| Notizen |
- Tochter Dorothea kümmert sich später, ab 1789, um die Waisenkinder des Johann Heinrich Hen(k)ing und der Christine Louise, Edle von Walzdorf, aus der Nachkommenschaft ihrer Schwester Margaretha Susanne Delph.
Dorothea kannte Lili Schönemann schon als Kind, mochte Goethe und war diejenige, die Ostern 1775 die Zustimmung beiderseitiger Eltern zu Goethes Verlöbnis mit Lili eroberte.
Anna Elisabeth Schönemann (* 23. Juni 1758 in Offenbach am Main; † 6. Mai 1817 in Krautergersheim im Elsass) verh. von Türckheim ging als Goethes Verlobte „Lili“ in die Literaturgeschichte ein.
Lili war die Tochter eines vermögenden Frankfurter Bankiers. Ihre Mutter entstammte der adligen Hugenottenfamilie d’Orville, die gemeinsam mit der Familie Bernard eine Fürstlich Isenburgsche privilegierte Schnupftabakfabrik in Offenbach am Main betrieb. Somit spielte sich ein Großteil der folgenden Liebesgeschichte, die Goethe im 17. Buch seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" ausführlich schildert, in Offenbach am Main ab, das damals als eine ländliche Idylle vor den Toren Frankfurts lag. Goethe hatte die musikalische Sechzehnjährige bei einem Hauskonzert der Familie Schönemann in Frankfurt am Main kennengelernt und sich im Frühjahr 1775 mit ihr verlobt. Beide standen in einem eigenartigen Liebesverhältnis zueinander, welches man ohne große Mühe aus Goethes Gedicht 'Lilis Park' herauslesen kann:
Ist doch keine Menagerie so bunt als meiner Lili ihre!
Sie hat darin die wunderbarsten Tiere
Und kriegt sie 'rein, weiß selbst nicht wie,
Die armen Prinzen allzumal,
In nie gelöschter Liebesqual!
Nun als der Zweck näher heranrückte, wollte es hüben und drüben nicht vollkommen passen (DuW, 17. Buch). Das Verlöbnis ging in die Brüche.
"Ich wäre ein Tor, mich fesseln zu lassen. Dieser Zustand erstickt all meine Kräfte, dieser Zustand raubt mir allen Mut der Seele; er engt mich ein ! Was liegt nicht alles in mir ? Was könnte sich nicht alles entwickeln ? Ich muss fort in die freie Welt." So empfand der unbezwingbare Stürmer und Dränger, und so ließ Goethe den Fernando in "Stella" sagen, jenem Stück, das er im Februar 1776 an seine Ex-Geliebte schickte – nicht ohne eine persönliche Widmung, in der noch immer von unentrinnbarer Liebe die Rede war.
17. Mai 1775: 1. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (mit den Brüdern Grafen Stolberg)
17?.-20. Juli 1775: 2. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (mit den Brüdern Grafen Stolberg)
30. Oktober-4. November 1775: 3. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (bei Delph, Aufbruch nach Weimar)
23. September 1779: 4. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (mit Prinz Carl August von Weimar, auf der Reise nach der Schweiz)
19. Februar 1782: die Schwestern Delph erwerben das Haus Hauptstraße 196 um 1800 fl.
4.-7. August 1793: 5. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (bei seinem Schwager Johann Georg Schlosser)
Johann Georg Schlosser (* 7. Dezember 1739 in Frankfurt am Main; † 17. Oktober 1799 ebenda) war ein deutscher Jurist, Historiker, Übersetzer, Staatsmann, politischer und philosophischer Schriftsteller der Aufklärung; Am 1. November 1773 heiratete er Goethes Schwester Cornelia. Der Schwager Johann Wolfgang von Goethes, setzte sich kritisch mit Immanuel Kant auseinander und war Mitglied der Wiener Freimaurerloge Zur wahren Eintracht.
Vorschlag und Versuch einer Verbesserung des deutschen bürgerlichen Rechts ohne Abschaffung des römischen Gesezbuchs. Leipzig 1777.
