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- Ich erfuhr, daß Oskar Krämer erden mußte (Kaufmann in "Wädenschwyl"), daß er sich aber auch in dieser Verwandlung selbst geholfen, wozu er erfahren genug war. In Vielem ist eine tüchtige Hausfrau seine Stütze, wie sie jedem Ehemann zu wünschen ist.
Lebensbilder Karl Heinrich FErdinand Henking S. 159
Oskar Henking
wurde am 08. Januar 1823 in der Blumenegg bei goldach geboren, wo sein Vater, Heinrich Henking, ein überaus rühriger und unternehmenslustiger Mann, eine Fabrik betrieb. Seine Mutter war Adriane Wilhelmine Hettenbach von St. Gallen. Oskar war das drittälteste Kind einer sehr kinderreichen Familie. aus dieser ersten Ehe seines Vaters stammten nicht weniger als 18 Kinder und auch eine zweite Ehe, die sein Vater in wien einging, war mit zahlreichen Kindern gesegnet. Oskar Henking ist diesen Geschwistern die er fast alle überlebt hat, ein treuer und liebevoller Bruder gewesen.
Der sehr tätige und aufgeweckte Knabe fand zunächst Arbeit in der väterlichen Fabrik. 1838 wurde er in der Linsebühlkirche zu St. Gallen, wo er als Knabe jeden Sonntag von Goldach her die Kinderlehre besucht hatte, konfirmiert. Er blieb während seines ganzen Lebens ein kirchlich gesinnter Mann, ein fleißiger Besucher des sonntäglichen Gottesdienstes, aber ein Feind jeder zur Schau getragenen Frömmigkeit.
Nachdem sich der Jüngling eine Zeit lang bei einem Landwirt im Kanton Thurgau aufgehalten und dort die Landwirtschaft gelernt hatte, machte er eine treffliche kaufmännische Lehre in einem gross St.- Galler Konolialgeschäft durch und fand darauf Anstellung in einem Seidengeschäft in Wädenswil, wo er sich im Jahre 1850 mit Anna Fehr von Zürich vermählte. Der Ehe entstammte eine einzige Tochter, die im Jahre 1874 die Gattin von Thomas Casparis in Zürich wurde und ihren Vater mit zwei Enkelinnen erfreute, aber schon im Jahre 1877 durch ihren frühen Tod eine überaus schmerzliche Lücke im trauten Züricher Familienkreise zurückliess.
Oskar Henking war ein mustergültiger Gatte und Vater, sein Familienleben ein sehr glückliches, bis ihm im Jahre 1875 seine treue Gattin entrissen wurde.
Er hatte einige Jahre nach seiner Verheirtung in Zürich ein eigenes Geschäft angefangen und noch im seinem hohen Alter wusste er mit köstlichem Humor von seinen Geschäftsreisen, die er noch mit Pferd und Wagen durch die ganze Schweiz unternahm, zu erzählen.
Zu Anfang der Siebziger Jahre trt er von seinem GEschäfte zurück. Er hatte seit jeher eine grosse Neigung, seine Kräfte in uneigennützigster Weie öfffentlichen und gemeinnützigen Bestrebungen zu widmen. Viele Jahre leistete er der Gemeinde Hottingen die wertvollstgen Dienste im Amte des Friedensrichters, zu welchem er sich durch seinen Rechtssinn, durch sein praktisches Wesen, durch seine vielseitige Erfahrung und vor allem durch die bewunderungswürdige GAbe, mit Menschen verschiedenster Lebenshaltungen zu verkehren und...
