. Diesbach und dessen mit Entz Hetzel v. Lindnach verheirateten Tochter Greda anderseits betreffs der Hinterlassenschaft einer Jutza oder Judenta v. Borrisried. Aus diesem Umstände dürfte geschlossen werden, dass es um jene Zeit zu Bern unter sich verschiedene Geschlechter des Namens v. Diesbach gab, da Johann als Schiedsrichter in einer Sache Peters doch kaum mit demselben in verwandtschaftlichen Beziehungen gestanden haben dürfte. Johann scheint auch Mitglied des Rates gewesen zu sein und von ihm findet sich im Testamenten buch eine letzte Willensverordnung ohne Datum, aber anscheinend um die Wende des XIV. Jahrhunderts verfasst, worin er u. A. seinem (ungenannten) Sohne «ob er lebet» zehn Saum Weingeldes von seinen zu Biel gelegenen Reben vermacht, sonst nichts. Er siegelt 1366 und 1379 mit einem Sechsberg im Dreieckschild. Erwiesener Stammvater der heutigen v. Diesbach ist Klaus oder Clewi, der zuerst 1416 als Burger von Bern genannt wird. Sein Zusammenhang mit den schon angeführten Trägern des Namens, obwohl wahrscheinlich, hat bis jetzt noch nicht unumstösslich nachgewiesen werden können; ob er zur Familie, die aus Diesbach bei Büren, oder zu derjenigen, die aus Diesbach bei Thun stammte, gehörte, ist ebenfalls noch nicht ermittelt. Er legte den Grundstein zum späteren Glanz seines Hauses und soll sich hauptsächlich durch Bergbau und einen weitausgedehnten Leinwandhandel sein grosses Vermögen erworben haben. Im Jahre 1422 war er Mitglied des Kleinen Rates und 1427 kaufte er von Imer Bogkess die Hälfte der Herrschaft Diessenberg oder Diesbach hei Thun, deren andere Hälfte seine Nachkommen 1469 von Ulrich Bogkess auch an sich brachten. Als nunmehriger Twingherr erscheint Niklaus von da an mit dem Junkerntitel, zum ersten Mal in einer Urkunde vom 4. Oktober 1428. 1434 erhielt er für sich und seine Nachkommen von Kaiser Sigismund einen adligen Wappenbrief, welchen die Familie noch heutigen Tages im Original aufbewahrt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er als Wappen einen rot und weiss gespaltenen Schild, mit einem steigenden Halbmond in verwechselten Tinkturen geführt; das neue verliehene Wappen ist wahrscheinlich eine Nachbildung des alten, ursprünglich kyburgischen Wappens der Herrschaft Diessenberg mit veränderten Farben. Von seiner ersten Gemahlin Margaretha Brüggler hatte Niklaus drei Söhne Loys, Ludwig und Hans, von denen ersterer durch seine Gattin Klara v. Büren Vater des berühmten Schultheissen Niklaus, Ludwig durch seine deutsche Gemahlin Anna von Runtz, Vater des nicht weniger bedeutenden Schultheissen Wilhelm und durch seinen posthumen Sohn Ludwig Stammvater aller noch lebenden Diesbach wurde, während Hansens Nachkommenschaft bald erlosch. Besonders im XV. und XVI. Jahrhundert eines der mächtigsten Geschlechter Berns, haben die Diesbach zu allen Zeiten ihre Dienste vorwiegend ihrer Heimatstadt gewidmet und in hohem Masse zu deren Machtentfaltung beigetragen. Im Gegensatze zu den Bubenberg hat namentlich des Schultheissen Niklaus weitgehende Politik im Verein mit den Interessen Ludwigs XI. von Frankreich den endgültigen Bruch mit Burgund und die für die ganze Eidgenossenschaft bedeutungsvollen Burgunderkriege beschleunigt und herbeigeführt, auch seine entschiedene Haltung im 1470 ausgebrochenen Twingherrenstreit ist für die innere Entwicklung Berns nicht ohne Einfluss gewesen. Während dieser ganzen Periode an der Spitze der französisch gesinnten Partei in Bern, traten namentlich um die Wende des XV. Jahrhunderts mehrere Angehörige des Hauses in französische Kriegsdienste. Aber auch in späteren Zeiten zeichneten sich viele in Frankreich aus; zur hohen Ehre darf es sich das Geschlecht rechnen, dass es unter den letzten Getreuen des unglücklichen Königs Ludwigs XVI. vertreten war: Hubert v. D., Hauptmann der Schweizergarde und der Leutnant Romain v. D. , beide von der Freiburger Linie, fanden am 10. August 1792 und durch die Septembristen einen grauenvollen Tod, nur mit Mühe konnte Anton Rudolf Gottlieb von der Berner Linie entrinnen. Im Ganzen haben gegen 70 Herren v. D. im Auslande gedient, meistens in Frankreich und Österreich, wo sie oft mit Auszeichnung die höchsten Offiziersstellen versahen. In Bern sass die Familie seit ihrem Stammvater Clewi ununterbrochen, oft in grosser Zahl, in beiden Räten der Republik, ausser dreier Schultheissen hat sie derselben 24 Mitglieder des Kleinen Rates und vier Seckelmeister und Venner geliefert. Aus Verdruss über das Aufkommen der neuen Lehre zog im Jahre 1582 Junker Hans Rochus v. D., geb. 1501, nach Freiburg, wo er und sein Bruder Sebastian 1534 in Freiburg ins Bürgerrecht aufgenommen wurden und zum alten Glauben zurückkehrten. Er verstarb 1546 mit Hinterlassung von Deszendenz in Freiburg. Sohn des Ritters Ludwig 1452-1527, zuletzt Gouverneur von Neuenburg, aus dessen ersten Ehe mit Antonia v. Ringoltingen, war er 1528 des Grossen Rates zu Bern und Mitherr zu Landshut; nach seiner Übersiedlung gelangte er in den Besitz der Herrschaften Grandcourt, Prangins und Genollier, alle in welschen Landen. Seine Nachkommen gelangten in Freiburg ebenfalls zu den höchsten Ehren und blühen noch heutzutage daselbst in grosser Anzahl. Sein jüngerer Bruder Niklaus, aus Ritter Ludwigs zweiter Ehe mit Agatha v. Bonstetten, geb. 1511, gest. 1585, Herr zu Diesbach 1547, des Grossen Rates 1585, Landvogt nach Thonon 1547, des Kleinen Rates 1557, ist der Stifter der jüngeren, in Bern gebliebenen evangelisch-reformierten Linie. Wie schon angedeutet, führt die Familie in Bern den Junkerntitel urkundlich seit 1428; laut Dekret vom 9.Juni 1669 erhielt sie in Bern die Titulatur «Wohledelfest» und zugleich mit den Erlach, Mülinen , Wattenwyl , Bonstetten und Luternau den Vorsitz im Kleinen Rate, was 1721 bestätigt wurde. Das ursprüngliche Wappen war auf silbern und rot gespaltenem Schild ein steigender Halbmond mit verwechselten Tinkturen; das dem Junker Clewi v. D. am 4. April 1434 von Kaiser Sigismund verliehene Wappen, dessen sich die Berner Linie immer noch bedient, ist in schwarz ein stufenförmiger goldener Rechtsschrägbalken, von zwei goldenen schreitenden Löwen begleitet, die Helmzier ein wachsender goldener rotbewehrter Löwe, dessen Kopf und Hals mit einem schwarten golden geränderten, in fünf mit goldenen Knöpfen besteckten Spitzen ausgehenden Kamme besetzt ist. Devise: Loyaute et courage. Andere Sinn- und Wahlsprüche einzelner Familienglieder sind z. B. «Virtus nobilitat» (Christof 1571 - 1609); «Nodos virtute resolvo» (Imbert 1560 bis 1632); «E mansuetudine vigor» (Robert, geb. 1858). In Bern ist das Geschlecht auf Distelzwang zünftig. Die bedeutendsten der vielen Herrschaften, welche den Diesbach gehörten, sind in bernischen Landen Kiesen 1425 - 1597, Diesbach 1427 - 1647, Uttigen 1428 - 1429, Brandis 1441 - 1447 und 1407 - 1475, Signau 1450 - 1528, Rued 14.. - ..., Worb 1452 - 1610, Trimstein 1409 - 1610, Landshut 1479 - 1514, Twann 14.. - 1487, Spiez 1506 - 1515, Urtenen 1507 - 1553, Reichenbach 15.. - 1575, Mattstetten 1542 - 1553, Liebistorf 1551 - 1787, Wyl 1620 - 1718, Liebegg 1772 - 1876; in welschen Landen St. Christoffle 1524 - 16.. Begnins 1582 - 16.. Champvent 1627 - 1729, La Motte 1627 - 1705, Grandcourt, Carouge, Mezieres und Mathod. Ausserdem sind noch die schönen Landsitze zu Holligen, Sinneringen 1684 - 1800, Deisswil, Beitiwyl, Muri etc. zu erwähnen, welche alle während längerer oder kürzerer Zeit der Familie gehörten: das alte Stammhaus «an der Kette », an der Ecke der Kreuzgasse und Kirchgasse in Bern, welches urkundlich schon der Stammvater Clewi bewohnte, ist erst vor wenigen Jahren von der Familie veräussert worden. Auch heutzutage verfügt die Familie über einen für bernische Verhältnisse recht ansehnlichen Grundbesitz; in der Schweiz besitzt sie nebst mehreren städtischen Grundstücken und Villen in Bern das Rebgut «maison jaune» in Cully, im Ausland das ca. 4748 preussische Morgen haltende Rittergut Spree bei Hähnichen, Kreis Rothenburg in der preussischen Oberlausitz, Prov. Schlesien. Von den Gliedern des Hauses sind vor allem zu erwähnen die drei Schultheissen, die zu den bedeutendsten Männern zählen, die Bern hervorgebracht hat: Niklaus 1431 - 1475, Herr zu Rued, Signau, Diesbach, Worb und Kiesen, des Grossen Rates 1447, des Kleinen Rates 1452, Venner zu Gerwern 1460, Schultheiss zu Bern 1465, Ritter des heil. Grabes 1467, Befehlshaber von 2000 Bernern vor Waldshut 1408, Gesandter zu Ludwig XI. von Frankreich, dessen Kammerherr und Rat 1474 und wieder Schultheiss im gleichen Jahre, focht bei Erlincourt und befehligte den Zug nach Pontarlier 1475, bei der Belagerung von Blamont verwundet, starb er im selben Jahre zu Pruntrut. Hauptgegner des Herzogs Karl von Burgund in Bern, darf er im Verein mit Ludwig XI. von Frankreich als Haupturheber des Falles des Herzogtums Burgund angesehen werden. Nicht minder hervorragend ist sein Vetter Wilhelm 1442 - 1517, Herr zu Worb, Diesbach, Kiesen, Twann und Holligen, des Grossen Rates 1466, pilgerte ins Heilige Land und wurde zugleich mit seinem Vetter Niklaus 1467 zum Ritter des heiligen Grabes geschlagen, nahm Teil an vielen Gesandtschaften ins Ausland, war am Zug nach Romont 1475, des Kleinen Rates 1476, befehligte unter Adrian v. Bubenberg 8000 Berner vor Bellinzona 1478, Schultheiss zu Bern 1484 - 1491 und wieder 1498 - 1501, 1504 - 1507, 1510 - 1512 und 1514, Anführer der Berner ins Hegau 1499. Er galt, wie schon sein Vater (s. unten) als der reichste Berner seiner Zeit und soll von Bartlome May für 4500 Gulden den berühmten Diamanten Karls des Kühnen (später « Sancy» genannt) gekauft und denselben später für 7000 Gulden an genuesische Kaufleute veräussert haben. Endlich Sebastian 1481 - 1537, Ritter, des Grossen Rates 1504, focht 1518 als zweiter Anführer der Berner bei Novara, 1514 des Kleinen Rates und Schultheiss zu Burgdorf, Anführer der Berner an der Bicocca 1522, Schultheiss zu Bern 1529, Befehlshaber der Berner in den Kappeler Kriegen, nahm wieder die katholische Religion an und zog 1584 zu seinem Bruder Hans Rochus nach Freiburg, wo er verstarb, nachdem er noch eine Zeit lang unter dem König von Navarra gedient hatte. Ferner sind noch zu nennen: Ludwig, des Schultheissen Wilhelms Vater, gest. 1452, wie sein Sohn der reichste Berner seiner Zeit, des Grossen Rates 1435, des Kleinen Rates 1450, lebte meist zu Köln, wo er das Schloss Godesberg am Rhein pfandweise besass; sein nachgeborner Sohn Ludwig 1452 - 1527, erzogen zu Köln, dann am französischen Hofe, 1476 des Grossen Rates, 1481 Schultheiss zu Thun, 1484 Gesandter bei König Karl VIII., 1487 Landvogt zu Baden, 1512 - 1514 Gouverneur von Welsch-Neuenburg, vor Pavia vom Kaiser Maximilian zum Ritter geschlagen, Herr zu Diesbach, Urteilen, Spiez, Landshut, Kiesen und Strätttigen, Verfasser einer bemerkenswerten, noch jetzt im Original erhaltenen und neuerdings wieder im Druck erschienenen Selbstbiographie; Johann, ein grosser Kriegsmann, geb. 14.. gest. 1525, am Hofe Ludwigs XII. von Frankreich erzogen, diente in Italien und focht u. a. bei Marignano, oberster Hauptmann im Dienste Franz I. über (5000 Mann in der Picardie und Artois, Waffengefährte Bayards, Ritter 1524, fiel bei Pavia: Niklaus, 1478 - 1550, apostol. Protonotar, Prior zu Vaucluse und Grandson, Stiftsprobst zu Solothurn, Domherr und Coadjutor des Bistums Basel 1519); Johann Jakob 1559 - 1627, Herr zu Liebistorf, diente in seiner Jugend als Hauptmann im Berner - Regiment Tillmann in Navarra, 1580 Hauptmann im Zug nach Faucigny, zog mit 3000 Bernern vor Strassburg 1592, nahm als Gesandter Berns an sehr vielen diplomatischen Missionen und Gesandtschaften teil; Niklaus 1645 - 1721, Page beim Landgrafen von Hessen-Cassel, Oberstleutnant im bernischen Regiment Erlach in Frankreich, Schultheiss zu Thun 1092, Vogt zu Nyon 1704, Oberstkommandant in der Waadt und Feldoberst (General) der Berner in der Schlacht bei Villmergen 1712, wo er schwer verwundet wurde, Besitzer von Sinneringen; sein Sohn Johann Rudolf, 1688 bis 1750, diente in Holland und Sardinien, in welch letzterem Lande er 1737 Oberst des Regiments Roguin und 1744 Brigadier wurde, Landvogt zu Romainmotier 1744: Gottlieb 1671 - 1735, diente in seiner Jugend in Frankreich und Brandenburg, des Grossen Rates 1701, Landvogt zu Romainmotier 1711, des Kleinen Rates 1721, Welsch-Seckelmeister 1728, Gesandter an die Tagsatzung 1733; Rudolf Anton 1734 bis 1797, focht im französischen Regiment Jenner im 7jährigen Krieg, Oberstleutnant in Frankreich 1766, Brigadier 1780, Commandeur des merite militaire 1783, marechal de camp 1784; endlich Bernhard Gottlieb Isaak 1750 - 1804, Herr zu Carouge und Mezieres, des Grossen Rates 1785, Vogt zu Frienisberg 1795 - 1798, von den Franzosen als Geisel nach Strassburg deportiert 1798, Deputierter an der Tagsatzung 1801, begleitete 1802 den Landammann Aloys von Reding auf seiner Gesandtschaftsreise nach Paris, 1803 helvetischer Gesandter in Wien bis zu seinem Tode. Literatur: R. de Steiger, les generaux bernois, Bern 1864; Sammlung bernischer Biographien, herausgegeben vom historischen Verein des Kantons Bern; Chroniques et memoires du Chevalier Louis de Diesbach, Ch. Eggimann, Genf, public par le Comte Max de Diesbach 1901. (Info: SGB) | VON DIESBACH, Stammlinie (I21271)
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| 3610 | Rats- und Gerichtsherrengeschlecht des Freistaates Bern. Eintritt ins Burgerrecht 1548. in den Grossen Rat 1577. in den Kleinen Rat 1588. Herkunft: Wil, SG. Geschichtliches. I. Vor dem Eintritt ins bernische Bürgerrecht: Freie Bürger der Stadt Wil im heutigen Kanton St.Gallen. Ältester erweisbarer Träger des Namens ist Johannes, der um die Mitte des XV. Jahrhunderts zu Wil lebte und mit Apollonia Rösch, des Fürstabtes von St.Gallen Schwester vermählt war. Ein Wappen ist ans dieser Periode noch nicht nachgewiesen, doch -sind gewisse Teile des jetzigen als spätere Zutaten zu betrachten; es kann daher als Wappen des Geschlechtes während seines Aufenthaltes in Wil ein auch anderweitig aus dieser Gegend überliefertes Wappen angenommen werden, nämlich in Gold 3 rote Sterne, welches Bild der Flug auf dem Helm wiederholt. Grundbesitz ist aus dieser Periode ebenfalls keiner überliefert, und wird, von Anwesen in der Stadt Wil abgesehen, kaum anzunehmen sein. Die ersten bekannten Glieder der Familie widmeten sich vorzugsweise dem Pfarrdienste, als Vorkämpfer der Reformation zeichnete sich aus Johannes 1487 - 1531, zuerst Pfarrer in Schwyz, dann zu Scherzligen und Amsoldingen. Von seiner ihm 1521 angetrauten Frau Verena Zehrer aus Zürich hinterliess er mehrere Kinder; sein jüngster Sohn Wolfgang 1525 - 1601 zog nach Zürich und wurde dort 1555 zum Bürger angenommen und Probst am Grossmünster. Seine Deszendenz gelangte daselbst in die Regierung, starb aber um die Mitte des XVII. Jahrhunderts aus. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit dem eingangs erwähnten Johannes der ums Jahr 1510 starb. II. Nach dem Eintritt ins bernische Bürgerrecht: Als erster urkundlicher Inhaber desselben erscheint Johannes, geb. 1523 - 1575, ältester Sohn des oben angeführten Pfarrers zu Amsoldingen. Seine Söhne pflanzten das Geschlecht in zahlreiche Linien fort, die aber bis auf diejenige, welche von einem ältesten Sohne Johannes, 1546 - 1596, abstammt, im XVII. und • XVIII. Jahrhundert ausstarben. Neben der hier behandelten Familie Haller blühten zu Bern im XVI. Jahrhundert noch zwei andere Familien dieses Namens, die aber mit derselben in keinem Zusammenhang stehen. Die eine, oft «Haller von Courtlary» genannt, starb 1564 in der Person des Seckelmeisters Sulpitius Haller aus , nachdem sie im XV. und XVI. Jahrhundert der Stadt tüchtige Magistraten geliefert hatte; zur andern gehörte der bekannte Reformator Berchtold Haller, der aber keine Nachkommen hinterliess. Als Wappen führt das Geschlecht in Bern in Gold über grünem Dreiberg ein grünes Lindenblatt, begleitet von zwei roten Sternen; als Helmzier einen wachsenden rot-golden gekleideten Mann mit rotem Hut, in der rechten Hand einen roten Stern, in der linken ein grünes Lindenblatt haltend. Gestützt auf das Reichsadelsdiplom vom 23. April 1749 führt die Deszendenz Albrechts v. Haller (jüngste Linie) das Adelsprädikat und das vermehrte Wappen: quadriert, 1 und 4 in blau ein goldener Sparren, begleitet von 3 silbernen Geldstücken oder «Hellern» (Wappen der ausgestorbenen Haller von Courtlary), 2 und 3 das Stammwappen, jedoch ohne Dreiberg; der offene gekrönte Helm trägt einen offenen schwarzen, beidseitig mit Sparren und Schilling belegten Flug. Devise «Parta Uteri». Vom Grossratsbeschluss von 1783, welcher auch die andern Linien der Familie zum Tragen des Adelsprädikates berechtigt, haben die übrigen Haller bis heute noch keinen Gebrauch gemacht. Ausser städtischen Grundstücken besass die Familie Landgüter zu Leissigen und in der Umgebung der Stadt; 1764 kaufte Albrecht v. Haller die Herrschaften Goumoens le Jux und Eclagens in der Waadt. Dem alten Bern hat das Geschlecht viele tüchtige Geistliche, Gelehrte und Magistrate geliefert, abgesehen von dem als Dichter, Philosophen, Mediziner und Botaniker in ganz Europa berühmten Albrecht v. Haller sind noch besonders hervorzuheben: Der schon genannte Johannes, 1520 - 1575, Dekan zu Bern, ein Mann von grosser Gelehrsamkeit und wirksamer Geistlicher; ferner Gottlieb Emanuel, 1735 - 1786, Albrechts Sohn, Mitglied des Grossen Rates 1775, Syndicator im Tessin und 1784 Landvogt zu Nyon, Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften, ein Universalgenie ähnlich wie sein Vater, jedoch ohne denselben zu erreichen; von seinen im Druck erschienenen Werken sind besonders zu nennen: „ Bibliothek der Schweizergeschichte und Verzeichnis der Schweizer-Münzen und -Medaillen», Bern 1778 - 1779 und «Schweizer Münzen und Medaillencabinet», Bern 1780, 2 Werke die noch heute von bleibendem Wert sind; sein Sohn der «Restaurator» Karl Ludwig, 1768 - 1854, bekannt durch seine reaktionären Ideen und Schriften und seinen Übertritt zum Katholizismus; Rudolf Emanuel, 1747 - 1833, zweiter Sohn Albrechts, zuerst Bankier in Paris, während der Revolution oft Armeelieferant, 1793 Directeur General des charrois de l'armee du Midi, nach einem momentanen Sturz Generalschatzmeister der italienischen Armee unter Bonaparte, schliesslich wieder Bankier in Paris; Franz Ludwig 1755- 1S3S, Hofschreiber von Königsfelden, 1804 Archivar des Lehensarchivs, tätiges Mitglied der schweizerischen geschichtsforschenden Gesellschaft, bedeutender Numismatiker, besonders bekannt ist sein Buch «Helvetien unter den Römern»; endlich Johann Jakob, 1729 - 1809, des Grossen Rates 1764, Gubernator von Peterlingen 1769, Mitglied verschiedener Kommissionen, Heimlicher 1786, Böspfenniger 1787, Ohmgeldner vom Rat 1790, Gesandter nach Frauenfeld 1794 und auf die Konferenz nach Murten 1797; spielte als Politiker eine Rolle zur Zeit des Überganges. Andere Mitglieder hingegen verliessen Bern. Karl Ludwig wurde Kantonsrat in Solothurn, während sich Franz Albrechts ( 1851) Nachkommenschaft in Lausanne und Genf etablierte und wesentlich häufiger als der ältere Zweig in akademischen Berufen anzutreffen war. Sie stellte neben dem Diplomaten Edouard Pfarrer, Ärzte, Juristen und v.a. Ingenieure. Gegenwärtig blüht das Geschlecht in Bern, Lausanne, Solothurn, Amerika und Rumänien. Literatur: Albrecht v. Hailer, Denkschrift auf den 12. Dezember 1877, Bern, B. F. Haller 1877. - Franz Ludwig Haller v. Königsfelden, von Dr. Norwin Weber, Bern. Dissertation, Biel, E. Kuhn 1900. - Sammlung bernischer Biographien, herausgegeben vom historischen Verein des Kantons Bern. - Berner Taschenbuch 1853. - Leu, allgemeines helvetisches Lexikon- (Info: SGB) weiterführende Information: HLS Wiki | RÖSCH, Appolonia (I6417)