Werke:
Ueber Pedanterie und Pedanten, als eine Warnung für die Gelehrten des XVIII. Jahrhunderts. Basel 1787. Mit e. Nachbemerkung hrsg. v. Alexander Košenina. Revonnah Verlag Hannover. ISBN 3-927715-74-3.
Briefe über die Gesezgebung überhaupt, und den Entwurf des preusischen Gesezbuchs insbesondere. Johann Georg Fleischer, Frankfurt 1789
25.-27. August 1797: 6. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (3. Reise von Frankfurt/Main nach der Schweiz)
Vortrag anlässlich der Wiedereröffnung des evangelischen Gemeindehauses am 20. Oktober
2001:
Alexander Ritter
"Wenn ein alter Abendmahlskelch erzählen könnte..." Streifzüge durch die
Geschichte des evangelischen Rhens von 1650-1685
Wenn ein alter Abendmahlskelch erzählen würde, würde er möglicherweise heute von einer
Begebenheit berichten, die beinahe auf den Tag genau 350 Jahre zurückliegt: Wie der Zufall
so spielt, findet sich im letzten reformierten Kirchenbuch der Stadt Rhens, das gemeinsam mit
dem Kelch seinen Weg nach Bad Schwalbach nehmen sollte, folgendes notiert: Rhens, 21.
Sonntag nach Trinitatis, 19. /29. Oktober 1651: "Bis auf diese Zeit haben unsere
Gemeinsleut, nachdem ihnen die Kirche abgenommen worden, eine Zeitlang des
Gottesdienstes entbehren müssen, bis das uns durch Gottes Gnade zugestandene
Religionsexerzitium in unserm Gotteshaus angefangen wurde, und am 19. / 29.10.1651 auch
erste Kinder getauft wurden." (1) Die Parallele zu dem Ereignis, das uns heute, genau 350
Jahre später zusammengeführt hat, ist verblüffend, denn damals wurde das erste evangelische
Gemeindehaus in Rhens eingeweiht. Damals war die Freude über die Einweihung eines
reformierten Kirchhauses jedoch durch den Umstand getrübt, dass die kurfürstliche Regierung
in Bonn den Protestanten erst vor wenigen Monaten den weiteren Gebrauch der
Dionysiuskirche verboten hatte. Wie war es dazu gekommen? Dazu einige kurze
Bemerkungen... Weil die kurkölnische Stadt Rhens bis 1629 an die Landgrafen von Hessen
verpfändet war, hatte man hier schon 1528 die ' Reformation eingeführt. Damit zählte die
Rhenser evangelische Gemeinde zu den ältesten protestantischen Kirchengemeinden am
gesamten Rhein. Nur die Städte Straßburg und Basel hatten die Reformation noch früher
eingeführt als die damals hessischen Orte St. Goar, St. Goarshausen, Braubach und Rhens.
Als Rhens 1629 an Kurköln zurückgegeben wurde, setzte hier eine systematische
Rekatholisierungspolitik ein, die sich weniger gewalttätiger Mittel bediente, sondern einer gut
durchdachten katholischen Mission. So wurden in Rhens die evangelischen Pfarrer durch
katholische ersetzt, Wallfahrten und religiöse Feste veranstaltet, Heiligenbildchen verteilt,
religiöser Unterricht für Kinder und Erwachsene angeboten, Bruderschaften gegründet. Viele
Bürger konvertierten zur katholischen Kirche. Trotzdem konnte der Missionseifer der
Koblenzer Jesuiten die damals bereits 100jährige evangelische Tradition in Rhens nicht
austilgen. Eine calvinisch geprägte evangelische Minderheit konnte sich behaupten. Da
jedoch die Protestanten nach damaliger katholischer Auffassung als Ketzer galten, die durch
ihre Gottesdienste die Pfarrkirche entweiht hatten, kam es 1644 zu einer Neuweihe der alten
Kirche, deren Kosten der Stadtrat nicht decken wollte. Noch 1644 dominierten die
Protestanten den Stadtrat, der sich weigerte, die Auslagen des Weihbischofs zu erstatten. Der
katholische Pfarrer Scheffer erwirkte daraufhin einen kurfürstlichen Befehl, der die Deckung
der Kosten innerhalb einer Frist von 14 Tagen forderte. Nicht lange danach schien Pfarrer
Scheffer schließlich selbst die Konfession gewechselt zu haben. Schon 1645 war er
verheiratet und erfreute sich der Anhängerschaft aller drei Konfessionen. Der Kurfürst ließ
