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- Julius Hoesch wirtschaftete auf seinem Teil des Unteren Hofes erfolgreich, Familie Peltzer arbeitete hingegen unrentabel, denn bereits der Sohn Theodor Peltzers, Johann Peltzer, war gezwungen, am 10. Dezember 1714 seinen Anteil am Unteren Hof an Hermann Krauthoff und seine Frau Elisabeth Lynen zu verpachten. Johann war bei seinem Tod so mittellos, dass sein Schwiegervater Leonhard von Asten die Begräbniskosten übernehmen musste. Am 1. Dezember 1718 wurde der Anteil am Kupferhof der Familie Peltzer versteigert und von Guillaume Schleicher erworben. Dieser übernahm die gesamten Verbindlichkeiten Peltzers sowie die Kosten für den Leichentrunk in Höhe von 24 Reichstaler sowie 34 Albus.
Guillaume Schleicher († 1730) war Bürgermeister von Stolberg und in seine Zeit fiel die Blüte der Stolberger Messingindustrie. Dies erkennt man deutlich am Anstieg der Messingöfen in Stolberg, deren Anzahl von 30 im Jahre 1708 auf 130 – 140 im Jahre 1794 stieg. In dieser Zeit baute Guillaume Schleicher den Kupferhof Unterster Hof aus. So errichtete er das Eingangstor zum Hof und schmückte dieses mit dem Familienwappen. Bei seinem Tod hinterließ er einen Sohn, Leonhard (* 1730). Dieser erweiterte das Gelände des Kupferhofes um 5 ¾ Morgen, eine Wiesenfläche, die er am 16. Januar 1739 von Matthias Hoesch erwarb. Leonhard Schleicher heiratete am 31. Oktober 1724 Margarethe Mechtildis Peltzer und hinterließ bei seinem Tod acht Kinder. Vermutlich führte Leonhards Mutter Anna Katharina die Geschäfte auf dem Kupferhof weiter, da erst nach dem Tod der 81-jährigen Frau am 20. November 1760 die Aufteilung des Erbes erfolgte.
Dokumente belegen, dass durch Los die Aufteilung des Erbes im Wert von 56.168 Reichstalern bestimmt wurde. Die Bestimmung des ersten Loses, das u. a. den Untersten Hof umfasste, lautet: „Primo seyndt in dem ersten Loohs gesetzet der Kupferhof genant Unterster Hof. Haubt und neben Behausung, Stallungen, Kohlenschopp, Ofenshaus, Kupfer und Wörk Kammeren, sambt der diesem geheucht inkorporierten Kupfer und Callmey Mühlen, beide zu diesem Kupferhof gehörige Garten, einer ober dem Haubt Haus in seinen Mauern, der andere aber außer der Pforten, zwischen den Weyeren gelegen, forth Baumgarten, Weyern, Mohndohlhäusgen, Dreckwasch, der sogenannte Weingarts Berg und letztlich der Bendt die Mohlen genannt, 5 ¾ Morgen, alles unter dem Ambt Eschweiler außer, dass der Weingarts Berg und die Mohlen Stolberger Jurisdiktion gelegen.“ Das erste Los, dessen Wert auf ca. 8.000 Reichstaler geschätzt wurde, wobei der Wert des Untersten Hofes bei ca. 3.000 Reichstalern lag, fiel auf Matthias Schleicher. Dieser wirtschaftete sehr erfolgreich, so dass er an seinem Lebensende jeweils 29.482 Reichstaler auf seine fünf Kinder aufteilen konnte.
Am 22. März 1765 verpachtete die Familie Hoesch ihren Anteil am Untersten Hof an Mathias Leonhard Schleicher, den Nachfolger Mathias Schleichers († 6. Dezember 1799), so dass dieser sowohl die früheren östringerschen als auch die Anteile von der Weidens besaß. Dieser Pachtvertrag täuschte jedoch nur eine Pacht vor. In Wirklichkeit war es ein Kauf, da durch diese Vertragsform das damals gebräuchliche Beschüttrecht umgangen werden konnte.
1775 kam es in Stolberg zu verheerenden Überschwemmungen. Um ihre Werke zu schützen, errichteten die Besitzer der besonders gefährdeten Kupferhöfe, darunter Mathias Leonhard Schleicher, ein neues Wehr am Vichtbach. Obwohl die Nutzung und der Unterhalt des Wehrs geregelt wurden, führte dies später zu einer Fülle von Prozessen.
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