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| 3611 | Ratsgeschlecht des Freistaates Bern. Bürgerrecht 1528, 1534 und 1543. Grosser Rat 1531. Kleiner Rat 1580. Erloschen 1918 Geschichtliches. I. Vor dem Eintritt ins bernische Bürgerrecht. Die Heimat dieses alten Geschlechtes ist im heutigen Kanton Aargau, in der Nähe der Stadt Aarau zu suchen. Ursprünglich vielleicht Edelknechte der Grafen von Rore, kommen Träger des Namens Zehender, oder Seehender und Zechender, wie er in der Folge meist geschrieben wurde, schon im XIII. Jahrhundert in Urkunden vor. Im Erblehensbrief, «gegeben zu Bruck, Zinstag nach Galli 1276», in welchem Graf Hartmann von Habsburg den Edlen Jakob v. Kienberg mit der Veste Kienberg und verschiedenem andern belehnt, kommt auch vor «Item ein Schuppen zu Sarmenstorf gelegen, haben die Zehender von Aarau etc.» Schon 1270 erscheint urkundlich - allerdings nicht in Aarau - ein Träger des Namens Seehender, nämlich Wernher genannt Seehender, als Zeuge in Langenthal bei einer Donation des Ritters Wernher von Luternau an das Haus Thunstetten. In einer andern Urkunde vom 16. September 1299, handelnd vom Verkauf Aarburg's seitens des Grafen Volmar v. Froburg an die Herzoge Rudolf und Friedrich v. Oesterreich, behält sich der Verkäufer nebst drei andern Ministerialen samt deren Angehörigen und Gütern auch «Ruodolphen den Zehender» vor. Es ist dies wohl der nämliche, der 1302 als Zeuge bei einer Schenkung von Frau Anna, Rudolfs v. Rauchenstein sel. Witwe, an ihre Tochter Clarita erscheint. Von da an kommt der Name häufig in Urkunden vor und die Stammreihe der heutigen Zehender lässt sich mit ziemlicher Sicherheit ununterbrochen bis auf den genannten Rudolf zurückführen. Laut Familienstimmbuch soll er mit einer v. Hornberg vermählt gewesen sein, sein ältester Sohn Niklaus, gest. 1378, ist Stammvater der nachmaligen bernischen Zehender, ein anderer Sohn Johann lebte zu Aarau. Niklaus, geb. um 1290, erscheint 1355 als Zeuge beim Verkauf der Burg Königstein seitens der Gebrüder Wernher und Burkhard v. Königstein an ihren Bruder Heinrich, 1369 kauft er von Heinrich v. Heidegg um 29 Pfund die Vogtsteuer zu Teuffenthal. Von seiner Gemahlin Gertrudis - laut Familienbuch eine v. Schwertschwendi - hinterliess er drei Söhne: Hartmann 1319 - 1383, Marquard 1320 - 1415 und Niklaus 1322 - 1382. Die beiden erstem erscheinen 1384 in einem Spruchbrief vor Schultheiss und Gericht zu Solothurn, zwischen Heinrich v. Saffeton, dem Schultheissen zu Sursee, namens Anna, seiner Tochter, Hartmann Zehenders Wittib und Marquards, dessen Bruder, und Henz Reiber, Burger zu Solothurn anderseits, wegen 15 Stück Leinwand. Sonst ist über Hartmann nichts bekannt, ebensowenig über seine allfällig mit Anna v. Saffeton erzeugten Kinder. Marquard dagegen figuriert mit seinem Bruder Claus, beide als Burger zu Aarau, 1379 als Käufer eines Bodenzinses zu Schöftland, 1380 mit seinen Brüdern als Käufer von vier Schupposen Land zu Niederwyl und endlich auch als einer der Landrichter am vom Grafen Otto v. Thierstein am Mittwoch vor St. Johann 1399 zu Sonnengichten bei Zofingen abgehaltenen Landtage (vide Solothurner Wochenblatt 1821 p. 91). Auch später erscheint er als Zeuge und laut Jahrzeitbuch der Leutkirche von Aarau stiftete er mit seinen zwei Brüdern für ihren 1378 verstorbenen Vater Niklaus, ihre Mutter Gertrudis und ihren Oheim Johann Zehender eine reiche Stiftung, Marquards jüngster Sohn Ludwig (1380 - 1472), Vogt der Frommen zu Königsfelden 1404, des Rates zu Aarau 1420 - 1442 und Gotteshausschaffner, Schultheiss zu Aarau 1451 - 1460, erhielt namens dieser Stadt 1442 von Kaiser Friedrich III. das Mannlehen über die Herrschaft Königstein samt Erlisbach uud Küttingen, sagte es aber 1453 auf. Ein sehr reicher Mann, erscheint Ludwig 1465 als Junker und Herr zu Hohen-Selchingen in Schwaben. Dreimal verheiratet, zuerst mit Agnes Zielemp v. Farnsburg, dann mit Susanna v. Hohen-Landenberg, gest. 1457 und endlich 1458 mit Margaretha v. Rottenstein, welche in zweiter Ehe den Sieger von Murten, Hans v. Hallwyl, heiratete, hinterliess er von dieser nur einen Sohn Marquard, welcher nach 1535 als Seckelmeister von Aarau starb. Des Letzteren Vetter, auch Marquard genannt, Sohn des Hans Ulrich (1375-1450) und der Märgeli zum Haupt, wohnte 1476 mit andern aargauischen Edlen als Hauptmann der Schlacht von Murten bei und trat als erster seines Geschlechts in nähere Beziehungen zu Bern; 1480 wurde er Schultheiss zu Aarau und wird als solcher «domicellus» genannt, er starb erst 1509. Von seinen zwei ersten Frauen, Magdalena v.Luternau und Dorothea Mutschlin keine Kinder hinterlassend, heiratete er in hohem Alter 1501 Anna Laugnauer, mit welcher er drei Söhne zeugte, welche alle das bernische Bürgerrecht erwarben und zahlreiche Descendenz hinterliessen. Der Stamm der Zehender zu Aarau, welcher von den eingangs erwähnten Johann und Niklaus, Marquards I. Brüdern, herrührte, erlosch schon anfangs des XVII. Jahrhunderts, ein Johannes Zehender von Aarau soll u. a. 1535 - 1542 Komthur zu Hitzkirch gewesen sein. Als Wappen erscheint schon in dieser Periode in rot eine goldene Zehntgarbe, als Helmzier ein rotgekleideter Frauenrumpf mit aufgelöstem Haar. 2. Nach Eintritt ins bernische Bürgerrecht. Als erste Inhaber desselben erscheinen, wie schon erwähnt, des Schultheissen zu Aarau Marquard Söhne Hans Ulrich, Ludwig und Simon. Hans Ulrich, geb. 1501, gest. 1545, liess sich 1528 in Bern nieder und kaufte sich im gleichen Jahre zum Roten Löwen ein, 1531 gelangte er in den Grossen Rat, wurde in der Folge 1533 Hofmeister nach Königsfelden und 1540 Landvogt nach Chillion. Von seiner Frau, Christina zum Bach hinterliess er zahlreiche Kinder, von denen der zweite Sohn Marquard durch seine Gemahlin Magdalena Herbort Stammvater aller noch heute lebenden Zehender wurde. Hans Ulrichs jüngerer Bruder Ludwig (1503 - 1577) kaufte sich 1534 ebenfalls beim roten Löwen an, wurde 1540 der Burgern, 1546 Vogt nach Biberstein und 1570 nach Interlaken, von zweien Frauen hinterliess er Descendenz, die jedoch 1726 in Bern ausstarb. Der dritte Bruder endlich, Simon (1504 - 1566), lebte bis 1543 in Aarau und kam dann auch nach Bern und kaufte sich im gleichen Jahr wie seine Brüder beim roten Löwen ein, in der Folge gelangte auch er 1548 in den Grossen Rat und wurde 1557 Welschweinschenk; 1553 erscheint er als Herr zu Muhleren, und starb 1566 ohne Descendeuz. In ihrer neuen Heimat trieb der Stamm der Zehender sehr bald viele Zweige, von denen die zwei grössten von Marquard und Magdalena Herbort's beiden Söhnen Marquard und Samuel abstammen. Ersterer hinterliess von Elisabeth Wurstemberger und Anna v. Diesbach vier Söhne, die alle wieder Deszendenz hinterliessen, welche aber mit Ausnahme derjenigen seines zweiten Sohnes Haus Rudolf (1604 - 1657), verh. mit Anna Manuel, im XVIII. und im Beginn des XIX. Jahrhunderts ausstarb. Samuel (1584 - 1628), Landvogt zu Romainmotier, zeugte mit Helena Tillier fünf Söhne, die ebenfalls alle zahlreiche Söhne hinterliessen, deren Nachkommenschaft aber auch wieder meist gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts erlosch; diejenige von Samuels ältestem Sohne, auch Samuel (1608 - 1650), verh. mit Barbara Ougspurger 1626, starb indessen erst 1870 mit dem Ingenieur Karl v. Zehender aus. Zwei Enkel des vierten Sohnes des Landvogts Samuels zu Romainmotier, Daniel(1612 - 1677) Niklaus (1688 - 1758) und Friedrich (1690 - 1745), gingen wegen der gesetzwidrigen Heirat ihres Vaters Emanuel (1657 - 17..) mit seiner Germaine Katharina Zehender des bernischen Burgerrechtes verlustig, traten in der Folge in spanische und neapolitanische Dienste, bekannten sich zur katholischen Religion und Hessen sich schliesslich in Neapel nieder, wo sie sich auch verheirateten, Im Jahr 1726 bewarben sie sich um Restitution des bernischen Bürgerrechtes, wurden aber abgewiesen. Ihre Deszendenz existiert wohl noch heutzutage in Neapel, Friedrichs Enkel Franz (1789 - 1840), verh. 18.. mit Donna C. del Gindra und Ludwig (1794 - 186.), verh. mit Donna C. Capello, hatten jeder drei Söhne, welche 1865 am Leben und teilweise verheiratet waren; der jetzige Bestand dieser letzten Linie der Familie Zehender, die in Bern nun auch dem Aussterben entgegengeht, konnte noch nicht ermittelt werden. Im XVII. und XVIII. Jahrhundert sehr zahlreich, ergriffen die Zehender in Bern seit ihrem Eintritt ins Burgerrecht meistens die Magistratur und waren von 1531 an bis zum Untergang der Republik ununterbrochen im Grossen Rate, mehrmals auch im Kleinen Rat oder Senat vertreten. Um 1651 erhielt das Geschlecht das Prädikat «vest» zuerkannt. Aber auch auf andern Gebieten betätigten sich Mitglieder der Familie, mehrere wurden Geistliche, andere wieder leisteten Tüchtiges in der Kunst und in der Wissenschaft; ferner versahen viele. Offiziersstellen in Frankreich und Spanien, sowie auch in Venedig, Holland, Oesterreich, Neapel, Piemont und später in England. Im XVII. Jahrhundert betrieben auch einige das Goldschmied- gewerbe, Marquard VI (1602 - 1655), Zeugherr 1640, führte einen ansehnlichen Tuchhandel. Von mannigfachen Schicksalsschlägen, welche das Geschlecht im Lauf der Zeit traf und ihm in Bern das Beiwort «vicissitude» verliehen, erholte sich dasselbe stets wieder, wie die verschiedenen Herrschaften und Landgüter zeigen, welche teilweise bis in die neuere Zeit den Zehender zu eigen waren. Es mögen von diesen u. a. genannt werden in deutscheo Landen Muhleren 1553, Worb (zur Hälfte, zugleich mit der Familie Graffenried) 1639 - 1668, Rufen ach ca. 1650 - 1709, ferner das Gurnigelbad 1770 - 1839, die Klosterdomäne Gottstatt 1803 - 1855, ein Landgut zu Herbligen 1700 bis 1810, das Schlösschen Windegg auf dem Butten berg bei Gottstadt um 1740, Riedburg 1804 - 1859; in welschen Landen die Herrschaften Daillens um 1563, später Rossens 1630 bis 1742, Syens 1654 - 1719, Chamblon um 1660, Bierre 1753 - 55, ferner Rossinges, Challebruz und Combremont und die Güter Bethusy bei Lausanne 1670 - 1693 und Beauregard ob Rolle. Was die Zunftangehörigkeit des Geschlechtes anbelangt, so sind die noch lebenden Glieder des Geschlechtes, wie die ersten Erwerber des Burgerrechtes, immer noch auf Mittellöwen, doch finden sich im XVII. und XVIII. Jahrhundert Zehender, die den Gesellschaften zu Metzgern, Webern, Möhren, Zimmerleuten und Affen angehörten. Die Zehender waren nun vermehrt als Schreiber oder Pfarrer tätig und wandten sich v.a. dem französischen und kaiserlichen, später dem holländischen und sardinischen Solddienst zu. Die wenigen Handwerker widmeten sich v.a. der Goldschmiedekunst. Mit ihrer Verdrängung aus dem Grossen Rat verlagerte sich der Heiratskreis im XVIII. Jahrhundert von der regierenden in die nicht regierende Berner Burgerschaft. Im XIX. Jahrhundert wanderten einzelne Familienmitglieder nach England und in die USA aus, ohne jedoch männlich Nachkommen zu hinterlassen. Mit dem Augenarzt Karl Wilhelm (1819 - 1916) starb das Geschlecht in männlichen Linie aus. Das Prädikat «von» trägt die Familie in Bern gestützt auf den Grossratsbeschluss von 1783. Besondere Erwähnung verdienen Samuel (1529 - 1564), ein Kriegsmann, der zuerst beim Papst, dann in Frankreich und Piemont diente, interessant namentlich durch sein noch vorhandenes Tagebuch; Marquard IV (1542 - 1610), 1580 des Kleinen Rates und Zeugherr, war an sehr vielen Gesandtschaften, 1581 zum König von Frankreich, 1582 zum Herzug von Savoyen, 1586 nach Mülhausen etc., auch entdeckte er 1588 als Landvogt von Lausanne die von Isbrand Daux gegen Bern angezettelte Verschwörung; sein Sohn Marquard V, (1581 - 1638), studierte in Heidelberg, Bremen und Oxford, des Kleinen Rates 1620 und 1631, Welschseckelmeister und Oberkommandant der Waadt 1635, ebenfalls sehr oft Gesandter, so 1618 nach Sitten, 1622 nach Lindau, 1623 an die Tag- satzung nach Baden, 1635 zum französischen Botschafter nach Solothurn; Hans Ulrich (1570 - 1614), des Grossen Rates 1601 Schultheiss nach Unterseen 1604, Gesandter nach Paris zu Heinrich IV 1601; Johann Jakob (1687 - 1766), erster Pfarrer am Münster und Dekan der Klasse Bern 1752, ein gelehrter Theologe, der mehrere Schriften in Druck herausgab, Verfasser einer sehr ausführlichen nicht gedruckten Kirchengeschichte der Stadt und Republik Bern von der Reformation an bis auf seine Zeit; Ludwig Emanuel (1720 - 1799), obrig- keitlicher Werkmeister, ein tüchtiger Architekt, Erbauer des Waisenhauses, des Kornhauses an der Speichergasse und der alten Kavalleriekaserne, Karl Ludwig (1751 - 1814), Maler und Kupferstecher; Samuel Gottlieb (1756 - 1840), Dekan der Klasse Nidau (1824 - 1832), Gründer und Vorsteher einer Erziehungsanstalt in Gottstatt, auch ein vortrefflicher Baumzüchter; von Militärs sind zu nennen Johann Friedrich (1673 - 1753), der sich unter Vendome in Katalonien aus- zeichnete, und Franz Ludwig (1766 - 1819), der zuerst in sardinischen Diensten stand und dann in englischen Diensten in Aegypten focht, wo er 1801 - 1803 Hafenkommandant von Alexandria war. In Bern selber existiert der Name Zehender im Mannesstamme nicht mehr, die letzten Träger desselben leben in Deutschland, Amerika und Neapel. (Info: SGB) weiterführende Info: HLS Wiki | ZEHENDER, Stammlinie (I32725)
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| 3612 | Ratsgeschlecht des Freistaates Bern. Bürgerrecht vor 1326. Grosser Rat ....Kleiner Rat 1345. Geschichtliches. Die ältere Geschichte dieser Familie, eine der ältesten Berns, ist in Anbetracht der vielen Träger des Namens v. Buren, v. Büron, v. Burren, v. Burron etc., die im heutigen Kantonsgebiet schon vom XIII. Jahrhundert an bald als Burger von Bern, bald als Burger von Biel und Burgdorf, oder selbst als Burger zu Solothurn vorkommen und zum Teil ganz verschiedenen Familien angehören, ziemlich dunkel. Der Name deutet jedenfalls auf eine Herkunft aus dem seeländischen Städtchen Büren, wo die v. Buren zu Bern noch bis ins XV. Jahrhundert das Bürgerrecht unterhielten und, möglicherweise als kyburgische Dienstmannen, Grundbesitz hatten. Erster Träger des Namens ist 1254 «Heinricus scultetus in Büron», der noch 1269 und 1270 als «senex scultetus» mit seinem Sohne Jakob und einem andern «Henricus quoiidam advocatus in Büron» urkundlich erwähnt wird; laut einer Urkunde vom 25. September 1273 hatte er noch einen Sohn Niklaus, der mit dem schon genannten Jakob als «fratres de Buron» als Zeuge figuriert. Wohl ein anderer Jacobus de Büron ist es, der am 4. August 1303 mit dem Beinamen «Vronhedwig» zusammen mit dem bernischen Schultheissen Lorenz Münzer in einem Handel zwischen dem Gotteshaus Frienisberg und Johann Rupp von Bern als Schiedsrichter fungiert. In Urkunden vom 8. Dezember 1315 und 21. Juli 1320 erscheint eine Elisabeth oder Ita v. Pieterlen als Witwe eines Jakobs v. Büren, und zwar das eine Mal als Bürgerin zu Burgdorf, das andere Mal aber als Witwe Jakobs v. Buren «burgensis in Solodoro» und als Mutter dreier Söhne namens Jakob, Johann und Heinrich, von denen ersterer damals Vikar zu Diessbach bei Büren war. Vermutlich wieder ein anderer Jakob, Sohn eines Schultheissen von Büren («sculteti» de Burron), Edelknecht, verkauft mit seiner ungenannten Gemahlin und seinen Söhnen Ymmerius und Mathias am 8. Juli 1331 dem Kloster Gottstadt eine Scheune zu Orpund. Ausdrücklich als Burger zu Bern bezeichnet wird zum ersten Mal Rudolfus de Burron, welcher am 10. Mai 1326 zu seinem Seelenheil dem neuen Spital drei Äcker zu Ittigen schenkt. Laut einer Urkunde vom 15. August 1405 schenkte er den Dominikanern oder Predigermönchen einen jährlichen Zins von 2 Pf 8 von seinen Häusern an der Neuenstadt und an der Märitgasse sonnenhalb neben der niederen Fleischhaal, eine Vergabung, welche sein Enkel Johann (s. u.) zugleich mit einer andern seines Sohnes Johann unter obgenanntem Datum wieder ablöste. Aus der nämlichen Urkunde von 1405 geht hervor, dass er mit einer Anna v. Mistlerron vermählt und Vater von Johann v. Büren war, der in der Mitte des XIV. Jahrhunderts ziemlich häufig genannt wird. Als Tochtermann von Walter Isenhut nimmt «Johanns von Burron», Burger zu Bern, am 29. Mai 1342 mit seinem Schwiegervater von Johann Schütz ein Gut zu Niederbottigen zu Lehen; am 17. September 1345 erscheint er als Mitglied des Rates. Laut Urkunde vom 23. Juli 1356 hatte er ein Haus und Hofstatt an der Kirchgasse, gegenüber der Leutkirche; auch sonst besass er verschiedene Güter in der Umgebung der Stadt und auch bei Signau. Am St. Valentinsabend des nämlichen Jahres kaufte er von Heinz v. Ringgenberg um 250 ß das (nun abgegangene) Dorf Mörisried in der Parochie Brienz mit voller Herrschaft, Leuten, Twing und Bann etc. Johann scheint mehrere Male verheiratet gewesen zu sein, und zwar zuerst mit einer Johanna Hetzel v. Lindnach, dann mit Anna Isenhut und möglicherweise noch in dritter Ehe mit Elisabeth Gräfli. Von seiner ersten Frau hinterliess er eine an Stephan Watry, Baccalaureus et Artium Magister zu Biel, verheiratete Tochter Margaretha, von der zweiten einen Sohn Johann, und zwei Töchter, Anna, vermählt 1366 mit Arnold Miescher, und Elisabeth, Klosterfrau im Krattiger Schwesternhaus. Dieser jüngere Johann erscheint 1381 als Mitglied des Grossen und 1392 als Mitglied des Kleinen Rates und wird 1434 zum letzten Mal erwähnt; mit seinem Sohn Peter erscheint er um 1407 als Stubengeselle zum Roten Löwen. Ein sehr angesehener und reicher Mann, ging er in den letzten Jahrzehnten des XIV. Jahrhunderts öfters mit andern Ratsmitgliedern für die Stadt Bern namhafte Bürgschaften ein; 1396 kaufte er von Bernhard v. Ligerz die halbe Herrschaft Ligerz und 1399 von der Gräfin Anna v. Kyburg und ihrem Sohne Egon die Burg und Herrschaft Signau mit hohen und niederen Gerichten. Ausserdem besass er neben mehreren Grundstücken in der Stadt von seinem Vater her schon das Dorf und die Herrschaft Mörisried, zu welchem er 1385 durch Kauf Anteil an der Herrschaft Münsingen erwarb; daneben war er endlich noch Herr zu Balm, Bürglen und Tschingel im Oberhasli, letztere drei Ortschaften längst verschwunden infolge von Naturereignissen. Dreimal verheiratet, zuerst mit Nicola Mossu aus Freiburg, gestorben vor 1400, deren Siegelstempel mit den Wappen v. Buren und Mossu (3 Lilien) noch heutzutage im Besitz der Familie ist, dann mit Klara v. Kiental und in dritter Ehe mit Elisabeth R aber, hinterliess er von seiner ersten Gemahlin einen Sohn Peter oder Petermann, sowie zwei reiche Erbtöchter, Clara und Anna. Clara vermählte sich sukzessive mit Ulrich Rieder und Loy v. Diesbach, welchem sie die Herrschaft Signau zubrachte; Anna dagegen zuerst um 1393 mit Conrad Byso von Solothurn, dann um 1415 mit Jakob v. Bolligen. Landvogt nach Aarberg und nach Nidau 1419, gest. 1428, und in dritter Ehe mit Ulrich Amsler; sie selber starb um 1441. Petermann, des Grossen Rates 1411 und 1412 und 1414 Mitglied des Kleinen Rates, wurde in vorgerücktem Alter 1438 Landvogt nach Trachselwald, wo er jedoch schon 1439 starb. Noch zu seinen Lebzeiten hatte ihm sein Vater 1426 schenkungsweise die Herrschaft Signau abgetreten; infolge