| Quellen |
- Heidelberger Geschichtsverein e.V. http://www.s197410804.online.de/Personen/Delph.htm
Erwin Ackerknecht, Heidelberg im Leben Goethes. Heidelberg 1949
Goethe, Dichtung und Wahrheit
Goethe und Heidelberg. Unter Mitarbeit von Richard Benz ... hg. von der Direktion des Kurpfälzischen Museums. Heidelberg 1949
Maximilian Huffschmid, Goethes Heidelberger Freundin Dorothea Delph und ihre Angehörigen, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg X, S. 130-136, XI (1924), S. 145-296
Hans Christoph Schöll, Die „politica Delphin“, in: Goethe und Heidelberg (hg. von der Direktion des Kurpfälzischen Museums), Heidelberg 1949, S. 68-81
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/fachref/gesch/Gesch_Erg/Baden_Goethe.htm (Universitätsbibliothek Heidelberg)
http://ora-web.swkk.de:7777/goe_reg_online/regest.vollanzeige1?id=5805 (Brief der Delph an Goethe von 1803)
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Delph
https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/wlbblb_personen/1012182320/Delph+Helene+Dorothea
https://gedbas.genealogy.net/person/ancestors/1149095964
Ilona Scheidle: Die Handelsjungfer. In: Ilona Scheidle: Heidelbergerinnen, die Geschichte schrieben. München 2006.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Delph
https://de.wikipedia.org/wiki/Lili_Sch%C3%B6nemann
http://www.s197410804.online.de/Personen/Delph.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Catharina_Elisabeth_Goethe
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_August_(Sachsen-Weimar-Eisenach)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aus_meinem_Leben._Dichtung_und_Wahrheit
Hans Christoph Schöll: Die „politica Delphin“, in: Goethe und Heidelberg, herausgegeben von der Direktion des Kurpfälzischen Museums, Heidelberg 1949
Ilona Scheidle: Die Handelsjungfer. In: Ilona Scheidle: Heidelbergerinnen, die Geschichte schrieben. München 2006.
In diesem wunderlichen Zustande, dergleichen doch auch mancher peinlich empfunden haben mag, kam uns eine Hausfreundin zu Hülfe, welche die sämtlichen Bezüge der Personen und Zustände sehr wohl durchsah. Man nannte sie Demoiselle Delph, sie stand mit ihrer ältern Schwester einem kleinen Handelshaus in Heidelberg vor und war der größern Frankfurter Wechselhandlung bei verschiedenen Vorfällen vielen Dank schuldig geworden. Sie kannte und liebte Lili von Jugend auf; es war eine eigne Person, ernsten männlichen Ansehns und gleichen derben, hastigen Schrittes vor sich hin. Sie hatte sich in die Welt besonders zu fügen Ursache gehabt und kannte sie daher wenigstens in gewissem Sinne. Man konnte sie nicht intrigant nennen, sie konnte den Verhältnissen lange zusehen und ihre Absichten stille mit sich[108] forttragen; dann aber hatte sie die Gabe, die Gelegenheit zu ersehen, und wenn sie die Gesinnungen der Personen zwischen Zweifel und Entschluß schwanken sah, wenn alles auf Entschiedenheit ankam, so wußte sie eine solche Kraft der Charaktertüchtigkeit einzusetzen, daß es ihr nicht leicht mißlang, ihr Vorhaben auszuführen. Eigentlich hatte sie keine egoistischen Zwecke; etwas getan, etwas vollbracht, besonders eine Heirat gestiftet zu haben, war ihr schon Belohnung. Unsern Zustand hatte sie längst durchblickt, bei wiederholtem Hiersein durchforscht, so daß sie sich endlich überzeugte, diese Neigung sei zu begünstigen, diese Vorsätze, redlich aber nicht genugsam verfolgt und angegriffen, müßten unterstützt und dieser kleine Roman fördersamst abgeschlossen werden.
Seit vielen Jahren hatte sie das Vertrauen von Lilis Mutter; in meinem Hause durch mich eingeführt, hatte sie sich den Eltern angenehm zu machen gewußt; denn gerade dieses barsche Wesen ist in einer Reichsstadt nicht widerwärtig und, mit Verstand im Hintergrunde, sogar willkommen. Sie kannte sehr wohl unsre Wünsche, unsre Hoffnungen, ihre Lust zu wirken sah darin einen Auftrag; kurz, sie unterhandelte mit den Eltern. Wie sie es begonnen, wie sie die Schwierigkeiten, die sich ihr entgegen stellen mochten, beseitigt, – genug, sie tritt eines Abends zu uns und bringt die Einwilligung. »Gebt euch die Hände!« rief sie, mit ihrem pathetisch gebieterischen Wesen. Ich stand gegen Lili über und reichte meine Hand dar, sie legte die ihre, zwar nicht zaudernd, aber doch langsam, hinein, nach einem tiefen Atemholen fielen wir einander lebhaft in die Arme.
Es war ein seltsamer Beschluß des hohen über uns Waltenden, daß ich in dem Verlaufe meines wundersamen Lebensganges doch auch erfahren sollte, wie es einem Bräutigam zu Mute sei.
Ich darf wohl sagen, daß es für einen gesitteten Mann die angenehmste aller Erinnerungen sei; es ist erfreulich, sich jene Gefühle zu wiederholen, die sich schwer aussprechen und kaum erklären lassen. Der vorhergehende Zustand ist durchaus verändert; die schroffsten Gegensätze sind gehoben, der hartnäckigste Zwiespalt geschlichtet; die vordringliche[109] Natur, die ewig warnende Vernunft, die tyrannisierenden Triebe, das verständige Gesetz, welche sonst in immerwährendem Zwist uns bestritten, alle diese treten nunmehr in freundlicher Einigkeit heran, und bei allgemein gefeiertem frommem Feste wird das Verbotene gefordert und das Verpönte zur unerläßlichen Pflicht erhoben.
Mit sittlichem Beifall aber wird man vernehmen, daß von dem Augenblick an eine gewisse Sinnesveränderung in mir vorging; war sie mir bisher schön, anmutig, anziehend vorgekommen, so erschien sie mir nun als würdig und bedeutend. Sie war eine doppelte Person, ihre Anmut und Liebenswürdigkeit gehörten mein, das fühlt' ich wie sonst, aber der Wert ihres Charakters, die Sicherheit in sich selbst, ihre Zuverlässigkeit in allem, das blieb ihr eigen; ich schaute es, ich durchblickte es und freute mich dessen als eines Kapitals, von dem ich zeitlebens die Zinsen mitzugenießen hätte.
Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 10, Hamburg 1948 ff, S. 93-120.
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