...zur rechten Zeit das rechte Wort zu finden, vortrefflich eignete. Eine Zeitlang war er auc Mitglied des Gemeinderates Hottingen und der Kirchenpfleger Neumünster. Daneben war er eines der tätigsten Mitglieder der gemeinnützigen Gesellschaft des Wahlkreises Nneumünster und des Aktienbauvereins Zürich. Eine grosse Anzahl von Einfamilien- und grösseren Häusern sind unter seiner Leitung entstanden. Für das Bauen hatte er immer eine grosse Vorliebe und seine kaufmännischen Kenntnisse trugen auch dazu bei, diese gemeinnützigen Bauunternehmungen gedeihen zu lassen. Auch an den Bestrebungen des Hausindustrievereins zur Beförderung einer lohnenden Hausindustrie nahm er hervorragenden Anteil. Bei der Cholera-Epidemie des Jahres 1867 in Zürich zeichnete er sich als Mitglied der Kommissionen durch seinen persönlichen Mut aus.
Im Jahre 1876 verheiratete er sich in zweiter ehe mit Frau Sabine Henking, geborene Rheiner von St. Gallen, der Witwe eines frühverstorbenen Bruders, einer feinsinnigen Frau, die ihm bis zum Jahre 1908 als treue Lebensgefärtin zur Seite stand. Den Sohn, den sie ihm in die Ehe brachte, schloss er mit wahrhaft väterlicher Liebe in sein Herz ein. Im Jahre 1883 siedelte er nach Arbon über, in die Gegenden, in denen er seine Jugendzeit zugebracht hatte und für die er immer eine grosse Liebe bewahrt hatte. Auch da beteiligte er sich an gemeinnützigen Unternehmungen, gründete nach dem Muster von Zürich einen Aktienbauverein, der zahlreiche Familien zu einem schönen, gesunden Heim verholfen hat. Auch bei dem Bau des Krankenhauses und des Schulhauses an der Rebenstrasse war er mit seinem guten Rat und seiner reichen Erfahrung tätig. Da er auch ein warmes Herz für alle Bedürftigen und Notleidenden hatte, nahm er sich auch eifrig der Armenpflege an im Sinne einer wohl organisierten , zielbewussten Wohltätigkeit.
Sein freundliches haus an der Rebenstrasse wurde bald der Sammelplatz seiner weitverbreiteten, zahlreichen Familie. Von allen Seiten, auch von Amerika, trafen die Familienmitglieder zum Besuche ein und sie fanden bei dem hochverehrten Senior der Familie stets die gastfreundlichste Aufnahme. Bis ins hohe alter hinein erfreute er sich einer rüstigen Gesundheit. Erst nach dem Tod seiner zweiten Gattin im Jahre 1908 machten sich die Altersbeschwerden mehr und mehr geltend und die zunehmende, körperliche Schwäche fesselte ihn in den letzten Jahren seines Lebens ans haus, doch blieb sein Geist bis in die letzten Wochen vor seinem Tode lebhaft. Er beschäftigete sich in regem Interesse mit dem Wohl und Wehe seiner näheren und entfernteren Familienmitglieder, mit den Vorgängen im engern und weitern Vaterlande.
Seit einem Jahr trat ein von Woche zu Woche zunehmender Verfall der Kräfte de Greises ein. In den letzten 8 Wochen konnte er das Bett nicht mehr vedrlassen. In treuer Pflege einer, während 26 Jahren im dienste der Familie erpürobten dienerin sah er seinem Ende entgegen, das der todesmatte Erdenpilger herbeisehnte. Alle Beschweerden und Leiden seiones Zustandes trug er mit bewundernswürdiger Geduld und sein herzerquickender Humor verliess ihn nicht bis zu den letzten Lebenstagen.
Am 29. Dezember 1913, vormittags um 11 4/4 Uhr wurde er durch einen sanften Tod von seinen Leiden erlöst. Er errreichte das hohe Alter von 90 Jahren, 9 Monaten und 21 Tagen.
Allen, die ihn gekannt haben wird er in unvergesslicher Erinnerung bleiben.
August Oscar Henking Lebenslauf, verfasst von Steif-Sohn Dr. Karl Heinrich Henking, Schaffhausen
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