ihn sofort absetzen und berief Bernhard Matthiae als neuen Rhenser Pfarrer. Scheffer war
jedoch nach altem Brauch durch das Kölner Ursulastift berufen worden und argumentierte
nun, das er nach geltender Rechtslage nach wie vor der rechtmäßige Pfarrer von Rhens sei,
weil der Kurfürst ihn nicht absetzen könne. Sein designierter Nachfolger Matthiae war außer
sich und schrieb dem Kurfürsten am 10. Mai 1645 von den Problemen, die ihm Scheffer
bereitete, zumal dieser "[...] mit seiner concubin als ein öffentlich ergernuß mehr destruirt als
zehn gottliebende ehrliche prister erbawen können." Überhaupt habe er "in wahrheits grundt
die tag" seines "lebens keinen solchen menschen gesehen, solches freches unverschempten
gemuths,[...]." Nach einigen Schwierigkeiten erfolgte nun doch Scheffers Absetzung. Er blieb
jedoch bis zu seinem Tod am 31. März 1647 in Rhens wohnen. Im September 1647 besetzten
plötzlich hessische Truppen die Stadt, die die 20 Jahre zuvor erfolgte Rückgabe der Stadt
Rhens an Kurköln und die Einführung des katholischen Glaubens aufgrund formaler Mängel
für nichtig erklärten. Die Hessen setzten neben dem amtierenden Schultheißen Christoph
Leye den Schöffen Nikolaus Weiseler als hessisches Stadtoberhaupt ein. Damit gab es in
Rhens zwei Schultheißen, einen reformierten und einen katholischen, die im Herbst 1647
gemeinsam die Stadtrechnung unterzeichneten. Diese bizarre politische Situation währte bis
zum Einmarsch kölnischer Truppen im Jahr 1650. Schon am 14./ 24. November 1647 wurde
der katholische Schultheiß Christoph Leye auf Befehl des Kommandanten der Festung
Rheinfels seines Amtes enthoben. Er musste Weiseler die Rathausschlüssel übergeben und
schließlich sogar die Stadt verlassen. 1649 wurde auch der katholische Pfarrer Matthiae
abgesetzt. Die hessischen Besatzer beriefen sich hier auf eine Bestimmung des Westfälischen
Friedens, der 1648 verkündet worden war. Dieser sah ein sogenanntes "Normaljahr" vor,
demzufolge der Konfessionsstand und das Kircheneigentum nach dem Stand des Jahres 1624
wiederherzustellen seien. In diesem Jahr befand sich die Rhenser Kirche und das Pfarrhaus
noch in den Händen der Protestanten. Die Bürger waren 1624 evangelisch, allerdings war die
Stadt an Hessen nur pfandweise überlassen. Hessen hätte in Rhens nach katholischer
Auffassung die Reformation überhaupt nicht erst einführen dürfen. Mit der Einsetzung des
reformierten Predigers Ludolphus als Rhenser Pfarrer brach nun in Rhens ein offener
Glaubenskampf aus, der an die Zustände in Nordirland erinnert. So beklagten sich am 2.
Oktober 1649 die Rhenser Katholiken, dass man ihnen die Kirche entrissen und ihnen sogar
verboten habe, den Gottesdienst in den umliegenden Ortschaften zu besuchen. Aus der Feder
des reformierten Pfarrers Ludolphus hört sich die Sache anders an: Am 31. Oktober 1649
schrieb er an den Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels, was sich in den vergangenen
Tagen zugetragen hatte: Nachdem der katholische Pfarrer nach seiner Flucht aus der Stadt
wieder in Rhens aufgetaucht war, sei noch am gleichen Abend ein Stein durch ein Fenster des
reformierten Pfarrhauses geflogen, der den Kopf des evangelischen Pfarrers nur knapp
verfehlt hatte. Am nächsten Tag habe sich der katholische Pfarrer gewaltsam Zutritt zum
Rathaus verschafft, um dort eine Messe zu lesen. Am 3. November drohte der hessische
Amtmann Nordeck, Matthiae, "den gewesenen (!) Meßpriester" innerhalb von drei Tagen der
Stadt zu verweisen, "wenn er nicht still und privatim zu leben" verspreche. Der Kurfürst von
Köln musste nun handeln und schickte den vertriebenen Schultheißen Leye wieder nach
Rhens, damit dieser dort nach dem Rechten sehe. Leye erstattete seinem Herrn am 10.