bald darauf entstandener Differenzen wegen eines mit dieser Schenkung ihm zu Gunsten seiner Schwestern überbundenen Schleisszinses widerrief aber am 30. November 1429 Johann dieselbe und Signau kam in der Folge an seine Schwester Clara. Petermann erscheint mitunter als Junker oder Edelknecht betitelt. Mit Benedicta v. Hürnberg, welche sich 1441 mit Burkard Nägeli wiedervermählte, zeugte er laut Ratsverhandlung vom 2. Dezember 1441 zehn Kinder, von denen aber nicht alle dem Namen nach bekannt sind und die bei ihres Vaters Tod noch minderjährig waren. Von den Töchtern heirateten u. a. Anna um 1444 Anton v. Gysenstein und nachwärts Ludwig Hetzel v. Lindnach, Elisabeth um 1450 Thüring Effinger von Brugg und Jonatha 1454 Heinrich Summerer v. Immenberg aus Aarau, welchem sie die oberländischen Gerichtsbarkeiten ihres Vaters zubrachte. Einer der Söhne ist höchst wahrscheinlich Petermann, des Grossen Rates 1448, zünftig zum Roten Löwen und gestorben 1458, durch seine Frau Christina Seftiger Mitherr zu Seftigen, der nähere Stammvater aller späteren v. Büren in Bern; die Nachkommenschaft seiner Brüder erlosch schon in der folgenden Generation. Er selber hinterliess ebenfalls mehrere Kinder, von denen Ludwig, zünftig zu Kaufleuten und Auszüger dieser Gesellschaft in den Burgunderkriegen, der bekannteste ist. Des Grossen Rates 1474, des Kleinen Rates 1480 und 1497, Kastlan nach Wimmis 1490 und Schultheiss nach Thun 1497, nahm er 1500 gegen das Verbot der bernischen Obrigkeit als Hauptmann am Mailänderzug Ludwigs XII. von Frankreich teil, was zur Folge hatte, dass er mit den andern bernischen Hauptleuten dieses Kriegszuges zu schwerer Geldstrafe verurteilt und seiner sämtlichen Ämter und Würden entsetzt wurde; 1504 wurde er indessen wieder in den Grossen Rat und 1505 in das Amt Thun eingesetzt, 1521 gelangte er auch wiederum in den Kleinen Rat. Von seiner Frau Adelheid oder Alexia Fries aus Freiburg hinterliess Ludwig bei seinem um 1524 erfolgten Tode keine Kinder; das Geschlecht wurde durch seinen Bruder Peter, gest. 1530, des Grossen Rates 1490, Zollherr und Beisitzer am Stadtgericht 1493, Schultheiss nach Büren 1512, vermählt mit Margaretha Seltsach und nachwärts mit Elisabeth v. Weingarten fortgepflanzt. Infolge grosser Kinderzahl nahm gegen Ende des XV. Jahrhunderts der vormalige Reichtum der Familie so bedeutend ab, dass einzelne Mitglieder derselben um diese Zeit das Handwerk ergriffen. Im XVI. Jahrhundert liessen sie es indessen bald wieder fallen; auch schmolz das Geschlecht wieder stark zusammen und blieb bis in die Mitte des XVII. Jahrhunderts meist nur auf einem oder zwei männliche Vertreter beschränkt. Im XVII. Jahrhundert nahm die Familie wieder bedeutend zu. David 1614 - 1659, der jüngste Sohn des Venners Johann 1507 - 1622 und seiner dritten Gemahlin Barbara Wyttenbach, zur Zeit der einzige männliche Vertreter seines Namens, hinterliess von seiner Gemahlin Margaretha v. Bonstetten, Freifrau zu Vaumarcus, zahlreiche Deszendenz. Sein ältester Sohn Johann Karl 1636 - 1719, in seiner Jugend Hofkavalier am pfälzischen Hofe, 1664 des Grossen Rates, Landvogt nach Neuss 1673, mehreremale XVIer zu Metzgern von 1668 - 82, des Kleinen Rates und Venner 1682, 1690, 1702 und 1715, seit 1694 fürstlich neuenburgischer Oberjägermeister, Freiherr zu Vaumarcus, vermählt 1660 mit Dorothea v. Wattenwyl und 1681 mit Dorothea Tillier, ist Stifter der älteren, noch blühenden Hauptlinie. Sein jüngster Sohn Albrecht 1644 - 1685 dagegen, Hauptmann in Frankreich 1675, des Grossen Rates 1680 und Gubernator nach Peterlingen 1684, ist durch seine Gemahlin Benigna de Loys, verh. 1678, Stifter einer jüngeren im Mannesstamme 1808 und im weiblichen Stamme 1837 erloschenen Linie. Beinahe alle Angehörigen des Hauses widmeten sich in Bern der Magistratur; bis zum Untergang von 1798 war die Farmilie fortwährend im Grossen und meistens auch im Kleinen Rate dler Republik vertreten. Bis gegen Ende des XV. Jahrhunderts meist zum Löwen, vereinzelt auch zu Kaufleuten und Schuhmachern zünftig, nahm sie zu Anfang des XVI. Jahrhunderts die Gesellschaft zu Metzgern an, wo sie bis heutzutage verblieben ist und manche ihrer Mitglieder das Venneramt bekleideten; von 1586 - 1715 folgten sich vier Generationen hindurch Sohn auf Vater als Venner zu Metzgern. Auch in fremde Kriegsdienste, namentlich in Frankreich, Holland und Piemont traten mehrere Herren v. Büren und brachten es daselbst zu hohen Offiziersstellen. Im XVII. Jahrhundert versahen einige auch zeitweise Hofstellen an deutschen Fürstenhöfen, so z. B. ausser dem schon angeführten Johann Karl auch seine Brüder Franz, Ludwig 1638 - 1657, Page am churfürstlichen Hof zu Heidelberg 1653, und Viktor, 1641 - 1708, der mit 14 Jahren als Page an den Hof des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel kam und später noch einige Zeit am Hannoveranischen Hof verbrachte. Von den Herrschaften und Gütern, welche das Geschlecht während seines mehr als 500 jährigen Bestandes in Bern besessen hat, sind zu erwähnen die schon früher genannten Herrschaften Balm, Bürglen, Tschingel und Mörisried (seit 1356) im Oberland seit der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts bis ca. 1454, Signau 1399 bis ca. 1434, die halbe Herrschaft Ligerz 1396 und ½ der Herrschaft Münsingen ca. 1436 - 39, sodann die halbe Herrschaft Seftigen seit ca. 1457 - 1798, Twing und Bann zu Dettigen und Illiswyl um 1620, dann namentlich die Freiherrschaft Vaumarcus 1673 bis ca. 1880, Yvonand 1718 bis 1742, Echichens 1777; endlich die Rebgüter Wingreis am Bielersee zu Beginn des XVII. Jahrhunderts und Montbenay 1658 - 1692, ein Landgut zu Worb («Bürenstock») während des XVIII. Jahrhunderts, die Propsteigüter zu Amsoldingen 1782 - 1785, das Schlössligut zu Kirchdorf 1789 - 99, das Gut « Le Cloitre» zu Aelen 1758-1807, das Längmoos 1798 - 1836 u. a. mehr. Heutiger Grundbesitz: Mehrere städtische Grundstücke und Villen, das Schloss Denens in der VVaadt seit 1803, ein Landgut in der Schosshalde seit 1758, der Sandrain seit Anfang des XVIII. Jahrhunderts, das Rebgut Maison jaune in Cully, die Alp Rauchgrat im Emmental. Der schon genannte David 1614 - 1659, des Grossen Rates 1635, Grossweibel 1637, Landvogt, nach Romainmotier 1640, des Kleinen Rates 1649 und 1657, Landvogt nach Lausanne 1650 und Venner zu Metzgern 1658, wurde 1659, kurz vor seinem Tode, mit seiner ganzen Deszendenz unter «Besserung» seines Wappens von Kaiser Leopold in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben; das Diplom selber wurde indessen erst 10 Jahre später, am 20. Mai 1669 zu Wien ausgefertigt und seinen Söhnen ausgehändigt. In Bern wurde der Familie um 1651 im amtlichen Kanzleistile das Praädikat «vest» zugesprochen. Besonders hervorzuheben sind namentlich Albrecht 1719 - 1798, trat 1736 als Fähnrich im Regiment von Goldenberg in kaiserliche Dienste und im folgenden Jahre in sardinische, wo er als Hauptmann im Bernerregiment Diesbach den Feldzügen von 1742 - 1748 beiwohnte und 1746 bei der Belagerung von Valence verwundet wurde, Oberstkommandant und Brigadier des Regiments Tscharner 1776, nahm 178l den Abschied und wurde in der Folge Hofmeister von Königsfeldeu, nachdem er schon 1755 in den Grossen Rat gelangt war; Ludwig 1735 - 1806, trat 1751 als Fähnrich in das Regiment Jenner in französische Dienste, focht als Hauptmann und Aidemajor im 7jährigen Krieg, Hauptmann im Regiment v. Erlach 1763, Ritter des Ordens pour le merite militaire 1776, Major 1780, erhielt anlässlich einer Feuersbrunst, die dank seinem umsichtigen Eingreifen eingedämpft werden konnte, von der Stadt Marseille ein heute im historischen Museum zu Bern deponiertes Porzellanservice, quittierte 1788 und wurde 179o letzter bernischer Landvogt nach Lausanne, erhielt 1798 mit dem Rang eines Generalmajors das Kommando über ein nach Solothurn und zur Verteidigung des Jura abgesandtes Hülfskorps, das aber mit der Kapitulation Solothurns aufgelöst wurde; endlich seiu Enkel Rudolf Otto 1822 - 1888, langjähriger Stadtpräsident von Bern 1864 - 18S7 , Grossrat, Nationalrat 1864 - 1884 und eidgen. Oberst 1875 und Freund und Förderer philanthropischer und religiöser Bestrebungen, reiste im September 1870 mit Dr. Römer von Zürich und Stadtschreiber BischotT von Basel in das belagerte Strassburg, wo er für etwa 1000 Personen den Auszug in die Schweiz erwirken konnte. Das Wappen der Familie war vom XIV. Jahrhundert an in rot 3 - manchmal goldene, manchmal silberne - Bienen- körbe (2, 1), die Helmzier ein roter Halbflug mit Wiederholung der Schildfigur, als Schildhalter erscheinen manchmal zwei goldene Löwen. Im Freiherrendiplom, welches 1659 resp. 1669 dem Venner David erteilt wurde, wurde das Wappen der Familie dahin «gebessert», dass der Schild mit einem silbernen Kunde umgeben und zwei gekrönte Helme verliehen wurden, rechts mit der alten Helmzier und rot-silberner Decke, links über mit einem roten Spitzhut mit goldenem Knopf, woraus drei weisse Straussenfedern hervorwachsen, und mit einem roten, weiss ausgeschlagenen Mantel als Helmdecke. Vom XVII. Jahrhundert an sind die Bienenkörbe stets silbern. Im XVIII. Jahrhundert wurde das Wappen hin und wieder mit demjenigen der Herrschaft Seftigen ecarteliert, nämlich in rot eine ge- schweifte silberne Spitze mit einer silbernen Rose besteckt. Literatur: R. de Steiger, les generaux bernois, Bern 1864; Berner Taschenbuch von 1853; «Reben am Weinstock von Oberst Otto v. Büren», von Samuel Oettli (Basel 1890). (Info: SGB) | VON BÜREN, Stammlinie (I29828)
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| 3613 | Ratsgeschlecht des Freistaates Bern. Eintritt in das bernische Bürgerrecht um 1460 (1428?). Grosser Rat 1468. Kleiner Rat 1517. Geschichtliches. Der Familienname «von Werd», «von Werde», «von Wert» und «von Wehrt» erscheint zu Bern schon zu Anfang des XV. Jahrhunderts; jedoch ist ein Zusammenhang der Träger desselben mit dem heutigen von Werdt nicht nachweisbar. Die Schreibart «Werdt» ist von der hier in Betracht fallenden Familie erst vom XVIII. Jahrhundert an allgemein adoptiert worden; früher schrieb sie sich unterschiedslos «Werd», «Wert», «Wehrt» und namentlich «Werth». Die meisten älteren Genealogien lassen die von Werdt von den schon im XIII. Jahrhundert urkundlich vorkommenden Werdthöfen in der Pfarrei Kappelen, Amtsbezirk Aarberg, herstammen. Diese Gehöfte erscheinen aber niemals in irgendwelchem Zusammenhang mit der Familie; auch scheint der 1507 verstorbene erweisliche Stammvater derselben, Hans von Wert, in keinerlei verwandtschaftlichem Verhältnis zu den schon früher in Bern vorkommenden Trägern dieses Namens gestanden zu sein. Ein Cuno von Werde findet sich um 1400 als Hausbesitzer an der Spitalgasse, 1408 als Mitglied des Gerichts und 1414 als Mitglied des Grossen Rates der CC. 1428 wurde Clewi von Werd aus Diesbach bei Büren zum Ausburger angenommen; seinen Udel hatte er auf dem Rathaus. Mit Hans, seinem Bruder und Hemma Lobsinger, ihrer Mutter, kauft er 1432 einen Bodenzins zu Biel; mit Greda, seiner Frau, verteilt er 1448 225 ₣ und wohnt an der Herrengasse schattenhalb, im nämlichen Jahre wurde er Tuchmesser. Nach seinem wahrscheinlich um 1452 erfolgten Tode vermählte sich seine Witwe mit Bartlome Küng, der 1458 mit Hans und Ludwig v. W., seinen Stiefkindern, als Bewohner des Hauses von Clewi v. W. an der Herrengasse erscheint. Dieser jüngere Hans, 1473 noch minderjährig, war 1475 auf Zimmerleuten zünftig. Gleichzeitig mit ihm erscheint aber zu Bern noch ein zweiter Hans v. Werd, der 1468 und 1469 als Clewi Brunners Tochtermann unter den Mitgliedern des Grossen Rates figuriert; möglicherweise ist es der nämliche, der schon 1455 als Hans von Werd in dieser Behörde sass, oder dann der Hensli von Werth, der 1466 in des Venners Niklaus von Wattenwyls Viertel Mitglied der CC. war. Als Auszüger von Obergerwern nahm dieser zweite Hans v. W. 1475 an den Burgunderkriegen Teil. Staatsschreiber Moritz v. Stürler vermutet, dass dieser auf Obergerwern zünftige und das Gerberhandwerk betreibende Hans v. W., auf den sich die Stammfolge der nachmaligen von Werdt mit Sicherheit zurückführen lässt, aus Donauwörth nach Bern gekommen sei; am Montag nach Georg 1478 schrieben nämlich M. H. an Burgermeister und Räte zu Werd «Hans v. Werd well herin ander min Herren ziechen, dass si im dann eins abzugs gestatten und in mit den Sinen ziechen lassen» (R. M. No. 24 pag» 47). Das Vorhandensein eines Burgermeisters und Rates lässt sich zu dieser Zeit in keinem andern «Werd» oder «Wörth» als Donauwörth nachweisen, und es hat den Anschein, dass Hans von W. schon längere Zeit zu Bern angesessen und verburgert, sich nun mittelst dieses Briefes von 1478 definitiv von seiner Heimat Donauwörth lossagte. Vollständige Gewissheit wird über diesen Punkt freilich kaum jemals zu erlangen sein; zudem ist es natürlich nicht möglich, alle die im XV. Jahrhundert zu Bern lebenden Hans von Werd oder Wert stets genau auseinanderzuhalten. Wie schon erwähnt, ist der auf Obergerwern zünftige Träger dieses Namens der erwiesene Stammvater der heutigen v. Werdt. Bei seinem um 1507 erfolgten Tode hinterliess er zwei Söhne, Peter und Ludwig und eine Tochter Margareta. Diese letztere gehörte dem geistlichen Stande an und war Klosterfrau im Bröwenhaus, ebenso ihr Bruder Ludwig, der 1505 Kaplan des St. Vincenzenstifts wurde. Peter dagegen gelangte 1504 in den Grossen und 1517 in den Kleinen Rat, wurde im gleichen Jahre Kastlan nach Zweisimmen, 1523 wieder des Kleinen Rates, 1530 Vorsteher des Ehegerichts, 1544 Kirchmeier vom Rat und 1515 Böspfenniger. Ein angesehener Mann und eifriger Verfechter und Förderer der Reformation, wurde er von Bern zu verschiedenen Gesandtschaften und Missionen gebraucht, so am 30. Januar 1528 nach Zürich und 1533 nach Solothurn, das erstere Mal um mit Hans Rudolf v. Erlach den Reformator Zwingli nach der Bernerdisputation heimzugeleiten. Dreimal verheiratet, zuerst mit Debora Güder, 1508 mit Barbara v. Graffenried und in hohem Alter 1544 noch mit Katharina Löffler, hinterliess er 1550 bei seinem Tode zahlreiche Deszendenz. Sein ältester Sohn Vinzenz, des Grossen Rates 1511, Böspfenniger 1524, Klostervogt nach Trub 1531, Mushafenschaffner 1535 und in der Folge mehrmals XVIer zu Gerwern, vermählte sich mit Dorothea Goldschläger; seine Söhne verstarben aber alle jung. Der zweite Sohn Johann, Hauptmann in den Mailänderzügen 1513, des Grossen Rates 1526 und Kaufhausknecht 1534, gest. um 1539, hinterliess von Anna Kuttler Deszendenz, die aber schon mit seinen Enkeln in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts ausstarb. Peter dagegen, des Grossen Rates 1531, Deputierter nach Freiburg 1535. Böspfenniger 1536, Landvogt nach Fraubrunnen 1540 und gestorben 1542, vermählt 1530 mit Anna Trechsel und nachmals mit Barbara v. Weingarten ist durch seine 3 Söhne Lienhard, Peter und Niklaus der gemeinsame Stammvater der drei im XVII. und XVIII. Jahrhundert überaus verzweigten Hauptlinien des Geschlechts, die aber heutzutage bis auf die älteste ausgestorben sind. Lienhard 1531 - 1587, des Grossen Rates 1559, Teutschweinschenk 1565, Stiftschaffner nach Zofingen 1571, des Kleinen Rates 1579 und Gesandter nach Savoyen 1580, vermählt 1556 mit Elisabeth Fruting und 1565 mit Sara Noll stiftete durch seine 3 Söhne Lienhard, Jakob und Daniel wiederum drei Linien der älteren Hauptlinie. Jakobs (1573 - 1625) des Grossen Rates 1624, Spitalmeister nach Neuenstadt, Deszendenz erlosch erst 1837 mit Johann Friedrich, Gutsbesitzer zu Winterswyl, diejenige von Daniel (1575 - 1635), des Grossen Rates 1604, Landvogt nach Frienisberg 1611, nach Schenkenberg 1620 und des Kleinen Rates 1629, schon 1750 im Mannesstamm. Lienhard (II) 1557 - 1627, des Grossen Rates 1591, Landvogt nach Thorberg 1600, vermählt 1578 mit Lukretia Tillier, 1607 mit Susanne Weyermann und 1615 mit Verena Horner ist durch seinen fünften Sohn Abraham 1594 - 1061, Venner und Teutschseckelmeister (s.u.) der nähere Stammvater der einzig noch blühenden nachmaligen Linie von Toffen. Peter, 1532 - 1608, der zweite Sohn des gleichnamigen 1542 verstorbenen Landvogtes nach Fraubrunnen, ein Gerber von Beruf, des Grossen Rates 1552, Vogt nach Aarburg 1557, Grossweibel 1504, Kastlan nach Zweisimmen und des Kleinen Rates 1505, Landvogt nach Interlaken 1570 und endlich noch nach Fraubrunnen 1582 und wieder des Kleinen Rates 1583, Besitzer des Hofes Heimhausen und ein sehr bemittelter Mann, vermählte sich 1551 mit Barbara Mahler und 1573 mit Barbara Tillmann. Seine zwei Söhne Peter 1553 - 1641, Venner zu Gerwern 1015 (s.u.) und Bernhard 1574 - 1643, Landvogt nach Tscherlitz 1598, des Kleinen Rates 1606, Gubernator nach Aelen 1609 stifteten wieder zwei Linien, von denen die Peter'sche erst Anfangs des XIX. Jahrhunderts, die Bernhard'sche aber schon um 1700 ausstarb. Ein Urenkel des Venners Peter aus seiner dritten Ehe mit Christina Kummli, Albrecht 1669 - 1740, seines Berufs Bohrer und Zeugschmied, liess sich um 1705 zu Halberstadt nieder, wo er sich 1702 mit Anna Martha Hohmann aus Hessen-Kassel verheiratete. Seine Nachkommenschaft verblieb in Halberstadt und Quedlinburg, wo sie wahrend mehreren Generationen das Sägeschmiedhandwerk betrieb, 1825 aber mit Albrechts Urenkel Heinrich Ludwig, zweiter Leutnant im zweiten Landwehrregiment in Preussen, ausgestorben zu sein scheint. Niklaus endlich, der jüngste Sohn Peters und der Anna Trechsel, geb. 1537, des Grossen Rates 1565, gest. 1581, vermählt 1561 mit Eva Meyer und nachmals mit Anna Stürler, ist durch seine zwei Söhne Niklaus 1575 - 1628, des Grossen Rates 1612 und Mushafenschaffner 1622, und Bartlome 1578 - 16.. , ebenfalls Stammvater zweier Linien, die um 1800 und 1762 ausstarben. Während des ganzen XVI. und in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts waren alle Linien der sich um diese Zeit immer mehr ausbreitenden Familie stets sowohl im Grossen als auch im Kleinen Rate vertreten; sehr viele ihrer Mitglieder betrieben damals das Gerberhandwerk und gelangten dadurch teilweise zu grossem Wohlstand. Von der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts an gelangte aber mit Ausnahme der älteren Hauptlinie, speziell der Linie von Toffen, keine mehr in die Regierung; ihre Mitglieder gehörten bis zum Erlöschen dieser Linien durchwegs dem Handwerker- und Gewerbestande an, einige ergriffen auch den Pfarrdienst. Die Linie von Toffen dagegen liess das Gewerbe gänzlich fallen und nahm überhaupt von Anfang an eine viel höhere Stellung als die andern ein; schon im XVII. und im XVIII. Jahrhundert wurde sie im Auslande als adelig anerkannt. Bis zur Staatsumwälzung von 1798 sassen ihre Angehörigen ununterbrochen im Grossen, zu mehreren Malen auch im Kleinen Rate der Republik; beinahe alle widmeten sich der Magistratur oder traten in fremde Kriegsdienste, so namentlich in französische, holländische und piemontesische. Der eigentliche Begründer dieser Linie ist der schon früher angeführte Abraham, geb. 1594, des Grossen Rates 1621, Böspfenniger 1629, Landvogt nach Aarwangen 1630, des Kleinen Rates 1637, Schultheiss nach Thun 1644 und Venner zu Gerwern im gleichen Jahre und nochmals 1659, gelangte er 1648 zur Würde eines Teutschseckelmeisters, der zweithöchsten in der Republik, welche er seit 1664 ebenfalls wieder bis zu seinem 1671 erfolgten Tode bekleidete. Ein kluger und sehr angesehener Staatsmann, wurde er von seiner Obrigkeit zu den verschiedensten