| Notizen |
- aus der Stammesgeschichte Fam. Nebel:
Taufe von Daniel Wilhelm Nebel am 03.01.1735; Patin Sara Katharina Nebel.
Es mag diese Tatsache auf den ersten Blick etwas eigenartig erscheinen, denn die Patin war schon eine recht bejahrte
Frau, von der das Patenkind nicht mehr allzuviel erwarten durfte. Bedenkt man aber, daß damals die Patenschaft weit höher als heute bewertet wurde und die patin über einen guten Teil des ansehentlichen de Spinaschen Vermögens nach damaliger Sitte noch selbst verfügte, so bekommt die Sache ein wesentlich anderes Gesicht. Von der materiellen Seite gesehen, waren also die Aussichten, unter denen der junge Erdenbürger dem Leben entgegenwuchs, die denkbar günstigsten.
„1781, den 21. September wurden der hiesige Professor der Arzneizunft, Herr Danile Nebel und Junfer Maria Christina Hettenbach von hier, vermöge kirchenräthlicher Dispensationabsque proclamatione mit Bewilligung des Herrn Kirchenraths Bochner, welchem diese Verrichtung zugekommen wäre, in der Aukirche copuliert.“ „Ihre Mutter Maria Barbara geb. Keller“
„Das junge Eheglück dauerte nicht lange. Nach kaum zwei Jahren starb ihm seine Frau. Leider ist die Todesursache nicht festzustellen, denn das betreffende Totenbuch ist bei einem Brande vernichtet worden und der Privateintrag des Glöckners sagt nur ganz kurz: gestorben 12.08.1784 des Herrn Professors Nebel Frau.“
Nebel war der Sohn des Heidelberger Mediziners und Hochschullehrers Wilhelm Bernhard Nebel (1699 - 1748) und der Maria Elisabeth Wilhelmy (1705–1790), einer Tochter des kurpfälzischen Kriegsrates und Gesandten am kaiserlichen Hof, Johann Wilhelm Wilhelmy. Bereits sein Großvater Daniel Nebel war Mediziner und mehrmaliger Rektor an der Heidelberger Universität gewesen.
Nach seiner Schulzeit studierte Nebel ab etwa 1755 Medizin und Chemie an den Universitäten in Göttingen, Leiden, Utrecht und Straßburg und schloss sein Studium 1758 mit der Promotion zum Dr. med. ab. Anschließend praktizierte er in Heidelberg und war zunächst als Privatdozent tätig. Im Jahr 1766 erhielt Nebel eine Anstellung als außerordentlicher Professor der Medizin an der Universität Heidelberg und wurde 1771 als ordentlicher Professor für Medizin und Chemie übernommen. Dabei schlug er zweimal ein Angebot der Universität Harderwijk, Niederlande aus, die ihn 1763 als Nachfolger für Johann Hendrik van Lom (1704–1763) und 1771 für Hendrik van Haastenburg (1724–1769) berufen wollte.[1]
In den Jahren 1774, 1778, 1782, 1786, 1790, 1794, 1798 und 1802 übernahm Nebel das Amt des Dekans der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und wurde in den Jahren 1777, 1793 und 1801 zum Rektor der Universität gewählt. Er war damit der letzte Rektor der Hochschule, bevor ab 1802 im Zuge der Erneuerung der Universität das Rektorat von den Kurfürsten selber und ab 1806 von den Großherzögen von Baden bekleidet wurde.
An der Universität legte Nebel die Grundlage zur Entwicklung der Fachbereiche Klinische Chemie und Pharmakologie. Besondere Aufmerksamkeit erregte er mit der sensationellen Entdeckung eines Lithopädion bei Susanne Stolberg (1675–1767), der Ehefrau eines Heidelberger Gymnasialprofessors, das später als das „Nebelsche Steinkind“ bekannt wurde. Er fasste seine Erkenntnisse darüber in dem Aufsatz foetus ossei per quinquaginta quatuor annos extra uterum in abdomine detenti historia zusammen, den er unter anderem 1770 in den Acta Academiae Theodoro-Palatinae in Mannheim veröffentlichte.[2] Das im Rahmen einer Autopsie post mortem gewonnene seltene Präparat befindet sich im Besitz des pathologischen Instituts der Universität. Daniel Wilhelm Nebel musste seine Experimente in seiner Privatwohnung durchführen. Das noch von Johann Conrad Brunner eingerichtete Laboratorium war in einem desolaten Zustand und konnte, da bereits halb verfallen, nicht mehr genutzt werden.[3]
Für seine Verdienste wurde Nebel in die Pariser Akademie der Wissenschaften und in die Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
Daniel Wilhelm Nebel war in erster Ehe verheiratet mit Maria Christina Hettenbach (1738–1784) und vermählte sich nach ihrem Tod mit deren jüngerer Schwester Catharina Elisabeth Hettenbach (1753–1788). Nachdem die erste Ehe kinderlos geblieben war, bekam er mit Catharina Elisabeth den Sohn Johann Daniel Nebel (1785–1841), der ebenfalls Medizin studierte und später Großherzoglicher badischer Medizinalrat wurde.
Daniel Wilhelm Nebel war unter anderem der Lehrer von Franz Anton Mai (17442 - 1814), einem Heidelberger Hochschullehrer für Geburtshilfe und Rektor der Universität Heidelberg. Im Alter trat Daniel Wilhelm Nebel als Senior der Fakultät, von Krankheiten des Alters geplagt, kaum noch in Erscheinung.[4]
Der Bruder von Franz Anton Mai ist Johannes Wilhelm Mai (* 13. August 1759 in Heidelberg; † 5. April 1827 ebenda) ein deutscher Apotheker.
Johannes Wilhelm Mai kam als Sohn des aus Italien stammenden, kurfürstlichen Schornsteinfegers Maggio und als jüngerer Bruder des Arztes Franz Anton Mai zur Welt. Um 1783 arbeitete er in Paris als Pharmazeut. Über Kindheit und Ausbildung Mais ist wenig bekannt.
1788 erhielt er in Mannheim seine Approbation als Apotheker. Anschließend übernahm er eine Apotheke in Ladenburg. Später war er als Kammerdiener der ersten Frau des Kurfürsten Carl-Theodor tätig. Danach studierte er ab 1794 am „Jardin royal“ in Paris Chemie. Ein Jahr später kehrte er nach Heidelberg zurück und eröffnete eine Apotheke. Auf das Betreiben seines Bruders und Professors für Medizin Franz Anton Mai hin, wurde er außerordentlicher Professor für Pharmazie und Experimentalchemie an der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Nach dem Tod von Georg Adolph Suckow im Jahr 1813 bat Mai um eine Berufung auf dessen Lehrstuhl. Der Senat der Universität Heidelberg konnte sich jedoch nicht dazu entschließen, weil Mai die notwendigen Lateinkenntnisse fehlten und er kein gelehrtes Werk geschrieben habe.[1]
1797 errichtete Mai eine Badeanstalt, in der verschiedene Heilbäder angeboten wurden. 1800 bekam er das Privileg für die Universitäts-Apotheke in Heidelberg erteilt, die er daraufhin errichtete. Im Laboratorium dieser Apotheke hielt Mai experimental-chemische Vorträge für Mediziner und Pharmazeuten. 1822 trat Mai in den Ruhestand. Er war zuvor auch einige Zeit als Universitäts-Chemiker tätig.
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