Dezember 1649 Bericht und empfahl ihm, Rhens mit einer Garnison zu belegen, da Gericht
und Rat fest in protestantischer Hand seien. Dies geschah auch, so dass die Stadt mit dem Jahr
1650 wieder zwei Schultheißen hatte, den Protestanten Weiseler und den Katholiken Leye.
Was bisher durch Seelsorge und Katechese nicht erreicht werden konnte, nämlich die
ausnahmslose Rückführung der Einwohner zum katholischen Glauben, musste nun mit
anderen Mitteln betrieben werden. Mit Unterstützung der kölnischen Garnison waren die
Katholiken schon am 13. Januar 1650 wieder im Besitz des Rathauses, in dem sie auch ihren
Gottesdienst feierten. Die Kirchenschlüssel blieben vorerst in protestantischer Hand. Am 30.
März 1650 schrieb die Landgräfin dem Kurfürsten, dass es zu Handgreiflichkeiten und
Bedrohungen der evangelischen Bürger durch kurfürstliche Soldaten, den katholischen Pfarrer
und den Schultheißen Leye gekommen sei. Soldaten seien in die Kirche eingedrungen. Sie
hätten Türen, Geläut und Altartücher beschädigt sowie den Glöckner verprügelt. Ende Mai
1650 hatten die Rhenser dem Kurfürsten von Köln den Treueid geleistet. Die Stadt war
wieder kölnisch, aber die Respektierung des evangelischen Kirchenwesens auf der Grundlage
des Westfälischen Friedens wurde ausdrücklich zugesagt. Da die Katholiken mittlerweile den
Evangelischen zahlenmäßig überlegen waren, versuchte man, die Kirche simultan, d. h.
gemeinsam zu nutzen, was jedoch an den konfessionellen Reibereien scheiterte. Schon am 14.
April 1650 hatte sich der reformierte Pfarrer Nister bei den hessischen Behörden darüber
beklagt, dass die Rhenser Katholiken in allen kirchlichen wie weltlichen Dingen Vorrechte für
sich beanspruchten. Aufgrund der unterschiedlichen Kalender weigerten sich nämlich die
Protestanten, gemeinsam mit den Katholiken Ostern zu feiern. Am Ostermontag nach
protestantischem Kalender seien die Soldaten beim Läuten der Glocken "dazwischen
gefallen" und hätten die Gläubigen am Kirchgang gehindert. Obwohl es noch zu weiteren
Übergriffen und Drohungen kam, konnten die Protestanten ihre Rechte an der Kirche noch bis
Ende 1650 verteidigen. Im Januar 1651 fiel sie aber auf Betreiben des Schultheißen Leye und
unter Nichtachtung der Normaljahresbestimmung zurück an die katholische Gemeinde. Das
war die Situation vor genau 350 Jahren. In der Folgezeit benutzen die Rhenser Protestanten
ein Privathaus, das ihnen zunächst mietweise überlassen wurde. Dieses Gebäude befand sich
in der Hochstraße an der Stelle des heutigen Hauses "Zum Marienbildchen". 1653 hatte der
damalige evangelische Pfarrer Nister in Köln und in den Niederlanden genug Spenden
gesammelt, um das Gebäude zu kaufen, das in der Folgezeit zu einer kleinen Kirche mit
Kanzel und Bänken ausgebaut wurde. Möglicherweise wurde von dem übrigen Geld der
Kelch erworben, den wir heute hier ausstellen können. Die Gewalttätigkeiten gegen die
protestantische Minderheit sollten jedoch noch kein Ende nehmen. Man kann dies nicht
gutheißen, aber mit Blick auf die harte Hand der hessischen Besatzung von 1647 bis 1650