Missionen gebraucht; am 2. Mai 1651 kam er mit dem Venner Anton v. Graffenried in die Schultheissenwahl. unterlag aber diesem gegenüber mit 58 Regen 60 Stimmen. Bei seinem Tode hinterliess er ein glänzendes Vermögen und zahlreiche Deszendenz, In erster Ehe hatte er sich 1614 mit Anna Knoblauch vermählt, einziger Tochter Ludwig Knoblauch's, gebürtig aus Hagenau im Unterelsass, Burger, Spitalvogt und Seckelmeister zu Thun und durch Kauf von Johanna Stürler geb. May seit 1629 Herr zu Toffen. Diese seine erste Frau starb aber schon 1625 und nach dem 1612 erfolgten Ableben ihres Vaters ging Schloss und Herrschaft Toffen direkt an ihren Sohn Hans Georg v. W. über, in dessen Deszendenz es sich von Vater auf Sohn bis heutigen Tages fortvererbt hat. Von seiner zweiten Gemahlin Barbara Lyoth aus Burgdorf, vermählt 1627, hinterliess Abraham v. W. keine Kinder, wohl aber wieder von seiner dritten, Elisabeth Andreae aus Heidelberg, Gabriel v. Luternaus Witwe, die er 1629 geheiratet hatte; nach ihrem Tode vermählte er sich 1666 noch zum vierten Male mit Johanna v. Ernau, Johann Rudolf v. Hallwyls Witwe, die sich ihrerseits in dritter Ehe am 8. September 1671 mit dem Schultheissen Anton v. Graffenried, dem ehemaligen Rivalen ihres zweiten Gemahles in der Schultheissenwahl, wiedervermählte. Abrahams ältester Sohn erster Ehe, der schon genannte Hans Georg 1617 - 1657, Herr zu Toffen seit 1612 und des Grossen Rates 1615, vermählt 1639 mit Margaretha Tscharner stiftete den ältesten, heute noch blühenden Ast dieser Linie; sein zweiter Sohn Abraham 1621 - 1667, Zollherr 1660 und Landvogt nach Frienisberg 1667 gründete einen zweiten, mit seinem jüngsten Sohne Franz Ludwig geb. 1666, Schultheissen nach Thun 1710, im Mannesstamm schon 1715 erloschenen Ast, und sein jüngster Sohn (aus dritter Ehe) endlich, Johann Rudolf 1633 - 1680, «Twingherr» zu Heimhusen, vermählt I. 1657 mit Maria Zehender, II. 1669 mit Johanna Katharina v. Luternau, einen erst 1863 im Mannesstamme und 1906 mit Margaretha Rosina Julia v. W. vollständig erloschenen Ast. Von Grundbesitz der Familie ist ausser Toffen noch namentlich anzuführen: Schloss und Herrschaft Kirchdorf 1639 - 1658, der Hof zu Heimhusen (in zwei verschiedenen Linien) ca. 1612 bis 1680, ein Landgut zu Zimmerwald ca. 1611 - 1671, die Mettlen bei Muri um 1805, ein Gut zu Ins um 1600, ein Landgut zu Yvonand um 1790 und im XIX. Jahrhundert die Lindenburg bei Bolligen und das Längmoos bei Mühledorf 1836 - 1878. Besonderer Erwähnung verdienen noch aus dem Geschlecht Friedrich Johann Rudolf (aus dem jüngsten Ast von Toffen) 1671 - 1737, des Grossen Rates 1701, Schultheiss nach Thun 1716, des Kleinen Rates 1724, Venner zu Gerwern 1729 und Teutschseckelmeister 1732; Georg Samuel 1710 - 1792, Herr zu Toffen, in seiner Jugend am lothringischen Hofe zu Nancy und an der Akademie für Edelleute zu Luneville, des Grossen Rates 1745, Landvogt nach Vivis 1752, des Kleinen Rates 1769, Böspfenniger 1771 und Salzdirektor vom Rat 1778, namentlich bekannt als Verfasser einer unter dem Titel «Lebensbeschreibung Johannes Justingers, eines Bernerischen Patricii», 1785 zu Berlin gedruckten Selbstbiographie, ein Mann von vielen Witzen und Talenten; sein Enkel Sigmund Rudolf, geb. 1781, Offizier in der Legion von Roverea, der am 18. September 1802 bei der Einnahme von Bern durch die Bernertruppen am untern Tor durch einen Schuss von Seite der helvetischen Truppen als einziges Opfer dieses sogenannten «Stecklikrieges» erst 21 Jahre alt seinen Tod fand. Als Genealogen sind endlich noch hervorzuheben Peter 1553 - 1641, ein Gerber, des Grossen Rates 1597, Rathausammann 1601, Kastlan nach Zweisimmen 1604, des Kleinen Rates 1612 und Venner zu Gerwern 1615, 1623, 1629 und 1639, Verfasser eines «Burgerbuches», und namentlich Samuel 1735 - 1796 (aus der zweiten Linie der ältesten Hauptlinie), Pfarrer zu Büren 1766 - 1776 und zu Muri 1776 bis zu seinem Tode, Verfasser der in zwei Foliobänden auf der Stadtbibliothek in Bern aufbewahrten handschriftlichen Genealogien aller bürgerlichen Geschlechter Berns, die alle bisherigen derartigen Arbeiten an Vollständigkeit und Genauigkeit weit übertreffen. Im XIX. und XX. Jahrhundert wandte sich die Familie akademischen Berufen zu und brachte mehrere Eisenbahningenieure, darunter den Nationalrat Friedrich Karl Georg, und mit Nicolas (geb. 1959), ab 2008 einen Bundesrichter hervor. Das Wappen der Familie war bis ins XVII. Jahrhundert in blau eine silberne aufrechtstehende Pflugschar oder Lanzenspitze (oft von einem Gerbermesser überhöht); seit der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts führte die Linie von Toffen - und im XVIII. Jahrhundert folgten auch die nun ausgestorbenen Linien ihrem Beispiel - eine silberne aufrechte Lanzenspitze in blauem goldgerandetem Schild. Die Helmzier ist ein wachsender wilder Mann, in der rechten Hand die Lanzenspitze oder eine Keule haltend. Schildhalter: zwei wilde Männer. Unterm 15. Oktober 1897 und 18. Januar 1898 wurde der Familie die Genehmigung erteilt, sich in Österreich des Freiherrentitels zu bedienen. Zunftangehörigkeit: Obergerwern; von den ausgestorbenen Linien waren einige auch auf Möhren und Zimmerleuten zünftig. Literatur: Bernertaschenbuch von 1853; ferner auch v. Mülinen, Heimatkunde des Kantons Bern (Artikel «Toffen»). (Info:SGB) | VON WERDT, Stammlinie (I41030)
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| 3614 | Ratsherrengeschlecht der Stadt Schaffhausen. Die W. kommen in den Quellen des 14. Jh. nur unter ihrer Berufsbezeichnung Goldschmied vor. In der Schaffhauser Chronik von Laurenz (->) wird Ulrich als Stammvater genannt, der am 9.4.1388 in der Schlacht bei Näfels mit anderen Schaffhausern gefallen sein soll. Es kann aber auch der 1375-1404 in den Frevelbüchern und Steuerregistern aufgeführte Hans Goldschmied als Stammvater angenommen werden. Erst Konrad ist 1418-47 belegt. Sein Sohn Hans (->) wurde 1467-75 als Erster seines Geschlechts Schaffhauser Bürgermeister. Ihm folgten sein Sohn Konrad (->) und sein Enkel Hans (->) im Amt. Der jüngere Konrad erhielt 1487 von Ks. Friedrich III. einen Wappenbrief, seither führen die W. das Adelsprädikat. Die Fam. gehört seit dem 15. Jh. der Gesellschaft zun Kaufleuten an und stellte mehrere Obherren. Mit vier Söhnen des jüngeren Hans teilte sich die Fam. in vier Linien: Aus der Linie Onophrions (1540-73) gingen der bereits genannte Laurenz, mehrere Buchdrucker, so Konrad (->), und die Basler W. mit dem Juristen Johann Rudolf (->) hervor. Konrads Nachkommen gründeten auch einen bad. Zweig, dessen Mitglieder z.T. in den Adelsstand erhoben wurden und der noch fortlebt. Von Christoph (->) ging die ebenfalls noch existierende, weitverzweigte zweite Linie aus. Begründer der dritten, kath. Linie war Philipp (vor 1575), Schaffhauser Amtmann des Klosters St. Blasien, dessen Nachkommen 1877 im Mannesstamm ausstarben. Die vierte Linie von Hans Ludwig (1540) ist wenig erforscht. Hans (1579), der fünfte, kinderlos gebliebene Sohn des jüngeren Hans, liess die Fassade seines Hauses Zum Ritter 1570 durch Tobias Stimmer mit Fresken schmücken. Nach 1798 stellte die Fam. noch zwei Bürgermeister, nämlich Johann Ulrich (->) und Ferdinand (->). Ferdinands Sohn Arnold Jakob (1827-1902) war 1859-72 Schaffhauser Regierungsrat. | VON WALDKIRCH, Konrad (I32608)
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| 3615 | Raymund Fugger wurde am 24. Oktober 1489 als zweiter Sohn von Georg Fugger geboren. Nachdem sein Vater 1506 gestorben war, sorgte wohl Jakob Fugger für die Ausbildung von Raymund. Vom Herbst 1509 bis 1510 vertrat Raymund seinen Onkel in finanzpolitischen Angelegenheiten am Hoflager Kaiser Maximilians. Zwischen Februar und Mai 1511 agierte Raymund Fugger anscheinend als Vertreter auf einem Gesandtenkongress in Mantua und verweilte danach bei Papst Julius II. Am 30. Dezember 1512 setzte Jakob Fugger ein Testament auf, laut dem nach seinem Tode erst Ulrich Fugger der Jüngere und danach Raymund Fugger den Handel leiten sollten. Auch in einem gleichzeitig über die ungarischen Bergwerke und die liegenden Güter geschlossenen Sondervertrag nannte Jakob Fugger Ulrich und Raymund an bevorzugter Stelle. Raymund und sein Bruder Anton erhielten damals zusammen ein Drittel an liegenden Gütern der Handelsgesellschaft. Die nächste Station im Leben von Raymund Fugger war Krakau, ein wichtiger Handelsplatz der Fugger und Thurzo. Am 16. Januar 1513 schloss Raymund Fugger seine Ehe mit Katherina Thurzo. Jakob Fugger dachte Raymund Fugger zunächst die Aufgabe zu, vor Ort in Krakau das gemeinsame Unternehmen Fugger-Thurzo zu kontrollieren. Raymund Fugger stimmte dem zu, kaufte jedoch zusammen mit seinem Vetter Ulrich die Herrschaft Biberbach und ließ sich – wie aus den Steuerbüchern hervorgeht – spätestens 1515 in Augsburg nieder. Seine Frau blieb anscheinend noch in Krakau, denn sein zweiter Sohn ist 1516 zu Krakau geboren und im selben Jahr dort gestorben. Während der folgenden Jahre unternahm Raymund Fugger noch mehrmals Reisen im Dienste der Handelsgesellschaft. Eine schwierige Aufgabe unterlag ihm, als er 1522/23 die Fuggersche Handelsgesellschaft im Monopolienstreit in Nürnberg zu vertreten hatte. Die an die Existenz des Unternehmens greifende Lage konnte aber gemeistert werden. Gräfliches Wappen der Fugger, gemäß kaiserlicher Erlaubnis von 1530 wurde das bisherige Wappen standesgemäß vermehrt mit den Symbolen der Grafschaft Kirchberg und der Herrschaft Weißenhorn Ehefrau Katharina Thurzo Am 22. Dezember 1525 änderte Jakob Fugger sein Testament. Da sein Neffe Hieronymus Fugger sich aus den Handelsangelegenheiten zurückgezogen hatte, sollten Raymund Fugger und sein Bruder Anton Fugger nach Jakob Fuggers Tod Leiter des Unternehmens werden und bei der Gewinnabrechnung bevorzugt werden. Jakob Fugger starb acht Tage später. Auf Grund der finanzpolitischen Verbindungen der Fugger zu dem Haus Habsburg empfing Raymund am 25. April 1526 von Karl V. die Ernennung zum Kaiserlichen Rat und die Befreiung vom Hofgericht zu Rottweil, von den Westfälischen und anderen Gerichten. Am 30. Juni beurkundete Karl V. für Raymund und seine Miterben ferner auch die Bestätigung des Besitzes von Kirchberg, Weißenhorn, Wullenstetten und Biberbach (Schwaben). Beim Einzug von Karl V. im Reichstag in Augsburg am 15. Juni 1530 war Raymund zugegen. Am 14. November erteilte Karl V. den Fuggern die Berechtigung zu standesgemäßer Änderung oder Mehrung ihres bisherigen Wappens. Am 1. März 1534 verlieh Karl V. den Fuggern das Münzrecht. Am 20. Juni 1535 erließ König Ferdinand I. aus Wien ein Privileg, wonach die Fugger sich Grafen zu Kirchberg, Weißenhorn und Marstetten nennen durften. Am 24. Juni 1535 wurde Raymund auch in den ungarischen Adelsstand erhoben. Am 3. Dezember 1535 starb Raymund Fugger in Gegenwart seiner Ärzte an einem Schlaganfall. Nach der Fuggerchronik war Raymund Fugger „eine schöne lange und lustige Person, stark von Leib und Gemüht“. Bei ihm wird aber auch ein zu Jähzorn und Derbheit neigendes Temperament deutlich. Körper und Wesen waren von Krankheit geprägt und wechselseitig bestimmt. Schon auf Bildnissen aus seiner Jugend (u. a. von Holbein) erscheint er ungesund. Durch die Krankheiten verlor er früh seine Jugendlichkeit. Diese Anfälligkeit für Krankheiten ließ ihn auch nur ein Alter von 46 Jahren erreichen. Diese körperliche Konstitution schränkte ihn auch bei seinen Handelsreisen ein. Die Hemmung praktischer Fähigkeit und Energie ließ ihn immer mehr das Interesse am Handel verlieren. Diese eher negativen Seiten Raymund Fuggers wurden aber durch positive aufgewogen. Er beteiligte sich an der Gestaltung Augsburgs sowie an der seiner Besitztümer. Im Bewusstsein sozialer Verantwortung wollte er mit dem Schloßbau von Mickhausen Not leidenden Arbeitskräften und Handwerkern Verdienst schaffen. Mit herzhafter Neigung war Raymund Fugger den Künsten und Künstlern zugetan. Er war nicht nur ein Sammler, sondern ausgesprochener Kunstkenner. Dass es von Raymund Fugger viele und künstlerisch anspruchsvolle Bildnismedaillen gibt, bezeugt eine besondere Neigung zu diesem eigenen Objekt des Kunstgenusses, des Sammler- und Schenkerfreude des gebildeten Renaissancemenschen. Sein Augsburger Anwesen erschien Beatus Rhenanus ebenbürtig mit dem Garten König Franz I. Sein Verhältnis zu Kunst und Künstlern verband sich mit den allgemeinen Interessen Raymund Fuggers. Während Jakob der Reiche zum Humanismus und gegenüber wissenschaftlichen Bestrebungen und Neigungen eher zurückhaltend war, wird bei Raymund eine weite Aufgeschlossenheit und offene Anteilnahme deutlich. Zu den humanistischen Gesinnungsgenossen und Freunden Raymund Fuggers gehörten unter anderen Beatus Rhenanus, Erasmus von Rotterdam und Philipp Melanchthon. Sein Interesse an Geschichte (vor allem die seiner eigenen Familie) und seine Beziehungen zu Schriftstellern spiegelten sich in einer großen Bibliothek wider. Im Vordergrund seines Interesses stand aber die römische und griechische Antike. Raymund Fugger förderte wissenschaftliche Studien aller Art und beteiligte sich an historischen Forschungen. Raymund konnte die weiten Beziehungen des fuggerschen Handelns dem Sammeln und seinen wissenschaftlichen Interessen nutzbar machen. Unter den von ihm gesammelten Werken mögen manche gewesen sein, die erstmals einen Hauch echter Antike in den Norden trugen. Auch auf die zeitgenössische Kunst der Renaissance sind vermutlich Anregungen übergegangen. Kunstbesitz Im Hause Raymund Fugger finden wir erstmals das Phänomen des eigentlichen Kunstsammlers und historischen eingestellten Kenners vor. Raymund Fuggers Kunstbesitz und Sammlungen sind längst verstreut und größtenteils verschollen. Für die Gesamtanschauung kommt uns allerdings die Schilderung des Beatus Rhenanus zu Hilfe, der 1530 Raymund Fuggers Sitz in der Kleesattlergasse besichtigen durfte. (Es ist zu bemerken, dass der genaue Inhalt der Kunstsammlung heute nicht mehr nachzuvollziehen ist. Alle Hinweise auf den Inhalt ergeben sich aus den Texten von Beatus Rhenanus und aus einigen Inventurlisten von Erbschaften die aber, wahrscheinlich aus mangelndem Wissen, äußerst ungenau und unvollständig sind.) Von den Gemälden im Haus Raymund Fuggers hat Beatus Rhenanus vor allem die italienischen Bilder hervorgehoben. Dabei wird man vor allem an Werke venezianischer Maler denken dürfen. Bekannt ist aber nur ein einzelnes Bild das von Vincenzo Catena geschaffene Bildnis Raymund Fuggers selbst. Besonders zahlreich fand Beatus Renanus die Gemälde Lucas Cranachs vertreten. Die Verbindung mit dem sächsischen Hofmaler von Wittenberg ist eine in der Augsburger Kunstgeschichte auffallende Erscheinung. Vielleicht ist die Beziehung in Raymund Fuggers Krakauer Zeit angeknüpft worden. Nicht ausgeschlossen ist es, dass Cranach auch schon anlässlich des Reichstages 1530 in Augsburg weilte. Die Sammlung umfassten auch verschiedene Bücher. Unter anderem ein illuminiertes Gebetbuch dessen Gebete nicht für einen Kleriker, sondern für einen Laien formuliert wurden, und zwar mit den hohen Ansprüchen humanistischer Bildung. Das Hauptinteresse Raymund Fuggers war die Antikensammlung. Raymund hat zum Ausbau seiner Sammlung keine Kosten gescheut. Die auf seinem Anwesen in der Kleesattlergasse verwahrten Monumente waren aus der ganzen Welt zusammengebracht. Hauptsächlich aus Griechenland und Sizilien (Unteritalien). Die aus Griechenland erworbenen Kunstwerke dürften mit der Fuggerschen Handelsgesellschaft über Venedig nach Augsburg gekommen sein. Beatus Rhenanus beschrieb unter anderem „Eine bekleidete, tänzelnd schreitende Figur, in der erhobenen Rechten ein Gefäß in Tierform haltend, in der linken eine kleine Schale mit einem Löwenkopf;“ und „ein nackter Krieger mit Helm, in den Händen zwei Schlangen haltend“. Die Sammlung darf man sich keineswegs wie ein heutiges Museum vorstellen. So wurden die meisten Kunstwerke in gewisser Ordnung doch keineswegs museal aufgestellt waren. Die Kunstwerke verteilten sich durch das ganze Haus sowie eventuell auch durch den Garten. Neben Skulpturen sammelte Raymund Fugger auch antike Bildnismünzen. Er ließ auch Münzen von sich selber herstellen. Mit dem, was er für Künste, Künstler, Wissenschaften und Gelehrte geleistet hat, gehört er zu den bedeutsamsten Gestalten der Renaissance. | FUGGER, Raymond (I46335)
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| 3616 | Rechtskundiger, Liedersammler. Sohn des RÜDIGER I. (1224 erw., gestorben 1253). RÜDIGER II. ist 1240 Zürcher Reichsvogt, ab 1264 als Ratsherr, ab 1268 als Ritter genannt. 1278-1303 führte er den Herbstrat und prägte das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben Zürichs jahrzehntelang wesentlich mit. Diverse Berufungen als Schiedsrichter und Bürge sowie Beurkundungen von Rechtsgeschäften z.T. in seinem Haus zeugen von seinem hohen Ansehen. M.s jurist. Engagement belegt auch eine von ihm veranlasste Handschrift des SCHWABENSPIEGELS; ebenso dürfte er die Neufassung des Zürcher RICHTEBRIEFS von 1304 massgeblich beeinflusst haben. Am berühmtesten wurde M. aber als Initiant einer ehrgeizigen Minneliedersammlung, aus der die MANESS. HANDSCHRIFT - CODEX MANESSE - hervorgegangen ist. Eingebürgert --> Ratsherr 1264 in Zürich, Zürich, ZH, CHE --> Rats von Rittern 1268 in Zürich, Zürich, ZH, CHE --> Aufseher über die Münze 1272 in Zürich, Zürich, ZH, CHE | MANESSE, Rüdiger II. (I7882)