zumindest nachvollziehen. Als die Protestanten im Jahre 1655 zu ihrem Gottesdiensthaus
noch ein Pfarrhaus dazukauften, sah der Rhenser Stadtschultheiß Leye sein Vorkaufsrecht
übergangen und beanspruchte eines der Häuser für sich. Als Pfarrer Nister verreist war, ließ
Leye das Pfarrhaus besetzen und die Familie des Pfarrers vor die Türe setzen. Zwei Tage
später ließ Nister seine Habseligkeiten wieder ins Pfarrhaus bringen und verkaufte pro forma
das Kirchhaus an den reformierten Bürger Heinrich Kerp. Einige Tage später ließ Schultheiß
Leye die Türe des Kirchhauses durch einen - so wörtlich - durch Wein erhitzten katholischen
Haufen gewaltsam öffnen. Allerdings konnte Nister durch eine Klage bei der kölnischen
Regierung die Übergriffe zunächst beenden. 1656 hatte man Pfarrer Nister eine neue Stelle in
Hanau angeboten. Als im November des gleichen Jahres ein Pfarrer namens Schenk die
Rhenser Pfarrstelle übernehmen sollte, hätten ihm "die Papisten [...] die Pforte vor der Nase
zugeschlagen" und ihn nicht eingelassen, "wiewohl er drei Stunden davor gestanden". Als
Nister den Schultheißen bat, den Mann doch als Privatperson in der Stadt übernachten zu
lassen, präsentierte ihm das Stadtoberhaupt einen kurfürstlichen Befehl vom 9. November
1656, demzufolge kein reformierter Prediger in die Stadt zu lassen sei. Schließlich reichte
man Schenk eine Laterne zu einem anderen Tor heraus. Mit dieser musste er in der
Dunkelheit zu einem Nachbardorf laufen, um am nächsten Morgen von dort aus nach St. Goar
zurückzureisen. Nister musste noch bis 1657 in Rhens bleiben. Als sich 1678 Maria
Susannne Moda von Rhens mit dem ebenfalls protestantischen Christoph Schmidt von
Bacharach verlobte und in Rhens niederlassen wollte, schalteten sich die kurkölnischen
Behörden ein und verwiesen darauf, dass man zwar das reformierte Religionsexerzitium
zugestanden, nicht aber den Zuzug weiterer Protestanten gestattet hatte. Der Zuzug von
Protestanten war vermutlich schon 1651 verboten worden, man setzte sich aber darüber
hinweg, denn am 7. / 17. September 1678 wurden Christoph Schmidt und seine Frau in Rhens
getraut und ließen sich dort nieder. Diese Angelegenheit zeigt, dass es trotz der
Religionsstreitigkeiten zwischen 1647 und 1657 noch nachbarschaftliche und
verwandtschaftliche Bande zwischen katholischen und evangelischen Rhensern gab. 1679
ließ der Kurfürst deutlich durchblicken, dass er schon seit geraumer Zeit die Auswanderung
aller noch in der Stadt verbliebenen Evangelischen betreibe und schrieb dem Landgrafen Karl
von Hessen-Kassel, dass "keine Regierung im Reich gern andere Religionsangehörige in
ihrem Territorium gestatte" und "dass die letzten Andersgläubigen nur noch bis zum 1. Mai
1680 in Rhens bleiben könnten." Bis zu diesem Zeitpunkt "sollten sie ihren Besitz veräußern
können". Infolge dieses Erlasses zogen angeblich acht evangelische Familien mit ihrer Habe
von Rhens fort. Mittlerweile wohnten nur noch vier evangelische Familien mit ihrem Pfarrer
in Rhens. Das Jahr 1685 brachte das endgültige Ende der evangelischen Gemeinde. Der
amtierende reformierte Pfarrer Delph (1674-85) wurde der Schmähung beschuldigt.