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| 3617 | Recke ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Grafschaft Mark. Die Herren von der Recke, auch von der Reck, gehören zum westfälischen Uradel. Die Angehörigen des Geschlechts sind in einem Familienverband organisiert. Das Geschlecht wird mit dem Ministerialen Bernhardus de Reke im Jahr 1265 erstmals urkundlich erwähnt. 1320 wird Adolf von der Recke als Schildknappe der Grafen von der Mark genannt und in den nächsten Jahren noch weitere Namensträger des Geschlechts als Burgmannen der Grafschaft Mark urkundenmäßig bestätigt. Die Herren von der Recke waren in Kamen ansässig und in der Umgebung finden sich auch die ältesten Reckschen Besitzungen. Allerdings ist das Haus Reck nicht der Stammsitz des Geschlechts gewesen, denn es hieß ursprünglich zur Heide und erhielt erst später nach dem Besitzergeschlecht den Namen Reck. In dieser Gegend bildeten sich auch die beiden großen Linien Heeren und Reck, die sich wiederum in viele Zweiglinien aufspalteten und sich stark nach Osten und Westen ausbreiten konnten. Sie gelangten im Osten bis nach Livland, da die Recke, zusammen mit den Fürstenberg, den größten Anteil bei der Besiedelung des Ostseeraumes des westfälischen Adels hatten. Die unterschiedlichen Familienlinien nennen sich nach ihren ursprünglichen Besitzungen, so unter anderem Heeren und Heiden. Auch Schloss Heessen bei Hamm gehörte über 300 Jahre lang bis 1775 zu ihren Stammsitzen. Goddert II. von der Recke aus dem Haus Heeren heiratete 1414 Neyse (Agnes) von Volmestein, die Erbtochter der Edelherren von Volmestein. Auf dem reichen Volmarsteiner Gut konnten sich die Linien Steinfurt und Heessen entwickeln, deren Zweiglinie Stockhausen später in der Grafschaft Ravensberg und in Schlesien ansässig wurde. Im Gefolge der Reformation traten die meisten Linien zum protestantischen Glauben über; die münsterländischen Linien zu Heessen und Steinfurt konvertierten im 17. Jahrhundert allerdings wieder zum Katholizismus. Johann V. von der Recke aus dem Haus Steinfurt verfasste 1651 eine umfangreiche Konversionsschrift, mit der er diesen Schritt begründete.[1] Den Reichsfreiherrenstand erwarben Angehörige der Linien bzw. Nebenlinien Reck 1623, Kurl 1653, Horst 1677, Uentrop 1677, Witten 1708, Wenge-Offenberg 1709 und Steinfurt 1717. Die Linien und Zweiglinien Heessen, Stockhausen und Neuenburg erlangten den Freiherren- bzw. Baronstitel gewohnheitsrechtlich bzw. durch Senats-Ukas. Ein Ast der Zweiglinie Stockhausen ist 1817 in den preußischen Grafenstand mit dem Namen von der Recke von Volmerstein erhoben worden. Das Geschlecht hat zahlreiche bedeutende Angehörige hervorgebracht. So unter anderem den livländischen Deutschordensmeister und deutschen Reichsfürsten Johann von der Recke aus dem Haus Heeren († 1551) und den Paderborner Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke aus dem Haus Kurl (Amtszeit von 1650 bis 1661). Maria-Bernardine von der Recke-Steinfurt (1733–1784) war eine Großmutter der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Adalbert von der Recke-Volmerstein (1791–1878) war einer der Mitbegründer der Diakonie und Eberhard von der Recke von der Horst (1847–1911) preußischer Innenminister. Die Henrichenburg ist eine ehemalige Burg in der früheren, nach ihr benannten Gemeinde Henrichenburg, einem Stadtteil von Castrop-Rauxel. Der Platz der Burganlage liegt heute unmittelbar am Ufer des Rhein-Herne-Kanals östlich der südlichen Auffahrtrampe der Wartburgstraßenbrücke über den Kanal. Eine Urkunde von 1263 nennt Arnold Ritter von Henrichenburg als Besitzer.[1] Die Burg war unweit nördlich der Emscher gelegen und bildete am südlichen Rand des Vestes Recklinghausen eine wichtige Befestigungsanlage an der Grenze zur benachbarten Grafschaft Mark. 1382 übernahm die Familie von Düngelen die Henrichenburg von den Herren von Oer. 1480 kam Arnold von Gysenberg durch Erbschaft in Besitz der Henrichenburg. Seine Nachfolger behielten sie bis zum Tod des letzten Gysenbergers, Adolf Arnold Robert von Gysenberg, der seit 1675 Domherr in Hildesheim war, am 2. Juni 1725.[1] Er hatte die Burg seinem Großneffen Clemens August von Westerholt vererbt, der sich seit dem Erbfall von Westerholt-Gysenberg nannte. Durch Heirat gelangte die Burg in den Besitz des Freiherrn von Boenen. Dieser verkaufte sie 1775 für 108.000 Reichstaler an die Fürstin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach, die Fürstäbtissin von Essen.[2] Nach deren Tod im Jahre 1776 ging die Burg als Teil der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in den Besitz des Waisenhauses Essen-Steele über.[3] Elf Jahre später, 1787, wurde die baufällige Burg abgetragen.[4] Im Laufe der Zeit geriet der Ort der ehemaligen Burg in Vergessenheit. Anfang der 1990er Jahre kaufte die Stadt Castrop-Rauxel das Gelände von der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen und plante eine Bebauung mit Einfamilienhäusern. Bei Beginn der Bauarbeiten stieß man 1994 auf die Reste der ehemaligen Burg. Die Bauarbeiten wurden gestoppt und das Gelände wurde archäologisch untersucht und aufgearbeitet.[5] | VON DER RECKE, Wilhelmine (I45754)
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| 3618 | Recke ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Grafschaft Mark. Die Herren von der Recke, auch von der Reck, gehören zum westfälischen Uradel. Die Angehörigen des Geschlechts sind in einem Familienverband organisiert. Geschichte Das Geschlecht wird mit dem Ministerialen Bernhardus de Reke im Jahr 1265 erstmals urkundlich erwähnt. 1320 wird Adolf von der Recke als Schildknappe der Grafen von der Mark genannt und in den nächsten Jahren noch weitere Namensträger des Geschlechts als Burgmannen der Grafschaft Mark urkundenmäßig bestätigt. Die Herren von der Recke waren in Kamen ansässig und in der Umgebung finden sich auch die ältesten Reckschen Besitzungen. Allerdings ist das Haus Reck nicht der Stammsitz des Geschlechts gewesen, denn es hieß ursprünglich zur Heide und erhielt erst später nach dem Besitzergeschlecht den Namen Reck. In dieser Gegend bildeten sich auch die beiden großen Linien Heeren und Reck, die sich wiederum in viele Zweiglinien aufspalteten und sich stark nach Osten und Westen ausbreiten konnten. Sie gelangten im Osten bis nach Livland, da die Recke, zusammen mit den Fürstenberg, den größten Anteil bei der Besiedelung des Ostseeraumes des westfälischen Adels hatten. Die unterschiedlichen Familienlinien nennen sich nach ihren ursprünglichen Besitzungen, so unter anderem Heeren und Heiden. Auch Schloss Heessen bei Hamm gehörte über 300 Jahre lang bis 1775 zu ihren Stammsitzen. Goddert II. von der Recke aus dem Haus Heeren heiratete 1414 Neyse (Agnes) von Volmestein, die Erbtochter der Edelherren von Volmestein. Auf dem reichen Volmarsteiner Gut konnten sich die Linien Steinfurt und Heessen entwickeln, deren Zweiglinie Stockhausen später in der Grafschaft Ravensberg und in Schlesien ansässig wurde. Im Gefolge der Reformation traten die meisten Linien zum protestantischen Glauben über; die münsterländischen Linien zu Heessen und Steinfurt konvertierten im 17. Jahrhundert allerdings wieder zum Katholizismus. Johann V. von der Recke aus dem Haus Steinfurt verfasste 1651 eine umfangreiche Konversionsschrift, mit der er diesen Schritt begründete.[1] Den Reichsfreiherrenstand erwarben Angehörige der Linien bzw. Nebenlinien Reck 1623, Kurl 1653, Horst 1677, Uentrop 1677, Witten 1708, Wenge-Offenberg 1709 und Steinfurt 1717. Die Linien und Zweiglinien Heessen, Stockhausen und Neuenburg erlangten den Freiherren- bzw. Baronstitel gewohnheitsrechtlich bzw. durch Senats-Ukas. Ein Ast der Zweiglinie Stockhausen ist 1817 in den preußischen Grafenstand mit dem Namen von der Recke von Volmerstein erhoben worden. Das Geschlecht hat zahlreiche bedeutende Angehörige hervorgebracht. So unter anderem den livländischen Deutschordensmeister und deutschen Reichsfürsten Johann von der Recke aus dem Haus Heeren († 1551) und den Paderborner Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke aus dem Haus Kurl (Amtszeit von 1650 bis 1661). Maria-Bernardine von der Recke-Steinfurt (1733–1784) war eine Großmutter der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Adalbert von der Recke-Volmerstein (1791–1878) war einer der Mitbegründer der Diakonie und Eberhard von der Recke von der Horst (1847–1911) preußischer Innenminister. Baltischer Stamm Im Jahre 1525 ging der aus dem Haus Heiden stammende Matthias I. von der Recke († 1580) nach Livland. Seine Eltern waren Dietrich XIII. von der Recke zu Kamen († 1538) und Elisabeth von Hiesfeld, mit der er in erster Ehe verheiratet war. Matthias I. trat in den Deutschen Orden ein und wurde 1551 Komtur von Doblen. Er heiratete 1564 Sophia von Fircks († 1598), sie hatten vier Kinder. Der älteste Sohn Matthias II. (1565–1638)[2], wurde in Westfalen erzogen, er übersiedelte 1592 in das Herzogtum Kurland und Semgallen. Er war zeitweise auch Offizier des Kurfürsten von Brandenburg. Von 1617 bis 1638 war er Landhofmeister und damit Oberrat des kurländischen Herzogs Gotthard Kettler. Dessen Sohn Friedrich Johann (1606–1671) erbte die Güter Blieden und Sturhof und war von 1649 bis 1671 Landhofmeister im Herzogtum Kurland und Semgallen. Sein Urenkel George (1692–1760) war Erbherr von Neuenburg und Blieden. Von 1727 bis 1760 war er Oberhauptmann in Mitau und somit verantwortlich für die Verwaltung und Gericht in seinem Bezirk. Er war mit Anna Dorothea von der Recke a.d.H. Bieden verheiratet und hatte zwei Söhne. Der älteste Sohn Diederich Casimir (1713–1765) hatte seinen Sohn Magnus (1739–1795) zum Erben von Neuenburg eingesetzt. 1771 heiratete dieser Elisa Reichsgräfin von Medem, die als Dichterin berühmt geworden ist. Da Magnus keine Nachkommen hatte, erbte von ihm sein Bruder Christopher (1758–1844) Neuenburg. Danach folgte unter den Nachkommen eine mehrmalige Teilung der Erbgüter und Landbesitze. Eine erneute Bündelung und mehrere Erbschaften sorgten dafür, dass mit dem Kreismarschall von Tuckum, August von der Recke auf Neuenburg (1807–1861) die Adelsfamilie einen umfassenden Landbesitz im Kurland ihr Eigen nennen konnte. Hierzu gehörten Neuenburg mit Georgenhof, Neuhof, Dorotheenhof, Paueneck und Marienhof. Er kaufte noch das Gut Ohseln hinzu und hatte das Fideikommiß Neuenburg gestiftet. Die Reckesche Familie gehörte hernach zu den ältesten und angesehensten Familien Kurlands. 1912 hatten Familienmitglieder acht Besitzungen mit zusammen 25461 Hektar. Nach der Enteignung 1919 blieben ihnen kleine Restgüter. Die Nationalsozialisten veranlassten, dass 1939 alle Deutschen aus Kurland ausgesiedelt wurden. Die Aussiedlung war freiwillig. Die Besitzer von Gütern erhielten Besitzungen im Warthegau, aus denen die polnischen Vorbesitzer nach der deutschen Annexion vertrieben worden waren. Durch Flucht und Vertreibung gingen diese Güter mit Ausgang des Zweiten Weltkrieges erneut verloren[3]. Wappen Das Stammwappen zeigt in Blau einen silbernen Balken, belegt mit drei roten Pfählen. Auf dem Helm befindet sich ein offener blauer Flug mit dem Schildbild auf jedem Flügel. Die Helmdecken sind rechts blau-silber und links rot-silber. Das Haus Steinfurt nahm das Volmersteinsche Wappen an, so dass es zur Wappenvereinigung mit dem Reckeschen Stammwappen kam. Dieses Wappen ist geviert und wird bis heute von den vom Zweig Stockhausen abstammenden Nachfahren geführt. Das Gräfliche Wappen von 1817 ist geviert und belegt mit einem gold gerandeten Herzschild, darin ein schwebendes goldenes Kreuz. Die Felder 1 und 4 zeigen das Stammwappen, 2 und 3 in Silber eine mit drei Büffelohren im Schächerkreuz besteckte goldene Kugel († von Volmerstein). Drei Helme mit beiderseits blau-silber-roten Decken, rechts der Stammhelm, auf dem mittleren ein gekrönter schwarzer Adler, auf dem linken die Kugel mit den Büffelohren zwischen zwei silbernen Büffelhörnern († von Volmerstein). Als Schildhalter zwei einwärts sehende, um die Lenden grün bekränzte, sich auf eine Keule stützende „wilde Männer“. Historische Wappenbilder Allianzwappen von der Recke-Stockhausen – von Westrup Allianzwappen von der Recke-Stockhausen – von Westrup Wappen der Grafen von der Recke von Volmerstein Wappen der Grafen von der Recke von Volmerstein Herrschaftsrechte Als Eigentümer landtagsfähiger Rittergüter zählten die Recke in der Grafschaft Mark, dem Hochstift Münster, dem Fürstentum Minden und im Herzogtum Kurland zum landständigen Ritterschaftsadel. Neben dem Patronat hatten die Herren von der Recke fiskalisch und juristisch vom Landesherrn weitgehend unabhängige Herrschaftsbereiche inne. Zu diesen gehörten: Haus Uentrop (von 1393 bis 1990 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Haaren; siehe Haus Uentrop (von 1393 bis 1990 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Reck; siehe Haus Reck (14. Jahrhundert bis 1787 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Stiepel; siehe auch Haus Kemnade (1414 bis 1647 im Besitz der Familie) die Krumme Grafschaft Volmestein (Volmesteinsche Lehnkammer); siehe Burg Volmarstein (ab ca. 1100 Sitz der Herren von Volmestein, ab 1429 Recke, die Güter bis ins 20. Jahrhundert, die Burgruine bis heute) die Herrlichkeit Heessen; siehe Schloss Heessen (seit Anfang des 14. Jahrhunderts von Volmestein, von 1429 bis 1775 bzw. 1810 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Steinfurt; siehe Schloss Drensteinfurt (ab 1325 von Volmestein, von 1429 bis 1739 im Besitz der Familie) Wasserschloss Werdringen (von 1437 bis 1921 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Wulfsberg; siehe Burg Wolfsberg in Lüdinghausen (1537 bis 1788 im Besitz der Familie) Neuenburg, Kreis Tuckum/Kurland (von 1576 bis 1919 im Besitz der Familie) Schmucken, Kreis Tuckum/Kurland (von 1576 bis 1732 im Besitz der Familie) Elisenhof, Kreis Tuckum/Kurland (von 1576 bis 1919 im Besitz der Familie) Berghof-Brotzen, bei Frauenburg, Kreis Goldingen/Kurland (von 1576 bis 1919 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Horst; siehe Schloss Horst (1607 bis 1706 im Besitz der Familie) Gut Stockhausen (Lübbecke) (von 1628 bis 1979 im Besitz der Familie) die Herrlichkeit Heeren; siehe Haus Heeren (im 17./18. Jahrhundert im Besitz der Familie) Gut Obernfelde (seit 1818 bis heute im Besitz der Familie) Gut Kraschnitz, Niederschlesien (1845 bis 1945 im Besitz der Familie) Durben bei Tuckum/Kurland (1848 bis 1919 im Besitz der Familie) Paulsgnade bei Mitau/Kurland (1848 bis 1919 im Besitz der Familie) Schlockenbeck, bei Tuckum/Kurland (1848 bis 1919 im Besitz der Familie) Schloss Mansfeld, Sachsen-Anhalt (1849 bis 1945 im Besitz der Familie) Gut Schlesisch Halbau (ab 1862 im Besitz der Familie) Schloss Parchau, Kreis Lüben/Schlesien (Familienbesitz ab 1892) | VON DER RECKE, Katharina (I45715)
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| 3619 | Recke ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Grafschaft Mark. Die Herren von der Recke, auch von der Reck, gehören zum westfälischen Uradel. Die Angehörigen des Geschlechts sind in einem Familienverband organisiert. | VON DER RECKE, N. (I45825)
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| 3620 | Recke ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Grafschaft Mark. Die Herren von der Recke, auch von der Reck, gehören zum westfälischen Uradel. Die Angehörigen des Geschlechts sind in einem Familienverband organisiert. | VON DER RECKE, Johann (I45841)
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| 3621 | Ref. Religion. Bürgerannahme in Heidelberg am 28.5. 1711, noch ledig. Perückenmacher in Heidelberg (1711). | SAUER, Georg (I4679)
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| 3622 | Ref. Religion. Bürgerannahme mit Ehefrau in Heidelberg am 11.1.1707. Metzger in Heidelberg (1707, 1713) ∞ NN, Eva Anna Katharina | GUTENBERGER, Johann (I2237)
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| 3623 | Ref. Religion. Heidelberger "Bürgerskind" (1707). Patin in Heidelberg (St. Peterskirche) am 14.7.1713 und 24.10.1714. Tod lt. KB St. Peterskirche: NN, "die alte Gutenbergerin", alt 83 Jahre. | N., Eva Anna Katharina (I16583)
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| 3624 | Ref. Religion. Hufschmied in Heidelberg (1691). Bürger und Hufschmied zu Mannheim (1701, vor 1715). Pate in Mannheim mit Ehefrau Magdalena am 17.6.1701, mit Ehefrau Anna Maria (?) am 5.8.1701 und mit Ehefrau Magdalena am 23.10.1707. | GUTENBERGER, Johann Martin (I7798)
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| 3625 | Ref. Religion. Taufe lt. KB Heiliggeistkirche. Abendmahl in Heidelberg Heiliggeistkirche zu Weihnachten 1691 (16 Jahre). Bürgerannahme mit Ehefrau in Heidelberg am 21.8.1703. Weißgerber in Heidelberg (1703, 1730). In den städtischen Sammlungen des kurpfälzischen Museums in Heidelberg (im Lapidarium)hängt heute noch ein Stein an der Wand, der die Inschrift trägt: … HAD … ERBAVT GEORG /HIERONIMUS HETTEBACH 1719 /RENNOFYRT 1749 /JOHANN ENGELHART HETTEBACH /MARIA BARBARA HETTEBACHIN und das Weißgerbersymbol. Er soll vom Siebenmühlental bei Abbruch des Hauses hierhergebracht worden sein. 6 Kinder aus 1.ter und 2.er Ehe Als Schleifmühle oder Pleißmühle wurden wasser- oder windgetriebene Mühlen bezeichnet, die zum Schleifen von Werkstoffen oder zum Schärfen von Werkzeugen dienten. Schleifmühlen entstanden zum Sägen und Schleifen von Natursteinen oder zum Glasschleifen aber auch zum Polieren von Rüstungen. Eine kleine Schleifmühle nennt man Schleifkotte oder Schleifkotten Ist ev. Anna Felicitas Helbert * 22.11.1686 Heidelberg, Tochter von Bürger (1683) und Weissgerber (1682, 1691, 1717) in Heidelberg. Jacob Helbert (**13.01.1656 Heidelberg + 11.10.1717 Heidelberg) und seiner Ehefrau Anna Felicitas Schweinfurt (23.07.1662Heidelberg + 23.04.1738 Heidelberg); Der Vater von Anna Felicitas Schweinfurt war: Bürger (1657), Weißgerber (1657, 1693, vor 1707), Bürgermeister von der Gemeinde (1668), Stadthauptmann (1682, 1690, vor 1707) und Stadtcapitain (1674, 1693) in Heidelberg. Pate in Heidelberg mit Ehefrau am 26.10.1668 und 4.11.1691. Lt. Hoppe 1692 Müller auf der Mühle am Ausgang des Steinbachtales in Heidelberg-Ziegelhausen. Kriegsflüchtling von Heidelberg in Hanau (1693). Norbert Emmerich, Gleiwitzer Str. 1, 69124 Heidelberg: SEHUM Schweizer Einwanderer in Heidelberg und Umgebung Generallandesarchiv Karlsruhe 204 Nr. 680 Bitte der Witwe des Ratsbürgermeisters Johann Adam Kreßmann und des ehemaligen Ratsbürgermeisters Hieronymus Hettenbach um nachzutragende Besoldung / 1746 https://www.archivportal-d.de/item/CWMC6A65CV5KSOXACJLOGFGHYG4N2PNS Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 118207 Walz'sche (Hettenbach'sche) Erbbestandsmühle zu Ziegelhausen / 1631-1709 | HETTE(N)BACH\HETTEBACH, Georg Hieronymus\Hieronimus (I587)
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| 3626 | Reformation nach der Memminger Disputation Die Memminger Disputation fand vom 2. bis zum 7. Januar 1525 im Memminger Rathaus statt. Es standen sich der altgläubige Pfarrer Mergerich von der Frauenkirche und der Reformator Schappeler von St. Martin gegenüber. Auch andere altgläubige Geistliche nahmen an der Disputation teil. Den Vorsitz führte Dr. Ulrich Wolfhart. Vertreter aus allen zwölf Zünften wurden als Beisitzer benannt. Bei der Memminger Disputation stellte Schappeler sieben Artikel auf. Durch die vorherige Entscheidung, nur Argumente aus der Bibel gelten zu lassen, stand bereits fest, dass Mergerich verlieren würde. Bereits zu Beginn wurde die Zuständigkeit des Bischofs, des Papstes und der Konzile in Glaubensfragen geleugnet. | LUPIN, Christina Justina (I20199)
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| 3627 | reformiert Immen https://www.heimatverein-drabenderhoehe.de/hoefe/immen | KAUERT, Henrich (I48234)
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| 3628 | reformiert, Bergvogt (1698) 1691 wohnhaft in Büddelhagen 1675 erfolgte erstmal eine Personenaufnahme durch den Drabenderhöher Pastor Johannes Haas. Dabei wurden 3 Haushalte mit 17 Personen erfasst: Bestgen Kauert, mit Agnes und ihren Kindern Albert, Henrich, Annagirdraut, Pitter und Catrina Peter Voss (Romanist, er war also katholisch), mit Agnes und ihren Kindern Bestg, Dirich, Kristg und Elsgen Dirich Klein, mit Gretg und ihren Kindern Johannis und Eiaß In dieser Liste wird auch der spätere Bergwerksdirektor Peter Kauert erwähnt. Er war der Sohn des Bergvogts Sebastian Kauert und beginnt in Oberkaltenbach mit einem Grosseinsatz von Geld mit dem Eisenerzbergbau. Erst nach 1719 hatte er Erfolge und grenzte sein Grube nach Belehnung des Berggericht mit 15 Pfählen ein. Die Grube hiess „des Peter Kauert 15 Löwenpfähl“. Neben dem Grubenfeld erbaute er noch eine Eisenschmelzhütte. Peter Kauert belieferte Hämmer an Agger, Leppe, Wiehl, als auch Hammerwerke in der Grafschaft Mark. Er wurde zum ersten Industriepionier der Region. Ein Grossbrand zerstörte am 2. Juni 1696 innerhalb drei Stunden elf Gebäude und das Kirchenschiff. Der Brand brach in einem Backhaus aus, welches zum Hof ´Anfang` gehörte, aus. Von der Kirche blieben nur der Turm und der gotische Chor mit einem kleinen Turm übrig. FRIEDRICH WILHELM ZU SAYN-WITTGENSTEIN-HOMBURG stattete PETER Fischbach und CHRISTIAN HERHAUSEN mit einem Legitimationschreiben aus, um Spenden zu sammeln….Durch die Kollekte von…Pastor HAAS selbst, JOHANNES HÖHLER im Scheidt und Schultheis SCHNABEL konnte die Kirche wieder aufgebaut werden. Insgesamt wurden 1031 Reichsthaler gesammelt. Der Turm wurde um ein Geschoss erhöht und mit der jetztigen barocken Haube versehen. Gleichzeitig errichtete man ein neues gotisierendes Langhaus mit Strebepfeilern, während der Turm seinen romanischen Charakter behielt. Die beiden Schlußsteine enthielten die Jahreszahl 1697 und wurden nach Abbruch der Kirche 1846 im früheren HAUS KAUERT in Forst auf Steinsockeln vermauert. Die Steine waren aus Lindlarer Sandstein, im Durchmesser 52,8 cm und 38 cm und waren mit den Allianzwappen des Grafen WILHELM FRIEDRICH ZU SAYN-WITTGENSTEIN, sowie seiner Gemahlin MARIA MAGDALENA und des Grafen CARL FRIEDRICH zu SAYN-WITTGENSTEIN versehen.“ BÜDDELHAGEN Der Weiler „Büddelhagen“ entstand während der Rodeperiode, die vermutlich mit dem beginnenden Hochmittelalter einsetze. Kennzeichnend ist für den Ortsnamen die Zusammensetzung eines Namenspaares mit dem Grundwort „Hagen“, was für eine eingefriedete Wohnstätte steht und dem altfränkischen Personenname des „Bodilo“. Büddelhagen bedeutet also der eingefriedete Wohnort des Bodilo. https://www.heimatverein-drabenderhoehe.de/hoefe/bueddelhagen | KAUERT, Sebastian (Bestgen) (I712)
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| 3629 | reformiert, Pächter in Reuschenbach, Weiershagen, etwa 6km von Drabenderhöhe im Oberbergischen Kreis, entfernt https://www.heimatverein-drabenderhoehe.de/hoefe/weiershagen/reuschenbach https://de.wikipedia.org/wiki/Drabenderhöhe | KAUERT, Christian (I48239)
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| 3630 | Reg.-Nr.: 026/1880 Much | HERDER, Bertha (I6184)
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| 3631 | Regimentsfähiges Geschlecht der Stadt Bern, das 1742 erloschen ist. Ab 1422 sind die M. als Burger von Burgdorf nachweisbar. Sie stellten im 15. und 16. Jh. nebst Berchtold (->) zwei weitere Burgermeister. Ein Berchtold erwarb 1446 das Berner Burgerrecht und gelangte 1455 in den Gr. Rat. In der Folge gingen aus der mit angesehenen Berner Geschlechtern verschwägerten Fam. mehrere Landvögte sowie mit Wolfgang (->) und Beat Ludwig (1580-1630) zwei Kleinräte hervor. Ersterer, Herr zu Kehrsatz und Erbauer des dortigen Schlosses, stieg zum Venner zu Schmieden auf. Die Berichte Franz Ludwigs (1675-1720) von seinen Reisen nach Pennsylvania trugen zur Gründung einer Aktiengesellschaft bei, die sich ab 1710 am Aufbau New Berns in North Carolina durch Christoph von Graffenried beteiligte. | MICHEL VON SCHWERTSCHWENDI, Stammlinie (I42101)
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| 3632 | Reginar war noch minderjährig, als sein Vater nach Böhmen ins Exil geschickt wurde und die übrige Familie an den Hof des westfränkischen Königs flüchtete. 973 griff er gemeinsam mit seinem Bruder Lambert die Grafen Renaud von Mons und Garnier von Valenciennes an, denen im gleichen Jahr der geteilte Hennegau übergeben worden war, tötete sie bei Péronne, und begann damit, den Hennegau zu besetzen, wurde aber von Kaiser Otto II. zurückgeschlagen. 976 unternahm er mit Unterstützung Karls, des jüngeren Bruders des westfränkischen Königs Lothar, einen zweiten Versuch, diesmal gegen die neuen Grafen, Gottfried der Gefangene, Graf von Verdun und Arnulf, der aber am 19. April bei Mons mit einer Niederlage endete. Um der Bedrohung abzuhelfen, übergab Otto II. 978 Karl das Herzogtum Niederlothringen und Reginar einen Teil des väterlichen Besitzes; Reginar musste jedoch noch bis 998 warten, bis nach dem Tod Gottfrieds, ehe er die Grafschaft Mons erhielt. | VON HENNEGAU, Reginar IV. (I40931)
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| 3633 | REGINLINDE / REGELINDA Aus dem Leben der schwäbisch-alemannischen Herzogin ist nur wenig bekannt. Sie soll im KLOSTER SÄCKINGEN aufgewachsen sein. Sie war durch ihre erste Ehe mit Burchard II. Herzogin von Schwaben. Sie war die Tochter von Burkhard von Worms, eines Nachkommen der Grafen vom Wormsgau, und heiratete nach dem Tod ihres ersten Mannes in zweiter Ehe 926 Hermann I. von Schwaben. Reginlindes Herkunft geht zurück auf die Karolinger; Ludwig der Deutsche war ihr Urgroßonkel. Durch ihren Urgroßvater Eberhard von Friaul stammte sie aus dem Geschlecht der Unruochinger, ihre Urgroßmutter war Gisela von Friaul, eine Schwester Ludwigs des Deutschen. Als im Jahre 926 Herzog BUCHARD II. VON SCHWABEN in Italien fiel, entbrannte erneut der Kampf um den – bisher nicht erblichen – Titel eines HERZOGS VON SCHWABEN; dieser wurde von KÖNIG HEINRICH I. entschieden, indem er das Herzogtum auf dem Reichstag zu Worms im gleichen Jahr an einen außenstehenden Verwandten vergab – und damit endgültig klarstellte, dass für die Investitur der Herzöge von Schwaben der KÖNIG zuständig war und nicht der Adel des Landes. HEINRICH bestimmte den Franken und Konradiner HERMANN zum Herzog. HERMANN heiratete Burchards Witwe REGELINDA und trat damit der wegen der Vorgehensweise des Königs aufkommenden Front der schwäbischen Adligen entgegen. Allerdings musste Hermann weitere Konzessionen machen: ST. GALLEN wurde endgültig dem Schutz des RÖMISCH-DEUTSCHEN KÖNIGS unterstellt, das Bistum Chur erhielt Reichsgut zugesprochen, das der Herzog bislang selbst genutzt hatte. REGELINDA - UFERNAU - KLOSTER EINSIEDELN - STIFT SÄCKINGEN Um 950; NACH DEM TOD IHRES ZWEITEN MANNES, zog sich REGELINDA auf die UFERNAU zurück zu ihrem Sohn. Dem Kloster in Zürich ´FELIX UND REGULA´ stand sie bereits seit 929 als Laienäbtissin vor. Regelinda wird auch als Laienäbtissin des DAMENSTIFTS SÄCKINGEN genannt. Sie erbaute dort (Einsiedeln) die St. Martinskapelle und begann den Bau der St. Peter- und Paulskirche, an welcher ALDARICH noch als Leutpriester bis zu seinem Tode im Jahr 973 wirkte. Aus ihrem Vermögen stiftete sie das KLOSTER EINSIEDELN, und durch ihre vielfältigen Verbindungen zum Königshaus OTTO I. wurde dem Kloster 947 das Privileg der Immunität und der freien Abtwahl verliehen. Als die INSEL UFERNAU von SÄCKINGEN abgetauscht und an EINSIEDELN vergeben wurde, lebte also ALDARICH, der Onkel der KAISERIN ADELHEID, noch auf der Ufernau. Die über TAUSENJÄHRIGE STIFTSBIBLIOTHEK von EINSIEDELN (Gründung 934) gilt als Spiegel des geistigen Lebens des Klosters und ist ein Zeugnis von der ununterbrochenen Tradition und Kultur. Die Bibliothek umfasst gegenwärtig 1280 Handschriften, über 1100 Inkunabeln und Frühdrucke sowie weitere ca. 230’000 Bände aus allen Wissensgebieten, von denen der historische Bestand (16.-18. Jahrhundert) im Barocksaal aufgestellt ist. Spezialgebiete sind: Einsidlensia, Monastico-Benedictina, Theologie und Liturgie, Biblica sowie geistliche Litera. Stiftsbibliothek P. Justinus Pagnamenta OSB Kloster 8840 Einsiedeln Tel. +41 55 418 63 14 DAMENSTIFT SÄCKINGEN Das FRIDOLINSSTIFT in Säckingen (lat. Seconiensis) im heutigen Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg, ursprünglich ein Doppelkloster, wurde im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet. Das Herrenkloster wurde bereits früh wieder aufgelöst. Das Damenstift war ein königliches Eigenkloster und seine Äbtissin wurde 1307 von KÖNIG ALBRECHT I. in den REICHSFÜRSTENSTAND erhoben. 1806 wurde auch das Damenstift im Zuge der Säkularisation aufgehoben. GESCHICHTE VON SÄCKINGEN Der im Jahre 354 zum Bündnis mit den Römern genötigte Alamannenstamm der BISGAVI unternahm im Frühjahr des Jahres 361 einen Einfall in das benachbarte Rätien. Der römische Feldherr, CAESAR, Kommandeur in Gallien, und der spätere KAISER JULIAN „schickte(n) ihnen eine kleine Schar entgegen; doch ihr Führer wurde gleich beim ersten Angriff getötet, und [...] ungeschädigt konnten die Plünderer ihre Beute über den Rhein führen. Sie gehörten zum Stamme des Königs VADOMAR, der im südlichen Schwarzwald herrschte.“ JULIAN ließ VADOMAR „gefangen nehmen und schaffte ihn nach SPANIEN. Dann brach er selbst unvermutet über den Rhein, strafte die ALAMANNEN für ihren Raubzug, nahm ihnen die Beute wieder ab und liess sich Sicherheiten für ihr künftiges Verhalten geben.“Nach Informationen aus der Heimatgeschichte wird die Tötung des Anführers der ersten Truppe bestätigt und ihr Vorgehen nach SÄCKINGEN lokalisiert: Unter der Führung des comes Libino gelangten die römischen Truppen nach Säckingen prope oppidum Sanctio, das damals vermutlich zum Breisgau gehörte. Im lateinischen Text der Fridolinsvita (970) heißt Säckingen Secanis und Seconis (Lautung a>o) und urkundlich 1207 auch Seconia. Seconis ist als Ortskasus von Seconia zu deuten, das sprachgeschichtlich problemlos aus Sequaniacum (= Heiligtum der Sequana) abgeleitet werden kann. Nach dem Glauben der Kelten offenbarte sich die Göttin der Quellen, Heilkunst und Gesundheit im sumpfigen Erdreich der Kochsalztherme Säckingens (seik – „tröpfelnd fließen“, Sequana – „Tochter der Quellen“). GRÜNDUNGSGESCHICHTE DES STIFT SÄCKINGEN Das Kloster Säckingen wurde angeblich unter dem Schutz des Franken-Königs CHLODWIG I. (466–511) im 6. Jahrhundert gegründet. Stumpf datiert das Gründungsjahr auf das Jahr 495,[2] allgemein jedoch gilt das Gründungsjahr 522, welches jedoch von einigen Historikern in Frage gestellt wird, die annehmen, dass die Gründung nicht auf die Zeit CHLODWIG I., sondern auf CHLODWIG II. (634–657) zurückgeht. Nach dem heutigen Stand der Forschung jedoch ist das Leben des HEILIGEN FRIDOLIN, der als Gründer des Klosters gilt, eher im 6. als im 7. Jahrhundert anzusiedeln, was wiederum den alten Überlieferungen entspricht. Der Gründungslegende nach schickte PAPST COELESTIN I. (422-432;Er zählt zu den Heiligen und hat die kirchliche Lehre von Maria als Gottesgebärerin nachhaltig gefördert.) im 5. Jahrhundert Mönche nach „ERIN“ (Irland), um dort die Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Der Missionar PATRIZIUS gründete dort im Jahre 472 das Erzbistum ARMAGH. Aus der dortigen Klosterschule soll der um das Jahr 480 geborene FRIDOLIN hervorgegangen sein. Von POITIERS IN GALLIEN aus begab FRIDOLIN sich im Jahre 507 (bei Poitiers, Frankreich fand im Spätsommer 507 zwischen den Franken unter Chlodwig I. und den Westgoten unter Alarich II. statt. ) zur damaligen Hofstatt des Königs CHLODWIG I. nach ORLÉANS, um dort Gelder für den Wiederaufbau des zerstörten Klosters und der Kirche von POITIERS zu erbitten, die CHLODWIG I. schließlich gewährte. Nachdem dieses Werk vollbracht war, wollte FRIDOLIN seine Missionsarbeit in anderen Gebieten fortsetzen. CHLODWIG unterwarf alle anderen fränkischen reges sowie weitere germanische Stämme gewaltsam! CHLODWIG versicherte ihm bei einem erneuten Besuch im Jahre 511 seinen Schutz und stellte ihm die entsprechenden Geleitbriefe aus. Von PORTIERS aus zog er über Metz und über die Vogesen nach Straßburg. Weiter führte sein Weg nach Chur, bis er schließlich um das Jahr 522 die RHEININSEL BEI SÄCKINGEN entdeckte und dort eine Kirche und eine Missionsstätte zu Ehren des heiligen Hilarius von Poitiers errichtete. Auf seiner Wanderung traf er die Brüder URSUS und LANDOLPHUS, die als besondere Wohltäter FRIDOLINS auftraten. Obgleich die Gründungsperiode zu Zeiten CHLODWIG I. heute teilweise in Frage gestellt wird, spricht dennoch einiges dafür, dass das KLOSTER SÄCKINGEN in der Tat um diese Zeit gegründet worden sein könnte. Nach den Entscheidungsschlachten der Franken gegen die Alamannen in den Jahren 496 (SCHLACHT BEI ZÜLPICH IM HEUTIGEN NORDRHEIN-WESTFALEN) und 506 (Schlacht bei Straßburg) benötigten die Franken einen Vorposten zur Ausbreitung ihrer Macht im Stammesgebiet der Alamannen. Die Gründung eines Klosters auf der gut zu verteidigenden RHEININSEL BEI SÄCKINGEN bot sich als mögliches Instrument hierfür an. Die ALAMANNEN im rechtsrheinischen Gebiet im Süden unterstellten sich nach der Schlacht bei Straßburg (506) dem Schutz der OSTGOTEN. Demnach hatte CHLODWIG I. wohl kaum die Möglichkeit, über dieses Gebiet zu verfügen oder gar Schenkungen auf diesem Gebiet zu machen. Das linksrheinische Gebiet lag jedoch nach Unterwerfung und Umsiedlung der Burgunden spätestens ab dem Jahr 500 im fränkischen Machtbereich. Schäfer vertritt die Ansicht, dass sich bei SÄCKINGEN eine römische, rechtsrheinische Enklave erhalten hatte, die im Osten bis zur Südschwarzwälder Alb und im Westen bis zur Wehra reichte, welche bis zur Machtübernahme der Franken von diesen übernommen werden konnte. Demnach gehörte SÄCKINGEN und die dortige Rheininsel damals zum linksrheinischen Burgund, wodurch die Voraussetzung für die Schenkung zur Zeit CHLODWIG I. und die Klostergründung wenige Jahre danach gegeben war. Einen geschichtlichen Kern für die frühe Gründung sehen Jehle und Englert in der Unterstützung des MEROWINGISCHEN KÖNIGTUMS und deren Nachfolger, den Karolingern und Ottonen, worin es als königseigenes Kloster erscheint. Eine Siedlung befand sich bereits zu Zeiten der RÖMER in SÄCKINGEN, wie man den Berichten des Historikers AMMIANUS MARCELLINUS entnehmen kann. Seinen Aufzeichnungen nach wurde im Jahr 360 der Heerführer comes Libino gegen den bündnisbrüchigen Alamannenstamm der BRISGAVI (Breisgauer) entsandt, der jedoch bereits beim ersten Treffen auf den Feind in SÄCKINGEN „prope oppidum Sanctio“ (in der nähe einer neuen Stadt) den Tod fand. Schließt man nun daraus, dass SÄCKINGEN eine römische Gründung ist, könnten Teile der dortigen Bevölkerung bereits zur fraglichen Gründungszeit christianisiert gewesen sein. Wie Schaubinger erwähnt, führte der Gang FRIDOLINS über das in Rätien gelegene CHUR, dem VORPOSTEN DES OSTGOTENREICHS, das kurze Zeit nach dem vermeintlichen Gründungsjahr 522 zusammen mit dem Protektorat über die Alamannen in fränkische Vorherrschaft überging. Nach Brandmüller ist das KLOSTER SÄCKINGEN das ÄLTESTE KLOSTER im RAUM ALEMANNIENS. Dies bestätigen auch Wehling und Weber. Sie datieren die Gründung des KLOSTERS SÄCKINGEN um das Jahr 600, noch VOR der Gründung der KLOSTERZELLE ST. GALLEN im Jahre 612. CHLODWIG II. wurde jedoch erst im Jahre 634 geboren. 6. BIS 10 JAHRHUNDERT Das Stift unterstand dem BISTUM KONSTANZ, dessen rechtsrheinische Grenzen bis einschließlich Kleinbasel reichten. Ays spricht sich dafür aus, dass das KLOSTER SÄCKINGEN dem Alamannenbistum Vindonissa (Windisch) unterstand, was somit für die Gründung des Klosters im 6. Jahrhundert spräche,da dieses Bistum noch vor der Zeit CHLODWIG II. nach Konstanz verlegt wurde. Leider fehlen dazu Quellenangaben worauf er seine Aussage stützt. Als gesichert hingegen gilt, dass das KÖNIGSKLOSTER SÄCKINGEN gute Beziehungen zu POITIERS und zum FRÄNKISCHEN KÖNIGSHOF pflegte, dem es direkt unterstand und von welchem es mit reichlichen Besitzungen ausgestattet wurde. Zeitweise fungierte das KLOSTER SÄCKINGEN neben BASEL, ZÜRICH und dem KLOSTER REICHENAU als KÖNIGSPFALZ (Wohn-Stützpunkt für den reisenden König) am Hochrhein. Von den Brüdern Ursus und Landolphus soll das Kloster Säckingen noch zu Lebzeiten Fridolins seinen umfangreichen Besitz in GLARUS erhalten haben. Neuere Forschungen datieren den Erwerb des Glarnertals durch das STIFT SÄCKINGEN wesentlich später. Demnach soll das Glarnerland erst Mitte des 8. Jahrhunderts an das KLOSTER SÄCKINGEN gekommen sein. Im 7. Jahrhundert war das Stift an der Erschließung des Schwarzwaldes beteiligt. Von Hochsal aus unternahm das STIFT SÄCKINGEN Siedlungsvorstöße bis weit in den Schwarzwald hinein, die bis Herrischried reichten. Das Stift legte Höfe an, aus denen die Dörfer Rippolingen, Harpolingen, Niederhof, Oberhof, Hänner, Binzgen und Rotzel entstanden. BLUTGERICHT VON CANNSTATT - FLUCHTBURG KLOSTER ST. GALLEN Den weitaus autonomen Status, den die Alemannen unter den merowingischen Königen genossen, versuchten die Karolinger im 8. Jahrhundert zu beseitigen. Beim BLUTGERICH ZU CANNSTATT im Jahre 746 wurde auf Veranlassung des fränkischen Hausmeiers KARLMANN (ÄLTESTER SOHN von KARL MARTELL und CHROTRUD9nahezu die gesamte Führungsschicht der Alemannen ausgelöscht. Ziel dieser Aktion war die VOLLSTÄNDIGE UNTERWERFUNG der Alemannen. Klöster wurden nun zu MACHTINSTRUMENTEN KAROLINGISCHER HERRSCHAFT. Um einer ENTEIGNUNG durch die Karolinger zu entgehen, vermachten nun viele Alemannen ihren Besitz einem ihnen zugeneigten Kloster. Im Gegenzug dafür erhielten sie ihren Besitz wieder in Form eines LEHENS zurück, womit eine drohende Enteignung umgangen werden konnte. Dem KLOSTER ST GALLEN, welchem zunächst mehrheitlich RÄTISCHE MÖNCHE angehörten, folgten im 8. und 9. Jahrhundert verstärkt alemannische Adelsfamilien. Es entwickelte sich somit zur „FLUCHTBURG“ für den alemannischen Adel und dessen Besitz. SÄCKINGEN ALS KAROLINGISCHE BASTION Das mitten im Gebiet der Alemannen gelegene STIFT SÄCKINGEN entwickelte sich hingegen zur KAROLINGISCHEN BASTION, wie man in den Folgejahren an den Mitgliedern des FRÄNKISCHEN HOCHADELS unschwer erkennen kann. So war HEILWIG, die Gattin WELFS I. (Urahn der Dynastie der Welfen) und ÄBTISSIN in der ABTEI CHELLES, östlich von Paris, 826 n. Chr. die erste ÄBTISSIN DES DAMENSTIFTS SÄCKINGEN. KARL III. UND SEINE SCHESTER BERTHA SOWIE GEMAHLIN RICHARDIS UND SÄCKINGEN Eine Urkunde vom 10. Februar 878, worin KARL III. ´der Dicke`(*839: +13.01.888; aus dem Adelsgeschlecht der Karolinger war von 876 bis 887 ostfränkischer König, von 879 bis 887 König von Italien, ab 882 Herrscher in Bayern, Franken und Sachsen, von 885 bis 888 westfränkischer König und von 881 bis 888 römischer Kaiser.) bestätigt, dass seine Schwester BERTHA (*zw. 833 u. 839; +26.03.877 in Zürich), die jüngste von vier Töchtern LUDWIGS DES DEUTSCHEN und seiner Gemalin Hemma (sie war eine Tochter des Grafen Welf I. und der Heilwig von Sachsen, ÄBTISSIN DES DAMENSTIFTS SÄCKINGEN (zweite Äbtissin von 26.03.877 bis 877n. Chr.) sei. In dieser Urkunde steht ebenso, dass Karl III. seine Gemahlin RICHARDIS, Tochter des Grafen Erancher vom Nordgau (*um 840; +18.09.um 900 in Andlau) als deren Nachfolgerin bestimmt. (Säckinger Äbtissin von 877-893). Dies ist gleichzeitig die ERSTE urkundliche ERWÄHNUNG SÄCKINGENS quod dicitur Seckinga. Das Herrenkloster des einstigen DOPPELKLOSTERS SÄCKINGEN – es ist von Chorherren und Mönchen die Rede – scheint bereits im 10. Jahrhundert aufgelöst worden zu sein. Im 11. Jahrhundert werden Chorherren und Mönche nicht mehr erwähnt. Von da an erscheinen lediglich Kapläne, die die priesterlichen Aufgaben für die weiblichen Insassen übernahmen. Wie die Führung des Klosterverbandes erfolgte, kann aufgrund des Urkundenmangels aus dieser Zeit nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden. Dennoch darf angenommen werden, dass die Gesamtführung des Klosters, ähnlich dem DOPPELKLOSTER IN ZÜRICH, der Äbtissin unterstand. Von den Einfällen der UNGARN, die in den Jahren 917 und 926 brandschatzend und mordend das Herzogtum Schwaben entlang Bodensee und Hochrhein verheerten, blieb auch das DAMENSTIFT SÄCKINGEN nicht verschont; es wurde zerstört und geplündert. OTTO DER GROßE, KLOSTER EINSIEDELN UND SÄCKINGEN Der Liudolfinger Otto der Große (*23.11.912; + 07.05.873) war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches (regnum francorum orientalium), ab 951 König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser. Er bestimmte, dass die INSEL UFERNAU, welche dem DAMENSTIFT SÄCKINGEN gehörte, als Schenkung an das KLOSTER EINSIEDELN gehen sollte. Im Gegenzug dafür vermachte er dem DAMENSTIFT in einer Urkunde vom 23. Januar 965 die Orte WEESEN, WALENSTADT und SCHAAN und verlieh darüber hinaus dem Stift das VOLLE IMMUNITÄTSRECHT. (Steuerfreiheit) Doch BEATA, die Tochter RACHINBERTS und Gemahlin LANDOLDS, schenkte die Insel UFERNAU „Hupinauia“ am 19. November 741 zunächst dem KLOSTER ST GALLEN. Wie es von dort an das DAMENSTIFT SÄCKINGEN kam, ist unklar. Möglich ist, dass die Insel von ST. GALLEN aus an die EBERHARDINGER Und danach durch die ÄBTISSIN REGELINDA (+958)an das Damenstift kam. Regelinda soll im KLOSTER SÄCKINGEN aufgewachsen sein. Sie war in erster Ehe mit Buchard II. von SCHWABEN und in zweiter Ehe mit Hermann I. VON SCHWABEN verheratet. Sie war Äbtissin des Klosters Säckingen wohl nach 948 bis 958 n. CHr. Ihre Nachkommen: Aus erster Ehe mit Burchard II.: - Gisela, Äbtissin von Waldkirch/Freiburg im Schwarzwald (* um 905 † 26. Oktober 923/25) - Die Tochter Hicha (*um 905 † 950, → Sohn Konrad der Rote) (nicht belegt) - Burchard III. (* um 915 † 11. November 973) - Berta (* um 907 † 2. Januar 961 ∞ Rudolf II. König von Burgund) - Adalrich, der HEILIGER MÖNCH IN EINSIEDELN († 973) Aus zweiter Ehe mit Hermann I.: - Ida, auch Ita (später Gattin von Liudolf, Sohn von Kaiser Otto I.) DAMENSTIFT SÄCKINGEN 11. BIS 15. Jahrhundert Tschudi berichtet in seiner Chronik, dass am 29. März 1029 die ÄBTISSIN BERTA (Berchta) das MEIERAMT über die Besitzungen in Glarus an RUDOLF VON GLARUS. Er berichtet weiter, dass sich Rudolf von Glarus danach „SCHUDIN“ (TSCHUDI) nannte. Dieses Geschlecht blieb über viele Generationen hinweg im Besitz des Glarner Meieramt des Stiftes. Der von Tschudi ins Deutsch übersetzte LEHENSREVERS endet wörtlich: „… hab ich min Insigel an diesen Brieff geton/ der geben ist am 29. Tag Merzen/ geschehen im KLOSTER ZU SECKINGEN Anno Domini 1029 in der 12. Zinszal / als PABST JOHANN XX. die Apostolisch Kilch regiert/ und KEISER CUNRAT richsnet/ Warmannus (Warmann von Dillingen) Bischoff zu Costenz und Ernst Durchlüchtiger Herzog in Alamannien was; Zügen so zugegen gewäsen: Herman von Wessenberg Fryherr/ Rudolff von Bilstein, Arnold von Mandach Edelknecht, und Berchtold/ der Pfarrer zu Louffenberg und ander vil.