Angeblich hatte er katholische Feiertage durch das Binden von Büchern entheiligt und den
katholischen Pfarrer sowie die Sendschöffen beleidigt. Zur gleichen Zeit forderten die
kölnischen Behörden den Schultheißen auf, "die Auswanderung (der Evangelischen) bei 100
Gulden Strafe anzuordnen" und bei Weigerung "die zwangsweise Fortschaffung der
Protestanten mit Militärgewalt zu vollziehen". Nachdem ein Gnadengesuch des Pfarrers
Delph am 16. Februar 1685 abgelehnt worden war, verließ auch er die Stadt. Mit sich nahm er
das letzte Kirchenbuch der Rhenser reformierten Gemeinde und ihren Abendmahlskelch, den
wir heute hier zeigen können. Aus dem Kirchhaus der Protestanten wurden Kanzel und die
Bänke entfernt, um jedes äußerliche Zeichen eines evangelischen Kirchenwesens zu tilgen.
Da es jedoch den Landgrafen von Hessen gehörte, konnte die Stadtverwaltung es nicht
einfach einziehen. Es wurde an einen Schmied vermietet und brannte 1698 ab. Damals wurde
Brandstiftung vermutet. Das evangelische Pfarrhaus wurde der katholischen Kirche
übertragen - als Ersatz für die Bilder und Kultgeräte der Dionysiuskirche, die nach
Einführung der Reformation von den Protestanten zerstört bzw. verkauft worden waren. Auf
den Wunsch der Landgrafen von Hessen-Kassel gründete Pfarrer Delph in Kemel/Taunus eine
evangelisch-reformierte Gemeinde, die später ihren Pfarrsitz in Bad Schwalbach hatte. Aus
dem übrigen veräußerten Grundbesitz der Rhenser Evangelischen Gemeinde wurde dieser
Umzug finanziert. Nur eine evangelische Familie folgte ihrem Pfarrer nach Schwalbach. Alle
anderen waren vorher nach Bendorf, Neuwied und Braubach gezogen. Die Mehrheit der
Rhenser Protestanten war jedoch katholisch geworden. Sie behielten sogar ihre städtischen
Ämter und einer von ihnen, Johann David Dreis, wurde sogar Oberbürgermeister von Rhens.
Der Abendmahlskelch der ehemaligen Evangelischen Gemeinde zu Rhens ist an diesem Tag
und Ort das älteste stadtgeschichtliche Exponat dieser Art. Alle Einrichtungsgegenstände der
Dionysiuskirche stammen aus dem 18. Jahrhundert, denn die ursprüngliche Ausstattung
wurde, als Rhens noch mehrheitlich evangelisch war, verkauft oder zerstört. Deshalb und
gerade in diesen Tagen, wo wir mit ansehen müssen, wie religiöser Fanatismus zum
Nährboden für Terrorismus wird, gewinnt dieser Kelch eine mehrdimensionale hochaktuelle
Bedeutung: Nach nunmehr 316 Jahren kehrt er zum ersten Mal an den Ort seiner Herkunft
zurück, als Mahnung zu mehr religiöser Toleranz, als Symbol christlicher Nächstenliebe
und als vorläufiges Ende einer Geschichte, die in dem wenig erfreulichen Jahr 1653 begann.
Dieser bedeutungsvolle Kelch gehört heute der Evangelischen Kirchengemeinde Bad
Schwalbach. Die Evangelische Küchengemeinde Rhens möchte eine Replik anfertigen lassen,
die als ein Zeichen gelebter Ökumene auch der katholischen Kirchengemeinde zur Eucharistie
dienen soll. Diese Zweitanfertigung des Kelches soll aus Spendenmitteln geschehen.
Voreingeholte Kostenschätzungen ergeben eine Summe von höchstens DM 10.000,-. Spenden
sind willkommen auf dem Konto der Evang. Kirchengemeinde Koblenz-Mitte: Sparkasse
Koblenz Konto 4002, BLZ 570 501 20 Stichwort: "Rhenser Kelch"
(1) Aus Platzgründen wurde auf den Nachweis der verwendeten Quellen und Literatur
verzichtet. Zitate sind der besseren Lesbarkeit wegen der heutigen Orthographie angenähert.
Weitere Informationen zur Rhenser Geschichte finden Sie unter www.geschichte
entdecken.de
© Geschichte-entdecken, A. Ritter, Am Hemel 4, 55124 Mainz
Die Reformationskirche in Bad Schwalbach
im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis ist eine evangelische Kirche, die von 1729 bis 1740 von den aus Rhens am Rhein zugewanderten reformierten Christen gebaut wurde.