“ Im Jahre 1065 tritt Graf ARNOLD VON LENZBURG als SCHIRMVOGT über das STIFT SÄCKINGEN sowie Laufenburg auf. FRIEDRICH BARBAROSSA UND STIFT SÄCKINGEN Nach dem Aussterben der GRAFEN VON LENZBURG im Jahre 1072 warb KAISER FRIEDRICH, genannt BARBAROSSA (*1122; +1190) 1173 persönlich bei der Äbtissin und den Kapitelfrauen und Herren darum, die Schirmvogtei über das Stift sowie die dazugehörenden „Lüt und Land, Glarus, Seckingen Lauffenberg und andern Fläcken“ auf seinen Sohn den PFALZGRAFEN OTTO I. VON BURGUND zu übertragen. Ein Vorgang „das von Alter har nie gewesen/ dann allein ein Römischer Künig oder Keiser selbs vorhar Ir Cast-Vogt was.“ Somit war vermutlich bereits die Übertragung der Kastvogtei an seinen Parteigänger ARNOLD VON LENZBURG gegen dieses Recht. Tschudi widerspricht der Aussage des Johannes Nauclerus der behauptet, dass die Schirmvogtei über das STIFT SÄCKINGEN sowie die Kastvogteien über ZÜRICH und Zürichgau an Graf ALBRECHT VON HABSBURG ging, der mit der alleinigen Erbtochter ITA VON PFULLENDORF verheiratet war. Lediglich die niedere Gerichtsbarkeit in den Ortschaften Dietikon und Schlieren wurden damals Albrecht übertragen. Tschudi beschuldigt darin auch BARBAROSSA habe viele Vogteien über Stifte und Gotteshäuser die dem Reich gehörten seinen Kindern übereignete. Nach dem Tod RUDOLFS VON PFULLENDORF wurde dessen Erbe zwischen den HABSBURGERN und den HOHENSTAUFERN aufgeteilt. Was die HABSBURGER dabei erhielten tauschte der KAISER gegen die Grafschaft im Zürichgau, die Kastvogtei von Säckingen und gegen Hofgüter des Kaisers. Der Sohn Albrechts VON HABSBURG und Ita’s, RUDOLF, konnte erzwingen, dass das DAMENSTIFT SÄCKINGEN den Habsburgern von nun an als Lehen übertragen wurde. Rudolf von Habsburg lag wegen der Stadt Laufenburg im Streit, bei dem am 4. September 1207, unter Vermittlung ARNOLT VON WART und Freiherr KONRAD VON KRENKINGEN, ein Vergleich erzielt werden konnte. ÄBTISSIN ANNA VON PFIRT 1254 beauftragte der Basler BISCHOF BERTHOLD die Äbtissin von Säckingen, ANNA VON PFIRT, die Nichte des GRAFEN ULRICH VON PFIRT, sich vorübergehend des durch Böswilligkeiten der Vögte und von Feinden der Kirche bedrängten und verkommenen Nonnenklosters Masmünster (Vallis masonis) anzunehmen. Anna verzichtete am 1. Dezember 1260 auf die Ansprüche des Stifts an den von WALTHER VON KLINGEN (+01.03.1286, Thurgauer Adelsgeschlecht mit Stammsitz auf Burg Altenklingen) dem Bistum Konstanz und dem Deutschen Orden geschenkten Waldungen bei Wehr (Baden). WALTHER VON KLINGEN hatte die Herrschaft Wehr geerbt und große Teile davon dem Kloster Klingental, der Deutschordenskommende Beuggen und dem Bistum Konstanz vermacht. 1272 FEUER IN SÄCKINGEN Am 17. August 1272 brach im Haus eines Bäckers in SÄCKINGEN ein Feuer aus, das sich rasch über die gesamte Stadt ausbreitete und bis aufdie Pfarrkirche des Heiligen Petrus und einige wenige Häuser alles in Schutt und Asche legte. Dem Brand fiel auch das ARCHIV des Stiftes zum Opfer, weshalb heute kaum Urkunden vor dieser Zeit über das Stift erhalten geblieben sind. Die GEBEINE DES HEILIGEN FRIDOLIN sollen dabei nicht zu Schaden gekommen sein. Äbtissin ANNA AUS DEM HAUSE PFIRT entschied, diese EBERHARD VON HABSBURG und dem Sohn seines verstorbenen Bruders GOTTFRIED I., RUDOLF III., und nicht dem BISCHOF VON BASEL anzuvertrauen, mit dem RUDOLF IV. VON HABSBURGin Fehde lag. Es wird beschrieben, dass RUDOLF (Stammvater der Laufenburger Linie der Habsburger)den Sarg mit den Gebeinen Fridolins nach Laufenburg führte um diese dort bis zum Wiederaufbau zu verwahren. Die Stiftsdamen waren bis zum Wiederaufbau des Konvents ebenfalls in Laufenburg untergebracht. RUDOLF VON HABSBURG stiftete ein ewiges Licht, welches durch den „Tullen“-Zehnt (tillen = Bretter) der Kirche in Waldkirch bei Waldshut finanziert wurde. Aus dem Pfandrodel, den RUDOLF VON HABSBURG im Jahr 1281 erstellen ließ, geht hervor, dass er ebenfalls veranlasste, dass die Einnahmen des Zolls zu Hauenstein für den Wiederaufbau der durch den Brand zerstörten Stadtmauer verwendet werden sollen. ANNA VON PFIRT Noch im Jahr der Königskrönung Rudolfs 1273 schrieben er und die Äbtissin von Säckingen ANNA VON PFIRT einen Brief an BISCHOF EBERHARD von KONSTANZ (Eberhard II. von Waldburg)betreffend die Weihung „post festum“ (im Nachhinein) der von den Glarnern errichteten Kirche in Glarus. Darin anerkannte RUDOLF indirekt, dass das Stift ALLEIN DEM DEUTSCHEN REICH untersteht und das niemand anderer als der DEUTSCHE KÖNIG ODER KAISER die Kastvogtei haben dürfe, wie dies seit Zeiten des König „Clodovei Magni“ (Chlodwig der Große) im Jahre 500 eingeführt hatte. Zur Verwaltung des Klosters scheint von den Habsburgern einen Pfleger eingesetzt worden zu sein. In dieser Funktion erscheint 1294 ein „bruder Berchtolden von Henere“ (wohl Hänner) in einer Kaufurkunde eines Hofes vom Kloster Klingental. Die RECHTSRHEINISCHEN Besitzungen des STIFTS SÄCKINGEN am Oberrhein reichten von Hauenstein über Schwörstadt bis Müllheim (Baden). Der Hollwanger Hof bei Riedmatt gehörte ebenfalls zum Damenstift. Diesen Hof stiftete vermutlich WALTHER VON KLINGEN den Säckinger Ordensschwestern, welche im Jahre 1289 in Erscheinung traten, als RITTER ULRICH VON ROTELSTORF seinen Lehensanspruch auf den Hollwanger Hof der Deutschordenskommende von Beuggen übergab. „Äbtissin ANNA und der ganze Convent“ übertrugen somit das Lehen für 5 Schilling Häller jährlich der Deutschordenskommende Beuggen. Möglich ist, dass das Stift Säckingen später die Rechte an diesem Hof an das ZISTERZIENSERINNENKLOSTER IN OLSBERG im Aargau übertrug, wo 1296 die dortige Äbtissin AGNESA die „in banno et villa Halderwang“ auftritt. Durch Verordnung von HERZOG ALBRECHT VON ÖSTERRREICH, dem späteren KÖNIG, wurden die Pfarrrektoren der Pfarreien Hornussen, Mettau, Murg, Rheinsulz und Zuzgen angewiesen in SÄCKINGEN Residenz zu nehmen. Dies führte später zu Unmut in den dortigen Pfarrgemeinden, die sich dadurch nicht mit ausreichendem geistlichen Beistand vertreten fühlten. ELISABETH VON BUSSNANG (+13.06.1318) war von 1306 bis 1318 Äbtissin im Damenstift Säckingen. In Rheinfelden erhob KÖNIG ALBRECHT I. (*1255 in Rheinfelden; +01.05.1308 ermordet) am 4. April 1307 die ÄBTISSIN VON SÄCKINGEN in den REICHSFÜRSTENSTAND und verlieh ihr die REICHSREGALIEN (Hoheist- und Sonderrechte eines Souveräns). In einer Urkunde aus dem gleichen Jahr wird die Äbtissin des Damenstifts Säckingen erstmals als Fürstin bezeichnet. Die Urkunde beginnt wie folgt: „Die ehrwürdige FRAU ELISABETH VON BUSSNANG seine allerliebste Fürstin und Baase …“ Dank guter Führung war der ZULAUF zum Damenstift Säckingen Anfang des 14. Jahrhunderts so groß, dass die damalige Äbtissin ADELHEIT VON ULINGEN mit Zustimmung des Kapitels beschloss, die Anzahl der Stiftsdamen auf 25 zu begrenzen. Um die finanzielle Situation des Klosters zu verbessern, veranlasste der Straßburger BISCHOF BERTHOLD VON BUCHEGG, dass dem Damenstift der Zehnt und die Pfarrgefälle von Ulm und Renchen zufallen sollten. 1334 ZWEITER BRAND IN SÄCKINGEN Die Freude an der neuen Stiftskirche währte nicht lange. Bereits 1334 brannte es wieder in Säckingen wobei die Stiftskirche erneut zum Opfer fiel. Die Äbtissin AGNES VON BRANDIS (Äbtissin von 1330 - 1349) veranlasste den NEUBAU EINER NEUEN STIFTSKIRCHE, woran auch das verheerende HOCHWASSER im Jahre 1343 nichts änderte. Folge dieses Hochwassers war der BAU DES GALLUSTURM, der mit seinen meterdicken Mauern der Stadt und dem Kloster nicht nur MILITÄRISCHE, sondern auch Sicherheit vor erneuten Hochwassern brachte. Die Neue Stiftskirche, das FRIDOLINSMÜNSTER, wurde 1360 vom KONSTANZER BISCHOF HEINRICH VON BRANDIS (*1348 erw.; +22.11.1383) feierlich eingeweiht. RELIQUIEN DES FRIDOLIN IM STEPHANSDOM IN WIEN RUDOLF IV. VON HABSBURG veranlasste 1356 die Öffnung des FRIDOLIN-SAGES, worüber er ein Protokoll erstellen ließ. Dabei entnahm er einige RELIQUIEN des Heiligen für den STEPHANSDOM IN WIEN. Indessen eskalierte der Konflikt zwischen dem Meieramt von Glarus und dem von den Habsburgern eingesetzten Meier Walter von Stadion. 1352 kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, wobei WALTER VON STADION (schwäb. uradelsgeschlecht aus Graubünden) von den Glarnern erschlagen und die stiftseigene Burg in NÄFELS vollständig zerstört wurde. Die von der Habsburger Vorherrschaft verbitterten Glarner lehnten sich nun an die erstarkende EIDGENOSSENSCHAFT an. Dies führte nun zum offenen Konflikt mit den HABSBURGERN, woran auch der zur Schlichtung herbeigerufene RÖMISCHE KAISER KARL IV. nicht viel ändern konnte. Erst nach dem Tode ALBRECHTS II. VON ÖSTERREICH im Jahre 1358 entspannte sich die Lage zwischen den beiden Streitparteien wieder. Albrechts Nachfolger wurde sein Sohn RUDOLF IV. von Österreich ´der Stifter`, der eine weniger aggressive Politik verfolgte. Diese friedliche Politik wurde jedoch von den eingesetzten Landvögten PETER VON THORBERG und EGLOFF VON EMS wieder zunichtegemacht. So kam es, dass 1386 bei der SCHLACHT BEI SEMPACH Glarner Volksleute gegen die HABSBURGER kämpften. Der Vergeltungsversuch der Habsburger im Jahre 1388 in der SCHLACHT BEI NÄFELS besiegelte die Abkehr der Glarner. Nachdem sie nun die Landeshoheit vollständig an sich gezogen hatten, wollten sie sich auch der VERBINDLICHKEITEN gegenüber dem DAMENSTIFT SÄCKINGEN entledigen. DER LOSKAUFVERTRAG VON 1390 Dazu wurde zwischen SÄCKINGEN und GLARUS im Jahre 1390 ein LOSKAUFVERTRAG geschlossen. Davon ausgenommen waren zunächst lediglich der stiftseigene Hof in Glarus mit den damit verbundenen jährlichen Zinsen und der KIRCHENSCHATZ ZU GLARUS, die jedoch nach weiteren Verhandlungen im Jahre 1395 ebenfalls losgekauft wurden. Nicht betroffen davon war die Belehnung des Zehnten, der tatsächlich bis zur Säkularisation im Jahre 1806 an ZÜRICH entrichtet wurde. Zu bemerken ist, dass sich die Feindseligkeiten der Glarner zunächst eigentlich nicht gegen das Damenstift, sondern lediglich gegen die Habsburger richteten. Wie es scheint, gab es zu dieser Zeit nicht nur Misshelligkeiten mit Glarner Untertanen, sondern auch mit den UNTERTANEN DER STADT SÄCKINGEN; das geht aus einem Entschädigungsvergleich vom 3. Oktober 1385 zwischen der Stadt Säckingen, vertreten durch den Schultheißen und den Rat, und der ÄBTISSIN CLARANNA VON HOHENKLINGEN (Äbtissin von 1380-1422) hervor. Dabei sollen die Bürger auf Befehl des HERZOGS VON ÖSTERREICH ins Kloster eingedrungen sein, den Keller aufgebrochen und den darin befindlichen WEIN geraubt haben. DIE SCHENKUNG DES GRAFEN SIGMUND VON THIERSTEIN 1379 erhielt das Damenstift den Zoll zu Frick/Aargau als Schenkung des Graf SIGMUND VON THIERSTEIN, der mit dem Basler BISCHOF JOHANNES VON VIENNA im Streit lag. Der Geschichte zur Folge soll ein Anhänger des Bischofs, HENMANN VON BECHBURG, Graf SIGMUND gefangen genommen haben und wollte ihn dem Bischof aushändigen. Ihm gelang jedoch die Flucht, und, wie er selbst schrieb, wurde durch „Gott und St. Fridli wieder errettet“. Zum Dank seiner „Errettung“ veranlasste er die Stiftung. 1409 räumte Markgraf RUDOLF III. VON HACHBERG-SAUSENBERG *1343; +08.02.1428) der Äbtissin des Damenstift, CLARANNA VON HOHENKLINGEN, das bislang strittige Recht auf die niedere Gerichtsbarkeit im Zwing und Bann Stetten ein. Wie weit der Einfluss des Klosters reichte, zeigt eine Urkunde vom 3. Mai 1453 der damaligen Äbtissin AGNES VON SULZ. Sie war Äbtissin von 1432-1484. Darin wurde auf Veranlassung des BISCHOFS RUPRECHT VON STRAßBURG vereinbart, dass die Äbtissin kraft des ihr zustehenden PATRONATSRECHTS das Kirchspiel Ulm von der Leutpriesterrei Renchen trennt. BELAGERUNG VON SÄCKINGEN (KRIEG VON BASEL, BERN UND SOLOTHURN GEGEN HABSBURG) 1443, Belaerung von Laufenburg 1445 August/September Belagerung von Rheinfelden 19.09.1445 - 08.10.1445 wird SÄCKINGEN belagert. 16. JAHRHUNDER BIS ZUR AUFLÖSUNG Das Damenstift war zur REFORMATIONSZEIT in zwei Lager gespalten. Ein Teil der Klosterdamen tendierte zur neuen Glaubenslehre, wohingegen der andere Teil an der alten Lehre fest hielt, so auch die damalige Äbtissin ANNA VON FALKENSTEIN (1508–1534). Die Stiftsdamen MAGDALENA VON FREIBERG und MAGDALENA VON HAUSEN wurden bestraft, weil sie auch nach Drängen der Äbtissin der lutherischen Lehre nicht absagen wollten. Während des DEUTSCHEN BAUERNKRIEGS wurde das Damenstift Säckingen nicht direkt angegriffen. Die Bürger der Städte Säckingen und Laufenburg sicherten die Stadt gegen den, von Kunz Jehle angeführten Schwarzwälder Haufen erfolgreich ab. Die Aufständischen richteten stattdessen ihr Hauptaugenmerk auf das in der Nähe liegende Benediktinerkloster ST. BLASIEN welches dabei total verwüstet wurde. Nach dem Tod der Äbtissin KUNIGUNDE VON HOHENGEROLDSECK im Jahre 1543 zählte das Damenstift Säckingen gerade noch zwei Stiftsdamen und drei Chorherren. Die Kirchenreform ging auch am Damenstift Säckingen nicht spurlos vorüber. Es wurde von „GEISTLICHEM VERFALL“ berichtet, der soweit führte, dass von 1548 bis 1550 keine Stiftsdame mehr im Damenstift Säckingen wohnte. KAISER FERDINAND I. nahm sich dieser Sache persönlich an und befahl dem Konstanzer Bischof Christoph Metzler von Andelberg, wieder für Ordnung im Damenstift Säckingen zu sorgen. Dieser schickte seinen Generalvikar nach Säckingen, um die Anschuldigungen zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass „darselbst ganz anders gelebt, gehaust und gehandelt wurde“ als dies die Statuten des Klosters vorsahen. Die Äbtissin hatte sich vom Wandel der Zeit hinreisen lassen und vergaß dabei die „klösterliche Zucht“ und ließ sich mit einem Diakon ein. Die beiden wollten heiraten, doch wurde dieses Vorhaben verraten, so dass der Diakon die Flucht ergreifen musste. Als die Äbtissin ihm folgte, wurde sie von den Bürgern festgehalten. KAISER FERDINAND I. verurteilte sie daraufhin zur Haft in einem stiftseigenen Gebäude, dem „ALTEN HOF“, unter Aufsicht des damaligen Stiftsverwalters und Meiers JOHANN JAKOB FREIHERR VON SCHÖNAU. Da sich die Äbtissin „hatte verführen lassen“, musste sie der abteilichen Würde entsagen. AUGUSTINERREGELN Daraufhin wurde von den drei noch verbliebenen Chorherren des Dominikanerordens AGATHA HEGENZER VON WASSERSTELZ zur Äbtissin gewählt, die man eigens dafür vom Kloster St. Katharinental bei DIESSENHOFEN geholt hatte. Dort an strenge Ordensregeln gewöhnt führte sie nun, zusammen mit Bischof Christoph, in Säckingen die Ordensregeln des Heiligen Augustinus ein. Dabei mussten die Damen die Gelübde der ARMUT, des GEHORSAMS und der KEUSCHHEIT ablegen. Zusätzlich wurde ihnen „ALLE RÜCKKEHR IN DIE WELT “ untersagt, ihnen ALL IHR EIGENTUM ABGESPROCHEN und weiteres. Diese strengen Ordensregeln stießen bei den noch vorhandenen Stiftsdamen auf großen Widerstand und so kam es, dass sich keine der Stiftsdamen zur Wiederaufnahme meldete. Unter der Leitung der neuen Äbtissin wurden auch umfangreiche Bauarbeiten ausgeführt. Dazu zählten neben einigen anderen Gebäuden auch die Errichtung eines neuen Abteihauses sowie das Kellerhaus in Birkingen, welche bis heute erhalten sind. https://de.wikipedia.org/wiki/Regelinda https://de.wikipedia.org/wiki/Damenstift_Säckingen https://www.saeckinger-geschichte.de/stift-saeckingen.html | Regelinda (I11064)
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| 3634 | Reichlin von Meldegg ist der Name einer süddeutschen freiherrlichen Adelsfamilie. Herkunft und Geschichte Stammvater dieses ursprünglich bürgerlichen deutschen Adelsgeschlechtes ist der Arzt Joß Richli (Jodocus Reichlin), Bürger von Konstanz, der 1409 in Konstanz verstarb und der von dem aus St. Gallen stammenden Hans von Meldegg, dem Letzten seines Geschlechts, Namen und Wappen übernahm[1]. Das Geschlecht verbreitete sich zunächst im Bodensee-Raum und gehörte zum Patriziat der Reichsstadt Überlingen. Am 28. Juli 1465 erhob Kaiser Friedrich III. den Lehrer der Arzneikunde Andreas Reichlin in den erblichen Reichsadelsstand. Kaiser Karl V. erteilte dem Christoph Reichle am 27. September 1530 einen weiteren Adelsbrief mit von Meldegg und bestätigte ihm gleichzeitig das Familienwappen. Sebastian Reichlin von Meldegg erhielt 1555 Fellheim als Kemptisches Lehen und errichtete 1557 Schloss Fellheim. Das Geschlecht hatte bis 1848 die dortige Grundherrschaft inne und bewohnte das Schloss bis 1923. Die Familie verbreitete sich über den süddeutschen Raum und nach Österreich. Am 8. Juli 1813 wurde die Familie in Bayern als Reichlin von Meldegg bei der Freiherrnklasse wegen des seit 1652 bzw. 1680 nachweislich geführten Freiherrnstandes immatrikuliert[1]. Auch in Württemberg wurde die Familie bei der Freiherrnklasse des ritterschaftlichen Adels eingetragen. In Österreich führte das Geschlecht den Namen Freiherr von Rechlien-Meldegg[1]. Xaver Ignaz Freiherr von Reichlin-Meldegg, fürstlich Thurn und Taxis'scher Hofmarschall, erbaute im 18. Jahrhundert das Schloss Höfling bei Regensburg. Sein Allianzwappen findet sich noch im Treppenhaus bzw. im großen Salon im ersten Stock. Da der Bau des Barockschlosses das Vermögen des Barons verschlang, verkaufte er ihn 1775 an Maria Anna Gräfin von Palm. | REICHLIN VON MELDEGG, N. (I37526)