Die Reformationskirche entstand auf Veranlassung des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, der seit 1685 protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem Königreich Frankreich, sogenannte Hugenotten, zur Ansiedlung einlud. Die Rechtsgrundlage dafür bot ihm der Regensburger Vertrag von 1654, der sowohl Lutheranern und Reformierten als auch Katholiken freie Religionsausübung in Bad Schwalbach gewährte. Langenschwalbach, wie Bad Schwalbach damals hieß, stand seit dem Westfälischen Frieden von 1648 unter der Herrschaft der hessen-kasselischen Sekundogenitur Hessen-Rheinfels, in deren Territorium Landgraf Karl so genannte Reservatrechte ausübte, die sich auch auf das Religionswesen erstreckten.
So kamen 1685 auch einige reformierte Familien mit ihrem Pfarrer Johann Bernhard Delph (1637 - 1723) in den Vordertaunus, die der Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich in Rhens am Rhein ausgewiesen hatte. Ihnen wurde zunächst der benachbarte Ort Kemel als Wohnsitz zugewiesen. Doch schon bald zeigte sich, dass Kemel als Mittelpunkt einer reformierten Gemeinde ungünstig gelegen war, zumal sich immer häufiger auch reformierte Kurgäste in Langenschwalbach aufhielten. Deshalb erwarb Pfarrer Delph 1687 den Langenschwalbacher Erlenhof, den er als reformiertes Pfarramt führte. Für Gottesdienste stellte man der reformierten Gemeinde, wie auch an anderen Orten der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, die evangelisch-lutherische Pfarrkirche zur Verfügung. Die gemeinsame Nutzung der Pfarrkirche sorgte immer wieder für Auseinandersetzungen, die 1724 darin mündeten, dass die Lutheraner den Reformierten am 2. Weihnachtsfeiertag das Betreten der Kirche zu einem Abendmahlsgottesdienst schlichtweg verweigerten, so dass mehr als 50 Langenschwalbacher und 250 auswärtige Reformierte kurzerhand auf ein Privathaus ausweichen mussten.[1][2]
Nachdem 1723 Johann Heinrich Delph das Pfarramt von seinem Vater übernommen hatte, wurde 1729 der Grundstein der Reformationskirche gelegt. Trotz beträchtlicher Spenden von reformierten Christen aus dem In- und Ausland schritt der Bau jedoch nur langsam voran, so dass die Kirche erst 1740 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Der Dachreiter mit den beiden Glocken kam sogar erst 1749 hinzu. Mit der Idsteiner Union von 1817 wurden die beiden evangelischen Kirchengemeinden zu einer einzigen vereinigt. Der an der Kirche gelegene reformierte Friedhof wurde aufgegeben. In den Jahren 2001 bis 2005 wurde die Kirche saniert und in ein modernes Gemeindezentrum umgebaut.[3]
Hier wird auch der aus dem Nachlass von Pfarrer Delph stammende Abendmahlskelch der Rhenser Exulanten präsentiert, den der Mainzer Historiker Alexander Ritter 1999 im Archivschrank des ehemaligen Pfarrhauses wiederaufgefunden hat. 2002 wurde zur Erinnerung an die schweren Konfessionskämpfe in Rhens ein Replikat dieses Kelches angefertigt, das evangelische und katholische Christen aus Rhens in einer mehrtägigen Wanderung symbolisch von Bad Schwalbach zurück nach Rhens trugen. Diese originalgetreue Nachbildung des historischen Kelches dient seither der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Rhens zum gemeinsamen Gebrauch bei der Feier des Abendmahls bzw. der Eucharistie.
2001 wurde im Bad Schwalbacher Pfarrarchiv der Abendmahlskelch der 1685 nach Bad Schwalbach emigrierten Rhenser Calvinisten entdeckt und damit 2002 die Herstellung einer originalgetreuen Kopie dieses Kelches zum „ökumenischen Gebrauch“ in beiden Rhenser Kirchengemeinden veranlasst.
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