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| 3635 | Reichlin von Meldegg ist der Name einer süddeutschen freiherrlichen Adelsfamilie. Stammvater dieses ursprünglich bürgerlichen deutschen Adelsgeschlechtes ist der Arzt Joß Richli (Jodocus Reichlin), Bürger von Konstanz, der 1409 in Konstanz verstarb und der von dem aus St. Gallen stammenden Hans von Meldegg, dem Letzten seines Geschlechts, Namen und Wappen übernahm[1]. Das Geschlecht verbreitete sich zunächst im Bodensee-Raum und gehörte zum Patriziat der Reichsstadt Überlingen. Am 28. Juli 1465 erhob Kaiser Friedrich III. den Lehrer der Arzneikunde Andreas Reichlin in den erblichen Reichsadelsstand. Kaiser Karl V. erteilte dem Christoph Reichle am 27. September 1530 einen weiteren Adelsbrief mit von Meldegg und bestätigte ihm gleichzeitig das Familienwappen. Schloss Fellheim Sebastian Reichlin von Meldegg erhielt 1555 Fellheim als Kemptisches Lehen und errichtete 1557 Schloss Fellheim. Das Geschlecht hatte bis 1848 die dortige Grundherrschaft inne und bewohnte das Schloss bis 1923. Die Familie verbreitete sich über den süddeutschen Raum und nach Österreich. Am 8. Juli 1813 wurde die Familie in Bayern als Reichlin von Meldegg bei der Freiherrnklasse wegen des seit 1652 bzw. 1680 nachweislich geführten Freiherrnstandes immatrikuliert[1]. Auch in Württemberg wurde die Familie bei der Freiherrnklasse des ritterschaftlichen Adels eingetragen. In Österreich führte das Geschlecht den Namen Freiherr von Rechlien-Meldegg[1]. Xaver Ignaz Freiherr von Reichlin-Meldegg, fürstlich Thurn und Taxis'scher Hofmarschall, erbaute im 18. Jahrhundert das Schloss Höfling bei Regensburg. Sein Allianzwappen findet sich noch im Treppenhaus bzw. im großen Salon im ersten Stock. Da der Bau des Barockschlosses das Vermögen des Barons verschlang, verkaufte er ihn 1775 an Maria Anna Gräfin von Palm. | RÄUCHLIN VON MELDEGG, N. (I42957)
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| 3636 | Reichsvogt zu Zürich 1287-1290 | VON RÜSSEGG, Ulrich II. (I7884)
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| 3637 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I7752)
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| 3638 | Rekkared war der jüngere der beiden Söhne des Königs Leovigild. Er wurde 573 zusammen mit seinem Bruder Hermenegild von Leovigild zum Mitregenten ernannt. Damit war keine Reichsteilung oder Zuweisung eines eigenen Herrschaftsgebiets verbunden; die Maßnahme, mit der Leovigild oströmischem Vorbild folgte, sollte nur die dynastische Thronfolge gegen das Wahlrecht durchsetzen.[1] 578 gründete Leovigild die Stadt Reccopolis, die er nach Rekkared benannte. In dieser Namensgebung zeigte sichschon damals eine Bevorzugung des jüngeren Sohnes. Die Königsfamilie bekannte sich damals noch nach westgotischer Tradition zum arianischen Glauben, während die Reichsbevölkerung mehrheitlichkatholisch war. 579 wurde Hermenegild von seinem Vater nach Sevilla geschickt, von wo er über den südlichen Teil des Westgotenreichs herrschen sollte. Dort trat Hermenegild zum Katholizismus über. Er begann einen Aufstand gegen seinen Vater, der 582–584 niedergeschlagen wurde. Der Geschichtsschreiber Gregor von Tours[2] berichtet, dass Rekkared seinen Bruder, der in eine Kirche geflohen war, dazu bewog, aufzugeben und den Vater um Gnade zu bitten. Hermenegild blieb in Gefangenschaft und wurde 585 ermordet. Damit fiel Rekkared die Rolle des Thronfolgerszu. Er schlug im Auftrag Leovigilds einen Angriff des merowingischen Frankenkönigs Guntram I. auf das westgotische Septimanien zurück. Nach Leovigilds Tod (586) konnte Rekkared problemlos die Nachfolge antreten. Wie sein Vater erstrebte auch er die religiöse Einheit des Reichs; er erkannte jedoch, dass der Arianismus als Minderheitskonfessiondiese Funktion nicht erfüllen konnte, und entschied sich für die andere Lösung: 587 trat er zum Katholizismus über. Darauf kam es zu erfolglosen Verschwörungen arianischer Kreise in Lusitanien und am Hof. An den Hofintrigen war Rekkareds arianische Stiefmutter Goswintha (Goiswintha) beteiligt, die aber 588 starb. Guntram I. unterstützte arianischeRebellen in Septimanien, obwohl er selbst katholisch war. Der Sieg derTruppen Rekkareds über die Rebellen und die mit diesen verbündeten Franken hat die Zeitgenossen stark beeindruckt; er wurde als Zeichen göttlicher Gnade gedeutet. 589 berief der König das 3. Konzil von Toledo ein, das unter seinem Vorsitz tagte und dessen Themen er bestimmte. Den arianischen Bischöfenwurde zugesagt, dass sie beim Übertritt zum Katholizismus ihre kirchlichen Ämter behalten durften. Das Konzil anerkannte sehr weitgehend diemaßgebliche Rolle des Königs in der Kirche, was seine Macht erheblichstärkte. Nach oströmischem Vorbild bezeichneten die Konzilsväter Rekkared als „rechtgläubigen König“ (in Analogie zum „rechtgläubigen Kaiser“) und seine Tätigkeit als „apostolisch“ (eine Anspielung auf den „apostelgleichen“ Kaiser); sie nannten ihn „allerheiligsten Fürsten“, „von göttlichem Geist erfüllt“.[3] Zu den Konzilsbeschlüssen gehörten auch Maßnahmen gegen die Juden; ihnen wurde unter anderem verboten, christliche Frauen zu heiraten oder christliche Konkubinen zu haben, und Kinder aus solchen bereits bestehenden Verbindungen mussten getauft werden. Leovigild hatte Rekkared mit Rigunth, einer Tochter König ChilperichsI. von Neustrien verlobt, doch kam die Ehe nicht zustande. Als König war Rekkared mit Baddo verheiratet, von der nichts Näheres bekannt ist;die Ehe wurde 589 geschlossen, nachdem ein weiteres fränkisches Heiratsprojekt (mit einer Tochter König Sigiberts I. von Austrasien) gescheitert war. Rekkareds Sohn und Nachfolger Liuva II. stammte aber nicht aus dieser Ehe, sondern wurde schon 583/584 als uneheliches Kind geboren; seine Mutter war niedriger Herkunft. | N., Rekkared I. (I22602)
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| 3639 | Renaud stammte aus der Familie der französischen Burchardinger und war der Sohn des Grafen Burchard der Ehrwürdige und der Elisabeth Le Riche. Im Jahr 988 wurde er Hugo Capets Kanzler, der ihn wenig später auch zum Bischof machte. Mit der Thronbesteigung Roberts II. wurde er von der Macht verdrängt und sein Einfluss im Kronrat sank. Er zog sich mehr und mehr ins Vendômois zurück. 1005 folgte er seinem Vater als Graf von Vendôme und Paris. Nach seinem Tod fiel Paris, das sein Vater von Hugo Capet erhalten hatte, als erledigtes Lehen an die Krone zurück, während Vendôme an Bodo von Nevers aus dem Haus Monceaux ging, den Schwiegersohn seiner Schwester Elisabeth und des Grafen Fulko III. Nerra von Anjou. | (VENDOME), Renaud (I37724)
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| 3640 | Rentmeister in Bochum, 1601 Ratsherr | SEVERIN (VON ECKSTEIN), Johann Arnold (I44339)
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| 3641 | Reserve-Infanterie-Regiment 17 schwer verwundet an der Somme 28.8.1916 (Geschichted GS Vollmerhausen: Gefallen 8.8.16, Soissons) evtl Lazarett Notre-Dame bei Soissons? | KELLER, Fritz (I17151)
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| 3642 | Rheinfelden (schweizerdeutsch Rhyfälde [ˈɾiːˌfældə])[3] ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde in der Schweiz sowie Hauptort des Bezirks Rheinfelden im Kanton Aargau. Das Regionalzentrum der Region Fricktal liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland, am östlichen Rand des Ballungsraums von Basel. Rheinfelden ist mit etwas mehr als 13'000 Einwohnern die sechstgrösste Stadt im Aargau. Sie ist wirtschaftlich und gesellschaftlich eng mit der Stadt Rheinfelden (Baden) auf der gegenüberliegenden Rheinseite verbunden, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand und seit 1922 den gleichen Namen trägt. Auf einer Flussinsel entstand im 10. Jahrhundert die Burg Stein, der Sitz der Grafen von Rheinfelden. Aus einem Marktflecken am Südufer des Rheins entwickelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts, während der Herrschaft der Zähringer, eine befestigte Stadt. Die Burg war mehrere Jahrzehnte Hauptwohnsitz der Habsburger, während die Stadt von 1218 bis 1330 sowie ab 1415 reichsfrei war, bis sie schliesslich 1439 dauerhaft unter habsburgische bzw. österreichische Herrschaft geriet. Rheinfelden war direkt von den Auswirkungen des Dreissigjährigen Krieges betroffen und nach der Schlacht bei Rheinfelden von 1638 bis 1650 von schwedischen und französischen Truppen besetzt. 1797 von Frankreich erobert, gelangte die Stadt 1802 zur Schweiz und ist seit 1803 Bezirkshauptort im Kanton Aargau. Seit den 1970er Jahren wuchs die Einwohnerzahl stark an, als die Stadt zu einem Teil der Agglomeration Basel wurde. Burg Stein (Rheinfelden) Die Burg Stein, auch Stein zu Rheinfelden genannt, ist eine abgegangene Inselburg in der Schweizer Stadt Rheinfelden im Kanton Aargau. Die Burg befand sich auf dem «Inseli», einer der Stadt vorgelagerten Insel im Hochrhein. Sie bildete einen Teil der Stadtbefestigung von Rheinfelden. Im 10. Jahrhundert bildete der Augstgau, das Gebiet im spitzen Winkel zwischen Rhein und Aare, den nordöstlichsten Zipfel des Königreichs Burgund. Um diese Zeit liess sich im Bereich der späteren Stadt Rheinfelden ein Adelsgeschlecht nieder, das verwandtschaftliche Beziehungen sowohl zum burgundischen Königshaus als auch zu den Saliern hatte. Es besass Güter beidseits des Rheins, durch den damals die Grenze zwischen dem Burgunderreich und dem Heiligen Römischen Reich verlief. Rudolf III., der letzte Burgunderkönig, übergab im Jahr 1006 den Augstgau als Geschenk an Heinrich II., den späteren römisch-deutschen Kaiser. Die rückschliessend so benannten Grafen von Rheinfelden übernahmen in dieser Zeit des politischen Umbruchs eine wichtige Vermittlerrolle und erlangten dadurch grossen Einfluss. Bedeutendster Vertreter war Rudolf von Rheinfelden, der ab 1057 als Herzog von Schwaben regierte und 1077 zum Gegenkönig gewählt wurde, jedoch drei Jahre später in der Schlacht bei Hohenmölsen umkam.[1] | VON RHEINFELDEN, N. (I23684)
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| 3643 | Rheinfelden - Wappen Rheinfelden - Wappen Wappenscheibe mit sieben Sternen (1533) Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Fünfmal geteilt von Gelb und Rot, die roten Plätze belegt mit je drei sechsstrahligen gelben Sternen.» Das Rheinfelder Stadtwappen basiert auf dem Wappen der GRAFEN VON RHEINFELDEN aus dem 10. Jahrhundert und erschien erstmals 1236 auf dem Schultheissensiegel. Es bestand damals aus je drei gelben und roten Querbalken. Später kamen die Sterne auf den roten Balken dazu. Ab 1254 waren es sechs, ab 1533 sieben und ab 1599 neun Sterne. Jeder Stern symbolisiert eine Tugend der Stadtbewohner. Dabei handelt es sich um BIEDERKEIT, EHRE, GLAUBE, FREIHEIT, RECHTSCHAFFENHEIT, REGSAMKEIT, TODESVERACHTUNG, TREUE UND UNEIGENNÜTZIGKEI. Es existierten zahlreiche Varianten nebeneinander und lange herrschte Unklarheit darüber, welche Farbe zuoberst sei. 1952 legte der Stadtrat Rot fest, änderte dann aber 1985 seine Meinung. Diese Entscheidung ist insofern nachteilig, als die Sterne im untersten Feld zusammengedrückt werden und daher unproportional wirken. Das Bezirkswappen hingegen blieb unverändert und beginnt zuoberst mit Rot. | VON RHEINFELDEN, Anna (I8096)
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| 3644 | RHEINFELDENER (Herren VON RHEINFELDEN) ---------------------------------------- Nach der auf einer Felseninsel am linken Ufer des Hochrheins gelegenen Stammburg benanntes Adelsgeschlecht, entstammte vermutlich einer Nebenlinie des BURGUNDISCHEN KÖNIGSHAUSES, die im Wallis, im Waadtland sowie im oberen Aaregau begütert war und die Grafschaft im Sisgau (südöstlich Basel) innehatte. Der in der welfischen Hausüberlieferung erwähnte quidam de Rinvelden ist nicht mit dem mysteriösen Kuno von Öhningen gleichzusetzen, sondern wohl eher mit jenem um 1000 bezeugten burgundischen Pfalzgrafen Kuno, der ein Nachkomme des dux Rudolf, eines Bruders König Konrads I. von Burgund, gewesen sein dürfte (Hlawitschka). Bedeutendster Vertreter war RUDOLF von Rheinfelden, der 1057 das Herzogtum Schwaben erhielt und 1077 von der deutschen Fürstenopposition zum Gegenkönig erhoben wurde. Nach dem Tode seines Sohnes Berthold (1090), der 1079 zum Gegenherzog von Schwaben erhoben worden war, trat der RUDOLFS Tochter Agnes vermählte ZÄHRINGER Berthold II. das Erbe der RHEINFELDENER an. Das von RUDOLF reich dotierte Schwarzwaldkloster ST. BLASIEN wurde zum Hauskloster des Geschlechtes. Das KLOSTER ST. BLASIEN war eine Benediktinerabtei in Sankt Blasien im Südschwarzwald und befindet sich im Landkreis Waldshut. Als Abteikirche diente der sogenannte Dom St. Blasien. Über die Frühgeschichte des Klosters St. Blasien weiß man, dass die Cella Alba des Klosters Rheinau im 9. Jahrhundert am Anfang einer Entwicklung hin zum Kloster St. Blasien des 11. Jahrhunderts steht. Demnach muss sich die Zelle im Albtal in einem längeren Prozess vom Kloster Rheinau gelöst haben: Zu Zeiten des Findan werden Reliquien des Hl. Blasius von Sebaste von Rom ins Kloster Rheinau gebracht und von dort Teile davon in das benachbarte Waldgebirge an den Ort des späteren Klosters St. Blasien geführt. So kündet eine überlieferte Notiz aus dem 12. Jahrhundert. Unter dem ersten Abt Beringer wurde 948 die Regel des Hl. Benedikt angenommen und streng befolgt. | VON SCHWABEN, Judith (I36031)
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| 3645 | Richard I. hatte mit einer unbekannten Frau drei Kinder. - Amédée Ier, seigneur de Montfaucon. - Welf, dit "le Bourguignon", mort en Palestine en 1098, il épouse Raimondis de qui il a Guillaume, Hugues dit "de Charmoille" et Amédée (? - après 1152) dit "de Neuchâtel"2. Ce dernier sera le père d'une fille, dame de Neuchâtel, qui épouse Fromon de Dramelay, seigneur de Neuchâtel-Urtière. - Brochard (Burchardus Ier), il aura Hugues3, (? - 15 mai 1180), baron d'Asuel. les descendants d'Hugues édifieront le château d'Hasenburg situé près de Willisau4 qui entrera dans la Maison de Neuchâtel par le mariage de Gérard de Neuchâtel-Valangin avec Ursula d'Asuel. | VON MONTFAUCON, Richard I. (I11149)
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| 3646 | Richard und Marguerite hatten vier Kinder, einen Sohn und drei Töchter. - Thiébaud III. - Agnès : elle épouse Alexandre III de Bourgogne (-Duché) (nommé aussi Alexandre de Montagu, fils de Guillaume de Montagu), - Béatrice : elle épouse Jacques de Grandson, (1250/58 - 1290/97), - Marguerite, (? - avant 1309) : elle épouse en premières noces Gérard/Guy de Cusance, (? - avant 1302), puis en secondes noces Jacques d'Auxelles. | VON MONTFAUCON, Marguerite (I11167)
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| 3647 | Richard war der Sohn des Buvinus, Graf von Metz und Laienabt von Gorze, und seiner Ehefrau Richilde von Arles. Sein Bruder war Boso von Vienne und seine Schwester Richildis war die Ehefrau des westfränkischen Königs und späteren Kaisers Karls des Kahlen. Über seine Tante mütterlicherseits war Richard zudem ein Neffe des Königs Lothar II. | VON VIENNE, Richard der Gerichtsherr (I36396)
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| 3648 | Richer stammte aus dem Geschlecht der Matfriede. Der Vater war Adalhard II., Graf von Metz und Laienabt von Echternach. Seine Brüder waren Gerhard und Matfried I., Grafen im Metzgau. Richer war auch verwandt mit Stephan von Tongern, der von 903 bis 920 Bischof von Lüttich war. Er wurde 899 Abt von Prüm, wo Abt Regino aus unbekannten Gründen für ihn Platz machen musste. Die Nachfolge Bischof Stephans in Lüttich war strittig. In dieser Zeit gehörte Lothringen zum Westfrankenreich. Der westfränkische König Karl der Einfältige unterstützte Richer als Nachfolger, nachdem er zunächst gezögert hatte und zunächst den Kleriker oder Mönch Hilduin bevorzugt hatte. Hilduin wurde von Herzog Giselbert von Lothringen unterstützt. Auch der ostfränkische König Heinrich I. stand auf Seiten Hilduins. Hilduin wurde vom Kölner Erzbischof Hermann I. geweiht. Doch wandte Richer sich an Kaiser Berengar I., damit dieser sich bei Papst Johannes X. für ihn einsetzen sollte. Der Papst lud die beiden um das Amt konkurrierenden Geistlichen nach Rom ein. Hilduin wurde exkommuniziert, während Richer vom Papst als Bischof anerkannt und am 4. November 921 geweiht wurde. Nachdem Lothringen im Jahre 925 an das ostfränkische Reich gekommen war, muss es zwischen König Heinrich und Bischof Richer zu einer Annäherung gekommen sein. Im Jahr 930 war Bischof Richer in Aachen am Hof Heinrichs anwesend. Er war 941 in Ingelheim in der Umgebung seines Nachfolgers Otto I. und setzte sich für das Bistum Cambrai ein. Auf dem Hoftag in Duisburg im Jahre 945 wurde Richer zusammen mit dem Trierer Erzbischof Ruotbert der Untreue beschuldigt, konnte sich aber rechtfertigen. In seiner Diözese gehörte Richer zu den Förderern der von der Gorzer Reform ausgehenden Erneuerung des Klosterwesens. Insbesondere unterstützte er, wie auch König Otto I., die Reform von Stablo und Malmedy. Richer trug 938 maßgeblich dazu bei, dass der aus Gorze stammende Mönch Odilo in Stablo und Malmedy Abt wurde. Auch förderte Richer die Reform des St. Hubert-Klosters in den Ardennen. Das bischöfliche Eigenkloster Lobbes zwang er dagegen zu hohen Abgaben. Die Kirche St. Peter in Lüttich ließ er wieder aufbauen und machte sie zu einem Kollegiatstift. Im Jahr 933 ließ er die Burg Arches zerstören. Nach seinem Tod wurde er in St. Peter in Lüttich beigesetzt. | VON METZ, Richard (I36513)
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| 3649 | Richter 1451, Grundbesitzer und Finanzmann des verarmten Landadels, im alter Pensionär im Augustinerkloster in Memmingen | STÖBENHABER, Paul (I9677)
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| 3650 | Richwin wird erstmals als Graf von Verdun in einer Urkunde des Königs Zwentibold von Lotharingien vom 14. August 895 genannt, welche an das Kloster Saint-Mihiel gerichtet war.[1] Als „verdienstvoller Graf“ wird er gemeinsam mit Wigerich am 23. Januar 899 an der Seite desselben Königs genannt.[2] Nach dessen Tod im Jahr darauf wandte sich Richwin offenbar dem westfränkischen König Karl III. dem Einfältigen zu, in dessen Gefolge er am 12. Februar 912 genannt wird.[3] Erneut mit dem Pfalzgrafen Wigerich und erstmals mit seinem Sohn Otto wird Richwin an der Seite des Königs am 9. Januar 916 in Herstal genannt. Kurz darauf starb Wigerich und Richwin heiratete dessen Witwe, Kunigunde. Auch tritt er seither als Laienabt von Moyenmoutier und Saint-Pierre in Metz auf, vermutlich hatte er zugleich auch das Grafenamt von Metz inne. Im Jahr 921 beteiligte sich Richwin an der Rebellion der lotharingischen Großen gegen die Herrschaft König Karls des Einfältigen zugunsten des ostfränkischen Königs Heinrich I.[4] Am 15. November 923 wurde er in seinem Bett liegend von Boso ermordet, womöglich im Auftrag seines Stiefsohnes Adalbero, des späteren Bischofs von Metz.[5][6] Der Mord an ihm durch den Bruder des neuen westfränkischen Königs Rudolf verstärkte die Abfallbewegung des lothringischen Adels hin zum ostfränkischen Reich. In erster Ehe war Richwin mit der Tochter eines Grafen Ingelram verheiratet, dessen Identität nicht zu bestimmen ist. Mit ihr hatte er den Sohn Otto, welcher später zum Herzog von Lothringen aufstieg. Seine zweite Frau, Kunigunde, war die Witwe des Pfalzgrafen Wigerich und mütterlicherseits eine Enkelin des westfränkischen Königs Ludwig II. des Stammlers. | VON VERDUN, Richwin (I37602)
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